Wir folgen nicht schönen Märchen, sondern Tatsachen!

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Letzter Sonntag nach Epiphanias, 09.02.14, 2.Pet 1, 16-19

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: Herr, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Der Apostel Petrus schreibt in seinem 2.Brief im 1. Kapitel:

Wir haben euch doch nicht bloß schöne Märchen erzählt, als wir euch von der Macht unseres Herrn Jesus Christus und von seinem Wiederkommen berichteten. Mit unseren eigenen Augen haben wir ihn in seiner ganzen Größe und Herrlichkeit selbst gesehen.

Gott, der Vater hat ihm diese Größe und Macht gegeben, Als Jesus mit uns auf dem Berg war, haben wir selber die Stimme Gottes vom Himmel gehört: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe.“

Umso fester verlassen wir uns jetzt auf das, was Gott durch seine Propheten zugesagt hat. Auch ihr tut gut daran, wenn ihr darauf hört. Denn Gottes Zusagen sind wie ein Licht, das in der Dunkelheit leuchtet und Klarheit schenkt, bis es endgültig Tag wird und der aufgehende Morgenstern Licht in unsere Herzen bringt.

  1. Die Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift

Der Christbaum steht da noch hinter mir und manche von Ihnen werden wohl gedacht haben: Na jetzt wird’s aber Zeit, dass er wegkommt! Und die Krippe darunter, die uns an die schöne Weihnachtsgeschichte erinnert, gehört doch längst wieder in die Kiste. Die Tage werden schon wieder länger, der Winter scheint auch vorbei. Frühlingshafte Temperaturen draußen, da ist Weihnachten ganz weit weg.

Nein! Weihnachten ist nicht ganz weit weg, wenn man es verstanden hat: Es ist doch die feste Zusage des Wortes Gottes, dass er zu uns kommt, dass er bei uns ist und bleibt. Das ist eben nicht nur ein schönes Märchen, das an ein paar bestimmten Tagen im Jahr erzählt wird, sondern das ist eine Tatsache. Die größte und gewaltigste Tatsache in der Geschichte dieser Welt: Gott, der alles geschaffen hat, wird selber Mensch! Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah. Himmel und Erde erzählet‘s den Heiden, Jesus ist gekommen, das ist an jedem Tag, das ganze Jahr, das ganze Leben Grund zur Freude (nach EG 66,1). Wenn das kein Märchen ist, dann ist es für uns alle eine gute Nachricht.

Die Schreiber der biblischen Bücher legen alle großen Wert darauf, dass es sich bei ihren Berichten nicht um Phantasiegeschichten handelt sondern um die Wahrheit. So auch der Apostel Petrus hier in seinem 2. Brief an die Gemeinden. Es geht nicht um schöne Märchen oder wie Martin Luther das übersetzt hat um ausgeklügelte Fabeln, sondern um die Wahrheit und um die Frage nach Leben und Zukunft.

Als dieser Brief des Petrus bei den Gemeinden ankam – das hat ja damals gedauert – da war Petrus schon nicht mehr am Leben. Vermutlich hat Petrus den Brief aus dem Gefängnis geschrieben und musste zum Zeitpunkt der Abfassung jeden Tag mit seiner Hinrichtung rechnen. Zwei Sätze vor unserem Predigttext schreibt er (2.Pet 1, 14f): Durch unseren Herrn Jesus Christus weiß ich, dass ich diese Erde bald verlassen muss. Deswegen setze ich alles daran, dass ihr auch nach meinem Tode nicht vergesst, was ich euch gesagt habe.

Wie liest man die letzte Botschaft eines Menschen, der wusste, dass er nur noch ganz kurz zu leben hat? Sie haben ein besonderes Gewicht. In meinem Bücherschrank steht eine Luther-Biographie, in die, mit schon krakeliger Schrift, mein Vater einige Wochen vor seinem Tod eine persönliche Widmung für mich hineingeschrieben hat. Noch heute, wenn ich das Buch zur Hand nehme und etwas darin nachschlage, berühren mich diese wenigen letzten Worte besonders, obwohl mein Vater schon vor über drei Jahrzehnten gestorben ist.

Drei Jahrzehnte lang hatte Petrus nach Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn Jesus überall erzählt und bezeugt, dass Jesus, der Sohn Gottes, allein retten kann aus Schuld und Verlorenheit. Inzwischen war er alt geworden und als verfolgter Christ mit dem Todesurteil bedroht. Der Geist Gottes hat ihm klar gemacht: Petrus, mach dich bereit! Nur noch kurze Zeit… Da setzt er sich noch einmal hin und diktiert wohl überlegt diesen Brief, der dann nach seinem Ableben in den Gemeinden herumgereicht und vorgelesen wurde. Nein, in so einer Situation schreibt man keine Märchen, sondern ist sich seiner Verantwortung bewusst und überlegt gut, was man den anvertrauten Menschen noch mitgeben möchte.

  1. Jesus wird bezeugt von Gott und Menschen

Petrus bezeugt im Angesicht seines Todes noch einmal Jesus und seine Bedeutung: „Ich war dabei“, sagt er, damals auf dem Berg, als wir dieses Unbeschreibliche gehört und gesehen haben. (wir haben es vorhin als Evangelium dieses Sonntags gehört, Matth 17, 1ff) Als Jesus mit Mose und Elia sprach und die himmlische Herrlichkeit mit ihrem Licht zu sehen war. „Johannes, Jakobus und ich haben die gewaltige Stimme gehört, die bezeugte: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören.“

Sein Leben lang hat Petrus dieses Erlebnis nicht mehr vergessen. Niemand vergisst Worte, die Gott in solcher Klarheit mit ihm gesprochen hat. Gott selbst hat Jesus damit als seinen Sohn ausgewiesen und bei vielen anderen Begegnungen hat sich das für Petrus bestätigt. Er betont hier: „Ich war dabei!“ Ja, er war Augenzeuge. Bei der Stillung des Sturms auf dem See Genezareth, bei der Heilung des Blinden, bei der Auferweckung des Lazarus, unter dem Kreuz, als Jesus starb und nach seiner Auferstehung, als er ihnen mehrfach erschien. Wir waren dabei! Und er fährt fort: „Umso fester verlassen wir uns jetzt auf das, was Gott durch seine Propheten zugesagt hat. Auch ihr tut gut daran, wenn ihr darauf hört.“

Auch wir tun gut daran, wenn wir uns auf die Worte Gottes, auf die Prophetenworte, auf die Verheißungen der Bibel verlassen. Vielleicht auf den Konfirmationsspruch oder den Trauspruch oder auf ein Wort beim Abendmahl. Es sind alles Worte auf die Verlass ist! Wenn Gott sagt: Ich bin bei Dir, dass ich dir helfe, dann dürfen wir das persönlich und wörtlich nehmen. Oder die Aufforderung: Alle eure Sorge werft auf ihn, er sorgt für Euch! Auch die vielen „Fürchte dich nicht“-Worte der Bibel und die Trostworte wie: Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Oder das Gnadenwort: Dir sind deine Sünden vergeben. Alle diese kostbaren Worte, diese Schätze sollen wir im Herzen festhalten und uns unser ganzes Leben lang lang daran klammern. So hat es Petrus gemacht und so empfiehlt er es den Christen in den Gemeinden bis heute. Auch uns.

  1. Gottes Worte sind wie Licht in der Dunkelheit

Man kann sehr schnell in eine Not geraten. Vielleicht geht es manchen unter uns gerade gut und es läuft alles nach Plan. Dann danke Gott dafür. Aber es sind sicher auch nicht wenige unter uns, die etwas mit sich herumtragen, was ihnen Kummer oder Angst macht, etwas, was wie eine dunkle Wegstrecke vor ihnen liegt. Ein neuer Job mit vielen unbekannten Aufgaben. Ein gesundheitliches Problem, das die Zukunft in Frage stellt. Eine wichtige Prüfung, von der viel abhängt. Alles dunkle Wolken, die unser Glück überschatten. Im Psalm heißt es (Psalm 119,105): Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. – Worte Gottes machen nicht sofort alles wieder hell, aber sie geben Licht und Mut für den nächsten Schritt.

Wenn ich nur dich habe, Gott, frage ich nicht nach Himmel und Erde. Auch wenn mein Leib und meine Seele verschmachtet, bist du, Herr, meines Herzens Trost und meine Zuversicht. Das ist meine Freude, dass ich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf sein Handeln.“ So heißt es im 73. Psalm. Und in der anderen Übersetzung merken wir dann, dass das unsere Jahreslosung ist: Gott nahe zu sein ist mein Glück!

Vor ziemlich genau einem halben Jahr ist Hans Peter Royer mit 51 Jahren tödlich verunglückt. Er war Leiter der christlichen Begegnungsstätte Tauernhof in Schladming. Kurz vor seinem Tod hat er einen Beitrag zur diesjährigen Jahreslosung geschrieben. Es war wie bei Petrus damals auch ein letztes schriftliches Zeugnis von ihm. Er schreibt in dem Beitrag: „Das wahre Glück schon hier auf Erden finden wir letztlich nur in der innigen Gemeinschaft mit unserem Schöpfer, Retter und Liebhaber. Nur in der Verbindung mit dem lebendigen Gott schmecken wir etwas Bleibendes, etwas Ewiges.“ Er erzählt dann von einem behinderten Jungen: „Vor einiger Zeit las ich einen Bericht in einer Zeitschrift. Eine Frau schrieb dort über ihren Sohn Josia, der ohne Arme und mit verkrüppelten Beinen geboren worden war: ‚Eines Morgens, Josia war damals etwa vier Jahre alt, sagte er mir, dass er von Jesus geträumt hätte. Jesus sei zu ihm gekommen und sie hätten über seine steifen Beine gesprochen. Ich wurde ganz aufgeregt und fragte, was Jesus denn gesagt hätte. Natürlich hoffte ich, dass er ihm Heilung versprochen hatte. Fröhlich sagte Josia zu mir: ‚Ich habe Jesus alles erzählt und Jesus hat gesagt, dass er es mit Gott besprechen wird.‘ Josia schien absolut zufrieden mit diesem Gespräch. Nun- ich,‘ so die Mutter, ‚war es nicht. Und so fragte ich ihn: Ja und? Was ist jetzt? Ich werde die Antwort meines Sohnes nie vergessen, als er sagte: Gott weiß darüber Bescheid, und das ist genug.‘“

Hans Peter Royer endete nach dieser kleinen Geschichte seinen Beitrag zur Jahreslosung mit den Worten: „Darüber Bescheid zu wissen, dass Gott Bescheid weiß und dass er nahe ist in Freude und Leid: Das ist die Basis für unser Glück. Und alle Geschenke, die wir dankbar über diese Beziehung empfangen, sind zusätzliche Gaben, aber nicht das Fundament. Mögen wir uns immer neu auf unser Fundament besinnen.“

Wer das Fundament, Jesus Christus nicht verlässt, verliert auch dann nicht das Glück, wenn das Leben schwer wird oder zu Ende geht. Der findet dann das ewige Glück. Petrus schreibt: Gottes Zusagen sind wie ein Licht, das in der Dunkelheit leuchtet und Klarheit schenkt, bis es endgültig Tag wird und der aufgehende Morgenstern Licht in unsere Herzen bringt.

Das Licht, das die Zusagen Gottes in unser Leben bringt, verlöscht auch an einem Grab nicht. Nicht an dem eines lieben Angehörigen und auch nicht am eigenen. Glaubende Menschen haben kurz vor ihrem Tod oft ein Licht gesehen, auf das sie zugingen. Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.

Das ist letztlich auch die Botschaft des Christbaums mit seinen vielen Lichtern, der da hinter mir noch steht und strahlt, obwohl es schon Februar ist. Das ist auch die Botschaft der Figuren, die darunter stehen. Gott ist da, mitten im Leben, mitten im Leid. Und wenn‘s in einem dunklen stinkenden Stall ist. Auch über allem Leid steht die Freude des kommenden Christus.

Der lebendige Gott macht unser Leben hell. Durch Jesus ist eine Hoffnung und eine Freude in die Welt gekommen, die niemand zerstören kann. Auch kein Tod und keine Krankheit. Darum dürfen wir auch im Februar noch singen: Freue dich, o Christenheit. Welt ging verloren, Christ ist geboren.

Ja, unsere Welt ist eine verlorene Welt, in der sich viele Menschen verloren vorkommen und in der nicht wenige viel verlieren, manche alles verlieren. Doch wer Jesus festhält und wer sich von ihm festhalten lässt, geht nicht verloren, denn der hat den Halt, den er braucht, den Herrn, der festhält.

Herr, weil mich festhält deine starke Hand, vertrau ich still.
Weil du voll Liebe dich zu mir gewandt, vertrau ich still.
Du machst mich stark, du gibst mir frohen Mut,
ich preise dich, dein Wille, Herr, ist gut.

(Text Diakonissenmutterhaus Aidlingen, aus „Jesu Name nie verklinget“, Band 1)

Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168