Was ist die Grundlage eines zufriedenen und glücklichen Lebens?
Zur PDF18. Sonntag nach Trinitatis, 19.10.2014, Epheser 5, 15-20
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Wir beten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt: …Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Das Schriftwort für die Predigt an diesem 18. Sonntag nach Trinitatis steht im Epheserbief im 5. Kapitel, Verse 15-20:
Achtet genau darauf, wie ihr lebt: Nicht wie Menschen, die von Gott nichts wissen wollen, sondern als Menschen, die ihn kennen und lieben.
Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille Herrn ist.
Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Leben folgt, sondern lasst euch vom Geist Gottes erfüllen.
Singt miteinander Psalmen und lobt den Herrn mit Liedern, wie sie euch sein Geist schenkt. Singt und jubelt aus vollem Herzen!
Sagt Gott, dem Vater, Dank allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Predigt Teil I – Nicht jammern, danken!
Was ist die Grundlage eines zufriedenen und glücklichen Lebens? – Wenn man genug Geld hat? Wenn man sich einen guten Wein leisten kann und erlesene Speisen? – Wenn man gesund ist? Oder ist es der Erfolg, die Anerkennung oder dass man sich geliebt weiß? – Das ist wohl alles wichtig und wertvoll, aber glücklich und zufrieden ist man noch nicht automatisch, wenn man das alles hat. Es gibt leider auch Menschen, die haben von allem viel, mehr als genug, sind aber dennoch unzufrieden, umgetrieben und unglücklich. Warum? Weil sie nicht gelernt haben zu danken. Ich meine, Gott zu danken.
Sagt Gott allezeit Dank! So rät hier der Apostel Paulus den Christen in Ephesus. Er hatte gehört, dass so manche unter ihnen unzufrieden waren. Sie lagen im Streit miteinander und wollte sich gegenseitig übertrumpfen. Wer immer nur auf das schaut, was andere ihm vielleicht voraushaben, wer dauernd seine augenblickliche Schwierigkeit bejammert und dabei das Danken vergisst für all das, was er selbst hat, der wird sein Leben lang nicht zufrieden und glücklich.
Auf einer Bahnfahrt im Liegewagen wollte sich ein Geschäftsmann entspannen und ein wenig schlafen. Aber unter ihm lag ein Mann auf seiner Liege, der ihn daran hinderte. Immerzu stöhnte der Mann leise vor sich hin: „Du liebe Zeit, hab ich einen Durst!“ – „Du liebe Zeit, hab ich einen Durst!“ – „Ach, du liebe Zeit, hab ich einen Durst!“ – Nach einer Weile war der Geschäftsmann so entnervt, dass er aufstand, im Bordrestaurant zwei Flaschen Wasser besorgte, und sie dem Mann unter ihm brachte. „Vielen Dank“, sagte der und trank das Wasser genüsslich aus. Kaum war der Geschäftsmann auf seiner Liege oben am Einschlafen, da hörte er wieder von unten das leise Gestöhne: „Du liebe Zeit, hatte ich einen Durst! Oh, war ich durstig! – Ach hatte ich einen Durst!“
Ein anderer, er besaß ein Hotel, beschwerte sich bei der Stadt über erhebliche Einbußen seines Geschäfts, seitdem die neue Schnellstraße an seinem Hotel vorbeiführt. Darauf hingewiesen, dass sein Hotel doch immer ausgebucht sei, antwortete er: “Vor dem Bau der Straße musste ich jeden Tag etwa vierzig Gästen absagen, jetzt sind es pro Tag nur noch zwanzig, die ich abweisen muss. Das alles wegen der Straße.
Man kann sich das Jammern zur Gewohnheit machen. Jammern über das, was war oder das was gerade nicht passt oder das, was vielleicht kommen könnte. Mit solchen ständig jammernden Menschen leben zu müssen ist kein Vergnügen. Macht euch doch lieber das Danken zur Gewohnheit! So der Rat des Apostels hier. Es gibt so viel Anlass dafür.
In unserer letzten Kirchenvorstandssitzung am vergangenen Dienstag habe ich in der Andacht zu Beginn auf die Losung und den Lehrtext des Tages hingewiesen. Da ging es auch um das Danken. Etwa in dem Satz aus dem 1.Thessalonicher-brief (5, 18): Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an Euch. Anstatt nun eine lange Aufzählung zu machen, wofür man alles danken könnte, hab ich die Anwesenden aufgefordert selber zu sagen, wofür sie dankbar sind. Es kam eine ganze Menge zusammen. Alle trugen etwas zu einem Dankkatalog bei. Vom Wohlstand, in den wir haben und vom Frieden, über die Freiheit, in der wir unseren Glauben leben dürfen, bis zu den Talenten und Gaben die Gott einem geschenkt hat.
Es kamen auch sehr persönliche Dinge zur Sprache: Dass Gott einem nach ernster Krankheit, das Leben noch einmal geschenkt hat, dass der Herr auch immer wieder aus depressiven Phasen heraushilft, dass Gott auch hilft mit Einschränkungen zu leben und Gutes zu erfahren trotz Krankheit. Dass Gott nach Verlust des Ehepartners wieder Mut und neue Aufgaben geschenkt hat.
Ich empfand diese kleine Runde sehr bereichernd. Wir sollten uns ruhig jeden Tag die Zeit nehmen, das zu bewegen: Wofür kann ich heute danken? Und es dann auch tun. Das ist viel besser als ständig das alte Lied des Jammers auf den Lippen zu haben. Singen wir doch lieber täglich ein neues Danklied. Das macht zufrieden und glücklich.
Psalm 98 fordert direkt dazu auf (Vers 1): Singt dem Herrn ein neues Lied! Paul Stein hat vor 50 Jahren ein schönes Lied aus diesem Psalmvers gemacht. Wir wollen es miteinander singen und uns von seinen Gedanken zum Danken für unser eigenes Leben anregen lassen: 287, 1-4 Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder
Predigt Teil II
Ist es nicht so, wie Paul Stein hier in der 3. Strophe dichtet:
Du kennst oftmals deinen Weg nicht und du weißt nicht recht, was du sollst; doch da schickt dir Gott die Hilfe zu…
Wie oft war’s denn schon so? Aber dann haben wir zu wenig oder gar nicht gedankt. Wie oft haben wir schnell vergessen, was Gott uns Gutes getan hat und stattdessen die Augen ängstlich auf den nächsten Mangel gelenkt. Da kann man gar nicht oft genug an den Anfang aus Davids 103. Psalm erinnern (Vers 2): Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Von David können wir auch lernen, wofür wir vor allem zu danken haben. Das eine ist das, was wir am Erntedankfest in unserem Altarraum vor Augen haben: Die Lebensmittel, die Gaben des Schöpfers, einschließlich der Menschen, die sie für uns veredeln und vertreiben. Wir haben zu danken für das tägliche Brot und für alles, was Martin Luther in seiner Erklärung zu dieser Vaterunser Bitte nennt. Wetter und Regierung, Frieden, Arbeit und Auskommen, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen. Wie viele haben das nicht!
Aber David denkt bei seinem Dank zuerst noch an etwas ganz anderes. Das ist ihm der wichtigste Dank: …“der dir alle deine Sünde vergibt“… Danken für Gottes Vergebung. Danken für das, was uns der 2. Glaubensartikel zusammenfasst: Danken für Jesus Christus, unseren Herrn, für sein Kreuz, seine Auferstehung, für unsere Erlösung, für das Ewige Leben, das er schenkt, für seine Liebe.
Vergiss nicht zu danken für den, der Dein Leben vom Verderben erlöst und dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit. Für die meisten Christen unserer Tage ist das kein Thema. Sie verstehen nicht: Welches Verderben? Welches verdammt sein? Welche Verlorenheit? Wir sind doch rechtschaffene Leute. Ich treffe viele Menschen, die keine Sünder sind. Die, wie sie meinen, sich jedenfalls nicht wirklich etwas vorzuwerfen hätten. Der liebe Gott, falls es ihn denn tatsächlich gibt, muss das, so meinen sie, auch so sehen und wird sie einmal mit offenen Armen und alles zudeckender Liebe empfangen. Wird er?
Wie weit ist so eine Einschätzung weg von der, eines Martin Luther etwa, der von sich sagt (aus Beichtgebet EG 707,2): „Ich armer elender sündiger Mensch, bekenne dir alle meine Sünde und Missetat, die ich begangen mit Gedanken, Worten und Werken, womit ich dich jemals und deine Strafe zeitlich und ewiglich verdient habe.“ Ob die vielen Theologen, Pfarrer, kirchlichen Mitarbeiter, Gemeindeglieder, die alle das Reden von Sünde, Buße und Verlorenheit nicht mehr hören wollen und nicht mehr für zeitgemäß halten, besser sind als Martin Luther? Besser als unsere alten Liederdichter, die noch von Sünde und Verlorenheit singen?
Ich fürchte, es ist anders. Nicht die Sünde ist am Aussterben, sondern die Sündenerkenntnis. Nicht die Verlorenen werden immer weniger, sondern die, die diesen Zustand der Verlorenheit an sich selber erkennen. Wenn Paulus hier dazu auffordert, die Zeit auszukaufen und verständig zu werden, dann geht es ihm darum, dass Christen die Zeit nutzen, die Gott ihnen schenkt, um bereit zu werden für das Reich Gottes. Wir sollen umkehren von falschen Wegen, uns abwenden von falschen Lebenszielen, Denkweisen und Einstellungen.
Ein Beispiel nennt Paulus stellvertretend für eine ganze Lebensart: „Sauft euch nicht voll Wein.“ Was meint er? Hat er was gegen ein Glas Wein oder Bier? Ist er ein leidenschaftlicher Abstinenzler? Wohl nicht! Aber er warnt davor, sich volllaufen zu lassen, sich abzufüllen, weil das zum geistlichen Abstumpfen führt. Alkohol ist auch heute ein Thema.
In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl von Jugendlichen mit Alkoholvergiftung nahezu verdreifacht. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) schätzt, dass weltweit etwa 140 Millionen Menschen alkoholabhängig sind. Pro Jahr sterben in unserem Land 73.000 Menschen vorzeitig durch Alkoholmissbrauch. Eine ganze Stadt, so groß wie Bayreuth! Die meisten irgendwann durch Leichtsinn oder Übermut in die Abhängigkeit geraten. Sie sind dann gefangen in der Sucht, machen ihre Zukunft kaputt, ihre Ehe, ihre Familie.
Paulus warnt: Achtet genau darauf, wie ihr lebt. Kauft die Zeit aus. Nützt die Zeit aus, im Sinn Gottes, im Hören auf sein Wort, im Trachten nach seinem Reich. Viele meinen ja, sie haben die Zeit ausgenützt, wenn sie möglichst viel reingepackt haben. Termine und Aktivitäten, Erlebnis und Kick, Schneller fahren, schneller arbeiten, weniger schlafen. Leben wie eine Wunderkerze. Sprühend! Die brennt als Feuerwerk runter, glüht noch ein bisschen nach und ist ausgebrannt. Burn out. Das ist nicht gemeint mit: Kauft die Zeit aus!
Es ist eher das andere: Sich Zeit nehmen zum Hören, zum still werden, zum Nachdenken, zum Gottesdienst zum Danken. Das ist ausgekaufte Zeit. Im Psalm 92, 2 heißt es: Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken. Margret Birkenfeld hat daraus ein sehr schönes Lied gemacht. Hören wir es an:
(Solo Gisela Streng, Barbie Kießling, Gitarre Tobias Streng):
Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn zu danken
Predigt Teil III Auftanken durch Danken im Lied
Macht so ein Lied nicht Mut? Mut zum Leben und Mut zum Glauben! Wer geistliche Lieder hört und singt und wer ihre Botschaft für sich annimmt, der wird davon immer gestärkt. Das wöchentliche Singen der Gruppe Luther in den Bayreuther Krankenhäusern seit etwa 4 Jahrzehnten hat schon vielen geholfen. Wie oft werde ich darauf angesprochen von Patienten. Schon oft haben mir Sängerinnen und Sänger gesagt: Ich war vorher so kaputt, so niedergeschlagen, wollte eigentlich gar nicht zum Singen und hinterher war zwar meine Stimme verbraucht, aber es ging mir wieder viel besser. Das gilt auch für das Singen in einem Kirchenchor oder einer Kantorei. Das ist nicht schade um die Zeit, sondern das ist Gnade, diese Zeit. Das gibt Kraft von oben, die aufbaut.
Paulus rät: Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern. Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen. Auf dem Singen von Psalmen und geistlichen Liedern liegt großer Segen. Das befreit und nimmt Lasten. Wer das tut, erhält dadurch immer wieder Botschaften von oben. Wie oft erlebe ich das selber. Da geht mir eine Melodie durch den Kopf. Ich summe oder pfeife sie, nach einer Weile fallen mir die Texte dazu ein und ich merke, dass sie mir Antworten und Zuspruch Gottes sind. Beim Gedudel von geistlosen Liedern passiert das nicht oder beim ohrenbetäubenden Gebrüll oder Kreischen mancher Songs aus den Charts. Das können auch Ohrwürmer sein, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen, aber sie helfen nicht.
Auf dem Hören auf Gottes Wort und dem Tun seines Willens liegt Segen. Wohl denen, die beides tun. Hören und danach handeln. Amen.
295,1-4 Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168