Was ist uns das Reich Gottes wert?
Zur PDFSeptuagesimae 24.01.2016 – 1.Kor 9, 24-27
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
In unserem Predigttext aus dem 1.Korintherbrief schreibt der Apostel, die für heute vorgesehenen Verse 24-27 des 9. Kap.:
Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber (nur) einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt! Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht anderen predige und selbst verwerflich werde.
Was ist uns das Reich Gottes wert? – Darum geht es hier.
Was mag den Apostel zu diesen Äußerungen veranlasst haben? Vielleicht eine Frage: Mensch Paulus, warum nimmst du das alles auf dich? Den Ärger, wenn dich deine alten Freunde aus dem Hohen Rat beschimpfen, verleumden und dich schlecht machen. Die Strapazen der langen Reisen durch ganz Kleinasien, Mazedonien und Griechenland. Immer wieder wirst du angezeigt. In einigen Orten hat man dich vor Gericht gezerrt oder geschlagen und eingesperrt, wie in Philippi. Andernorts haben sie dich sogar zu steinigen versucht und beinahe wäre es ihnen gelungen. Du nimmst ja nicht einmal Geld für deine Verkündigungsdienste. Warum tust du dir das an? Du könntest doch ein ehrbares, ruhiges Leben führen und gut verdienen bei deiner Ausbildung.
Paulus antwortet: Weil es sich lohnt. – Es geht doch um was. Ich hab doch ein Ziel. Ein Ziel für die Menschen, die noch nichts von Jesus wissen und ein Ziel für mich selbst. Gottes Reich ist mein Ziel. Und ich darf andere zu diesem wunderbaren Ziel einladen. Es gibt doch so viele, die noch nichts vom Evangelium wissen. So viele, die keine Ahnung heben, dass sie ohne Jesus verloren sind.
Paulus weiß, das Himmelreich ist nicht umsonst zu haben. Das Ewige Leben wird keinem nachgeworfen, der nicht einmal daran interessiert ist. Die Seligkeit ist kein Selbstläufer.
Viele denken das ja heute bei uns. Falls es Gott und sowas wie einen Himmel überhaupt gibt, so denken sie, dann werde ich schon hineinkommen. Das muss der liebe Gott doch. Der kann doch keinen ausschließen. Dann wäre er ja nicht der liebe Gott. Sie meinen, sie könnten alles haben und bräuchten nichts dafür einzusetzen oder aufzugeben.
So kann man nur denken, wenn man die Bibel nicht kennt. Jesus hat so viele klare Aussagen dazu gemacht, dass es auch ein ausgeschlossen sein gibt aus dem Reich Gottes. Er spricht davon, dass der Weg schmal ist und die Türe eng ist, die zu Gott führt. Du kannst nicht zwei Herren dienen. Du musst dich entscheiden. Er fordert auf, Schätze zu sammeln, die nicht die Motten und der Rost fressen, sondern die im Himmel zählen. Einem Reichen jungen Mann, der nach dem Ewigen Leben fragt, sagt er, er soll verkaufen, was er hat und ihm nachfolgen.
In der Bergpredigt fordert er dazu auf, dieses Ziel an die erste Stelle zu setzen: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes… Im ganzen NT wird immer wieder betont, dass Nachfolge Jesu eine klare Entscheidung ist, die eine konsequente Lebensführung erfordert, bei der man immer wieder überwinden muss. Nicht mit Tricks andere überwinden, sondern mit Ehrlichkeit und Disziplin sich selbst überwinden.
Dass man halt nicht immer nur das tut, wozu man gerade Lust hat: – Am Sonntagvormittag habe ich Lust im Bett liegen zu bleiben und dann gemütlich zu frühstücken und keine Lust aufzustehen und mich auf den Weg in den Gottesdienst zu machen. Es ist kalt draußen und in meinem Bett ist es so schön warm. –Und ich versäume Worte des ewigen Lebens.
Manche haben Lust ein paar Bierchen oder Weingläser mehr zu trinken und die Gefahren und negativen Begleiterscheinungen und Folgen sind ihnen egal. Andere haben Lust, auf jemandem herumzuhacken und ihn schlecht zu machen.
Auch das Umgekehrte ist nicht im Sinn Jesu. Wenn man eben keine Lust hat. Keine Lust zum Helfen. Keine Lust zum Bekennen, Keine Lust zum Beten. – Das ist mir alles zu mühsam und zu anstrengend. – Es gibt jede Menge Möglichkeiten sich einzusetzen für Gottes Sache. Aber so viele denken oder sagen: Warum soll ich mir das antun? Mich anstrengen, meine Zeit einsetzen, vielleicht auch noch mein Geld. Sie kapieren nicht, dass sich der Einsatz lohnt.
Ehrgeiz ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Das geht schon in der Schule los. Manche treiben sich selbst in die Arbeit und manche werden von ihren ehrgeizigen Eltern reingetrieben. Eine Zwei ist nicht genug. Das nächste Mal muss es eine Eins sein. Später lockt die Gehaltsstufe, die Beförderung, der Karriereschritt. Man will noch besser sein, um ein Ziel zu erreichen, das man später doch wieder verliert. Man sammelt Schätze und Güter an, die man doch einmal nicht mitnehmen kann.
Nur für die Ewigkeit meint man, nichts tun zu müssen. – Da wird die evangelische Freiheit missverstanden. Weil man nach evangelischem Verständnis für Gottes Vergebung nicht bezahlen kann und die Gnade Gottes geschenkt ist, wird nichts dafür getan. Weil Jesus Christus für uns das Heil erworben hat, meinen viele, für Gott und ihre ewige Seligkeit braucht’s gar keinen Einsatz. Das ist aber ein Irrtum.
Das macht hier der Apostel Paulus den Christen in Korinth mit einem sehr anschaulichen Vergleich klar. Er verweist auf den Sport. Der Apostel vergleicht den Einsatz eines Sportlers mit dem Einsatz eines Christen auf dem Weg zum Ziel. Offensichtlich war Paulus, nicht nur beim Zieleinlauf und bei der Siegerehrung dabei, sondern hat sich die Aktiven auch beim Training angesehen und mit ihnen gesprochen. Er war beeindruckt von dem Aufwand, der Ausdauer, dem Ehrgeiz, vom Trainingsfleiß und von der Bereitschaft zu verzichten.
Da gibt es welche, die wollen die Schnellsten sein. Sie drehen im Stadion Runde für Runde trainieren nach einem Plan. Gehen früh ins Bett, um ausgeschlafen zu sein, wenn sie ihre morgendliche Trainingseinheit machen. Sie essen diszipliniert und nur ausgewählte Speisen. Nicht zu viele Kohlehydrate, genug Eiweiß und Calcium. Sie verzichten auf die Torte, das Schmalzbrot, den Alkohol, schwitzen stundenlang im Fitnessstudio, beobachten ihr Gewicht, ihren Pulsschlag und ihren Bodymaßindex. – Sie merken, ich kenn mich da aus –
Paulus stellt die ketzerische Frage: Wofür eigentlich? Damals waren Sportler ja keine Profis. Da gab es einen Lorbeerkranz für den Olympiasieger und die Ehre, den Beifall, die Bewunderung der Zuschauer. Alles vergänglich, stellt der Apostel fest. Und dafür schinden die sich so. Manche schlagen in die Luft… Wahrscheinlich hat er da beim antiken Boxtraining zugesehen. Wie die Muskelmänner ihre Fäuste wirbeln ließen. Die Trainingsmethoden waren ja noch ein wenig anders.
Heute haut so ein Boxer stundenlang auf einen großen Sack, der an der Decke und am Boden aufgehängt ist. Bis er nicht mehr kann und der Schweiß in Strömen fließt. – Ja, der Sport ist heute perfekter und vielseitiger, teurer und materialintensiver. Da muss man richtig ausgestattet sein, das neueste Material haben. Das Rennrad muss noch 100 Gramm leichter sein, der Schuh optimiert, das Trikot raffiniert geschnitten. Mit Sportausrüstungen werden Milliarden verdient. – Und wofür? fragt Paulus. – Für einen vergänglichen Preis?
Manchen ist kein Preis zu hoch. Sie greifen sogar zu gesundheitsgefährdenden Mitteln, um die Leistung noch ein bisschen zu steigern. Doping ist in fast allen Sportarten eine Gefahr. Selbst im Breitensport werden Mittelchen zur Leistungssteigerung genommen. Auch ein ganzer Wirtschaftszweig, der davon lebt, dass ehrgeizige Amateure ihre Leistung steigern wollen. Aber wozu? Ein paar Jahre und dann ist es vorbei. Und wer es übertreibt, macht sich damit kaputt.
Paulus wollte den Sport nicht schlecht machen und wer mich kennt, weiß, dass ich alles andere als ein Sportmuffel bin. Es macht mir Freude und es tut mir gut, wenn ich mich bewege. Es hilft mir Stress abzubauen, wenn ich auf dem Rad unterwegs bin oder mit den Laufschuhen oder wenn ich im Schwimmbecken meine Bahnen ziehe. Aber es ist wie mit allem anderen: Es muss im Rahmen bleiben und es darf uns nicht vom Reich Gottes abhalten.
Inzwischen ist es üblich, dass Sportveranstaltungen am Sonntagvormittag zur Gottesdienstzeit stattfinden. – Der liebe Gott muss doch Verständnis haben und die allermeisten würden ja ohnehin keinen Gottesdienst besuchen. Und so kann man an manchem Sonntag in den frühen Morgenstunden Massen beobachten, die zu einer Großveranstaltung unterwegs sind. Aktive Triathleten, die um sechs Uhr morgens in einen kalten See springen, Zuschauermassen am Ufer, die sie bejubeln, die aber niemals um 8 Uhr aus dem Bett kämen um ein/zwei Stunden später einen Gottesdienst zu besuchen.
Beim Sport wird niemand auf dem Treppchen stehen, der nicht vorher jahrelang hart trainiert und auf alles andere verzichtet hat. Und – auch wenn viele an einem Wettbewerb teilnehmen, gewinnen kann immer nur einer. – Anders im Glauben. – Da können viele gewinnen. Ja alle, die den Weg konsequent gehen. Die bereit sind, um des großen Zieles willen, das sie erreichen wollen auch auf manches zu verzichten.
Wer den Glauben ernst nimmt und das Ziel des Ewigen Lebens wirklich erreichen will, der kann doch nicht bewusst lügen. Der kann doch nicht nur an sich denken oder andere niedermachen und schlecht behandeln. Wer Jesus nachfolgt, der kann doch nicht am Geld hängen bleiben und geizig sein. Oder im Internet ständig pornografische Seiten suchen. Oder für ein Hobby oder einen Sport sein ganzes Geld und seine ganze Zeit verbrauchen.
Ich glaube auch, dass jemand, der das Reich Gottes vor Augen hat, den ganzen Faschingszirkus nicht unbeschadet mitmachen kann oder auf jedem Fest und jeder Fan Meile aktiv dabei sein kann. Da herrschen andere Gesetze, regieren andere Mächte, üben andere Geister Einfluss aus, als die guten Gesetze, Mächte und Geister Gottes.
Es gibt Sportveranstaltungen, bei denen muss man sich durch Schlamm wühlen und anschließend im Sand wälzen oder durchs Moor kämpfen. Die Teilnehmenden schauen dann entsprechend aus. Im Ziel sind sie kaum noch zu erkennen. Da gibt’s dann aber eine Dusche und eine halbe Stunde später, bei der Siegerehrung sind sie wieder frisch und sauber. Schlamm, Sand, Moor kann man abwaschen, aber was man im Internet auf den entsprechenden Seiten konsumiert hat, was man an bösen und gemeinen Kommentaren abgegeben oder zur Kenntnis genommen hat, das wäscht sich nicht einfach ab. Das belastet, das kriegt man nicht los.
An anderer Stelle weist Paulus einmal darauf hin (2.Kor 3,1-3): Ihr seid ein Brief Christi an die Welt. Ein Brief, eine Botschaft, ein Beispiel für solche, die das Christentum noch distanziert sehen. Er meint, die Menschen beobachten uns, wenn sie wissen, dass wir uns zum Glauben bekennen. Sie versuchen festzustellen, ob wir anders sind als die Weltmenschen. – Und? – Bist du anders? Wenn nicht, dann sind die Beobachter enttäuscht und wenden sich ab. – Neulich sagte eine Frau zu mir, sie sei aus der Kirche ausgetreten, aber nicht, weil sie nichts glauben würde, sondern weil sie ein Problem mit dem Bodenpersonal Gottes hätte. Da hatte sich wohl jemand anders verhalten, als sich ein/e MitarbeiterIn Gottes verhalten sollte. – Ja, auch die hauptamtlichen in der Kirche sind oft keine gute Werbung für die Sache Gottes.
Es ist notwendig, dass wir als Christen einen klaren Standpunkt vertreten, dass wir unseren Glauben nicht verstecken, unsere Überzeugung nicht verheimlichen. Wir müssen auch mal Nein sagen können und uns einer Aktion, bei der Gott gelästert oder ein Mensch niedergemacht wird, verweigern. Vielleicht ernten wir zunächst Spott, aber nicht selten haben andere trotzdem Respekt vor der klaren Haltung.
Es geht nicht ohne Verzicht und Überwindung. Paulus: ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht anderen predige und selbst verwerflich werde.
Solches Überwinden segnet der Herr und es bringt uns dem Ziel näher. Das ist unser Beitrag auf dem Weg zum großen Ziel. Trotzdem gilt unser Wochenspruch: Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel © , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168