Was auch kommt, der Herr ist mit uns!

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Jahresschlussgottesdienst 31.12.17, 2.Mose 13, 20-22

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: Herr, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Wir sind am Ende eines Jahres angelangt. 12 Monate liegen hinter uns. Wie zwölf Kapitel eines dicken Buches. Noch ein paar Stunden, dann ist die letzte Seite gelesen. Ganz verschiedene Zeiten haben wir erlebt. Manches hat uns zum Lachen gebracht, anderes zum Weinen. Manche Stunden sind uns im Flug vergangen, andere sind uns quälend lang geworden. Jahreswechsel regen zum Rückblick an, aber auch zur Vorschau. 

Auf allen Sendern wird in diesen Tagen Bilanz gezogen. Die Medien erinnern uns an die Katastrophen des Jahres 2017 und an die Highlights, an die großen Siege und an die historischen Niederlagen. An die Gewinner großer Preise und an die Persönlichkeiten, deren Lebensweg 2017 endete. Den Weg, den wir in den letzten 365 Tagen gegangen sind, können wir zurückschauen. Wir wissen was war, aber wir wissen heute noch nicht was 2018 kommen wird.

Wenn wir Morgen die neuen Kalender aufhängen, ist noch alles offen. Ungewiss liegt die Zukunft vor uns. Wir wissen nicht, wann Deutschland wieder eine reguläre Regierung haben und was es für eine sein wird. Uns ist nicht bekannt, wessen Grabinschrift das Jahr 2018 als Sterbejahr tragen wird. Wie krank oder wie gesund, wie glücklich oder wie traurig wir in einem Jahr sein werden. Wen wir schmerzlich vermissen werden oder über wessen Start ins Leben wir uns dann freuen werden.

Für einige wird es ein besonderes Jahr werden, weil sie Examen machen, eine neue Stelle antreten oder in den Ruhestand gehen werden. Einige werden heiraten, manche sich scheiden lassen. Manche werden ihr neues Haus beziehen oder die neue Wohnung. Andere werden ihren Haushalt auflösen müssen, weil es daheim nicht mehr geht und sie ins Pflegeheim ziehen. Auf so manches freuen wir uns und anderes fürchten wir. Wir begeben uns aus der alten Zeit in eine neue Zeit.

Genau davon berichtet das Schriftwort für die Predigt, das für diesen letzten Tag des Jahres vorgesehen ist.

Es sind nur einige Verse, die davon erzählen, wie das Volk Israel im Begriff ist aus Ägypten auszuziehen. Nach der zehnten und schrecklichsten Plage, dem Sterben aller männlichen Erstgeborenen der Ägypter, hat Pharao Mose endlich die Erlaubnis erteilt mit dem Volk Israel das Land zu verlassen.

Hinter den Frauen und Männern, Kindern und Alten liegen harte Zeiten der Angst und Unterdrückung. Vor ihnen eine unbekannte Zukunft. Sie müssen in die Wüste, durch die Wüste und wissen nicht, was sie erwartet. (2.Mose 13, 20-22):

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam, am Rande der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie bei Tag und bei Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk, noch die Feuersäule bei Nacht.

Was hinter ihnen lag, wussten sie. Generationen der Unterdrückung durch die ägyptischen Machthaber. Zwangsarbeit, Demütigungen, Misshandlungen, Ungerechtigkeit. Sie hatten sich seit vielen Jahren nach Rettung, Befreiung und besseren Lebensumständen gesehnt. Aber es schien alles hoffnungslos und vollkommen unmöglich, der Sklaverei zu entrinnen. Die meisten Israeliten glaubten längst nicht mehr, dass Gott ihre verzweifelten Gebete noch erhören und sie befreien würde.

Bis Mose von Gott zu ihnen geschickt wurde, mit dem Pharao verhandelte, und der nach 10 Plagen, die Gott über Ägypten kommen ließ, dem Volk Israel erlaubte, das Land zu verlassen. Zunächst war der Jubel groß und die Euphorie grenzenlos. Endlich frei! (Grenzöffnung 1989) Die Strapazen überstanden! Aus der Knechtschaft entlassen.

Doch schnell holte sie die Realität wieder ein. So ein großes Volk unterwegs? Hunderttausende, die täglich Essen und Trinken benötigen. – Wohin sollen wir denn ziehen? – Wo wird es Lebensraum, Land, Heimat für uns geben? Werden wir überleben? – Oder werden wir in der Wüste jämmerlich umkommen oder von fremden Völkern getötet werden?

Vielleicht geht es manchen, Afrikanern, die in unserer Zeit nach Europa fliehen ähnlich. Zuerst die Erleichterung, unmenschlichen Lebensbedingungen, Unterdrückung, Misshandlung und Demütigung entronnen zu sein. Aber dann bald die Ernüchterung und die bange Frage: Wie geht es jetzt weiter? Wohin sollen wir denn ziehen? Wird es Lebensraum, Land, Heimat für uns geben. Werden wir überleben? Wird unser altersschwaches Boot die Fahrt übers Mittelmeer aushalten? Wird unser Asylantrag anerkannt? Immer wieder in der Geschichte war das die Situation von Flüchtlingen: Zunächst froh, mit dem Leben davongekommen zu sein, dann aber der Kampf ums Überleben, die Suche nach Heimat und die bange Frage nach einer ungewissen Zukunft.

Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen damals und heute, zwischen den Israeliten und den Flüchtlingen heute. Damals stand ein Plan Gottes dahinter. Die Nachkommen Jakobs zogen nicht aus eigener Entscheidung los, sondern im Namen Gottes und unter der Führung seines Boten Moses. Volk Gottes unterwegs.

Wer im Namen Gottes geht, ist nie allein. Das wird aus diesen wenigen Versen des Buches Exodus klar. Gott geht mit. Und er gibt seine Zeichen. Er geht vor ihnen her und er ist ihr Schutz. Gott lässt seine Leute nicht allein in eine ungewisse Zukunft gehen. Auch wenn sie nicht wissen, was sie in den kommenden Jahren erwarten wird, dürfen sie wissen: Was auch kommt, der Herr ist mit uns.

Das dürfen auch wir wissen, wenn wir aus dem alten Jahr ins neue ziehen: Was auch kommt, der Herr ist mit uns. Wenn wir uns auf ihn verlassen, dann wird er bei uns sein an den schönen und fröhlichen Tagen, aber auch an den schweren und belastenden Tagen. In der neuen Wohnung/Haus. Auf der neuen Stelle, in den Prüfungen, in meiner Ehe, in meiner Familie, in meiner schweren Aufgabe, in meiner Krankheit.

Auch wir gehören durch Jesus zum Volk Gottes, für das er sich einsetzt. Durch Jesus haben wir Zusagen und Verheißungen: Ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Er sagt uns: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Wenn du ein Kind Gottes bist, musst du dich doch nicht fürchten. Vertrau ihm, wenn es durch Wüsten geht oder wenn die Wasser und Stürme um dich toben! Verlass dich auf ihn, wenn es in dir oder um dich brennt!

Als Kindern Gottes gilt uns Gottes ganze Fürsorge und dürfen uns alle seine Worte zum Trost werden. So spricht der Herr (Jes 43, 1-3): „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland!“

Was heißt denn das? Das heißt, wenn du dich auf deinen Herrn verlässt, dann ist ganz sicher: Er hat einen Weg für dich, er kann helfen, auch wenn es nach menschlichem Ermessen aussichtslos erscheint. Er meint es gut mit dir, auch wenn du eine Last tragen musst. Er ist Tag und Nacht bei dir und lässt dich nicht im Stich!

Das gilt! Das gilt für alle, die sich auf den Herrn verlassen. Für die Eltern, deren einziger Sohn in diesen Tagen schwerkrank auf der Intensivstation lag.

Das gilt für den jungen Mann, dessen Mutter vor einigen Wochen nach schwerer Krankheit verstorben ist. Und auch für seine Oma, die damit eine Tochter verloren hat.

Das gilt auch für die Frau, die sich vor über einem halben Jahr bei einem Arbeitsunfall eine Verletzung zugezogen hat und seitdem arbeitsunfähig ist und demnächst noch einmal operiert werden muss.

Das gilt für die junge Mutter, die im neuen Jahr ihr drittes Kind bekommen wird und nicht weiß, ob ihre Kräfte und ihre Nerven den Belastungen gewachsen sein werden.

Das gilt auch für dich und die ganz persönliche Last, Not oder Bedrohung in der Du an diesem Jahreswechsel 2017/2018 stehst. Verzage nicht! Der Herr Jesus ist doch auch noch da. Gott geht mit. Sein Licht zeigt Dir den Weg, sein Schutz hält dir den Rücken frei, seine Kraft ist in Schwachen mächtig.

Wenn ich es noch ganz persönlich sagen darf: Das gilt auch für meine Frau und mich nach ihrer Klinik- und Reha-Zeit, auch wenn noch nicht abzusehen ist, wie das mit ihrer Kraft und Gesundheit weitergehen wird. Wir dürfen und Du darfst mit Graf von Zinzendorf beten (EG 391,3):

„Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

Es gilt in jedem Fall: Der Herr ist mit dir! Trau ihm zu, dass er Mittel und Wege hat, zu helfen. Dass er Kraft geben wird, soviel nötig sein wird. Dass er Trost, Mut und Zuversicht gibt, auch wenn es durch wüste Zeiten gehen wird oder wenn ein Meer an Arbeit zu bewältigen sein wird. – Aus der Geschichte des Volkes Israel wissen wir, dass Gott, wenn es darauf ankommt, auch ein Meer zurückweichen lässt und dass er Quellen in der Wüste auftut, wenn sein Volk Durst hat.

Dieses Wissen um die Erfahrungen des Gottesvolkes soll uns Mut machen an diesem Tag. Wir müssen nicht ängstlich oder verzagt in das vor uns liegende Jahr gehen, auch dann nicht, wenn uns vielleicht etwas bedroht, wenn wir uns schwach fühlen oder wenn wir keine Ahnung haben, wie es werden wird.

Wenn der Herr mit uns ist, können wir auch am Ende des vor uns liegenden Jahres mit Sicherheit aus ganzem Herzen einstimmen in das Lied, das wir auch nachher singen werden: Nun danket alle Gott, mit Herzen Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

Das unterscheidet uns von denen, die keine Kinder Gottes sind, auch wenn wir dieselbe Not haben: Wir müssen nicht verzweifeln, denn wir wissen, der Herr ist bei uns. Wir müssen nicht vor Angst verzagen oder uns in Sorgen verzehren, weil wir gewiss sind, dass der Heiland für uns sorgt.

Wir dürfen jeden Tag des kommenden Jahres aus seiner Hand nehmen und jede Aufgabe mit seiner Hilfe angehen. Auch die Fehler, die wir machen, ändern daran nichts. Wir dürfen im Namen des Herrn Jesus um Vergebung bitten und Vergebung annehmen. Unser Versagen führt nicht dazu, dass Gott uns seine Liebe und Hilfe entzieht.

Paulus bestärkt uns darin, wenn er sagt (Röm 8, 38f): „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist unserem Herrn.“

Solche Worte sind keine ungewisse Hoffnung, kein frommes Wunschdenken, sondern sind gedeckt aus vieltausendfachem Erleben von Kindern Gottes. Sei getrost, der Herr geht mit. Wenn es am Ende eines Gottesdienstes im Segen heißt: „Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden.“ Dann ist das kein frommer Wunsch, sondern eine verbindliche Zusage, die sich jeder im Glauben nehmen und sich darauf verlassen darf.

Du bist unsre Zuversicht. Du bist unsre Stärke. Herr Jesus Christus, du bist unsre Freude. Herr Jesus Christus, wir preisen dich.

(Gerhard Schnitter)

Amen. Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168