Wir werden von allen Seiten bedrängt

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Letzter Sonntag nach Epiphanias 17.01.16 2.Kor 4, 6-10

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten…
Unser Schriftwort für die Predigt steht im 2.Korintherbrief (4, 6-10). Paulus schreibt:

Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.
Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.
Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen.
Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.
Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

Wir sind von allen Seiten bedrängt, schreibt Paulus an die Korinther. Das war damals so, als der Apostel mit seiner Handvoll Mitarbeiter durch Kleinasien und Griechenland zog. – Wo immer er hinkam und das Evangelium predigte und die klaren Ordnungen Gottes, da ging ein Sturm los. Da gab es Wiederstand. Der war aggressiv, ja manchmal bedrohlich und nicht nur einmal sogar lebensgefährlich für den Apostel.

Wir sind von allen Seiten bedrängt, so erzählen es die Christen aus Ägypten und der Türkei, aus Syrien und dem Jemen, auch aus vielen anderen Ländern, in denen Christen in der Minderheit sind oder Islamisten an der Macht sind. Sie werden beschimpft, verleumdet, angefeindet, verspottet, bedrängt, bedroht und benachteiligt. Ja sogar geschlagen, misshandelt, eingesperrt oder getötet. – Und die Welt sieht zu. Viele vielleicht entsetzt und im Gefühl der Ohnmacht. Wenige protestieren und schreiben an Regierungen und Konsulate, um Einzelne frei zu bekommen. – Einige versuchen tatkräftig zu helfen und müssen selbst mit Verhaftung rechnen.

Wir sind von allen Seiten bedrängt, selbst hier im beschaulichen Bayreuth. So haben wir das in den vergangenen Tagen anlässlich des Studientags zur Gender-Ideologie erlebt. Es ging um Informationen über das, was sich seit einiger Zeit mehr oder weniger unbeachtet, aber folgenreich an Entwicklung bei uns vollzieht. Die traditionellen, von Gottes Schöpfungsordnung vorgegebenen Rollen von Frau und Mann werden aufgegeben und Familie, wie sie seit jeher gesellschaftliche Keimzelle war, wird in Frage gestellt.

Aber die Kurier-Journalistin, Susanne Will, sowie die Grünen Ulrike Gote und Tim Pargent haben heftig dagegen polemisiert. Die Referentin, Gabriele Kuby, die einige Bücher über diese Entwicklung geschrieben hat, wurde schon im Vorfeld in der Zeitung an den Pranger gestellt. Die von Tim Pargent angemeldete Demonstration wirkte dann aber mit ihren 10-20 Teilnehmenden etwas verloren, als die ca. 200 angemeldeten Frauen und Männer zum Studientag ankamen.

Bei der Veranstaltung wurde in keiner Weise irgendjemand diskriminiert, sondern vom christlichen Standpunkt her argumentiert. Wer interessiert ist, kann sich die Vorträge, die aufgezeichnet wurden, bestellen und das nachprüfen.

Wer heute biblische Positionen vertritt und christliche Werte verteidigt, wer die Ehe von Frau und Mann und die klassische Familie mit Mutter, Vater und Kindern als das wichtigste und positivste Lebensmodell, ansieht und verteidigt, wird bedrängt. – Wir werden sehen, was und wie der anwesende Kurier-Mitarbeiter über die Veranstaltung berichten wird.

Wir werden von allen Seiten bedrängt, wenn wir als Christen unseren Standpunkt vertreten. Ein Schüler, der sich in seiner Klasse klar zu Jesus bekennt, muss schon mit Spott und Ausgrenzung rechnen. Wer beim Marsch des Lebens in Berlin vor ein paar Monaten dabei war, wurde beschimpft und bedroht. Die Polizei musste mit großem Aufgebot Menschen beschützen, die friedlich für das Lebensrecht ungeborener Kinder protestierten.

Wir sind von allen Seiten bedrängt, das kann jede und jeder erleben, der sich in einer Talk-Sendung oder bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion zu traditionellen christlichen und biblisch begründeten Positionen bekennt. Von Jahr zu Jahr kann man als bekennender Christ im früher mal christlichen Abendland besser verstehen, wovon der Apostel hier redet.

Aber Paulus hat sich durch die erfahrenen Wiederstände und Bedrohungen nicht abbringen lassen von seinem Weg. Er spricht hier von der großen Verantwortung, die wir als Christen und Kinder Gottes in der Welt haben. Er sagt: Uns ist etwas Großes gegeben. Wir haben ein Licht in unsere Herzen bekommen, ein Schatz ist uns anvertraut.

Gott traut uns Großes zu. Durch uns soll sein Licht weitergegeben werden. Wir sollen das, was wir mit dem Glauben erlebt haben und erleben nicht für uns behalten, sondern es weitergeben in unserem Umfeld. Einladen in die Gemeinde, zu Gottesdiensten und Veranstaltungen. In Gesprächen unsere christlichen Positionen nicht verheimlichen. Sagen wir es doch ungeniert, dass wir nicht an Zufall und Evolution glauben, sondern dass für uns hinter den Wundern der Natur und den Gesetzen der Physik der gewaltige Schöpfergott steht, der alles bis ins Kleinste geordnet und gelenkt hat.

Warum sollen wir schweigen von dem Heiland, der am Kreuz für uns sein Leben hingegeben hat, damit Schuld vergeben werden kann und Neuanfang möglich ist. Reden wir von Jesus, dem Sieger, der die Macht des Todes durchbrochen hat, der Leben auch über den Tod hinaus schenken kann und der tröstet, wie einen seine Mutter tröstet.

Mit einem fränkisch-verlegenen „des werd scho widder wern“ kann man einen Kranken oder Verzweifelten nicht wirklich trösten. Dem hilft aber, wenn wir mit ihm oder für ihn beten. Wenn wir von unseren Erfahrungen mit dem Glauben in Leid und Angst berichten. Nur durch persönliches Zeugnis kann Glaube weitergegeben werden. Und dazu muss man nicht Pfarrer werden oder auf einer Kanzel stehen. Das geht auch im Umkleideraum eines Sportvereins, bei einer Wanderung in der Fränkischen Schweiz, am Samstagnachmittag am Gartenzaun oder auf einer gemeinsamen Fahrt zur Arbeit.

Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Manche haben Hemmungen. Sie trauen sich das nicht, weil sie denken: Der/die andere kennt mich doch und weiß, dass ich auch so meine Fehler und Empfindlichkeiten habe. Ich bin doch wirklich kein Vorbild. Wie soll der an mir etwas von der Herrlichkeit Gottes sehen oder durch mich erleuchtet werden? Solche Selbstzweifel kannte der Apostel Paulus auch. Von sich und von anderen. – Ja, sagt er, wir haben einen Schatz, aber wir haben ihn in „irdenen Gefäßen“. Wir sind weder perfekt, noch verhalten wir uns immer richtig. – Ja, eigentlich sind wir der Botschaft, die wir im Herzen haben unwürdig. – So, wie wenn man einen Packen wertvoller Aktien in einem gebrauchten Müllbeutel aufbewahrt. Oder ein kostbares Collier in einer alten staubigen Schachtel.

Aber der Schatz bleibt ein Schatz, auch wenn er in einer alten Blechkiste vergraben ist. Und wer den Schatz findet, wird sich doch nicht an der Blechkiste stören. Im Gegenteil, vielleicht wird er auch die Blechkiste in Ehren halten, weil sie ihm den Schatz offenbart hat. Und so wird man auch einen Menschen ehren, auch wenn er Fehler hat und nicht alles richtig macht, wenn man doch durch diesen Menschen zu Jesus geführt worden und zum Glauben gekommen ist.

Die Menschen der Bibel, die in Gottes Heilsgeschichte wichtig geworden sind, waren alle solche „irdenen Gefäße“. Anstößig, kritikwürdig, manchmal fragwürdig oder unansehnlich. Keine glänzenden Helden, sondern Menschen mit Fehlern: Mose, ein Choleriker, der im Affekt einen Totschlag begangen hatte. David, der sich auf dem Höhepunkt seiner Macht als König in eine ehebrecherische Affäre einließ, die dann bis zur Anstiftung zum Mord ging.

Oder denken wir an Petrus, einen vorlauten Angeber, der sich gern über andere stellte und dann doch versagte. Und doch bezeichnet Jesus in als Fels und baut seine Kirche mit ihm. Und natürlich Paulus, einen, der zuerst selbstgerecht auftritt und Christen verfolgt, bevor er selber ein verfolgter Christ wurde. Die Apostelgeschichte weiß von ihm zu berichten dass er bei der Ermordung des ersten christlichen Märtyrers, Stephanus, zugegen war und mit Wohlgefallen zugesehen hat, wie Stephanus gesteinigt wurde.

Was waren das alles für Leute. Irdene Gefäße, unterstes Niveau! Und doch vertraut der Herr ihnen seinen Schatz an und hat die Zuversicht, dass durch sie andere erleuchtet werden können. In der letzten idea (52/53 2015, S. 16ff) des Jahres 2015 steht ein Interview mit einem Mörder: Als junger Mann stößt er kurz nach der Hochzeit seine Frau die Klippen hinunter, um eine hohe Lebensversicherung zu kassieren. Doch er wird überführt und muss für 16 Jahre in ein schottisches Gefängnis. Nach drei Jahren bekehrt er sich nach der Lektüre eines evangelistischen Buches (Das Kreuz und die Messerhelden). Er bittet Gott um Vergebung und kann glauben, dass Jesus auch für ihn am Kreuz starb. Nach Gesprächen mit dem Gefängnisseelsorger bittet er auch die Eltern des Opfers um Vergebung.

Seine Strafe muss er weiter verbüßen, aber er studiert in einem Fernstudium vom Gefängnis aus Theologie und liest die Bibel, immer und immer wieder. 1988 kommt er nach Deutschland zurück. Die EKD, bei der er sich bewirbt, will ihn als Pfarrer nicht einstellen. Er wird Diakon mit Zulassung zum Predigtdienst, darf auch taufen, trauen und beerdigen. Er hat Frau und Kinder und gibt den Schatz weiter, den uns Gott in Jesus gegeben hat. Schatz in irdenen Gefäßen.

Wir sind alle aus „Erde“ und von dieser Erde und die Abgründe dieser Erde sind uns nicht fremd. Besser sind wir nicht als Christen, aber wir sind besser dran, weil wir diesen Schatz des Evangeliums haben. Und wir wollen ihn nicht aufgeben, sondern festhalten. Nicht anpassen an den Geist der Zeit, sondern ihm in unserem Leben zur Geltung bringen. Durch uns, so die Verheißung hier, soll die Erleuchtung entstehen. Wir sind das Licht der Welt, das nicht unter einen Eimer gehört, sondern auf einen Leuchter, dass es sichtbar ist.

Ja, wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist manchmal bange, aber wir verzagen trotzdem nicht. Wir leiden zunehmend unter Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Und wenn die Entwicklung so weiter geht, werden auch wir eines Tages sagen: Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.

Christoph Zehendner, den wir auch in unserer Kirche schon zu Gast hatten, hat den Text zu dem Lied geschrieben, das wir jetzt gleich hören, Johannes Nitsch hat die Melodie dazu komponiert: „Wer Jesus folgt, führt kein bequemes Leben“

1.Wer Jesus folgt, führt kein bequemes Leben,
der macht sich nützlich, dort, wo er es kann.
Der setzt sich ein, will Liebe weitergeben.
Der hat ein Ziel und arbeitet daran.
Wer Jesus folgt, der muss sich nicht mehr klammern
an Geld, Beruf, Familie oder Haus.
Der kann nicht über Langeweile jammern,
der Auftrag Gottes fordert ihn heraus.

2.Wer Jesus folgt, der muss nicht mehr rotieren,
sich nicht mehr länger um sich selber dreh‘n.
Der will dem Zeitgeist nicht mehr applaudieren,
der wagt es gegen Unrecht vorzugeh‘n.
Wer Jesus folgt, scheut nicht vor Hindernissen.
Er weiß, der Weg, den Gott mich führt, ist gut.
Der hütet sich vor faulen Kompromissen,
Macht ganze Sache, zeigt Profil, hat Mut.

3. Wer Jesus folgt, kann lernen zu verzichten,
von sich und seinen Wünschen wegzuseh‘n.
Der braucht sich nicht mehr nach der Masse richten,
der hat den Mut, zu Gottes Wort zu steh‘n.
Wer Jesus folgt, der wagt‘s, nach vorn zu schauen,
weil er nicht dumpfer Zukunftsangst verfällt.
Der tut was, will an Gottes Reich mit bauen,
der freut sich schon auf Gottes neue Welt.

Nein, wir müssen uns nicht nach der Masse richten oder nach irgendeinem „Mainstream“, sondern wir dürfen festhalten an den klaren und guten Ordnungen Gottes und werden auch das Ziel, Gottes neue Welt nicht aus den Augen verlieren.

Wir dürfen Jesus nachfolgen und anderen Menschen mit Liebe und Achtung begegnen, auch wenn die noch nicht den Willen Gottes für ihr Leben akzeptieren. Wir sind nicht dazu da, auszugrenzen, sondern das Licht weiterzugeben. Und selbst wenn wir dabei von allen Seiten bedrängt werden, sind wir doch von Gottes guten Mächten wunderbar geborgen und dürfen getrost erwarten, was kommen mag. Denn Gott ist mit uns, am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag! Amen.

Verfasser: Martin Schöppel ©, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168