Reich bei Gott
Zur PDFErntedankfest 04.10.2015, Lukas 12, 16-21
mit Einweihung der Erweiterung Tagespflege
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn
Jesus Christus. Amen. … Wir bitten in der Stille um den Segen
Gottes für diese Predigt: … Herr, wir bitten dich, gib
deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Unser Schriftwort für die Predigt heute ist ein Gleichnis, das uns als Evangelium des Erntedankfestes wohl bekannt ist:
Und Jesus sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat. Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mann, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre: habe nun Ruhe, iss und trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.
Das Erntedankfest führt uns unseren großen Reichtum vor Augen. Schauen Sie nur hin, was da einige Frauen aus unserer Gemeinde gestern liebevoll um den Altar gruppiert haben. Einige wenige Familien aus unserer Gemeinde haben es sich zur Aufgabe gemacht, Jahr für Jahr an Erntedank mit einer Fülle von Gaben sichtbar zu machen, wie reich wir sind.
Es ist sehr viel, was sie da besorgt und gespendet haben. Ich danke herzlich für die Gaben und für die Zeit und Liebe, mit der das so schön gestaltet wurde. Zur Ehre Gottes und zum Dank. Ich kenne keine andere Kirche, deren Altarraum am Erntedankfest reicher geschmückt ist. Danke! – Und doch ist es nur ein kleiner Ausschnitt von der Fülle, in der wir leben. Vieles kann da nicht stehen, was unseren Alltag leichter, schöner und sicherer macht:
Ein Apothekenschrank, eine KFZ Werkstatt, ein Kraftwerk, eine Kaffeemaschine, eine Duschkabine und ein Urlaubsquartier. Man könnte noch lange weiter aufzählen, was uns zur Verfügung steht und selbstverständlich geworden ist.
Das Erntedankfest ist ein Signal gegen die Gewohnheit und Gleichgültigkeit, mit der wir unseren Reichtum hinnehmen. „Manche sagen: Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt.“ Das ist im Grunde das Motto des Mannes im Gleichnis. Beruhigt lehnt er sich am Abend des letzten Erntetages auf der Terrasse seines Landhauses zurück. Nebenan die gefüllten Scheunen und Speicher geben ihm ein gutes Gefühl. Die An- und Umbauten auf seinem Gut haben sich gelohnt. Es konnte die ganze reiche Ernte untergebracht werden.
Nun steht er zufrieden davor und sagt sich: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre: habe nun Ruhe, iss und trink und habe guten Mut! Das Lebensgefühl Sicherheit, damals wir heute sehr begehrt. So einen Status, bei dem nichts mehr schief gehen kann, streben viele an: Ich bin abgesichert, sagen sie und denken damit wie der Gutsbesitzer im Gleichnis.
Aber wenn sich das Gefühl der Sicherheit auf materiellen Besitz gründet, ist es sehr gefährdet. Zu kurz gedacht. Die wichtigste Größe nicht einkalkuliert. Zum einen ist jeder Besitz sehr zerbrechlich. Zum anderen kann man sich mit keinem Geld der Welt Gesundheit und Lebenszeit kaufen, schon gar nicht die Ewigkeit und das Ewige Leben. Aus der Sicht Gottes ist jeder, der seine Zukunft auf materielle Werte baut ein Narr. Ein Dummkopf, der die wichtigste Größe in seiner Lebensplanung vergessen hat: Gott. – Und es sind viele, die das haben. Die nach dem Urteil Jesu Narren sind.
Das meiste, was Menschen ansammeln in ihrem Leben, bringt sie auf dem Weg zu Gott nicht weiter, im Gegenteil, es hindert sie. Es hält sie auf, hält sie ab von den Werten, die vor Gott zählen: Liebe, Wahrheit, Dank, Fürsorge, Einsatz für andere. Vergebung, Heiligung und Gerechtigkeit.
In unserer Lesung vorhin aus dem Kernstück der Bergpredigt kamen die anderen Worte Jesu vor: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Wenn in einer Lebensplanung kein Platz und keine Zeit für Gott bleiben, dann wird sie scheitern.
Wer nicht reich bei Gott ist, wird einmal alles verlieren. Reich bei Gott sein? Wie kann man das? Was ist das? Reich bei Gott kann man nur werden durch Hören auf das Wort Gottes, durch Beten, durch Glauben und durch das dankbare Annehmen seiner Geschenke.
Was sind seine Geschenke? Unsere Welt mit ihren unzähligen Wundern. Dass Jahr für Jahr wieder etwas wächst, auch wenn es zu viel oder –wie heuer – zu wenig geregnet hat, wenn es ein heißes Jahr war, wie 2015. Gestern hörte ich im Radio den Satz: Die Bauern in Bayern sind zufrieden mit der Getreideernte. Trotz der Hitze und der Trockenheit. Ist das nicht ein Wunder? Wir haben uns in den Schatten zurückgezogen und kühle Getränke geholt, die zarten Halme standen bei 35° in der sengenden Sonne und es hat wochenlang nicht geregnet.
Jeder Tag an dem wir leben ist ein Geschenk. Keine Schmerzen zu haben, satt zu sein, nicht frieren zu müssen, das sind alles Geschenke Gottes. Wer das nicht sieht, ist blind und wer das sieht und nicht dafür dankt, ist ein Narr.
Ein Geschenk ist es auch, dass wir Ärzte haben, Kliniken und Medizin, wenn wir krank sind oder verletzt. Ein Geschenk des Himmels ist die Musik, die Schönheit der Natur, die Kreativität, die uns fähig macht zu malen, zu entwerfen, zu forschen, zu planen, zu bauen, zu spielen, zu dichten oder zu erzählen.
Ein Geschenk ist der Schlaf, in dem sich unser Körper und unser Geist erholen und neue Kraft schöpfen die Aufgaben des nächsten Tages. Du bist abends müde und kaputt und stehst am Morgen mit neuer Kraft auf und kannst wieder etwas leisten. Das ist doch ein Wunder!
Alles, wofür wir Gott bewusst und gezielt danken macht uns reich bei Gott. Auch alles was wir von unseren materiellen Gütern abgeben an andere, die es brauchen, macht uns reich bei Gott. Die größte Armut in Gottes Augen ist es, wenn man nur alles für sich behält, wenn man nicht teilen kann.
Jesus stellt hier im Gleichnis dem reichen Gutsbesitzer eine Frage. Eine sehr wichtige Frage: Wem wird einmal gehören, was Du angehäuft hast? Wir Menschen neigen ja zum Anhäufen. Als Pfarrer da häuft man Bücher an und theologische Zeitschriften und Predigten, Andachten, Entwürfe für irgendeinen Vortrag. Ideen für Veranstaltungen und Ausflüge. Und dazu als Mitglied der Wohlstandsgesellschaft und weil man viel Platz hat auch noch eine Menge anderer Sachen, je nach Veranlagung. Werkzeuge, Sportkleidung und Geräte, Steine aus dem Urlaub und alte Prospekte… Was ist es bei Ihnen? Was häufen Sie an?
Mein Vater war auch Pfarrer. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich gestöhnt habe, als ich vor über 30 Jahren in der Zeit nach seinem Tod seine Bücher, gesammelten Schriften, Zeitungsausschnitte, Aktenordner und Reisetagebücher durchsehen und entsorgen oder aufbewahren musste. Das meiste war kein Gewinn, sondern Last. Und belastend die Entscheidung, Dinge zu entsorgen, die ihm wichtig waren. Aber es war unmöglich alles aufzuheben. – Wenn Sie auch schon mal einen Nachlass zu bearbeiten hatten, wissen Sie, was ich meine. So Vieles, was wir anhäufen ist Last, Ballast, den wir mit uns herumschleppen, erst recht für die Erben.
Ich hab mir damals gedacht: Das möchte ich meinen Kindern einmal nicht zumuten. Aber ich weiß nicht, ob es mir gelingt, mich von dem zu trennen, was doch für andere keine Bedeutung hat. – Vielleicht bleibt mir ja keine Zeit dazu. – Wenn ich so alt werde, wie mein Vater, bleiben mir nur noch sieben Jahre. Aber auch das ist nicht sicher. – Man denkt ja immer, dass man noch viel Zeit hat. Aber ist das nicht auch ein Denken, von dem Gott sagt: Du Narr! – Das mache ich im Ruhestand sagen manche, da hab ich dann Zeit. Aber nicht jedem sind 20 oder 30 gute gesunde Rentenjahre geschenkt.
Mein Vater hatte nicht einmal 5 solche Jahre. Andere erleben ihn gar nicht, ihren Ruhestand. Dann war, so heißt es in mancher Todesanzeige, „das Leben nur Müh und Arbeit, Ruhe hast du nicht gekannt“. Oder es hindert eine gesundheitliche Beeinträchtigung den Ruhestand zu genießen. Schlaganfall, Herzinfarkt, kaputte Gelenke, eine chronische Krankheit, Parkinson, Alzheimer, Krebs und was es sonst noch gibt. Wer da nicht reich ist bei Gott, der ist arm dran, selbst wenn er ein schönes Haus, wunderbare Möbel, ein elegantes Auto und ein gut bestücktes Bankkonto hat.
Reich bei Gott kann nur werden, wem der Sonntag etwas bedeutet und wer sich auch im Alltag Zeit nimmt für Gott. Jesus sagt einmal zu einem reichen jungen Mann den Satz: Verkaufe was du hast und folge mir nach. Aber das konnte und wollte der nicht. Ohne seinen materiellen Reichtum zu leben, konnte er sich nicht vorstellen. Er hatte nicht verstanden, dass er bei Gott viel reicher dafür sein würde.
Nein, Jesus will nicht, dass alle ihr Hab und Gut weggeben. Aber er will, dass wir uns nicht darum sorgen und dass Gott in unserem Leben einen höheren Rang hat als Güter und Wohlstand, als Börse und Bundesliga, Mode und Motoren. Gott soll unser Leben und Handeln bestimmen, nicht unser Ego. Und mit Gott ist nicht ein abstrakter Begriff gemeint, sondern das, was er will. Seine Gebote und Werte: Die Liebe und die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Hilfsbereitschaft, die Reinheit und Achtung vor der Schöpfung.
Reich bei Gott kann man werden, wenn man liebevoll mit Menschen umgeht. Mit Kindern oder Kranken, mit Verzweifelten oder Zweifelnden. Wenn man sich Zeit nimmt ihnen zuzuhören. Wenn man sich in ihre Lage hineindenkt und Geduld hat, guten Rat oder praktische Hilfe gibt.
Reich bei Gott wird man, wenn man Verheißungen festhält, wenn man betet und glaubt, wo nichts zu hoffen und nichts zu holen ist. Reich bei Gott wird man, wenn man im Glauben nimmt, was uns im Heiligen Abendmahl angeboten wird: Vergebung für alle Sünden, die Nähe und Hilfe Christi und die Aussicht auf den Himmel.
Reich bei Gott wird auch, wer um Gottes Willen Unrecht vergibt, das ihm widerfahren ist. Auch wer um des Friedens willen verzichtet und nachgibt. Der wird dadurch nicht ärmer werden, sondern reicher.
Unser Evangelium heute stellt uns ziemlich direkt die Frage, was wir wollen:
Willst du deine Zukunft auf materielle Sicherheiten aufbauen?
Oder willst du reich sein durch deine Beziehung zu Gott? Wer das erste will, der muss wissen, dass das sehr kurzsichtig entschieden ist, denn einmal muss er den ganzen irdischen Reichtum zurücklassen. Keiner kann etwas mitnehmen!
Wer dagegen reich sein will in Gott, muss keine Angst haben, dass er dann unter der Brücke schlafen muss, nichts mehr zum Anziehen hat und mit knurrendem Magen durch die Straßen zieht. Jesus verspricht: Wessen erste Sorge dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit gilt, der muss sich um die täglichen Dinge des Lebens keine Sorgen machen, dem lässt Gott das zukommen, was er braucht.
Christoph Zehendner stellt im Refrain eines seiner Lieder fest: Ich verdanke dir so viel, mein Gott, du hast mich unendlich reich beschenkt. Du warst stets an meiner Seite, hast meinen Schritt gelenkt. Das ist die Sicherheit des Glaubens: Du, Herr, bist stets an meiner Seite. Du hältst mich auch in schweren Zeiten. Du sorgst für mich auch dann, wenn ich nicht mehr für mich sorgen kann. Du schützt mich vor allen Bedrohungen.
Ohne Gott wird die liebe Seele nie Ruhe finden, auch wenn unsere Vorräte noch so reichlich sind. Mit Gott im Auf und Ab des Lebens kann man einstimmen in das Lied von Heizmann:
Meine Seele ist stille in dir, denn ich weiß:
Mich hält deine starke Hand.
Auch im dunklen Tal der Angst bist du da
und schenkst Geborgenheit.
Meine Seele ist stille in dir.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168