Welchem Gott dienen wir?
Zur PDFKirchweih am 20. Sonntag nach Trinitatis, 21.10.2012, 1.Kor 7, 29-31 und Josua 24, 15-17
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
Wir bitten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt:
…Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Bei der Vorbereitung auf diese Predigt stand ich vor der Frage, welchen Predigttext ich ihr zugrunde lege. Den für den 20. Sonntag nach Trinitatis, der heute ist, aus dem 1. Korintherbrief oder den Gedenktag der Kirchweihe für dieses Jahr. Sie sind beide wichtig und passend. Hören sie selbst:
1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther, im 7. Kapitel:
Das sage ich euch aber, ihr Lieben: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine;
und die weinen, als weinten sie nicht;
und die sich freuen, als freuten sie sich nicht;
und die kaufen, als behielten sie nicht;
und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.
Wie wahr! Die Zeit ist kurz! Fast ein Jahr lang feiern wir unsere Gottesdienste nun schon wieder in unserer neu renovierten Kreuzkirche. Erinnern Sie sich noch, wie wir am 1.Advent 2011 mit den Konfirmanden hier eingezogen sind und das Kreuz und die Kerzen wieder auf den Altar gestellt haben? Es hat noch ziemlich stark nach frischer Farbe gerochen und die neue helle Holzdecke ist uns noch aufgefallen.
Heute; 11 Monate später, ist uns das alles schon wieder ganz vertraut. Nach fast 50 Sonntagsgottesdiensten und allen Feiertagen im Kirchenjahr haben wir die harten Bänke der Gottesackerkirche, auf denen wir ein halbes Jahr saßen, schon fast vergessen und freuen uns längst wieder an den vertrauten Orgelklängen und dem segnenden Christus über dem Altar.
Hoffentlich nehmen wir es nicht schon wieder viel zu selbstverständlich, dass wir uns als Christen ohne Angst und Verfolgung in so einem schönen Gotteshaus versammeln und Woche für Woche ohne Gefahr Gottes Wort hören dürfen.
Die dicken Mauern unserer Kirche und das schöne neue Weiß, in dem sie erstrahlt sollten uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entchristlichung unserer Gesellschaft rasant voranschreitet. Wer das nicht merkt, der muss sich fragen lassen, ob er nicht selbst schon weit weg vom Kern der Kirche und vom Herrn der Kirche, von Christus. Mit dem ersten Christustag in Bayern an sechs verschiedenen Orten haben wir kürzlich erst, am 3.Oktober, darauf aufmerksam gemacht. Viele von Ihnen waren dabei.
Andernorts geschieht ganz anderes: In Hamburg versammelten sich in der Michaeliskirche Ende September 1.500 Freimaurer zu ihrem Weltkongress. Die Verantwortlichen der Evangelischen Kirche dort fanden nichts dabei, diesem religionsübergreifenden Geheimbund mit seinen merkwürdigen Ritualen und seinem Erlösungsanspruch durch menschliche Kraft, ihre, dem dreieinigen Gott geweihte Kirche zu überlassen.
In Berlin ist seit vergangenem Jahr das Verteilen von kostenlosen Bibeln in Schulen durch Beschluss des Kultusministeriums verboten. Darauf hat die dortige Kultussenatorin, Sandra Scheers, hingewiesen. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden des Gideonbundes durften nicht mehr, wie früher in die Klassen und dort ihre kleinen Neuen Testamente verschenken. – Sie haben es dann draußen, auf der Straße vor den Schulen getan.
Gleichzeitig werden vielerorts neue Moscheen gebaut und ihre Minarette ragen in den Himmel eines längst nicht mehr christlichen Abendlands. Ganz zu schweigen von den unzähligen Buddhas und afrikanischen Götzenbildern, die sich als Reisemitbringsel und Raumdekor in Häusern und Wohnungen breitmachen. Daneben magische Steine, Glücksbringer und Amulette, die mit Zauberkräften Böses fernhalten sollen.
Die einen verneigen sich bei jeder Trainingseinheit ihres fernöstlichen Kampfsports vor einer Gottheit, die sie gar nicht kennen, andere meditieren nach religiösen Ritualen einer heidnischen Welt. Und jedermann huldigt dem allgegenwärtigen Gott Mammon. Börse statt Bibel. Kohle statt Kirche.
Das Bibelwort für den Kirchweihtag in diesem Jahr macht uns bewusst, dass wir vor eine Entscheidung gestellt sind. Als Menschen in einer globalisierten Welt werden wir mit vielen Meinungen, Zielen, Lebens- und Glaubensauffassungen konfrontiert. Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen.
So wie damals das Volk Israel nach den 400 Jahren in Ägypten und nach den 40 Jahren Wüstenwanderung von Josua zur Entscheidung aufgefordert wurde. Die Israeliten hatten in Ägypten und auf ihrer langen Reise viele Religionen, Götter, Glaubensauffassungen kennen gelernt. Vielleicht hatten sich manche auch etwas mitgenommen, etwas übernommen, aus den Religionen der Nachbarvölker. So einen kleinen Baal oder eine Astarte, einen Glücksbringer oder ein Maskottchen, ein Hexchen, als Souvenir. Wie sagen die Leute immer?: Ich glaub zwar nicht dran, aber wer weiß… Zumindest in den Herzen war irgendwo noch das Goldene Kalb gegenwärtig.
Im letzten Kapitel des Buches Josua hören wir davon, wie der Nachfolger des Mose, Josua, das Volk zur Entscheidung auffordert. – Das ist der für das diesjährige Kirchweih fest vorgesehene Predigttext. – Kurz nachdem sich alle Stämme im verheißenen Land niedergelassen haben, fordert Josua sie auf, in Sichem zusammenzukommen und eine Entscheidung treffen:
Gefällt es euch aber nicht dem Herrn zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt, den Göttern, denen euere Vorfahren gedient haben, jenseits des Stroms oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.
Das sei ferne von uns, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen!
Vielleicht hatten es sich viele Israeliten gar nicht bewusst gemacht, dass sie bei ihren Begegnungen mit den verschiedenen Kulturen etwas angenommen hatten von deren Glauben und Lebensart. In ihrer unkritischen Selbsteinschätzung waren sie immer noch rechte Israeliten, die an den einen Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu glauben meinten. Aber im Alltag, in der Begegnung mit Händlern und Kaufleuten, mit einheimischen Kanaanäern und benachbarten Völkern, da verneigten sie sich doch vor deren Altären und sangen ihre Lieder mit. Dabei fielen oft bewundernde, manchmal sogar neidische Blicke auf glänzende Götterbilder und man bekam Lust auf das angebotene duftende Götzenopferfleisch und die gut gebauten Tempeltänzerinnen.
Der Abfall vom Glauben geschieht ja meist nicht mit einer Bekenntnisfrage und Unterschrift. Das schleicht sich so ein. Man gibt immer ein bisschen nach. Grenzen werden ein Stückchen verschoben. Und es merken auch bei uns viele nicht, die sich immer noch selbstverständlich für Christen halten, wie durchtränkt unsere Gesellschaft ist, von Götzenopfern und fremden Altären. Faschingstreiben und Halloweenspektakel aus vielen Kindergärten und Schulen nicht mehr wegzudenken.
Esoterik boomt. Bücher über die Kraft von Erdstrahlen und Mondphasen. Neue Hexentreffen in der Walpurgisnacht. Horoskope finden sich in jeder Zeitung. Man wird nicht nach seinem Glauben gefragt, sondern nach seinem Sternzeichen. – Aber nein, das ist ja auch eine Frage nach dem Glauben.
„Ich und mein Haus, wir sind bereit, dir, Herr, die ganze Lebenszeit mit Leib und Seel zu dienen“, so haben Sie vorhin kräftig mitgesungen, heute, an unserem Kirchweihsonntag. – Und welches Lied singen Sie morgen mit?
Wir haben die Wahl. – Nicht nur, wen wir heute in den Kirchenvorstand wählen. – Auch das ist ja eine ganz wichtige Wahl, um die man sich nicht drücken sollte. Eine Wahl, die sich nicht nur an Sympathie oder Bekanntheitsgrad orientieren sollte, sondern daran, wem wir es am ehesten zutrauen, dass er sich in den unchristlicher werdenden Zeiten zu Christus bekennt. Es geht darum, wie wir in Zukunft mit dem Wort Gottes umgehen. Ob wir uns dem Zeitgeist anpassen oder den Heiligen Geist erbitten.
Wir haben heute, durch diesen Predigttext, auch wieder neu die Wahl, auf wessen Seite wir uns ganz bewusst stellen wollen. Auf die des Herrn, des lebendigen Gottes oder auf die Seite der Welt, die sich tolerant und offen mit allem arrangiert.
Sich entscheiden kann auch heißen, sich von etwas trennen. Als Christ schmücke ich mein Wohnzimmer eben nicht mit einer Buddhastatue oder einem afrikanischen Fetisch. Ich hänge mir auch nicht ein Sternzeichen um den Hals, sondern ein anderes schönes Schmuckstück, das ist ja nicht verboten. Oder, wenn ich wirklich dazu stehe, ein Kreuz. Warum nicht, wenn es mir was bedeutet.
Ich lade mir aber keine lästerlichen Lieder herunter und werde nicht in ein Theater, ein Konzert oder eine Ausstellung gehen, in denen Symbole des Glaubens verspottet oder lächerlich gemacht werden.
Wir brauchen wieder mehr Christen, die Mut zum klaren Bekenntnis haben. Pro Christus! Für Christus! Für das Leben. Dass das ein gewaltloses Zeugnis, ein friedlicher Protest sein muss, steht für mich außer Frage. Auch wenn das im Lauf der christlichen Geschichte manchmal anders gemacht wurde, kann christliche Botschaft, die diese Bezeichnung zu Recht trägt, nur friedlich und in Liebe weitergegeben werden.
Als Jünger Jesu einmal über ein Dorf, in dem man sie nicht haben wollte, Feuer und Vernichtung vom Himmel herabwünschen wollten, hat Jesus sie scharf zurückgewiesen: Wisst ihr denn nicht, welches Geistes Kinder wir sind?
Wenn wir als Kinder Gottes zur klaren Entscheidung herausgefordert sind, dann betrifft das unsere Wahlentscheidung in jeder Beziehung. Beim Fernsehkonsum und dem Internetgebrauch. Beim Einkauf und Verzehr von Lebensmitteln, bei der Auswahl von Reisezielen, Kino- und Konzertkarten, Lektüre und der Freizeitgestaltung. Was bedeutet mir der Gottesdienst? Auch das ist eine Abstimmung, eine Entscheidung, wem ich dienen will. Dem Herrn, dem ich alles verdanke oder der Bequemlichkeit, wenn ich im Bett liegen bleibe.
Ich staune immer, wozu die Menschen am Sonntag früh aufstehen ohne zu murren: Zum Wandern, zum Radeln, für sportliche Ereignisse, zur Gartenarbeit, zum Brunchen. Aber wenn man nach dem Gottesdienst fragt, dann hört man, dass man wenigstens einen Tag in der Woche braucht zum Ausschlafen oder für die Familie. Ist es nicht viel mehr eine Entscheidung, was mir wichtig ist und was nicht?
Jesus sagt (Mt 10,32f): Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen; den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.
Die Zeit ist kurz. Stimmt. Auch die Zeit, in der wir Gelegenheit haben zu bekennen und Gottes Wort zu hören. Wenn man einen Gottesdienst nicht besucht, dann vergeht erst wieder eine Woche bis zum nächsten. Und dann gibt es wieder einen Grund, der einen abhalten will. Haben sie noch nicht gemerkt, dass da ein teuflisches System dahinter steckt?
Es gibt eine alte Geschichte von einem Bauern. Immer sonntags war irgendwas mit seiner Kuh. Sie fraß nicht, sie brüllte, sie stand nicht auf. Der Bauer kümmerte sich, massierte die Kuh, brachte ihr lauwarmen Tee und dann war’s wieder zu spät für den Gottesdienst. Der Kuh ging’s wieder gut. Aber die Kirche war aus. – Irgendwann merkte der Bauer, was da lief. Und er beschloss, sich nicht mehr abhalten zu lassen. Der Sonntag kam. Die Kuh war krank, brüllte und stand nicht auf. Aber der Bauer zog seine gute Hose an, nahm sein Gesangbuch und ging in die Kirche. „Und wenn Du heute verreckst, Du blöde Kuh, Du sollst mir nicht den Segen nehmen!“ – Als er zwei Stunden später wieder heimkam und in den Stall sah, stand da eine zufriedene kerngesunde Kuh.
Welche Kuh brüllt bei Ihnen? Was will Sie abhalten? – Wir brauchen klare Prioritäten. Und wer die Entscheidung für Gott, für seine Gebote, für seine Sache trifft, der wird nicht zuschanden. Was uns davon abhält, das bringt uns um die Ewigkeit. Darum sagt Paulus, wir sollen haben, als hätten wir nicht. Das heißt, wir dürfen haben, gebrauchen, genießen, solange uns nichts von Gott trennt. Aber loslassen und aufgeben, was von ihm wegbringt. Das Wesen dieser Welt vergeht. Aber die Ewigkeit bleibt. Und wer die richtigen Entscheidungen trifft, bleibt gesegnet. Werft Euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel.0921/41168