Was an einer Kirche so besonders ist.

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Kirchweih 20.10.2019 nach GH-Renovierung, Psalm 84

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: … Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.

Kirchweih ist immer ein besonderer Tag in einer Gemeinde. So was wie ein Geburtstag. Man denkt zurück an das letzte Jahr und an seine Schwerpunkte, an die Highlights und an die schwierigen Tage. Man schaut auf die Jahreszahl – vor 59 Jahren wurde diese Kirche eingeweiht – sie geht also in ihr 60. Jahr. Für eine Kirche ist das noch nicht wirklich alt, aber doch schon eine ganz schöne Zeitspanne.

Wer sich noch an die Einweihung erinnern kann muss mindestens so alt sein wie ich. Als die Kreuzkirche eingeweiht wurde, war ich gerade 6 Wochen in der Schule. Und wenn ich auf meinem Schulweg die Leuschnerstraße Richtung Luitpoldschule gegangen bin dann sah ich am Ende den neuen Turm der Kreuzkirche über die Dächer spitzen.

Meine Eltern sind damals gern mal in die Kreuzkirche gegangen, obwohl wir nicht zur Gemeinde gehörten. Sie haben mich als 6-jährigen einfach mitgenommen und mir hat es hier auch damals schon gut gefallen. Der große auferstandene Christus an der Altarwand, auf den von der Seite oft das Licht der Morgensonne fällt. Die bunte Glasfront, die das neue Jerusalem mit leuchtenden Farben ahnen lässt, das Heilig-Geist Fenster hinter dem Taufstein, der wie Altar und Kanzel aus massivem Sandstein, Nürnberger Quarzit. Das hat mir alles schon damals gefallen und mich beeindruckt.

Irgendwie vermittelt das Gebäude, das man unter dem Regenbogenmosaik an der Eingangstür betritt, schon etwas von Gottes Macht und Herrlichkeit. Wenn dann die kräftige Orgel zum Lob Gottes erklingt und die singende Gemeinde begleitet, das hat was von der Herrlichkeit Gottes. Wer das nicht empfindet, der ist wahrscheinlich am Abend vorher zu spät ins Bett gegangen.

Sie merken schon, ich komme ins Schwärmen. Und vielleicht ist auch ein bisschen Wehmut dabei. Mein 26. Und letztes Kirchweihfest als Pfarrer dieser Kirche. Ja, da ist Herzblut dabei und Lebenskraft verbraucht worden. Viel Grund zum Danken. Ich bin gern in dieser Kirche, freue mich, wenn die Reihen gut besetzt sind, wenn viele zum Abendmahl gehen und wenn man nicht nur die Orgel oder die Posaunen hört, sondern auch eine große kräftig singende Gemeinde.

Nein, man kann nicht nur von einem tollen Urlaub schwärmen oder von einem gelungenen Sonntagmenü, sondern auch von einem Gotteshaus und sogar von einem Gottesdienst. Dafür gibt es sogar biblische Beispiele. Ein besonders schönes haben wir vorhin im Wechsel miteinander gesprochen: Psalm 84. Und Verse daraus möchte ich mit Ihnen in dieser Predigt noch einmal genauer ansehen:

Betrachten wir unsere Kirche mit offenen Herzen und wachen Augen und lassen uns, verbunden mit Versen des 84.Psalms, der dem Fest der Kirchweih zugeordnet ist, zur Freude, zum Danken und zum Nachdenken anregen. Im Psalm 84 kommen Menschen zu Wort, denen das Haus Gottes lieb und wichtig ist. Menschen, die begriffen haben, dass es hier nicht nur um äußere Formen, um einen Baugedanken, Kunstwerke und um feierliche Handlungen geht, sondern um Sinn und Halt im Leben. Die Verse aus dem 84. Psalm können dazu anleiten und uns dabei helfen:

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar. Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! – Sie gehen von einer Kraft zur anderen und schauen den wahren Gott in Zion. Herr Gott Zebaoth höre mein Gebet! < > Gott, unser Schild, schaue doch; sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten! Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause, als wohnen in der Gottlosen Hütten. Denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. – Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt.

Da hat einer Sehnsucht nach dem Gotteshaus. Er spürt, dass an diesem Gebäude etwas anders ist. So eine Kirche ist kein reiner Zweckbau, wie eine Turnhalle, in der es um Bewegung geht oder auch wie ein Festspielhaus, das den Zweck hat, Opern und Musik optisch und akustisch für die Zuschauer möglichst beeindruckend darzubieten.

In einer Kirche geht es um Gott. Um das, was er uns zu sagen hat, in unserer Zeit, mitten in unserem Leben. Hier soll etwas spürbar werden von seiner Macht und Herrlichkeit, von der Zukunft, die er uns bietet und von der Hoffnung, die er schenkt. Wenn das Aussehen einer Kirche unwichtig wäre, könnten wir unseren Gottesdienst auch in der Rotmainhalle oder in einem Parkhaus feiern. – Sicher, das kann man auch, wenn es nicht anders geht. Christen haben in Zeiten der Verfolgung, schon in Kellern und Katakomben, in Lagerbaracken und Höhlen Gottesdienst gefeiert. Wenn Not ist, kann Gottes Geist überall wirken und sein Wort trösten und stärken.

Aber unmittelbar nach dem Ende der römischen Christenverfolgung hat Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert den Christen ermöglicht eigene Kirchen zu bauen und sich dort in Freiheit und ohne Angst zu Gottesdiensten zu versammeln. – Heute allerdings haben leider längst nicht alle Christen auf der Welt diese Möglichkeit. Die Zahl der Länder, in denen keine christlichen Kirchen gebaut werden dürfen oder in denen Gottesdienstbesucher Angst vor Anschlägen und Gewalt haben müssen, nimmt ständig zu.

Umso dankbarer sollten wir sein, dass wir in dieser Freiheit unseres Glaubens leben dürfen und dass wir schöne Kirchen haben und Gottesdienste feiern können – oder auch einmal in stiller Andacht in einer Kirche sitzen können.

Heute haben wir in unserer Gemeinde zusätzlich noch Grund zur Freude und zum Danken, weil unser Gemeindehaus auch innen wieder in neuem Glanz erstrahlt. Nach viereinhalb Monaten Innenrenovierung können nun alle Räume wieder von Gruppen, Kreisen und Chören genutzt werden. Sie dürfen sich nach dem Gottesdienst gerne selbst davon überzeugen.

Es ist der Sinn dieser Räume, dass sie mit Leben erfüllt sind. Kinder und Jugendliche, Familien und Senioren sind zu den jeweiligen Veranstaltungen willkommen. Da soll der Geist Gottes die Atmosphäre prägen und das Wort Gottes Gutes bewirken. Begegnungen, Gemeinschaft, Austausch und Gespräch sollen Raum in schöner Umgebung haben.

Im alten Tempel waren das die Vorhöfe und Säulenhallen, die das Gotteshaus umgaben. Davon ist hier im Psalm die Rede, wenn es heißt: Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen, die loben dich immerdar.

Es geht nicht um alte tote Formen, sondern um den lebendigen Gott. Ein Gott, den man im Alltag erleben kann. Er will lebendigen Glauben. In dem Psalm stehen ein paar ganz wichtige und zentrale Aussagen. Zum Beispiel die: Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! – Sie gehen von einer Kraft zur anderen.

Wer mit dem lebendigen Gott lebt ist nicht unbedingt besser als jemand, der nicht glaubt, er ist aber viel besser dran. Er muss nicht alles mit eigener Kraft bewältigen, muss nicht immer selber stark sein. Gottes Kraft ist gerade auch in Schwachen mächtig. Maria ein zartes Mädchen wird durch die Kraft des Allerhöchsten zu einer ganz besonderen Frau. Mutter Theresa, eine kleine bescheidene Frau hat bedeutendes geleistet für Kranke und Notleidende.

Ja, wenn man um seine eigene Schwachheit weiß und mit der Stärke Gottes rechnet, dann wird Unmögliches möglich. Paulus war ein kranker Mann als er seine Missionsreisen durchführte, aber weil er den Auferstandenen Jesus Christus für seine Stärke hielt, hatte er den Mut, vor Statthaltern, Königen und zuletzt wohl sogar vor dem römischen Kaiser seinen Glauben zu bezeugen.

Wenn man am Abend müde und erschöpft ins Bett sinkt, darf der Glaubende fest damit rechnen, dass Gott über Nacht neue Kräfte schenkt. Für den stressigen Beruf, für die anstrengende Pflege des Angehörigen, für die nervigen Kinder, für das anspruchsvolle Ehrenamt. – Sie gehen von einer Kraft zur anderen. Von der Tatkraft zur Glaubenskraft. Von der Vergebungskraft zur Schaffenskraft. Von der Versöhnungskraft zur Gestaltungskraft. Und wenn eigene Kräfte durch Krankheit oder Alter zur Neige gehen, in der Hoffnungskraft der Auferstehung und im Vertrauen auf die Erlösung durch Jesus Christus zu der Kraft, die alles neu macht und in Ewigkeit wirkt.

Wirklich, ich kann nicht verstehen, warum es so viele Menschen sind, die auf diese Kraft verzichten und dem Gotteshaus fern bleiben. Die Korachiter stellen in unserem Psalm fest: Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ein Sonntag ohne Gottesdienst ist wie ein Haus ohne Dach. Da fehlt das Entscheidende. Da fehlen Schutz und Geborgenheit. Der Segen, den ich da bekomme ist der Proviant, von dem ich die Woche über leben kann. Und den kann keine Stunde mehr Schlaf, kein ausgedehntes Brunchen ersetzen.

Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause, als wohnen in der Gottlosen Hütten. In diesen Räumen bin ich zusammen mit Menschen, denen Gott etwas bedeutet und für die Jesus Christus Freund und Bruder ist. Wo immer sonst wir uns bewegen, im Rotmaincenter oder im Kino, im Fitnessstudio oder im Winterdorf vor dem Finanzamt, sind wir umgeben von einer gottlosen Atmosphäre. Keine Loblieder, sondern belangloses Gedudel aus zahllosen Lautsprechern. Das macht die innere Zwiesprache mit Gott, das macht das Gebet beinahe unmöglich. Wir sind zugedröhnt mit Tönen und werden mit belanglosen Texten berieselt.

Selbst die Jogger oder Radfahrer schotten sich mit Kopfhörern ab von den Vogelstimmen und dem Rauschen der Blätter, die sie umgeben. Was nützen tolle Häuser und Wohnungen, faszinierende Autos mit genialen Assistenzsystemen, was nützen die Güter und Schätze der Welt, wenn das Entscheidende und der Allmächtige Gott in einem Leben fehlen. Der Tempel, die Gotteshäuser und Gemeindezentren wollen an ihn erinnern: Vergiss den nicht, der dich geschaffen, hat, dem du alles verdankst und der allein deine Zukunft sichern kann. Dreimal am Tag erinnern die Glocken auf unserem Turm an den lebendigen Gott und laden zum Gespräch mit ihm ein. Darum wurde hier diese Kirche und fünf Jahre später das Gemeindezentrum gebaut, damit Gott mitten unter uns sichtbar und hörbar wird. Damit wir ihn nicht vergessen.

Denn Gott, der Herr, ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. – Es geht hier nicht ums Verzichten, sondern ums empfangen. Hier ist nicht die Zukunftsangst das Thema, sondern der Zuspruch: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Egal, was dich draußen morgen erwartet: Ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, spricht der Herr. Deshalb heißt es im Psalm zu Recht: Wohl dem Menschen, der sich auf dich, Gott, verlässt.

Wer das tut, der sieht auf das Kreuz. Dem ist der Ort, an dem Jesu sein Leben für uns gab zum Pfand für die Liebe Gottes geworden: Gott, schau nicht auf meine Fehler und Versäumnisse, auf meine Sünden und auf mein Versagen, sondern auf deinen Christus (Gesalbten). In prophetischer Vorschau auf Jesus heißt es hier: Gott, unser Schild, schaue doch; sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten! Hier werden wir ermutigt: Lasst uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens!

Jesus wir sehen auf Dich. Deine Liebe, die will uns verändern. Du bist unsere Stärke und Zuversicht. Jesus, wir sehen auf dich. Jesus, wir hören auf dich. Du hast Worte des Ewigen Lebens, und wir haben erkannt, du bist Christus. Jesus, wir sehen auf dich. (Peter Strauch aus: Ich will dir danken)

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168