Prägt uns die Liebe Christi?

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Okuli, 28.02.2016, Epheser 5, 1-8a

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten … Herr, wir bitten dich um Heiligen Geist.

Unser Schriftwort für die Predigt steht Epheser 5, Verse 1-8:

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, so wie auch Christus uns geliebt hat und sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Von Unzucht und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört.
Auch schandbare oder närrische und lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung.
Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.
Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten, denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.
Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart früher
Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.

Der Ermahnung und Forderung eines geheiligten Lebens geht die Zusage der Liebe Gottes voraus. Als on Gott „geliebte Kinder“ ist Christus unser Maßstab. Nicht die Welt und die Zustände um uns herum. Zum Schluss wird das sogar noch einmal betont: Nun aber seid ihr Licht! „Nun!“ Der Apostel Paulus redet hier in seinem Brief zu Menschen, die eine Bekehrung erlebt haben. Leute, die durch die Predigt des Evangeliums und das Wirken des Geistes Gottes zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind. Dadurch hat ihr Leben eine neue Werteskala und ihr Umgang mit anderen ist von Jesus zur Ehrlichkeit und Liebe bestimmt worden. Das durchzuhalten, in einer Umgebung, in der die Menschen ganz anders ticken, ist schwer. Die Versuchung doch wieder in alte Denkweisen und Verhaltensmuster zurückzufallen und sich der gottlosen Gesellschaft um uns herum anzupassen, ist groß.

Paulus weiß das und kennt das auch aus eigener Erfahrung, darum will er hier Mut machen, den neuen Lebensstil mit Christus durchzuhalten: In Liebe und Wahrheit, in Reinheit und Klarheit. „Folgt Gottes Beispiel! Ihr seid doch geliebte Kinder Gottes.“ – Wer sich der Liebe Gottes bewusst ist, möchte doch unter diesem Dach bleiben und auch in der Liebe handeln. Das muss jeden Tag neu umgesetzt werden in den Begegnungen und Herausforderungen unseres Alltags.

Ein Beispiel: Zwei Brüder hatten ein gemeinsames großes Feld, das sie anbauten. Gemeinsam pflügten und säten sie, gemeinsam mähten sie zur Erntezeit und banden Garben. Die stellten sie in zwei langen Reihen auf. Zu gleichen Teilen für jeden von ihnen.

In der Nacht nach der Ernte lagen sie in ihren Betten und konnten beide nicht schlafen. Der eine war verheiratet, hatte Kinder und dachte bei sich: Es ist nicht gerecht, dass mein Bruder gleich viel hat wie ich. Er ist ohne Familie und muss für sein Alter vorsorgen. Ich will jetzt noch im Dunkeln aufs Feld gehen und von meiner Seite einige Garben auf seine Seite stellen.

Der andere Bruder lag ohne Schlaf in seinem Bett und dachte: Es ist nicht gerecht, dass ich so viele Garben habe wie mein Bruder. Er hat eine Familie und muss viele ernähren. Ich bin doch nur allein und brauche nicht so viel. Noch im Dunkeln ging er aufs Feld und stellte Garben von seiner Seite hinüber zu denen seines Bruders.

Als sie am nächsten Tag ans Feld kamen, stellten beide für sich fest, dass auf jeder Seite dieselbe Anzahl von Garben stand und wunderten sich. Jeder beschloss für sich, das in der folgenden Nacht zu korrigieren.

In der Nacht allerdings trafen sie sich auf dem Feld, als einer dem anderen von seiner Ernte etwas zuschieben wollte. Sie redeten miteinander, lachten und freuten sich übereinander.

Soweit die die alte Legende, die zugegeben ein wenig märchenhaft klingt, weil sie leider im wirklichen Leben eher selten so geschieht. Sie zeigt aber, was Paulus meint, wenn er sagt: Lebt in der Liebe, so wie auch Christus uns geliebt hat und sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer. Die Liebe denkt zuerst an den anderen und kann verzichten teilen und abgeben. So ist Jesusliebe.

Mit solcher Liebe werden wir von Jesus beschenkt. Er denkt nicht an sich und sein gutes Leben, sondern lässt sich für die Seinen verhaften, schlagen und ans Kreuz nageln. Er gibt sein Leben für uns. Er trägt unsere Schuld und bezahlt mit seinem Blut und Leben für uns. Paulus erinnert uns daran und macht Mut, diesem Vorbild zu folgen. Das gefällt Gott und darauf legt er seinen Segen.

Nicht dagegen auf andere Verhaltensweisen, die mit Liebe nichts zu tun haben. Exemplarisch und zusammenfassend nennt Paulus drei: Unzucht, Unreinheit und Habsucht. Worum geht es dabei? Unzucht bezeichnet Verhaltensweisen, die auf ichbezogenen Lustgewinn abzielen und die Gottes Ordnungen ignorieren. Das oberste Kriterium ist meine Lust. In der Umgebung der ersten Christenheit war so ein Lebensstil anscheinend ähnlich weit verbreitet wie bei uns.

Die Lust wird zum Götzen. Ein Götze ist etwas, was zum Gott erhoben wird, aber keinerlei göttliche Würde und Autorität hat. Der Götze steht im Widerspruch zum 1. Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine andren Götter haben neben mir. Die Lust will nur etwas für sich. Sie hat den Charakter einer Sucht und verlangt permanent nach Steigerung. Die Lust nimmt keine Rücksicht auf andere. Lust kann nicht verzichten. Sie muss gelebt werden, sie zwingt und macht den Menschen zum Sklaven, zum Abhängigen.

Die Lust stellt sich in den Mittelpunkt. Sie prostituiert und präsentiert sich. Sie will anstecken, prahlen und stellt sich auffällig und provozierend zur Schau. Die Lust stellt jede Grenze in Frage. Lust will sich ungehindert ausleben und verlangt immer mehr. Muss ich Beispiele nennen? – Sie wissen wovon ich rede?

Die Liebe ist dagegen ganz anders. Die Liebe achtet Grenzen und fragt nach dem Wohl des Gegenübers. Liebe setzt niemanden unter Druck. Sie kann sich zurücknehmen, sie kann verzichten und muss sich nicht selbst darstellen. Die Liebe verlangt keine Belohnung und will nicht öffentlich geehrt werden. Echte Liebe hat immer ein Gegenüber, auf das sie ausgerichtet ist. Sie sieht den anderen.

Und die Liebe, die so gar nicht an sich selber denkt hat einen erstaunlichen Nebeneffekt. Sie bringt nicht nur dem der sie empfängt etwas, sondern sie beschert auch dem, der sie gibt, eine tiefe Freude. Es erfüllt einen doch mit Freude, wenn man erlebt, dass man helfen konnte, dass dem Gegenüber mein Handeln gut getan hat. Auch wenn es nicht der Hintergrund und das Motiv für die Tat der Liebe ist, dabei selber froh zu werden, geschieht es doch. Das ist der Segen gelebter Liebe. Liebe erfüllt. Lust macht leer.

Als zweites, das Christen meiden sollen, nennt Paulus die Unreinheit. Das griechische Wort dafür heißt „Porneia“. Und wir erkennen sofort, dass da der Begriff Pornografie seinen Ursprung hat. Im Begriffslexikon liest sich die Bedeutung des Wortes so: „Jede Form bildlicher oder sprachlicher Darstellung von Sexualität, die sich einseitig auf die körperlichen Vorgänge konzentriert (und die psychischen Aspekte ausklammert) bzw. vor der Darstellung von Perversitäten nicht zurückscheut.“

So etwas, so Paulus, sollen Christen meiden. Ja davon soll unter Christen nicht einmal die Rede sein. Das soll kein Thema sein. Warum? Weil es Spuren hinterlässt, die uns schaden. Eindrücke, die unser Verhalten beeinflussen und die dem Gebot der Liebe und dem Wesen Gottes wiedersprechen.

Es ist schwer geworden, ja es scheint oft nahezu unmöglich, dieser „Unreinheit“ auszuweichen, weil unsere Gesellschaft davon durchdrungen ist. Medien, Kunst und Kultur berufen sich auf Begriffe wie Freiheit und Toleranz und präsentieren entsprechende Bilder und Begriffe kritiklos. Wer davor warnt oder sich dagegen ausspricht, wird nicht ernst genommen oder in irgendeine verklemmte Schublade gesteckt.

Unsere Kinder sind kaum zu schützen davor. Der Zugang zu pornografischen Inhalten ist nicht nur leicht, sondern aggressiv. Man muss solche Inhalte gar nicht suchen, sie springen einen an, ob man will oder nicht. Selbst für Kindergarten und Grundschule gibt es inzwischen sogenannte „pädagogische Konzepte“, die Kinder in die Thematik einführen und die sie massiv beeinflussen. Für verantwortungsbewusste Eltern wird es immer schwieriger, sich dagegen zu wehren.

Gottes Konzept von der reinen zärtlichen fürsorglichen wahren Liebe wird an den Rand gedrängt oder völlig ignoriert. Was wird da gesät! Was wird das für kommende Generationen für Folgen haben! Paulus will uns dafür sensibilisieren. „Seid nicht ihre Mitgenossen!“ Macht da nicht mit! Bezieht Position! Leistet Widerstand! Gebt Zeugnis davon, dass wirkliche Liebe etwas anderes ist.

Der dritte Sammelbegriff, den der Apostel hier anführt ist die Habsucht. Das Verlangen nach immer mehr. Auch das ist eine Ausdrucksform der Lieblosigkeit. Mehr Reichtum und Gewinn, mehr Besitz, mehr Güter, mehr Wohlstand auf der einen Seite bedeutet immer mehr Armut, mehr Ausbeutung, mehr Ungerechtigkeit, mehr Not auf der anderen Seite.

Der jährliche Armutsbericht, der erst in diesen Tagen wieder veröffentlicht wurde, stellt jedes Jahr eine stärke Kluft zwischen Armen und Reichen fest. Mit 15,5 % Armen in unserem Land ist ein neuer Höchststand erreicht. Während gleichzeitig die Wirtschaft boomt und die Einnahmen des Staates und die Gewinne in weiten Teilen der Wirtschaft jedes Jahr die Erwartungen übertreffen.

Weltweit gesehen verursacht die Habsucht die größten Bedrohungen der Menschheit und des Weltfriedens. Was sind denn die Ursachen von Hungerkatastrophen und Flüchtlings strömen? Neben dem Krieg um Macht die ungerechte Verteilung der Güter. – Dass Hilfen nicht ankommen und Menschen, die einfach nur leben wollen, ihre Heimat verlassen, weil sie dort keine Perspektive für ein normales Leben haben.

Wer sich als Kind Gottes versteht, kann nur versuchen da gegenzusteuern. Nicht nach immer mehr streben. Helfen, wo man kann. „Ihr seid doch Kinder des Lichts!“ erinnert uns Paulus. Unser Verhalten soll, ja muss sich unterscheiden, wenn wir als Christen glaubwürdig sein wollen. Ebenso unser Sprachgebrauch: Auch schandbare oder närrische und lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. Unsere Art miteinander und übereinander zu reden, verrät unsere Gesinnung. – Ist sie von der Liebe Christi geprägt? Kommen unseren Gesprächspartnern Achtung und Freundlichkeit entgegen oder Verachtung und Unfreundlichkeit. – Unsere Worte müssen vor Gott bestehen können. -David macht sich und uns im 139. Psalm bewusst: „Es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht weißt.“

Viele Stimmen, viele Worte dringen den ganzen Tag auf uns ein. Geschrieben, gesprochen, gesendet, gesimst, getwittert. Alle wollen uns beeinflussen, lenken und bestimmen. Eine Wortlawine kommt täglich auf uns zu und droht uns zu verschütten. Wir werden hier durch das Wort Gottes sensibilisiert und gewarnt: Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten, denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.

Wie kann man das verhindern? Wie können wir uns schützen? Der Apostel sagt: Indem ihr keine Gemeinschaft habt, mit denen, die nicht zu Christus gehören. Wer Licht bleiben will, darf sich nicht der Finsternis gleich machen. Als geliebte Kinder Gottes sollen wir im Licht und in der Liebe bleiben. In und bei Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel© , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168