Warum sind Sie Christ?
Zur PDFOstern 20./21.04.2014 Apostelgeschichte 10, 34-43
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt…
Jesus lebt! Er ist wahrhaftig auferstanden! Und das hat etwas mit mir zu tun! Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter! (mein Retter!) Das war eines der ersten Bekenntnisse, das Christen formuliert haben. Mit einem Fisch haben sie ihre Überzeugung für Gleichgesinnte an Türen und Häusern zu erkennen gegeben. Noch heute benutzen Christen dieses Zeichen.
Ichtys, das griechische Wort für Fisch ergeben die Anfangsbuchstaben der fünf Worte dieses Glaubenssatzes. Jesus Christus, theos hyou, sotär. Jesus Christus, der Sohn Gottes ist mein Retter. Das ist bis heute die wunderbare Formel der Rettung aus Schuld und Verlorenheit. Die Erkenntnis: Ohne Jesus bin ich verloren. Ohne sein Kreuz und seine Auferstehung sind wir Menschen nur Wartende auf den Tod.
Wir können nur darum heute noch Ostern feiern, weil alle, die das erlebt haben, es auch bezeugt und weitergegeben haben. Über alle Grenzen und Unterschiede hinweg. Und die Worte, die heute Predigttext sind, machen deutlich, dass Gott sein Rettungsangebot allen Menschen macht, unabhängig davon welchen sozialen, kulturellen oder religiösen Hintergrund sie haben. Das mussten die Apostel der Urgemeinde erst lernen und auch wir müssen uns das immer wieder bewusst machen.
Unser österlicher Abschnitt aus der Apostelgeschichte 10 ist aus einer solchen grenzüberschreitenden Erfahrung. Etwa zur gleichen Zeit, als der jüdische Hardliner Saulus sein Berufungserlebnis vor Damaskus hatte und seine pharisäischen Prinzipien aufgeben musste, um Christ zu werden, hatte auch der Apostel Petrus ein Erlebnis, das sein Denken radikal veränderte.
Petrus glaubte damals bereits an den gekreuzigten und auferstanden Christus. Aber er war davon überzeugt, dass Gottes Sohn zu den Juden, dem auserwählten Volk Gottes gesandt war. In einer Vision, die er in der Küstenstadt Joppe hatte, zeigt Gott ihm aber, dass sein Heil allen Menschen gilt und dass Petrus seine alten jüdischen, andre ausschließenden Denkweisen, hinter sich lassen soll.
Petrus soll keine Unterschiede machen zwischen rein und unrein. Nicht beim Essen und nicht bei der Begegnung mit Menschen. Schon gar nicht bei der Verkündigung des Evangeliums. Kaum hat er das zögerlich begriffen, klingeln Boten eines römischen Hauptmanns, namens Kornelius, an der Tür, um Petrus zu ihrem Herrn zu bringen.
Auch Kornelius hatte eine Vision, bei der er dazu aufgefordert wurde, einen gewissen Simon, mit Beinamen Petrus, aus der Stadt Joppe in sein Haus nach Cäsarea holen zu lassen. Kornelius war auf der Suche nach Gott, auf der Suche nach der Wahrheit. Petrus, noch unter dem Eindruck seiner Vision, kommt mit auf den zweitägigen Fußmarsch nach Cäsarea.
Dort angekommen, findet er den römischen Offizier mit seinen Freunden und Verwandten vor. Kornelius, kein Schwätzer, sondern ein nüchterner Mann, hält sich nicht mit Höflichkeiten und Small Talk auf, sondern kommt gleich zur Sache: Ein Engel hat mir vor einigen Tagen, als ich betete gesagt, ich solle dich holen lassen. Nun sind wir hier, um zu hören, was Gott uns durch dich sagen will. Hier setzt unser Predigttext ein: Da sagte Petrus zu Kornelius und dessen Verwandten: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.
Ihr kennt die Friedensbotschaft Gottes, die er dem Volk Israel durch Jesus Christus mitgeteilt hat und er ist ja der Herr über alle.
Ihr wisst auch, was in Judäa geschehen ist, nachdem Johannes der Täufer in Galiläa durch die Taufe zur Umkehr gerufen hatte. Jesus aus Nazareth ist von Ort zu Ort gezogen.
Er hatte überall Gutes getan und alle befreit, die der Teufel gefangen hielt, denn Gott selbst hatte ihm seine Macht und seinen göttlichen Geist gegeben. Er war mit ihm.
Wir Apostel sind Augenzeugen für alles, was er in Israel und in Jerusalem unter den Juden getan hat. Diesen Jesus haben sie an das Kreuz genagelt und getötet. Aber schon drei Tage später hat Gott ihn wieder zum Leben erweckt.
Danach ist er als Auferstandener zwar nicht dem ganzen Volk, aber seinen Jüngern erschienen. Das können wir bezeugen. Wir haben nach seiner Auferstehung sogar mit ihm gegessen und getrunken.
Er gab uns den Auftrag allen Menschen zu sagen und zu bezeugen, dass Gott ihn als Richter über die Lebenden und die Toten eingesetzt hat.
Schon die Propheten haben in ihren Schriften vorausgesagt, dass durch Jesus allen Menschen die Sünden vergeben werden, wenn sie an ihn glauben.
Da geht‘s gleich richtig zur Sache. Petrus hält sich auch nicht lange auf mit vorsichtig tastenden Äußerungen. Er nennt die harten Fakten: Kreuz und leeres Grab, Sünde und Vergebung und er bezeugt, was er mit Jesus erlebt hat. Jesus starb und wurde auferweckt. Gott hat ihn als Richter eingesetzt und wir haben den Auftrag allen Menschen zu sagen, dass es nur durch ihn Rettung aus Sünde und Verlorenheit gibt.
Warum sind Sie Christ? Wurde ein Inder von einem Bekannten gefragt. In der dort üblichen bilderreichen Sprache antwortete der indische Christ mit folgender Geschichte:
„Einst traf ich auf einer Wanderung auf einen Tiger, der mich knurrend verfolgte. Ich rannte um mein Leben und konnte mich schließlich an einer Schlingpflanze in einen Brunnenschacht hinunterlassen.
Ich blickte nach oben, wo der Tiger mit seinen wilden Augen auf mich schaute. Ich blickte nach unten und sah zu meinem Entsetzen eine riesige Giftschlange auf dem Boden, die gierig nach mir spähte. Mein Schrecken wurde vollständig, als ich die Ratte bemerkte, die an der Schlingpflanze nagte, an der mein Leben hing.
Da hörte ich einen Schuss. Der Tiger verschwand und ein Mann reichte mir seine Hand in den Brunnen herab und zog mich heraus.“
Als der Inder das ratlose Gesicht seines Gegenübers sah, fuhr er erklärend fort: „Der Tiger, der mich verfolgte, ist die Sünde, die wie ein blutrünstiges Raubtier hinter mir her ist. Die Schlange auf dem Grund ist Satan, der auf mich wartet, um mich als seine Beute zu gewinnen. Die Ratte ist der Zahn der Zeit, der an meinem Lebensfaden nagt. Doch Jesus kommt und überwindet die Sünde und zieht mich aus der Grube des Verderbens heraus, bevor mein Lebensfaden reißt und ich eine sichere Beute des Teufels werde.
Jesus hat mich in seiner Liebe und unter Einsatz seines Lebens aus dieser bedrohlichen Lage gerettet. Darum bin ich Christ.“ ( aus Kühner, Eine gute Minute, S.162)
Ich höre oft ganz andere Begründungen dafür, warum jemand Christ ist: Weil ich halt zufällig im christlichen Kulturkreis geboren bin. Aus Tradition. Wer so denkt, hat den Kern der Sache noch nicht begriffen: Es gibt nur einen Weg aus Sünde, Tod und Untergang. Es gibt nur einen, der für unsere Sünde sein Leben hingegeben, für uns den Tod besiegt und uns eine ewige Zukunft eröffnet hat: Jesus, der Retter, den Gott in diese Welt geschickt hat. – Warum sind Sie Christ?
Was macht ihnen Angst? Der Tiger, Sünde? Die Schlange, Satan? Oder die Ratte Zeit, die Ihre Tage frisst? – Ostern ist der Schuss, der alle Todesmächte vertreibt. Ostern ist die Hand, die sich uns entgegenstreckt und die uns aus dem Abgrund des Todes zieht. Weil Jesus lebt, sollen auch wir leben. Weil Jesus auferstanden ist, sollen auch wir auferstehen. Weil Jesus die Sünde der Welt auf sich genommen hat, dürfen wir glauben, dass wir in Jesus Vergebung haben.
Es ist immer nötig, dass der Geist Gottes wirkt, damit Menschen das begreifen. Darum sagt Martin Luther in seiner Auslegung zum dritten Glaubensartikel: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen…“
Vom Heiligen Geist berichtet auch die Apostelgeschichte nach der kurzen und klaren Predigt des Petrus. Er kam über die kleine Versammlung im Haus des Kornelius und bewirkte den Glauben der dort versammelten Heiden. Petrus und seine Begleiter wunderten sich darüber, dass Gottes Geist auf Heiden kommt, aber sie tauften Kornelius und seine Leute.
Der Glaube ist keine passive, tatenlos abwartende Haltung, sondern ein Zugreifen und Handeln, ein Vertrauen und Voranschreiten. Ein Wagnis. Das hatte Petrus selbst so erlebt. Als Jesus ihn und seine Kameraden einst am späten Vormittag zum Fischen auf den See schickte, da war das gegen alles Fischerwissen. Aber Petrus sagt zu Jesus: Auf dein Wort, Herr, will ich es tun. Und dann war das Netz voll.
So dürfen auch wir es machen: Wo nichts zu hoffen und zu erwarten ist, auf das Wort des Herrn hin vertrauen, dass Unmögliches geschehen kann. Martin Luther sagte: „Der Glaube ergreift Christus und hat ihn gegenwärtig und hält ihn eingeschlossen wie der Ring den Edelstein.“
Ostern ist die nicht zu toppende Spitzenaussage unseres Glaubens: Die Macht des Todes ist gebrochen! Deine Sünde ist bezahlt! Unsere Verlorenheit ist beendet! Wenn das möglich ist, wenn Jesus von Gott diese Macht bekommen hat, dann hat er doch auch genug Macht um in Deiner und meiner viel kleineren Sache dieser Tage zu helfen.
Wenn wir gesehen haben, dass ein Gewichtheber 250 kg gestemmt hat, dann werden wir doch nicht daran zweifeln, dass er auch 25 kg heben kann. Wenn Jesus das Kreuz von Golgatha getragen hat, dann müssen wir nicht daran zweifeln, dass er auch das Bündel tragen kann, das uns heute zu schaffen macht. Unsere Grenzen sind nicht seine Grenzen. Wir dürfen ihm die Sache hinlegen, die uns zu schwer ist. Er wartet darauf! Das Leid, die Last, die Schuld, die Traurigkeit, die Aufgabe, alles, was wie ein Berg vor uns liegt, dürfen wir ihm anvertrauen. „Der Wolken Luft und Winden gibt Wege Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann…“ (EG 361,1)
Der Glaube sprengt alle Grenzen und er hilft uns über unseren Schatten zu springen und Hindernisse zu überwinden. Das wird hier an Petrus, an Kornelius und kurz darauf an der Urgemeinde erkennbar. Petrus wird durch den Glauben gezeigt, dass er auch den Nichtjuden das Evangelium weitersagen soll. Kornelius erfährt, dass die Vergebung und Rettung durch Jesus auch ihm gilt, obwohl er zunächst nicht zum auserwählten Volk gehört. Gott redet dennoch mit ihm und öffnet ihm die Tür. Ihm dem heidnischen Offizier gelten das Heil und die Freundlichkeit Gottes auch uneingeschränkt.
Die Gemeindeleitung in Jerusalem war zuerst entsetzt, als sie von der Taufaktion des Petrus in Cäsarea erfuhr. Aber als sie die ganze Geschichte hörten, überschritten auch sie die Grenze des für sie bis dahin Denkbaren und mussten erkennen: Gott hat seine Türe für alle geöffnet. Er schließt keinen aus von seiner Rettung. Ausschließen können wir uns nur selbst, wenn wir nicht glauben. Wer Gottes Möglichkeiten mit seiner Vernunft Grenzen setzt, grenzt sich damit selbst aus davon, an Gottes Möglichkeiten Teil zu haben.
Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes?
Ist es die Trübsal, in der du jetzt bangst,
die deinen Glauben lähmt, ist es die Angst?
Ringst du um Leben und siehst lauter Tod,
blickst auf Versagen vor Gottes Gebot?
Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes
in Christus Jesus unserem Herrn. Amen.
(Text und Mel. Jesus Bruderschaft Gnadenthal)
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168