Woran hängt mein Herz? Gott sorgt für mich. Geben ist eine Form der Dankbarkeit

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Erntedankfest 5./6.10.2013, Matthäus 6, 19-23

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten …

Unser Schriftwort für die Predigt ist heute ein Abschnitt aus der Bergpredigt, Matthäus 6,19-23:

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.
Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, die nie ihren Wert verlieren und die kein Dieb mitnehmen kann.
Wo nämlich dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn deine Augen rein sind, wird dein ganzer Leib Licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Hast du aber Gott aus den Augen verloren, wie schrecklich wird dann deine Finsternis sein.

Ein Tourist besichtigte ein Kloster. Die Klosterzellen waren nur ganz spärlich ausgestatte. Ein Bett, ein Tisch ein Stuhl. Der Tourist fragte etwas spöttisch: Wo haben Sie denn Ihre ganzen Möbel? Aber der Mönch war nicht auf den Mund gefallen und fragte zurück: Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“

„Na hören Sie mal“, antwortet der, „ich bin doch hier nur auf der Durchreise!“ „Wir auch!“ antwortet der Mönch.

Hier in dieser Welt sind wir alle auf der Durchreise, da brauchen wir gar nicht so viele Schätze. Im Himmel wollen wir einmal bleiben. Gut, wenn wir da Schätze haben.

Jeder Mensch hat Schätze, an denen sein Herz hängt, vor allem Geld und Reichtum sind sehr begehrt. Meine Musiksammlung, meine Kleider, meine Bücher, meine Filme meine Spiele, mein I-phone … Dieses Schätze sammeln kommt von dem Drang in uns, etwas zu besitzen. Man möchte etwas nur für sich haben, über etwas bestimmen und verfügen; man leitet Macht, Einfluss und Sicherheit davon ab.

Oft haben bereits Jugendliche große Sammlungen von irgendetwas. Für Ältere ist es dann das Haus, das sie sich gebaut haben, Geld oder eine Münzsammlung. Manche sammeln altes Spielzeug oder Porzellanfiguren, Teller oder alte Uhren.

An diesen Dingen hängt dann das Herz, das ist einem wichtig und man kennt alle Details, technische Daten, Baujahr, Leistung usw. Das kann ein Auto sein, ein Oldtimer, eine Harley oder eine Vespa. Es kann auch eine Serie, eine Soap, eine bestimmte Sendung sein, die man unter keinen Umständen verpassen darf; ein Computerspiel. Das hat den ersten Platz im Leben, der eigentlich Gott gehört. Das nimmt das Denken gefangen, darum dreht sich das ganze Leben.

Neuerdings sind es auch soziale Netzwerke. Facebook und Co. Ich muss immer erreichbar sein, immer alle Einträge lesen, alles „posten“. An meinem Smartphone hängt mein Herz und es ist fast unvorstellbar, es einmal nicht in der Nähe zu haben. Immerzu muss ich daran denken.

Manchmal ist es auch ein Tier oder ein Mensch, an dem das Herz hängt wie an einem Schatz. Ohne meinen Hund, ohne diesen Menschen verliert mein Leben seinen Sinn und seinen Inhalt. Wenn das geschieht, wird der Hund oder die Katze oder dieser Mensch zum Götzen. Zum Ersatz Gottes. Für Gott bleibt dann kein Platz mehr, keine Zeit, keine Liebe

Von solchen Schätzen, die wir um uns sammeln oder die wir hegen und pflegen geht eine Macht aus. Davor warnt der Herr Jesus hier. Auch von Hobbys, dem Garten oder vom Sport den man intensiv betreibt kann eine Macht ausgehen. Alle Gespräche drehen sich darum, alle Gedanken. Meine Lebensplanung, meine Zeitplanung, meine Urlaubsplanung.

Der Teufel benutzt diese Dinge, um uns gefangen zu nehmen und abhängig zu machen und letzten Endes, um uns von Gott und dem Glauben wegzubringen.

Geld übt einen besonders starken Reiz aus. (Lotto & co.) Wer Geld hat, fühlt sich sicher. Der Gott Geld hat von alters her den Namen Mammon. Alles dreht sich darum. Wer etwas besitzt, der ist häufig davon besessen. Es besitzt ihn. Das verändert einen. So wie der Glaube einen auch verändert. Der Glaube macht den Blick offen. Die Verbindung mit Jesus macht den Blick hell. Alles andere, was einen besitzt, trübt den Blick für die Schätze des Himmels und macht finster.

Vor einiger Zeit habe ich die Meldung bekommen, dass ein ehemaliger Konfirmand und seine Mutter aus der Kirche ausgetreten sind. Als ich die Mutter kurz darauf zufällig traf, sprach ich sie darauf an. Es war ihr sichtlich unangenehm: Sie sagte: Mit meinem Glauben hat das nichts zu tun. Das war nur wegen dem Geld, wegen der Kirchensteuer… Meinen Sie dass das geht. Wird Gott Verständnis dafür haben, wenn es „nur wegen der Kirchensteuer“ war. Manchmal rechtfertigen sich Ausgetretene auch dafür und sagen: Außerdem gab es da neulich eine Entscheidung oder eine Verlautbarung der Kirche, mit der ich nicht einverstanden war. Oder die Kirche, manchmal ist es nicht einmal die eigene, hat für einen Zweck Geld eingesetzt, der einem nicht gepasst hat.

Kirchenaustritt kann nur der allerletzte Schritt sein und ist vor Gott eigentlich nur durch massive Bekenntnis- und Lehrabweichungen zu rechtfertigen. Sonst kann da doch kein Segen drauf liegen. Für so viel anderes hatten viele, wegen der Kirchensteuer Ausgetretene, Geld übrig. Nur nicht für die Kirche, nicht für Gott.


Bei den Wertigkeiten in unserem Leben heißt es langfristig denken. Ein kurzfristiger finanzieller Vorteil kann langfristig schwerwiegende Folgen haben. Auch viele Konfirmanden haben sich falsch entschieden. Zuerst haben sie sich, auch wenn sie es nicht zugeben, wegen des Geldes und der Geschenke konfirmieren lassen, dann sind sie wegen des Geldes aus der Kirche ausgetreten. Schätze sammeln und sie behalten wollen um jeden Preis, auch um den Preis der Seligkeit?

Am Geiz sind schon viele hängen geblieben. Vieles, was vor Gott nicht recht ist geschieht aus Geiz. Man will nicht teilen, nichts abgeben, alles für sich haben. Sie glauben gar nicht, was wir schon für alte ungültige und wertlose Münzen in unseren Klingelbeuteln und Kollektenbüchsen hatten! Alte Schillinge aus Österreich oder Lire aus Italien. DDR-Geld und Ostblockmünzen, die alle nichts wert sind. Da waren Gottesdienstbesucher zu geizig um mal einen Euro zu opfern. – Und für anderes sitzt das Geld oft so locker. Meinen Sie, dass Gott das gut findet? In der alten Kirche galt der Geiz als eine der 7 Todsünden. Darf ich mal eine indiskrete Frage stellen? – Sind Sie geizig? – Wenn man so fragt, sagt kaum jemand ja. Vielleicht sagt man: Geizig bin ich nicht, ich bin nur sparsam.

Die Gier nach Geld und die Sünde Geiz verlieren sich auch nicht mit dem Alter. Es gibt alte Leute, denen es finanziell nicht schlecht geht, aber sie waren ihr Leben lang geizig und können nichts hergeben. Häufig leben sie ganz bescheiden in alten verschlissenen Kleidern – und auf der Bank oder im Schrank liegt das Geld. – Wenn der Tod kommt, dann nimmt er dir einmal auch das Letzte. „Wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?“ fragt Jesus im Evangelium des Erntedankfestes, in der Geschichte vom reichen Kornbauern. Was jemand vorher freiwillig hergibt, wird ihm zum Segen.

Es gibt auch noch eine andere Form des Geizes, die gefährlich und weit verbreitet ist: Der Ehrgeiz. Wer ehrgeizig ist, strebt Ehre an, geizig nach Ehre. Sind wir nicht alle irgendwie ehrgeizig, – ehrsüchtig? Wir wollen anerkannt gelobt, geliebt, geehrt werden. Wir wollen die Besten, die Größten, die Tollsten sein. Es gibt eine gemäßigte Form des Ehrgeizes, wenn jemand sich anstrengt und etwas schaffen will, seine Möglichkeiten und Talente nutzt. Das ist nicht gemeint. Es geht um etwas anderes: Manchen frisst der Ehrgeiz auf, macht ihn kaputt. Alles muss perfekt sein. Ein junger Mann sagte zu mir: Ich halte es nicht aus, wenn andere besser sind als ich.

Viele rühmen sich auch immer ihrer Beziehungen. Andauernd lassen sie einen wissen, wen sie alles kennen, an einflussreichen Leuten. Man gibt an mit dem Verwandten, der in der Regierung ist oder mit der Schulfreundin, die in der großen Firma einen hohen Posten hat. Man rühmt sich einflussreicher Freunde. Ist das nicht auch ein „Schätze sammeln“? Die Bibel sagt: Verlass dich nicht auf Menschen! Wenn du das tust, kannst du bitter enttäuscht werden. Verlass dich lieber auf den Herrn! Mach es heute neu aus mit ihm: Herr, ich will mich ganz auf dich verlassen! Ich will ganz mit dir gehen!

Es gibt auch einen unguten Ehrgeiz Gott gegenüber. Wenn man einen Fehler macht, sich falsch verhält, gegen Gebote verstößt, dann sind wir in unserer Ehre vor Gott gekränkt. Man steht nicht mehr so groß und gut da vor ihm. – Es müsste uns demütig machen vor Gott, wenn wir Schuld an uns erkennen, aber es fällt uns manchmal unendlich schwer, zuzugeben, dass wir auch nur Sünder sind und Gott nichts zu bieten haben. Aber man klammert sich an irgendwelche guten Taten oder Eigenschaften und rechtfertigt sich: So schlecht bin ich auch nicht, die anderen sind viel schlechter als ich. Aber der Herr sieht, wie es wirklich ist. Er kann nur leere Hände füllen und nimmt Sünder an. Die Selbstgerechten, die immer nur die Fehler der Anderen sehen, sind ihm zuwider.

Das „Ich“ in uns, das empfindlich, neidisch, geizig ist, macht uns finster und verschlossen. Man fürchtet, der andere ist angesehener als ich… War das nicht auch der Grund dafür, dass Kain seinen Bruder Abel erschlagen hat? Er konnte es nicht ertragen. Aus Eifersucht zum Mörder geworden. Das gab es schon oft. Manchmal geschieht es vielleicht nur in Gedanken. Aber auch das ist Schuld vor Gott. Er liebt jeden gleichermaßen und bevorzugt nicht ungerecht. Er hält Schätze für uns bereit im Himmel. Schätze, die nicht vergehen.

Was sind Schätze im Himmel? Wenn wir dort eine Wohnung haben, die uns erwartet und einen Freund und Fürsprecher, Jesus und viele Engel… Wenn ich weiß, ich bin ein Kind Gottes. Der Heiland hat mich lieb und sorgt für mich. Das sind Schätze, die in Angst und Not ruhig machen! Halte diesen Schatz im Glauben fest und du hast alles, was du brauchst, selbst wenn Du sonst auf dieser Erde ein armer Schlucker bist und nicht viel besitzt.

Eine alte Geschichte (aus Kühner, „Hoffen wir das Beste“ 30. 04.) erzählt:

Ein Mann hatte einen Traum. Eine Stimme sagte zu ihm: „Morgen um die Mittagszeit kommt ein Mönch durch das Dorf. Und wenn er dir den Stein gibt, den er bei sich trägt, wirst du der reichste Mann der ganzen Erde sein!“

Also wartete der Mann am nächsten Tag gespannt auf den durchziehenden Mönch. Und als er ihn um die Mittagszeit im Dorf haltmachen sah, forderte er ihn auf: „Gib mir den Stein, den du bei dir trägst!“ Der Mönch kramte lässig in seiner Tasche herum und zog einen großen Diamanten hervor. Es war der größte Diamant der Welt. Dann sagte er zu dem Mann: „Ist das der Stein, den Du meinst? Ich habe ihn unterwegs gefunden. Hier hast du ihn!“

Der Mann nahm den Stein und rannte damit nach Hause. Jetzt war er der reichste Mann. – Aber er konnte vor lauter Aufregung nicht schlafen und vor lauter Sorge und Angst um den Stein, nahm es ihm fast den Atem.

Früh am Morgen, er hatte kein Auge zugetan, stand er auf und suchte den Mönch. Der aber schlief noch ganz fröhlich und friedlich unter einem Baum. Der Mann gab ihm den Stein zurück und sagte: „Hier hast du deinen Stein wieder, gib mir lieber den Reichtum, der es dir so leicht macht, diesen Stein einfach herzugeben.“

Wissen Sie, welcher Reichtum das ist? Reichtum, der es einem leicht macht, etwas herzugeben, loszulassen? Das ist der Reichtum des Himmels, der Schatz des Glaubens. Zu wissen:

Ich hab einen Heiland in Not und in Nacht,
ich hab seine Liebe, die allezeit wacht.
Ich hab seine Treue, sein Herz voll Geduld,
ich hab seine Wunden für all meine Schuld.

Das ist ein Reichtum, der nicht die Sorgen vergrößert, sondern fröhlich macht. Wer in diesem Reichtum lebt, abgeben, kann teilen. Er weiß ja: Gott sorgt für mich. Geben ist eine Form der Dankbarkeit. Früher war das den Christen noch bewusster. – Opfere Gott Dank! Lautet eine Aufforderung der Bibel (Psalm 50,14). Heute wird das oft vergessen.

Bei Hochzeiten Taufen und Beerdigungen bleiben unsere Kollektenbüchsen am Ausgang der Kirche meist fast leer. Manchmal ist gar nichts drin. Die Familie hat im Umschlag eine Spende gemacht, aber die anderen am Gottesdienst Teilnehmenden denken gar nicht daran oder wissen es nicht mehr, dass die Münze, die sie da in die Büchse oder den Opferstock werfen könnten, auch ein kleines Zeichen ihres Dankes wäre. Es soll nicht demonstrativ, sondern unauffällig geschehen. Jesus sagt: Wenn du Almosen gibst, dann lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut. Gemeint ist: Führ nicht Buch in deinem Herzen! Tu es nicht verbissen oder pflichtbewusst, sondern fröhlich, aus Dankbarkeit.

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn,
er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern,
du kannst ihm so wie du bist nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er
Viel mehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins ewige Meer,
Kommt, betet den Ewigen an.

Amen.

Verfasser: Martin SchöppelÓ , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168