Was ist uns wichtiger als Gottes Einladung zu seiner Mega-Party?

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1.So. n. Trinitatis 14.06.2015 Konfirmandeneinführung, Lk 14, 16-24

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. – Wir wollen in der Stille, jeder für sich, um den Segen für diese Predigt bitten: … Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist…

Unser Schriftwort für die Predigt steht im Evangelium des Lukas im 14. Kapitel. Jesus war zu einem Fest eingeladen. Nach dem Essen sprach er vom Reich Gottes, vom Fest, das es dort geben wird und von dem Lohn, den Gottes Geladene dort einmal empfangen werden, weil ihnen in dieser Welt Gottes Worte und Gebote wichtig waren. Lukas berichtet:

Als einer von den Gästen das hörte, rief er: „Was für ein Glück muss das sein zu Gottes Fest eingeladen zu werden!“ Jesus antwortete mit einer Geschichte:
„Ein Mann bereitete ein großes Festessen vor, zu dem er viele Gäste einlud. Als er fertig war, schickte er seinen Boten zu den Eingeladenen: ’Alles ist vorbereitet, kommt!’ Aber niemand kam. Jeder hatte auf einmal Ausreden.
Einer sagte: ‚Ich habe ein Grundstück gekauft, das muss ich unbedingt besichtigen. Bitte entschuldige mich!’
Ein anderer: ‚Es geht leider nicht. Ich habe mir fünf Gespanne Ochsen angeschafft. Die muss ich jetzt ansehen!’
Ein dritter entschuldigte sich: ‚Ich habe gerade geheiratet. Du wirst verstehen, dass ich nicht kommen kann.’
Der Bote kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Der wurde sehr zornig: ‚Geh gleich auf die Straßen und Plätze der Stadt und hole die Bettler, Krüppel, Lahmen und Blinden herein!’ Der Bote kam zurück und berichtete: Es sind viele gekommen, aber noch immer sind Plätze frei! ‚Geh auf die Landstraßen’, befahl der Herr, ‚und bringe her, wen du finden kannst! Jeder ist eingeladen. Mein Haus soll voll werden. Aber von denen, die ich zuerst eingeladen hatte, soll keiner einen Bissen bekommen.’

Können Sie sich in die Situation hineindenken? Bestimmt! Sie haben vor Wochen schon zum großen Grillfest eingeladen, Fleisch und Würste, Bier und Wasser, Saft und Eis heimgeschafft, das halbe Mobiliar in den Garten geschleppt, vom Grill anzünden eine halbe Rauchvergiftung, eine Brandblase und rote Augen. Jetzt liegt das Fleisch auf dem Rost und der Duft zieht ihnen in die Nase.

„Wo bleiben denn die Gäste?“ – „Bis jetzt ist noch keiner da!“ – tönt es aus der Küche zurück, wo die Frau gerade die letzten Salate fertig macht. „Stimmt eigentlich das Datum auf der Einladung?“ – „Natürlich! Ich bin doch nicht blöd.“

Die Tochter erhält den Auftrag, bei einigen anzurufen und zu fragen, wo sie bleiben, der Sohn geht zu den Gästen aus der Nachbarschaft um sie zu holen. Frustriert kommen beide zurück. Alle sagen, sie können nicht. Was? – Herr B. ist noch im Büro und wird es wohl nicht mehr schaffen und ohne ihn kommt seine Frau auch nicht. Frau A. ist von der Probefahrt mit ihrem neuen Cabrio nicht zurückgekommen und C. hat Besuch aus der Verwandtschaft bekommen.

Das Grillfleisch ist schon dunkelbraun und das Gesicht des Hausherrn dunkelrot. Ob vor Hitze oder vor Wut lässt sich nicht genau ausmachen. Kurz entschlossen schickt er den Sohn ins Asylantenheim, die Tochter ins Internat des Heilpädagogischen Zentrums und seine Frau in die Maximilianshöhe.

„Holt alle, die ihr erreichen könnt! Wir feiern unser Fest trotzdem!“ Sollen doch die anderen, die uns sitzen lassen haben, draußen bleiben. Keinen Bissen kriegen sie!“

So ähnlich würde Jesus die Geschichte vielleicht heute erzählen und wir könnten den Zorn des Gastgebers gut verstehen. Zeugt es doch von ziemlicher Gleichgültigkeit, wenn man zu einer Einladung mit so faulen Ausreden nicht kommt. Da ist klar, der Gastgeber und das Fest waren denen nicht wichtig.

Die Geschichte, die der Herr Jesus erzählt hat und ihre moderne Fassung aus dem Reihenhaus im Orlamündeweg oder dem Einfamilienhaus im Wacholderweg sind kein Beitrag aus dem Unterhaltungsprogramm des Oberfranken TV, sondern haben natürlich einen tieferen Sinn. – Jesus richtete sie damals an fromme Juden, die nicht verstehen konnten, warum er sich mit Zöllnern und Sündern an einen Tisch setzt, sich mit Römern, Aussätzigen und gottlosen Leuten abgibt.

Jesus macht mit seiner Gleichnisgeschichte den Nachkommen Abrahams klar: Ihr wart von Gott bevorzugt eingeladen. Euch galten doch die Vorbereitungen und Wohltaten Gottes zuerst. Aber sie waren euch nicht wirklich wichtig. Mit fadenscheinigen Ausreden und eurer Gleichgültigkeit habt ihr Gottes Zorn hervorgerufen. Jetzt lädt Gott andere ein. – Solche, die nicht zum auserwählten Volk gehörten, Menschen, die weit weg waren von den Geschenken und Kostbarkeiten, die Gott vorbereitet hat. Jetzt lädt er alle ein, die bereit sind die Einladung wichtig zu nehmen, die anderes liegen lassen und die bereit sind, sofort zu ihm zu kommen. Das war damals eine scharfe Attacke gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer und eine Wertschätzung aller, die von ihnen verachtet wurden.

Was aber sollen wir an diesem Sonntag mit der Geschichte anfangen? Eine theologische Erklärung, dass durch Jesus Christus das Heilsangebot Gottes über das Volk Israel hinaus an alle Völker der Welt gerichtet ist, auch an uns? Richtig. Aber wenn wir uns mit dieser Deutung begnügen, verhalten wir uns doch genauso, wie das selbstsicher gewordene fromme Volk zurzeit Jesu. Die gaben sich damit zufrieden, eingeladen zu sein und bemühten sich gar nicht mehr darum der Einladung auch zu folgen und zum Fest zu gehen.

Läuft das nicht bei vielen Christen in unserer Zeit auch so? Selbstverständlich sind wir eingeladen und gehören als Christen nicht nur zur Kirche, sondern auch zum Volk Gottes und kommen einmal alle in den Himmel. Schließlich sind wir getauft und konfirmiert oder wir werden es bald. Manche sind sogar noch kirchlich getraut und sogar gelegentlich oder regelmäßig im Gottesdienst. Man hat sich daran gewöhnt eingeladen zu sein, so sehr, dass einem gar nicht mehr bewusst ist, was das für ein Privileg ist.

Auch heute gibt man sich oft mit der Einladung Gottes zufrieden, geht aber zu seinen Festen nicht hin, weil einem anderes wichtiger ist. Sehen wir einmal genauer hin: Die Entschuldigungen der geladenen Gäste kamen damals aus drei Bereichen: Besitz – das ist der, der einen Acker gekauft hat; Arbeit – das bezieht sich auf den, der fünf Paar Ochsen erstanden hat und Familie – dafür steht der, der keine Zeit hat, weil er gerade erst geheiratet hat. Besitz, Arbeit und Familie sind auch heute noch die Begründungen, oder müsste ich sagen die Ausreden, mit denen Menschen Gott einen Korb geben.

Besitz, das heißt doch, ich hab schon so viel. Ich wüsste gar nicht woher ich die Zeit nehmen sollte regelmäßig in den Gottesdienst zu gehen, zu beten oder in der Bibel zu lesen. Ich komm ja jetzt schon nicht rum. Man muss sich doch kümmern! Das Haus, die Aktien, der Verein, der Urlaub, meine Sammlung, der Garten, das Smart-Phone, der Fernseher der Computer… Unser Besitz, das was wir besitzen hindert uns oft daran Gottes Einladung wirklich anzunehmen. – Was wir besitzen? Oder besitzt es uns? Sind wir gar davon besessen?

Das Zweite: Die Arbeit, die man hat, die man verlieren könnte, kann auch so ein tückischer Entschuldigungsgrund sein. „Ich schaff‘s einfach nicht! Ich hab so viel zu tun! Ich weiß gar nicht wie ich da rumkommen soll!“ Das sind die einen, bei denen der Druck am Arbeitsplatz immer größer wird oder der Kostendruck, der Konkurrenzdruck. Oder der Perfektionsdruck: Ich muss noch mehr leisten, noch besser sein. Es gibt Druck, der von außen kommt, vom Chef, vom Aufsichtsrat und von der guten Wirtschaftslage. Es gibt auch viel Druck, den wir uns selber machen: Immer muss alles Tipp Top sein. Originell, nie da gewesen, noch besser als beim letzten Mal, aufwendiger als beim Nachbarn oder Kollegen. (Das Menue bei der Einladung, die Giveaways beim Kindergeburtstag, die Drinks bei der Party)

Vor lauter Arbeit, Druck und tollen Ideen bleibt keine Zeit mehr für Gottes Fest. Keine Lust, seiner Einladung Folge zu leisten. Er lädt uns ein, nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu ruhen, zu entspannen, auf seine guten Worte zu hören. Aber wir schaffen die Feiertage ab, machen den Sonntag zum Arbeitstag und gönnen uns keine Ruhe. Rastlos unterwegs, der moderne Mensch. Er jettet, jobbt und joggt durchs Leben und – verpasst dabei das Fest Gottes, verpasst das Ewige Leben. – Wer nur arbeitet oder wessen Gedanken nur noch um die Arbeit kreisen, die er hat oder nicht hat oder braucht oder nicht gut genug gemacht hat, wer nur an Arbeit denkt und Gott vergisst, verpasst das Leben. –

Trachtet zuerst nach dem Reich Gotte und nach seiner Gerechtigkeit, ist die zentrale Botschaft, die Jesus in der Bergpredigt damals und heute bringt, dann wird euch alles andere zufallen, weil Gott weiß, was ihr braucht. Und Jahrhunderte vorher schon meint ein Psalmbeter dasselbe, wenn er (im Ps. 127) schreibt: Wenn der Herr nicht das Haus baut, arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, wenn ihr früh aufsteht und danach lange sitzt und esst euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Seinen Freunden? Sind das besonders Bevorzugte? Wie gewinne ich denn seine Freundschaft, seine Zuneigung, Fürsorge und Liebe? – Die muss ich gar nicht erst gewinnen oder verdienen. Ich kann Gottes Freundschaft auch nicht durch besondere Opfer und große Versprechen erzwingen. Sie ist uns längst angeboten. Jesus streckt uns seine durchbohrten Hände in Liebe und Freundschaft an und lädt ein: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, die ihr überlastet, enttäuscht, ausgenutzt, missbraucht, verlassen, abgeschoben, gedemütigt, verraten, alleingelassen seid, – kommt her zu mir alle, ich will euch erquicken.

Dazu lädt er ein. Wellness – nicht nur in der Lohengrin Therme, beim Frisör und im Urlaubshotel. Entspannen, sich etwas Gutes tun, genießen, auftanken. Marktforscher haben da einen echten Bedarf entdeckt. Wellness – Erquickung brauchen die gedrückten, gejagten und ausgepowerten Menschen unserer Zeit. Aber sie brauchen Entspannung und Gutes nicht nur für den Körper, sondern noch viel mehr für die Seele. Dass sie zur Ruhe kommen, dass sie ihren inneren Frieden finden, dass sie geborgen sind und mit Hoffnung und Zuversicht neue Aufgaben anpacken können. Alles das findet nur, wer mit Gott das Leben feiert, wer sich von Jesus zum Fest einladen lässt, wer das Leben als ein Fest mit Gott versteht. Das ist Gottesdienst: Dankfest, Vergebungsfest, Hoffnungsfest. Bei Gott steht alles bereit, was uns satt macht, was unseren Lebensdurst und -hunger stillt.

Was könnte wichtiger sein? Womit sollten wir eine Absage zu seinem Fest begründen? Es wären, es sind alles nur Ausreden. Jesus erwähnt hier in seinem Gleichnis sogar den, der absagt, weil er gerade geheiratet hat. Warum? Die Familie geht doch vor. Auch bei uns eine häufige Begründung, warum man keine Zeit für Gott hat. Sonntagvormittag ist Familienzeit! Und wenn man jemanden mal zu einem Bibelabend einlädt, dann ist bestimmt gerade Hochzeitstag, Omas Geburtstag, die Tante aus Gelsenkirchen zu Besuch oder das Nesthäkchen ist verschnupft. Die Familie geht vor! Sie ist so etwas wie eine Heilige Kuh, die man nicht aus dem Weg schieben darf. Und schließlich kann man sich da ja sogar auf die Bibel berufen, in der die Familie einen hohen Stellenwert hat. Einen hohen, das stimmt, aber nicht den höchsten. Auch die Familie kann zum Abgott werden, wenn sie einem wichtiger ist als der heilige Gott. Manchmal ist es auch die Freundin oder der Freund, wenn sie einen dazu bringen, Gottes Einladung sausen zu lassen.

Mit seinem Gleichnis fragt der Herr Jesus die Menschen aller Zeiten danach, was ihnen wirklich wichtig ist. Was steht an erster Stelle? Wenn es nicht Gott ist, dann werden wir einmal nicht mit feiern beim großen Fest Gottes. Eingeladen sind wir alle. Aber wer nicht kommt, schließt sich selber aus.

Wie kann ich zum Ausdruck bringen, dass ich Gottes Einladung gerne annehme, dass sie mir wichtig, ja das wichtigste überhaupt ist? Indem ich jede Gelegenheit wahrnehme,

– Gottes Wort zu hören oder zu lesen,

– das Abendmahl im Glauben zu empfangen,

– mit glaubenden Menschen zusammen zu sein,

– mit Gott im Gebet zu reden.

Ich nehme Gottes Einladung an,

– wenn ich seinem Wort vertraue,

– wenn ich mich auf seine Verheißungen verlasse, auch wenn ich nicht weiß, wann und wie sie sich erfüllen.

– wenn ich mit meiner Schuld, wie groß sie auch sei, zum Kreuz komme um Vergebung bitte und sie annehme.

Es ist niemand unter uns, der nicht von Gott zu seinem großen Fest des Himmels eingeladen wäre. Niemand. Wir können uns nur selbst ausschließen, indem wir anderes vorziehen. Wie sagte der Mann, der mit Jesus am Tisch saß? Was für ein Glück muss das sein zu Gottes Fest eingeladen zu werden! Ja, es ist das größte Glück, das es gibt.

Herr wir danken dir für deine Einladung, für deine Liebe Fürsorge und Freundlichkeit. Hilf uns, dass wir nichts anderes wichtiger nehmen, dass wir uns nicht abbringen lassen, dir zu vertrauen und deinem Wort zu gehorchen. – Amen.

Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168