Nur wer stirbt, kann verwandelt werden.
Zur PDFLätare 15.03.15 Joh 12, 20-24 „Für Dich“, Frauensonntag
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Von einem Fest und Schaulustigen, die etwas sehen wollten berichtet unser Predigttext aus dem 12. Kapitel des Johannesevangeliums. Das Passahfest stand bevor und die Pilger kamen bis aus dem fast 1000 km entfernten Griechenland. Sie wollten ihren Glauben stärken und bekennen mit dieser Pilgerreise und sie wollten etwas erleben, etwas sehen, um dann davon berichten zu können. Bei ihrem Aufenthalt in Jerusalem hörten sie immer wieder von Jesus, von seinen besonderen Taten und seinen vollmächtigen Predigten. Sie wurden neugierig und wollten ihm auch begegnen. Der Evangelist Johannes schreibt davon im 12. Kapitel:
Unter den Festbesuchern waren auch einige Griechen. Sie kamen zu Philippus, der aus Bethsaida in Galiläa stammte und baten ihn: „Herr, wir wollten Jesus gern sehen.“ Philippus sprach mit Andreas darüber, dann gingen sie gemeinsam zu Jesus.
Er sagte ihnen: „Die Stunde ist gekommen. Jetzt soll der Menschensohn verherrlicht werden. Hört mir genau zu: Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, kann keine Frucht bringen, sondern bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt. Wer sein Leben über alles liebt, der wird es verlieren. Wer aber bereit ist, sein Leben vorbehaltlos für Gott einzusetzen, wird es für alle Ewigkeit erhalten. Wer mir dienen will, der folge mir nach. Denn wo ich bin, soll er auch sein. Und wer mir dient, den wird mein Vater ehren.
Sie wollten Jesus sehen. Touristen, Wallfahrer aus dem Westen, die zum hohen jüdischen Passahfest nach Jerusalem gekommen waren. Man arbeitet ein religiöses Pflichtprogramm ab. Verschiedene Orte, heilige Stätten, Gebete, Gottesdienste. Wenn heute christliche Pilger nach Jerusalem kommen ist das noch genauso. Die Grabeskirche, der Ölberg, der Garten Gethsemane, die Via Dolorosa, der Weg, den Jesus zum Kreuz gegangen ist. – Menschen brauchen für ihren Glauben auch etwas zum Anschauen, besser noch zum Anfassen. Sie brauchen auch Orte, an denen sich ihr Glaube festmacht.
Wie mag es wohl jenen griechischen Pilgern damals gegangen sein, als sie von Andreas und Philippus zu Jesus geführt wurden? Sie hatten von ihm gehört. Jesus war Gesprächsthema Nr. 1 damals in Jerusalem. Habt Ihr schon gehört, da gibt’s einen, einen ganz besonderen. Der hat außergewöhnliche Kräfte. Er heilt, weckt Tote auf und er treibt böse Geister aus.
Johannes berichtet nichts darüber, wie Jesus auf die Fremden, auf die Schaulustigen gewirkt hat. Vielleicht haben sie sich ein Wunder von ihm erwartet. Oder eine besondere Erscheinung. Aber Jesus erfüllt keine Sensationserwartungen. Er hat nur ein Wort zum Nachdenken für die Gäste: „Die Stunde ist gekommen. Jetzt soll der Menschensohn verherrlicht werden. Hört mir genau zu: Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, kann keine Frucht bringen, sondern bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt. –
Was meint Jesus? Die Fremden rätseln und auch die Jünger wirken ratlos. Jesus sieht in ihre fragenden Gesichter und erklärt, was er meint: Wer sein Leben über alles liebt, der wird es verlieren. Wer aber bereit ist, sein Leben vorbehaltlos für Gott einzusetzen, wird es für alle Ewigkeit erhalten. (Wer mir dienen will, der folge mir nach. Denn wo ich bin, soll er auch sein. Und wer mir dient, den wird mein Vater ehren.)
Ernste Worte. Jesus redet von Nachfolge, vom Einsatz des Lebens, ja vom Sterben und von totaler Veränderung und Erneuerung. Wer Ewiges Leben sucht muss vielleicht eigene zeitlich begrenzte Ziele zurückstellen. Nur wer stirbt, kann verwandelt werden. Sterben kann Frucht bringen. Das ist die ganz andere, die ganz neue Sicht, die Jesus eröffnet.
Jesus verwendet ein Bild aus der Natur und aus der Landwirtschaft. Das Weizenkorn. Da geht einer hin und wirft gute Körner auf die Erde. Es sieht für einen Ahnungslosen so aus als wären sie damit nutzlos weggeworfen. Aber der Sämann weiß: Es muss sein. Das wertvolle Korn muss in die Erde, muss von der Erde verschlungen werden, im dunklen Dreck durchfeuchtet. Das Korn geht dabei drauf, es stirbt. Es verliert seine goldgelbe Farbe, seine Haltbarkeit, seine Form, seine Genießbarkeit. Und doch ist es nicht verloren. Dadurch dass es sich hingibt, wird neues Leben, neues Korn, Frucht möglich.
Hört mir genau zu, sagt Jesus. Die Stunde ist gekommen. Es ist jetzt so weit. Wundert euch nicht über das was jetzt geschehen wird. Es geht durch den Tod zum Leben. Jesus will keine Fans, die ihm nachlaufen. Er sucht Frauen und Männer, die ihm nachfolgen. Menschen, die sich für ihn einsetzen, für seine Werte, für seine Ziele. Für die Liebe und für die Wahrheit, für die Menschlichkeit, die Gerechtigkeit und für die Schwachen.
Habt keine Angst, wenn es euch dabei geht, wie dem Weizenkorn. Sorgt euch nicht um euer Leben. Selbst wenn ihr es dabei verliert um meinetwillen, werdet ihr Gewinn davon haben. Dafür steht das Leiden von Jesus. Dafür steht das Kreuz. Es ist zunächst das Zeichen des Todes. Es steht für Gewalt, für Ungerechtigkeit, Menschenverachtung und Leid. Es scheint sinnlos und macht Angst.
Jesus verändert das. Durch seine Auferstehung bekommt das Kreuz eine völlig neue Bedeutung. Die bedrückende Macht gebrochen. Das Kreuz wird zum Hoffnungszeichen, zum Trost und zur Kraftquelle in schwierigen Zeiten und eigenem Leid. Hören wir zwei persönliche Erfahrungen mit dem Kreuz in unserer Zeit:
Erfahrungen mit dem Kreuz von Ute Roder und Barbara Teufel
Ute Roder: Zum Thema Kreuz fallen mir zwei Dinge ein: Zum Einen mein Kreuz, der Rücken, der überlastet ist und auseinanderzubrechen droht. Da bleibt oft nur eins, zu Jesus zu gehen, der uns alle Schmerzen und Lasten abnimmt. Dann sage ich ihm meine Not. So habe ich es in den vergangenen Jahren immer wieder gemacht. Auch durch die Zeit als mein Vater einen Schlaganfall bekam und dann fast 3 ½ Jahre bettlägerig war. Das hieß für meine Mutter, meine Schwester und mich Pflege rund um die Uhr.
Doch Jesus hat uns durch diese Zeit hindurchgetragen und uns geholfen, wenn wir am Ende waren. Als meine Kräfte schwanden, ich dachte, dass schaffe ich nicht mehr, da hat ihn Gott unseren Vater abberufen aus diesem Leben.
Gott hat uns nicht allein gelassen. Er tröstete uns durch sein Wort. Der Monatsspruch lautete damals: Ich will eure Traurigkeit in Freude verwandeln.
Zum anderen denke ich auch an das Kreuz Jesu, das für mich das Zeichen der Erlösung ist. Denn ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Ich weiß, dass ich mit meinem Versagen und mit meinen Niederlagen zu Jesus kommen darf. Er hat sie ans Kreuz getragen. Meine Schuld und mein Versagen hat er dort getilgt. Jetzt ist das Defizit ausgeglichen. So weiß ich, dass aus allem Minus in meinem Leben durch Jesu Vergebung ein Plus wird.
Barbara Teufel:
Das Kreuz ist für mich der „Dreh- und Angelpunkt“ meines Lebens.
Ich habe eine Innenohrerkrankung (genannt Morbus Menière), die sich durch häufige, plötzlich auftretende, mitunter stundenlange Schwindelattacken äußert.
Einmal war es so schlimm, dass ich mit dem Notdienst ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. In meinem Krankenzimmer angekommen, harrte ich darauf, dass das Drehen vor meinen Augen endlich ein Ende haben würde. Da fiel mein Blick auf die gegenüberliegende Wand, an der ein Kreuz hing, das sich zwar mitdrehte, das mir aber auch zugleich ein fester Halt und Trost war. Ich erinnerte mich daran, was Jesus dort am Kreuz für mich erduldet aber auch vollbracht hat – und das alles aus lauter Liebe. Und dieses Siegeszeichen in meinem Krankenzimmer machte mir Mut, dass Jesus mich auch durch diese schwere Zeit tragen würde. Und er hat es auch getan.
Und ich bin jetzt schon einige Jahre von solch heftigen Schwindelattacken verschont geblieben.
Für dich! Dafür steht das Kreuz Christi. Vergiss es nie! Jesus hat sein Kreuz für dich getragen und ausgehalten. Er hat damit deine Sünde ausgelöscht, den Tod auch für dich besiegt und neues, gutes, zeitlich unbegrenztes Leben ermöglicht.
Für jeden Schwachen, Leidenden und Verzweifelten ist das eine wunderbare Zusagen des Wortes Gottes: Für dich! Das Kreuz steht als Zeichen für Trost, Hoffnung, Zukunft und Lebensmut für Dich! Lass es Dir nicht nehmen. Nicht von klugen Theologen und nicht von dummen Atheisten. Du brauchst es jetzt und du wirst es brauchen in Zukunft. Dein Leben lang und einmal am Ende deines Lebens, im Angesicht des Todes noch viel mehr. Es stand für Dich dort auf Golgatha und es steht und gilt für Dich bis heute.
Die rote Karte vor Ihnen auf den Bänken ist allein schon eine sehr anschauliche Predigt und Aussage. Das silberne Kreuz in der Mitte, mit seiner spiegelnden Fläche, stellt eine Beziehung her. Wenn man es sich richtig ansieht, entdeckt man sich selbst in diesem Kreuz. Man stellt fest: Ich bin ja mit dem Kreuz Jesu verbunden. Wodurch? Durch die Taufe und durch den Glauben. Durch die Taufe von Gott her und durch seine Liebe. Ich darf im Glauben daran festhalten, dass Jesus an seinem Kreuz auch meine Schuld getragen und mein Leid besiegt hat.
„Für dich …“ So ist es auf der Karte darüber geschrieben! Und die Punkte sagen, dass wir diese zwei Worte ergänzen dürfen:
Für dich – bin ich da, um dir zu helfen.
Für dich – habe ich mein Leben gegeben.
Für dich – gibt es Hoffnung!
Für dich – gibt es Zukunft!
Für dich – steht das Kreuz als Zeichen der Liebe und Treue
Gottes.
Für dich – hat Gott sein Bestes und Liebstes gegeben: Jesus
Für dich – setzt Jesus sich ein.
Beim Abendmahl wird uns das jedes Mal neu zugesprochen: Für dich gegeben! Für dich vergossen! Nimm und iss! Nimm und trink! Nimm es in dich auf und vergiss es nie mehr, dass Gottes Liebe dir treu bleibt und dass nichts und niemand dich aus seiner Hand reißen kann.
Im Kreuz macht Jesus mein Leid zu seinem Leid, meine Not zu seiner Not, meine Traurigkeit zu seiner Traurigkeit. Meine Verzweiflung zu seiner Verzweiflung. Meine Sünde zu seiner Sünde. Durch das Kreuz wird aus seinem Sieg mein Sieg, aus seinem Trost mein Trost und schließlich aus seinem ewigen Leben mein ewiges Leben.
Paulus kann darum sagen: Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft.
Ohne diese Kraft Gottes in meinem Leben könnte und möchte ich nicht mehr sein. Ich brauche sie für mich persönlich, für all die vielen Sünden, Nöte und Leiden, mit denen ich konfrontiert werde. Ich brauche diese Kraft für meinen Alltag und meinen Beruf. Das ist Kraft, die mich im Innersten berührt und aus des Todes Dunkelheit mich glaubend in das Leben führt. Kraft, die das Leben schön und lebenswert macht, Kraft, die fröhlich macht und die Geborgenheit schenkt.
Diese Kraft, die ich im Kreuz entdecke, mit der ich geliebt bin, die weckt in mir eine Liebe, die sich an Jesus festhält. Wir haben in dem Lied von Johann Scheffler vor der Predigt davon gesungen:
Ich will dich lieben, o mein Leben,
Als meinen allerbesten Freund;
Ich will dich lieben und erheben,
Solange mich dein Glanz beschreibt
Ich will dich lieben, schönstes Licht,
Bis mir das Herzen bricht.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168