Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt
Zur PDFGründonnerstag, 21.04.2011, Kreuzkirche, Johannes 1,29b
Am Anfang des Johannesevangeliums steht schon der Satz, der auf ganze Bedeutung von Jesus für uns beinhaltet:
„Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“
Bei dem Lamm Gottes, geht es nicht um ein Süßes Ostergebäck, auch nicht um idyllische Frühjahrsromantik. Da geht es um Tod und Leben und um Schuld und Sühne.
In der Bibel ist das Lamm, das zur Schlachtbank vor dem Brandopferaltar im Tempelbezirk geführt das Sinnbild für unschuldiges Leiden und Sterben. Ein Lamm wehrt sich nicht. Wenn es nicht weglaufen kann, ergibt es sich in sein Schicksal. Jesus ist nicht weggelaufen, nicht ins Exil gegangen, als er ahnte, was in Jerusalem auf ihn zukommen würde. Er hat sich klaglos gefangen nehmen lassen in Gethsemane und zu all den ungerechtfertigten Vorwürfen und falschen Anschuldigungen gegen ihn geschwiegen.
„Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“
So zeigt Johannes der Täufer ganz am Anfang auf Jesus, als der sich unter den Sündern einreiht, die sich dort am Jordan taufen lassen. Der Unschuldige Sündlose, der sich den Schuldigen und Sündern gleich macht.
Zur Zeit des Alten Testaments kamen die Menschen zum Tempel und hatten oft ein Opfertier dabei, weil sie um ihre Schuld wussten. Meist war es ein einjähriges Lamm. Das sollte das Opfer sein für ihre Sünde. Damit wollten sie Gott gnädig stimmen und das Opfertier sollte stellvertretend für seinen Herrn sein Blut vergießen, sein Leben lassen. Das unschuldige Lamm musste sterben für seinen schuldigen Besitzer.
Gott hat durch Jesus diesem sinnlosen und ungerechten Sterben von zahllosen Opfertieren ein Ende gemacht. Der Sohn Gottes wird zum Opferlamm für uns Menschen und für die Schuld der ganzen Welt. Sein Tod, der Tod des Sohnes Gottes ist so ein gewaltiges Geschehen, dass er alle Sünden dieser Welt aufwiegt. Er geschieht um die Schuld der Welt zu sühnen.
Für uns heißt das: Wir dürfen mit allem Unguten und Versagen unseres Lebens zu diesem Lamm Gottes kommen. In der Offenbarung des Johannes taucht dieses Bild des Lammes wieder auf. Da wird das Lamm mit dem Banner des Sieges, auf dem das Kreuz ist beschrieben. Vor dem Lamm verneigen sich die 24 Ältesten. – Draußen an unserer Kirchenwand haben wir dieses Bild in Sandstein gehauen. Die 24 Ältesten und höchsten des Gottesvolkes verneigen sich vor dem Lamm Gottes, werfen ihre Kronen in den Staub und verneigen sich vor dem Lamm Gottes, das der Welt Sünde getragen hat und das damit alle Sünder gerettet, ja die Welt gerettet hat
Das Lamm, das geduldig trägt und erträgt, was es weder verschuldet noch verdient hat. Von ihm dürfen auch wir uns tragen und ertragen lassen. Niemand ist diesem Lamm zu schwer, zu verkehrt.
Der Apostel Paulus sagt einmal: „Die Leiden Christi werden reichlich über uns Christen kommen.“ Ja, das stimmt, auch wir müssen viel aushalten in unserem Leben, manches mitmachen, ertragen, erdulden. – Manche Menschen haben oft und viel Schmerzen, manche stöhnen unter dem Druck ihrer Arbeit, andere erleben Trauriges, Enttäuschendes, Ängstigendes.
Auch Sie haben sicher in Ihrem Leben schon manches mitgemacht. Auch die Lasten des Älterwerdens wollen erst einmal getragen sein.Ja, „Die Leiden Christi werden reichlich über uns Christen kommen.“ Aber, so fährt Paulus fort: „Wir werden auch reichlich getröstet durch Christus.“
Das Bild des Lammes und der Blick zum Kreuz trösten uns und können uns helfen. Kann uns im Tragen und Ertragen Trost sein. Ein einfaches Gebet genügt: Herr, du weißt, wie es mir geht. Du weißt, was ich zu tragen habe. Du weißt wie mir manches schwer wird. Hilf du mir! Trage du mich! Ich schaff es nicht ohne dich.
Gott wartet nicht auf salbungsvolle Worte und wohl gesetzte Litaneien, sondern er wartet auf ehrlich Herzen und offene Worte. Es dürfen auch mal nur Seufzer sein. Dann greift er ein. Entweder macht er die Last leichter oder er gibt genug Kraft sie zu tragen. Er trägt mit. Er trägt sogar uns mit unserer Last. Er trägt die Schuld der Welt, das Leid der Welt, die Not der Welt. Er trägt uns auch durch schwierige Zeiten.
Er trägt uns nicht in ungewisse Weiten, sondern an sein Ziel. Dahin wo die anderen Erlösten schon sind. – Sie kennen ja wohl das Gleichnis vom verlorenen Schaf. Der gute Hirte kommt am Abend mit seinen Schafen heim und stellt fest, dass ihm con den 100 Schafen eines fehlt. Das lässt ihn nicht ruhen. Er lässt die 99 in der Sicherheit des Stalls und macht sich auf das Eine zu suchen. Er sucht, bis er es findet. Und als er es gefunden hat, hebt er es auf seine Schultern und trägt es heim.
Ist Ihnen nicht auch das Kinderlied vertraut, in dem es in der dritten Strophe dann heiß: Sollt ich denn nicht fröhlich sein, ich beglücktes Schäfelein, denn nach diesen schönen Tagen wird’ ich endlich heimgetragen…
Ja auch die, die selber aus Ungehorsam eigene Wege gegangen sind, werden, wenn sie sich vom guten Hirten tragen lassen heimgebracht.
Im Vertrauen auf das Lamm Gottes und auf den guten Hirten, auf den Mann am Kreuz, sind wir geborgen und getragen. In einem Lied, das wir oft gesungen haben wird das so ausgedrückt:
Und der dich getragen die Jahre, der sorgt für die kommende Zeit. Durch Not und durch Kampf geht’s zum Siege, für dich ist die Krone bereit. Gott mit dir, Gott mit dir, die Flügel sind stark unter dir. Der dich hebt, der dich trägt, voll Liebe sein herz für dich schlägt.
Das Heilige Abendmahl wird auch Liebesmahl genannt. Das Mahl, in dem die Liebe Jesu zu uns in besonderer Weise zum Ausdruck kommt. Du spürst das Brot auf deiner Zunge, du fühlst, wie der Wein durch deine Kehle rinnt. Genauso wirklich, wie diese Gaben, bin ich bei dir, sagt Jesus. In dir, bei dir, mit dir. Für dich da.
Ich nehme weg, was dich belastet und verklagt. Ich gebe dir Kraft und Mut für alles, was du als großen Berg vor dir siehst.
Ich gebe dir Hoffnung und Geborgenheit, dem zum Trotz, was um dich ist. Alle die in solchem Glauben zum HA, zum Tisch des Herrn kommen, werden durch das Geheimnis des Glaubens auf besondere Weise miteinander verbunden.
In der Urchristenheit waren es Herren und Sklaven, Judenchristen und Heidenchristen, die miteinander das Abendmahl feierten. Als die Missionare das Evangelium nach Indien brachten, wo alles streng nach sozialen Schichten, den „Kaste“ getrennt war, fanden sich beim Abendmahl Angehörige der höchsten und niedrigsten Kaste nebeneinander am Altar
Auch bei uns stiftet Gott selber durch Wort und Sakrament tiefe, echte Gemeinschaft, so dass wir sagen können: Wir sind einander tief verbunden, die wir auf einem Wege gehen.
Der eine Weg, ist der Weg des Glaubens. Der Weg durchs Leben auf dem ich mich darauf verlassen kann, dass Gott mit mir ist. Er geht mit. Mit an unseren Arbeitsplatz, mit in die einsame Wohnung, mit in den Operationssaal. Er geht mit ins Examen, mit in die Vorstandssitzung, mit aufs Arbeitsamt. Überall geht er mit, der Herr, dessen Leib ich gegessen, dessen Blut ich getrunken habe.
Er geht ein Leben lang mit sogar durch in die Schwachheit des Todes. Er geht auch mit bis auf den Friedhof, bis zum Grab. Er geht mit. Er hilft uns durch. Und am Ende steht das, was uns das Heilige Abendmahl schon andeutet: Am Ende steht die volle, sichtbare Gemeinschaft mit unserem Herrn in seinem Reich. Dann werden wir sehen, was wir geglaubt haben. Dann werden wir zum großen Fest des Himmels am Tisch des Herrn sitzen.
Das alles steckt als Gabe und Verheißung in Brot und Wein des Abendmahls. Darum ist der Gründonnerstag der Freudentag der Karwoche. Mitten in Leid, Hass und Tod zeigt er uns das Ziel. Wir sind eingeladen von Jesus.
der sich als Bruder zu uns stellt,
gibt sich als Brot zum Heil der Welt,
bezahlt im Tod das Lösegeld,
geht heim zum Thron als Siegesheld.
Der du am Kreuz das Heil vollbracht,
des Himmels Tür uns aufgemacht:
Gib deiner Schar im Kampf und Krieg
Mut, Kraft und Hilf aus deinem Sieg.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/4116