Was von Worten ausgeht

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Buß- und Bettag 16 11 2011 Matthäus 12, 33-35

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: …
Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.

Das Evangelium am letzten Sonntag machte deutlich, dass unser Tun und Lassen von Bedeutung ist. Nicht nur für jetzt und heute, sondern auch für die Ewigkeit. Im Gleichnis vom großen Weltgericht betont der Herr: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Und ebenso gilt, was ihr nicht getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr auch mir nicht getan. Daran entscheidet sich ob wir vor Gott recht sind, So die Aussage des Gleichnisses, das Matthäus Kap.12 steht.

Wie der Baum, so die Frucht! Ein guter Baum trägt gute Früchte, ein schlechter Baum trägt schlechte Früchte.
Ihr Teufelspack! Wie könnt ihr durch und durch verlogenen Leute überhaupt etwas Gutes reden?
Wie es im Herzen eines Menschen aussieht, das erkennt man an seinen Worten. Wenn ein guter Mensch spricht, zeigt sich, was an Gutem in ihm ist. Ein Mensch mit einem bösen Herzen ist innerlich voller Gift, und alle merken es, wenn er redet. Ich sage euch das, weil ihr am Gerichtstag Rechenschaft ablegen müsst über jedes böse Wort, das ihr geredet habt. An eueren Worten entscheidet sich euere Zukunft. Sie sind der Maßstab, nach dem ihr freigesprochen oder verurteilt werdet.

In diesem heutigen Predigttext geht es nicht ums Handeln oder Unterlassen, sondern um die Verantwortung, die wir für unsere Worte haben. Ja, auch jemand, der vielleicht nie gestohlen oder geschlagen hat, der nicht gemordet hat und nicht fremd gegangen ist, kann große Schuld auf sich geladen haben. Allein mit Worten. Worte sind eben nicht nur Schall und Rauch, wie der Volksmund weiß. Worte können im Raum stehen, noch lange nachdem sie verklungen sind. Sie können einem in den Ohren klingen, immer wieder durch den Kopf gehen, das Herz schwer machen. Kennen wir das nicht alle?

Die Gefahr, die von Worten ausgeht ist groß und das Leid, das sie verursachen können kann unermesslich sein. Und sie sind so leicht und schnell gesagt: Du Depp! Du Feigling! Du Nichtsnutz! – Oft werden Worte ja gar nicht direkt dem gesagt dem sie gelten. Das meiste, was schlecht geredet wird, wird über Dritte gesagt, die gar nicht da sind, die sich nicht verteidigen können, die nichts richtig stellen können.

Gerade darum ist das 8.Gebot so wichtig: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten! Konfirmanden muss ich dieses Gebot immer erst übersetzen. Was heißt das, falsch Zeugnis reden? Du sollst nichts Falsches über einen anderen Menschen sagen. Und Martin Luther sagt in seiner Auslegung zu diesem Gebot: Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseren Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben.

Wie oft wird dieses Gebot übertreten! Wir leben ja im Zeitalter der Kommunikation. Worte werden nicht nur einem Gegenüber ins Gesicht gesagt, sondern sie werden geschrieben, gedruckt, gesendet, veröffentlicht, vervielfältigt, hundertfach, tausendfach, ja nahezu unendlich verbreitet. Gesimst und getwittert…

Man sagt heute, was einmal im Internet, im weltweiten Netz steht, kann nie mehr wieder völlig beseitigt werden. Unabhängig davon, ob es wahr oder falsch ist. Es bleibt, es wird gespeichert, gesammelt, aufgerufen und wieder neu verbreitet und verwendet. Jeder, der Worte bildet, spricht oder schreibt ist verantwortlich dafür. Deshalb warnt Jesus hier: Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.

An diesem Buß- und Bettag und mit diesem Predigttext, sind wir besonders aufgerufen unseren Umgang mit Worten auf den Prüfstand zu stellen. Jesus warnt hier die Pharisäer. Fromme Leute, die es mit den Gesetzen und Ordnungen ach so genau nehmen: Passt auf, was ihr sagt! Seid vorsichtig mit eueren Worten. Immer wieder hatten sie über ihn schlecht geredet, hatten behauptet, dass er die Gebote übertritt, weil er am Sabbat heilte und seinen Jüngern nicht verbot, am Feiertag Getreideähren zu pflücken und die Körner daraus zu essen um ihren Hunger zu stillen.

Ihre üblen Worte gipfelten in der Behauptung, Jesus stehe mit dem Teufel im Bund. Er habe seine Wunderkräfte vom Obersten der Unterwelt und nicht von Gott. Jesus wehrt sich mit deutlichen Worten: Wenn ihr so etwas behauptet, dann seid ihr die Wortführer Satans. Dann seid ihr in der Gefahr, die Sünde gegen den Heiligen Geist zu begehen, die einzige, die nicht vergeben werden kann.

Wenn sie Heilung aus der Kraft und Vollmacht Gottes „Teufelswerk“ nennen, dann sind sie nahe dran, gegen den Heiligen Geist zu sündigen. Mit dem Bildwort vom Baum und den Früchten versucht der Herr dann zu erklären: Ein Böser kann nichts Gutes hervorbringen. – Der Teufel macht nicht heil, sondern zerstört. – Nur der gute Baum bringt gute Frucht hervor. Nur weil der gute Gott durch ihn wirkt, kann Jesus das Gute tun, heilen und befreien.

Er warnt die Pharisäer: Passt auf, was ihr redet! Zu welchen Gedanken und Worten ihr euch hinreißen lasst! Wenn so viel Hass aus euch kommt, müsst ihr damit erfüllt sein! Wenn soviel Böses über eure Lippen kommt, zeigt das, was in euch steckt. In euch, die ihr euch doch immer so fromm gebt.

Mit dem Bild vom guten und faulen Baum, der gute oder faule Früchte trägt, macht er seine Worte anschaulich:

Wenn ein Baum nur kleine bittere Holzäpfel trägt, dann ist er nicht veredelt. Schon an den Früchten lässt sich erkennen, wo sie gewachsen sind, welche Qualität der Baum hat. Und dann wird Jesus ganz direkt zu seinen Gegnern:

„Ihr könnt deshalb nichts Gutes reden, weil Ihr in euren Herzen böse seid. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem Schatz.“

Mit einem Gerichtswort unterstreicht der Herr die Bedeutung der Sprache und des Umgangs mit Worten. Er weist die Pharisäer und auch uns darauf hin, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen von jedem unnützen Wort, das sie geredet haben. – Ganz zu schweigen von Worten, die gar in böser Absicht gesprochen wurden.

Im Buch der Sprüche heißt es einmal: Wo viele Worte sind, da geht es ohne Sünde nicht ab. Und der Jakobusbrief warnt vor der Gefährlichkeit der Zunge. Sie ist wie eine Waffe. Sie verletzt, sie schadet, sie zerstört, sie bringt Menschen auseinander und gegeneinander auf. Sie sind eine Macht zum Guten oder zum Bösen.


Hier stellt das Gotteswort die Menschenworte auf den Prüfstand und durch die Menschenworte den ganzen Menschen.

Was haben Menschenworte schon alles angerichtet? Worte können einen Krieg erklären oder zum Friedensschluss führen.

Worte können glücklich machen, wenn sie sagen: „Ich liebe dich, ich danke dir, ich brauche dich, das hast du gut gemacht!“ Aber Worte können auch schwer verletzen, wenn sie sagen: „Ich hasse dich, ich verachte dich, du bist überflüssig, du bist nichts wert“! Da sagt ein Lehrer im Zorn: Ich bin von lauter Idioten umgeben und merkt nicht, wie er damit verletzt.

Unsere Worte können Gift sein oder Medizin. Sie können trösten und heilen, aber sie können auch schmerzen, ja sogar töten. Wie viele falsche Zeugenaussagen haben wohl schon zu ungerechten Urteilen geführt, vielleicht sogar zu Todesurteilen! Worte können versöhnen oder verklagen. – Denken Sie einmal darüber nach, prüfen Sie sich einmal selbst, wie Sie mit Sprache umgehen, wie Sie Worte gebrauchen. In Schulklassen oder bei Konfirmanden da erschrecke ich manchmal. Welche Worte da hin- und her fliegen. Wie viele Worte werden unbedacht und viel zu schnell hinausposaunt! (Gepostet)

Am Arbeitsplatz, in mancher Familie ist es nicht viel besser. Da fallen Worte, die den anderen demütigen, entwürdigen, beleidigen, bloßstellen, niedermachen. Wenn man zu dem anderen, der sowieso schon unter seinem Gewicht leidet, sagt: „Du bist fett!“ Oder zu jemandem, der ohnehin kein Selbstvertrauen hat: „Du machst aber auch alles verkehrt!“

Auch die etwas feinere Form kann sehr verletzend sein: Mit Zynismus und spitzen Bemerkungen, die das Gegenüber auf gemeine Weise herabsetzen.

Jesus warnt hier: Für alle Worte, die wir sprechen oder schreiben, für jeden Satz, den wir in die Welt setzen, egal wie, sind wir verantwortlich. Auch für die Folgen. Wer etwa mit spottenden Worten den Glauben eines Kindes zerstört. – Wer mit Verleumdungen oder übler Nachrede das Ansehen eines Nachbarn beschädigt, wer mit Lügen sich selber Vorteile verschafft und andere benachteiligt, der muss einmal Rechenschaft geben dafür. Das gilt für den weltlichen Raum genauso wie für den kirchlichen. Auch in der Kirche gibt es ja manchmal sehr unbarmherziges Reden miteinander und hintenherum übereinander.

Umweltverschmutzung mit Worten, enthält ebensoviel, wenn nicht noch mehr Gift , wie verschmutzte Luft, Gewässer oder Böden. Auch da tut Umkehr und Umdenken dringend Not. Nicht nur im Bundestag und im Stadt- und Betriebsrat muss wieder anders miteinander geredet werden. – Ich denke, auch bei uns in Familien, Schulen, an Arbeitsplätzen, in Gremien und Konferenzen. In Treppenhäusern und über den Gartenzaun. In Leserbriefen und Kommentaren.

Solange das Herz böse ist… Auch da braucht es Reinigung von innen heraus, die reinigende Kraft des Evangeliums, den Zuspruch der Vergebung. Sonst können wir den Anspruch des guten Miteinanders nicht erfüllen.

Das Wort „gut“ kommt hier in den scharfen Sätzen von Jesus auch mehrmals vor. Gute Frucht vom guten Baum. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem Schatz seines Herzens. Wie viel Segen können gute Worte wirken! Worte, die Verständnis und Einfühlungsvermögen erkennen lassen. Dieselbe Sache in Liebe gesagt, kann tausendmal mehr wirken als ein bitterer Vorwurf oder ein Anbrüllen. Wie gut tut ein Lob, ein Dank, eine Anerkennung!

Das Evangelium will für uns auch zur Sprachheilschule werden, dass wir es lernen anders miteinander zu sprechen, in Liebe, so wie Gott in seiner Liebe mit uns redet. Immer noch und immer wieder. Selbst, wenn er scharfe Worte verwendet, kann er die dahinter stehende Liebe nicht verbergen.

Aufgrund unserer Worte können wir nicht nur verdammt, sondern auch gerechtfertigt werden. – Nicht aus der Kraft eines eigenen guten Herzens, denn das hat nach dem biblischen Menschenbild niemand von uns.

Aber aus der Kraft des Herrn, den wir täglich ja auch betend mit unseren Worten anreden dürfen:

– Vater, vergib mir all die vielen Worte, die ich besser nicht gesagt hätte.
– Vergib mir die Sätze, in denen zu wenig Wahrheit, zu wenig, Liebe und zu wenig Achtung, zu viel Angabe war.
– Vergib, dass ich manche wichtigen Worte nicht gesagt habe
– Hilf mir zu gutem und rechten Reden!
– Schaffe in mir Gott, ein reines Herz! Aus dem gute, hilfreiche, tröstende, stärkende und wahrhaftige Worte kommen.

Nur in dem von Gott gereinigten Herzen steckt die Kraft zum Guten. – Nur wer Gottes Vergebung an sich erfährt, kann auch anderen vergeben. Und auch zu einem anderen sagen: Vergib mir bitte meine harten, bösen, lieblosen ungerechten Worte. Viele Ehen und Familien könnten so vielleicht wieder heil werden. Unsere Rechtfertigung bei Gott können wir durch den ehrlich gesprochenen und ernst gemeinten Satz einleiten: „Gott sei mir Sünder gnädig.“ –Erbarm dich über mich!

Dann löscht Gott auch alle unheilvollen Worte unserer Vergangenheit aus seinem Gedächtnis. Das hat er versprochen.

Ich möchte das Bild vom Baum noch einmal aufgreifen: Wenn man die Äste, an denen die faulen, schlechten Früchte hingen, abschneidet und den Baum mit guten Reisern veredelt, dann kann der Baum bald die schönsten Früchte haben.

So veredelt das angenommene und geglaubte Wort Gottes Menschen. Wir dürfen uns immer wieder das Böse nehmen, vergeben lassen und das Gute, die Liebe Gottes schenken lassen, dann sind wir nicht nur gerechtfertigt, sondern bringen auch Frucht für unsere Mitmenschen. Dann kann sich in unserem Denken, Reden und Tun die Liebe Gottes widerspiegeln.

Das Wort Gottes will uns immer neu auf diesen guten heilvollen Weg bringen. Und das Heilige Abendmahl will uns dazu die heilende Gnade Gottes schenken. Er macht neu. Er schafft das reine Herz. Aus dem reinen und guten Herzen kommen dann auch gute Worte/Früchte. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168