Warum denn Jesus nachfolgen?
Zur PDFPredigt zur Silbernen und Goldenen Konfirmation am 5. Sonntag nach Trinitatis, 30.06.2013 über
Luk. 14, 26-29 in der Kreuzkirche Bayreuth
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Unser Bibeltext für die Predigt an diesem Sonntag steht im 14. Kapitel des Lukasevangeliums. Jesus sagt zu seinen Jüngern: Wenn einer mit mir gehen will, so muss ich für ihn wichtiger sein als alles andere in seinem Leben: wichtiger als seine Eltern, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das Leben selbst.
Nur so kann er mein Jünger sein. Wer nicht bereit ist, diese Lasten um meinetwillen auf sich zu nehmen und mir nachzufolgen, der gehört nicht zu mir.
Will sich jemand ein Haus bauen, dann überlegt er doch auch vorher, ob er das überhaupt bezahlen kann. Kein vernünftiger Bauherr wird einfach anfangen und dabei riskieren, dass er bereits nach dem Bau des Fundaments aufhören muss. Die Leute werden ihn auslachen: „Ein Haus wollte er bauen, aber es reichte nur bis zum Fundament.
Diese Sätze habe nicht ich für heute ausgewählt, weil wir Konfirmationsjubiläum haben, sondern sie sind nach der Ordnung unserer Predigttexte für den heutigen 5.Sonntag nach Trinitatis vorgesehen. Aber, so meine ich, sie passen sehr gut für das Gedächtnis der Konfirmation.
Konfirmation ist ja die Frage, an einen als kleines Kind getauften Christen: Willst du selbst dein Leben in der Nachfolge des Herrn Jesus Christus führen? – Also: Willst du Gottes Gebote ernst nehmen, Gott zum Vater, Jesus zum Bruder haben. Glaubst du, dass Jesus für dich am Kreuz gestorben und an Ostern auferstanden ist? Sie, die Goldenen haben 1963 bei Pfr. Jäger oder Pfr. Rammensee, die Silbernen 1988 bei Pfr. Schneider oder Pfr. Bonawitz und Ihr „Grünen“ Konfirmanden vor wenigen Wochen bei Pfrin. Bauer oder mir ja auf diese Frage gesagt. Auch die vielen anderen, die heute kein Jubiläum feiern, als sie konfirmiert wurden.
So ein Tag wie heute hat für die „Jubilare“ zwei mögliche Aspekte: Einmal den gesellschaftlichen: Nach langer Zeit trifft man sich wieder und erinnert sich an alte Zeiten und ein Stück Lebensweg, den man miteinander gegangen ist. Manche haben sich seit damals nicht gesehen. Man schaut sich an, versucht in der 39-jährigen die 14 jährige von damals wiederzufinden; in dem 64 jährigen von heute den schmalen Jungen, mit dem man auf der Kirchenbank saß. Das ist spannend, manchmal lustig, vielleicht auch ein bisschen schockierend.
Die Älteren sehen sich die Jungen an und erinnern sich an damals. Ihr Jungen schaut Euch die Ehemaligen an und könnt Euch nicht vorstellen auch einmal so alt zu sein. Es werden alte Geschichten erzählt, von Streichen und Tricks, mit denen man den Pfarrer ausgeschmiert hat oder von Vorfällen, wo man sich vom Pfarrer ungerecht behandelt gefühlt hat. Das ist ein bisschen so, wie Klassentreffen nach Jahrzehnten. Hoffentlich im Rückblick versöhnt und mit Schmunzeln. Drei von 4 Pfarrern, die Sie begleitet haben leben ja schon nicht mehr. Der vierte, Stefan Bonawitz, war 1988 gerade erst 2 Jahre hier auf seiner ersten Pfarrstelle. 1999 hat er die Kreuzkirche verlassen und war jetzt 13 Jahre in Schwebheim bei Schweinfurt. Auch diese Stelle verlässt er jetzt und beginnt am 1. August für das letzte gute Jahrzehnt seiner Dienstzeit noch einmal in einer neuen Gemeinde, in Lauertal, bei Bad Kissingen.
Gefühle, Erinnerungen, Geschichten sind mit dem heutigen Tag verbunden. Vielleicht die sentimentale Feststellung, dass die Zeit nicht spurlos an uns vorübergegangen ist, das ist das Eine. Der andere Aspekt geht etwas tiefer. Die Frage, was aus dem Versprechen von damals geworden ist. Die Frage nach der Gottesbeziehung, dem persönlichen Glauben und dem Leben in der Nachfolge des Herrn Jesus Christus darf heute nicht fehlen. Es ist auch die Frage nach den Prioritäten, die wir in unserem Leben setzen.
Was ist uns wichtig? Wofür setzen wir in jedem Fall Zeit ein, Kraft und Geld? Nach welchen Kriterien treffen wir die Entscheidungen in unserem Leben? Erfolg, Karriere, Gewinn, Bequemlichkeit, Wohlgefühl? Oder fragen wir nach dem Willen Gottes für unser Leben: Was willst Du, Herr, dass ich tun soll? Soll wirklich sein Wille geschehen! Auch wenn er mir nicht gefällt und in den Kram passt. Oder ist das im Vaterunser nur so dahingesagt?
Ich weiß nicht, was Sie – und da spreche ich jetzt nicht nur die Jubilare an – was Sie von Ihrem Konfirmandenunterricht noch wissen oder aus den Gottesdiensten damals. Ich muss gestehen, ich weiß nicht mehr viel davon. – Worum es wirklich geht und warum das für mein ganzes Leben wichtig ist, hab ich erst ein paar Jahre später begriffen. Wenn ich damals nicht durch glaubwürdige Christen und Pfarrer in der Jugendarbeit und im Glauben weitergeführt worden wäre und in Gottesdiensten nach und nach etwas begriffen hätte vom eigentlichen Sinn der Sache und was mir das bringt, wäre ich ein christlicher Analphabet geblieben, wie so viele es sind.
Ich erschrecke oft in Gesprächen, wie wenig an christlicher Substanz da ist, bei Menschen, die sich als Christen fühlen. Viele haben wirklich keine Ahnung von der Bibel und von der Bedeutung der Taufe und des Heiligen Abendmahls. Sie können das Glaubensbekenntnis nicht mehr und vom Vaterunser nur noch ein paar Bruchstücke. Ganz zu schweigen von den 10 Geboten. Christliche Restbestände werden bei vielen vermischt mit Elementen anderer Religionen und aufgepeppt mit abergläubischen und magischen Vorstellungen. Ist es das, was Gott von uns erwartet?
Jesus macht hier in diesem kurzen Stück aus dem Lukasevangelium klar, dass ein bisschen Nachfolge nicht geht und dass religiöse Begeisterung eine sehr kurzlebige Sache ist. Das verpufft. Und wenn man mit falschen Vorstellungen rangeht, folgt schnell die Ernüchterung und Enttäuschung. Christ sein ist keine innerweltliche Erfolgsstrategie. Es fördert nicht die Karriere, es garantiert keine unverwüstliche Gesundheit, vermehrt nicht das Vermögen, ist nicht immer nur lustig.
Jesus Christus nachfolgen kostet. Es kostet Zeit, kostet Kraft, kostet Geld, nicht nur den Euro, den man in den Klingelbeutel geworfen hat, sondern auch die Kirchensteuer, das Kirchgeld und so manche Spende, mit der ich etwas abgebe von dem, was ich habe, für Menschen, die Hilfe brauchen. Es kostet vielleicht auch mal Überwindung, irgendwo mit hinzulangen, wo es nicht nur gut riecht. Sich die Finger schmutzig machen bei sozialer oder diakonischer Arbeit, bei der Kleiderausgabe oder bei der Tafel, bei der Pflege eines Menschen oder beim Aufräumen nach dem Hochwasser.
Wer nicht sein Kreuz trägt, so hat es Martin Luther übersetzt, und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
Sein Kreuz? Das heißt, ich nehme mein Lebensschicksal, meine Krankheit, meine Aufgabe an, die Last alternder Eltern, die Mühe mit dem behinderten Kind, die Schmerzen meiner chronischen Krankheit, den Misserfolg im Beruf. Ich nehme die Last, das Kreuz, die Verantwortung meines Lebens an und trage sie. Ich trage sie ohne mit Gott zu hadern, ohne bitter zu werden und ohne Gott meine Gefolgschaft zu kündigen. Ich trage sie mit ihm, bitte ihn, dass er mir die Kraft dazu gibt, die Geduld, die Liebe, die Ehrlichkeit, die nötig ist.
Jesus macht keine leeren Versprechungen und falschen Hoffnungen. Als Christ in seiner Nachfolge leben geht nicht im Sleep-Modus oder im Schongang. Damit kannst du auch nicht dein Image aufpolieren und Fans gewinnen. Wenn du heute wirklich christliche Standpunkte vertrittst, eckst du an, wirst belächelt oder nicht ernst genommen.
Warum dann Jesus nachfolgen? Was hab ich denn davon? Was bringt es mir? Hören Sie sich die Antwort auf diese Frage zunächst in dem Lied von Thea Eichholz-Müller an dass unsere Kirchenvorsteherin Gisela Streng für uns singt:
Herr, wohin sonst sollen wir gehen?
Wo auf der Welt finden wir Glück?
Niemand, kein Mensch, kann uns so viel geben wie du.
Du führst zum Leben zurück.
Nur du, nur du schenkst uns Lebensglück.
1. Wer einsam ist, wird erfahrn, das du ihn nie verlässt.
Wer dir vertraut, weiß zu jeder Zeit, du hältst ihn fest.
Wer Hoffnung sucht, der erlebt, dass Gott sich finden lässt
Nur in dir, Jesus, nur in dir.
2. Du bist der Weg, ohne dich seh ich den Ausweg nicht.
Du bist die Wahrheit, bringst das, was wirklich zählt ans Licht. Du bist das Leben, denn echtes Leben finde ich
Nur in dir, Jesus, nur in dir!
Jesus folgen lohnt sich! Trotz Kreuz und manchem Einsatz. Denn es kommt ganz Entscheidendes zurück. Halt, Kraft, Lebenssinn, ein Ziel, für das es sich zu leben lohnt. Einsame wissen, dass sie nicht allein sind, sondern dass Jesus bei ihnen ist: Wer einsam ist, wird erfahrn, das du ihn nie verlässt. So hieß es gerade in dem Lied. Die Geborgenheit, die der Glaube gibt, kann kein Mensch geben. Die verlässt einen auch dann nicht, wenn man von Menschen enttäuscht wird oder wenn man krank ist. In dieser Geborgenheit kann ein Glaubender sogar sterben und weiß, es geht nicht in die Dunkelheit des Todes, sondern ins Licht des Lebens.
„Herr, wohin sonst sollen wir gehen?“ Diesen Satz hat Petrus einst Jesus gefragt, als viele umgekehrt sind und Jesus den Rücken gekehrt haben. Da stellt Petrus fest: Wir haben es doch erkannt, dass du der Bevollmächtigte Gottes bist. Wir haben begriffen, dass du mehr geben kannst als die Welt. Für nichts in der Welt würden wir deine Nähe eintauschen.
Es geht nicht um ein bisschen Kirche, um 1-3% Religion. – So praktizieren das ja viele Menschen in unserem Land, wenn sie sich überhaupt noch als Christen verstehen. Ein paar Eckpunkte des Jahre vielleicht. An Weihnachten oder Ostern mal ein Gottesdienst, stimmungsvoll sentimental. An den besonderen Lebensstationen ein Gottesdienst: Taufe, Konfirmation, kirchliche Trauung und – davon spricht man nicht gern – eine kirchliche Beerdigung, Trauerfeier. – Das wars!
Dafür bin ich nicht in die Welt gekommen, betont Jesus. Nein, dafür ist Gott nicht Mensch geworden, um unsere religiösen Bedürfnisse zu befriedigen. Er sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Das fordert den ganzen Menschen, 100 %.
Wenn die Konfirmation der Abschluss eines Lebens als Christ war, dann ist das wie ein Kellerfundament auf dem nie ein Haus gebaut wird. Unsinnig, ja lächerlich. Da wollte jemand und konnte nicht. Wofür die Kosten und die Mühe, wenn dann nichts mehr kommt.
Manche Ihrer Mitkonfirmanden haben die Konsequenz gezogen und sind inzwischen aus der Kirche ausgetreten. Das kann man machen. Keiner muss, keiner wird gezwungen. Aber es macht mich als Pfarrer immer sehr betroffen, wenn ich so eine Austrittsinformation vom Standesamt bekomme. Erst in der vergangenen Woche waren es wieder drei. Zwei hatte ich vor fast zwanzig Jahren selbst konfirmiert. Prächtige junge Leute, die einen guten Anfang genommen hatten im Glauben. Dann sind sie nicht mehr gekommen. Die Erinnerung ist verblasst. Keine Gottesdienste, keine Abendmahlsfeiern, da schwindet auch das Verständnis von Schuld und Vergebung. – Und dann fragt man sich irgendwann: Was soll ich eigentlich in dem Verein? Kostet nur. Wer gut verdient, zahlt kräftig Kirchensteuer. Wenn dann vielleicht der Steuerberater noch drauf hinweist, dass man sich durch einen kleinen formalen Akt auf dem Standesamt eine Menge sparen kann…
Wer das tut, vergisst, dass da kein Segen drauf liegt. Nein, Gott zwingt nicht, aber er zieht sich auch von denen zurück, die ihn nicht brauchen. Wer ohne in leben will kann das tun. Aber er muss es dann auch, sogar in der Ewigkeit.
Besser wäre die Konsequenz: Wenn ich schon in der Kirche bin und sie mit finanziere, dann will ich auch was davon haben. Dann will ich das für mich nehmen, was mir Gott zu bieten hat. Dann will ich Gottesdienste und Seelsorge in Anspruch nehmen, ja vielleicht mit gestalten. Wer das tut, wird, wenn er wirklich offen ist, bald merken, da bekomme ich ja viel mehr zurück, als ich investiere.
Im Hebräerbrief steht einmal der Satz: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.
Gottvertrauen lohnt sich. Darauf liegt Segen. Wer bei Jesus bleibt, hat den einzig wirklich kompetenten Lebensbegleiter, den es gibt. Bei ihm dürfen wir auch Fehler machen. Er hat für unsere Fehler bezahlt. Sein Kreuz ist das Zeichen der Versöhnung und des Friedens.
Er will uns einmal seine Herrlichkeit zeigen und wir sind bestimmt für die Ewigkeit. Darum folgen wir ihm nach, auch wenn es etwas kostet.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/4116