Nur wer dem Guten Hirten folgt, kommt gut ans Ziel und erfährt hier schon Hilfen.
Zur PDFMiserikordias Domini, 05.05.19, Johannes 10,11-16.27-30
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Wir beten in der Stille um den Segen für diese Predigt. … Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
Aus dem 10.Kapitel des Johannesevangeliums hören wir Verse für diese Predigt (10, 11-16.27-30):
Jesus sprach: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie – denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall, auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.
Auf zwei Forderungen, die Jesus hier stellt, folgen drei gewaltige Zusagen. – Zu einem Kind sagt man: Wenn du „Bitte“ sagst, bekommst du das Eis. – Ein kleines Wort für ein großes Eis. Und wenn dem Kind nicht seine eigene Bockigkeit im Weg steht, dann wird es natürlich „Bitte“ sagen, weil es das große Eis möchte.
Jesus bietet uns mehr als ein leckeres, aber doch schnell dahinschmelzendes Eis. Er verspricht:
– Ich gebe euch das ewige Leben.
– Ihr werdet niemals umkommen.
– Niemand wird euch aus meiner Hand reißen.
Was für Zusagen! Leben, Sicherheit und Geborgenheit. Da muss man doch zugreifen. – Aber große Versprechen machen uns meistens misstrauisch. Wenn man für fast nichts oder ganz umsonst etwas Großes angeboten bekommt, ist man sehr vorsichtig und vermutet, dass die Sache einen Haken hat. – Oft auch zu Recht. Wenn die Anzeige verspricht, dass sich mit leichter Nebentätigkeit ohne Vorkenntnisse 3.000 € im Monat verdienen lassen, dann ist Misstrauen angebracht.
Wenn chronisch Kranken mit ganz einfachen Mitteln und völlig ohne Nebenwirkungen für nur soundso viele Euro Hilfe und Heilung versprochen wird, dann sollten sie lieber die Finger von dem angepriesenen Wundermittel lassen und ihr Geld nicht dafür ausgeben. Es würde sicher nur eine teure Enttäuschung draus. – Was wird wohl Jesus von uns erwarten, bevor er seine Versprechen einlöst?
Meine Schafe hören meine Stimme und sie und sie folgen mir. – Der gute Hirte will uns dazu bringen, dass wir erstens auf ihn hören und, dass wir zweitens seinen Weg mitgehen.
Was kommt mir denn zu Ohren und zu Herzen, wenn ich auf seine Worte höre? – Ich vernehme durch ihn die Gründe Gottes, die ihn dazu bewegt haben, so für uns da zu sein (Johannes 3,16): So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. – Unvorstellbar! Er liebt diese manchmal so verrückte Welt und mich, der ich oft eigensinnig und verdreht bin so sehr, dass er seinen Sohn dafür gab, ihn am Kreuz für uns sterben lässt.
Jesus sagt mir auch, dass ich nicht in Sorge leben muss, weil der Vater im Himmel meine Not schon sieht, noch bevor ich ihn um Hilfe bitte. Und Jesus versichert mir, dass ich mit allen meinen Problemen und Lasten zu ihm kommen darf. Er will mir helfen, mir Kraft geben, mich aufrichten. Er weist mich darauf hin, dass ihm nichts unmöglich ist. Wenn ich seinen Gleichnissen und Reden genau zuhöre, erfahre ich, dass er auch mir meine Schuld vergibt und dass er tatsächlich die Vollmacht hat, Sünde zu vergeben.
Seine Worte sagen mir aber auch unmissverständlich, was an meinem Leben nicht in Ordnung ist und wo ich mein Denken und Handeln ändern muss: Sie lehren mich verzeihen, nicht nur einmal, auch nicht siebenmal, sondern immer wieder.
Sie lehren mich ehrlich zu sein, nicht falsch und berechnend.
Sie leiten mich an, zu lieben, auch dort, wo ich nicht gleich etwas zurückbekomme.
Sie ermahnen mich, Keinen zu verachten oder aufzugeben.
Je länger und mehr ich auf die Stimme des guten Hirten höre, umso reicher wird mein Leben, umso zufriedener werde ich und umso mehr entdecke ich Wunder um mich herum und Gründe dafür, Gott zu danken. Mit dem Hören auf Jesus kommt eine Freude in mein Leben, die es ohne Jesus nicht gibt. Die Freude, angenommen und geliebt zu sein. – Eine Freude, die tief aus dem Herzen kommt und die sich in Liedern und Lobgesängen ausdrückt: Lobet und preiset ihr Völker den Herrn – Tun wir‘s doch einfach: Zuerst einmal gemeinsam, dann als Kanon, Kanzelseite, Fensterseite, Empore.
Lied 337 ohne Orgel und als Kanon
Freuet euch seiner und dienet ihm gern! – Das geht nur, wenn man auf ihn hört. Hören kann man aber nur – da wird niemand widersprechen – wenn man in der Nähe dessen bleibt der redet und ruft. Wer weggeht, hört bald nichts mehr von seiner Stimme. Das leuchtet doch ein. Sogar euch Konfirmanden. In einer Woche ist Eure Konfirmation. Und dann kommt es darauf an: Wenn ihr danach weggeht, wenn ihr nicht mehr kommt, die Worte der Bibel und des Herrn Jesus euch nicht mehr erreichen, dann werdet Ihr den Guten Hirten schnell vergessen haben. So wie man alles schnell vergisst, womit man sich nicht mehr beschäftigt.
Bleiben wir im biblischen Bild des Hirten und der Herde: Schafe, die außer Rufweite des Hirten geraten, verlaufen sich. Wenn sie nur die saftigen Gräser im Blick haben und unbedingt alle Kräuter, auch die entferntesten kosten müssen, sind sie in Gefahr abzustürzen, ins Wasser zu fallen oder sich zu verlaufen. Dann werden sie umkommen.
Im Lauf eines Pfarrerslebens erhält man da manche traurige Nachricht. Erst vor kurzem mussten wir jemanden, den wir hier vor 20 Jahren hier konfirmiert haben, beerdigen. Er war weggegangen, hatte auf die falschen Stimmen gehört, war schlechten Hirten gefolgt. Die Drogen, an die er dabei geraten ist, haben ihm das Leben gekostet.
Und vor einigen Tagen erhielt ich den Anruf einer Mutter, deren Kind wir vor 10 Jahren konfirmiert haben. Besorgt erzählte sie mir, dass ihr Kind aus der Kirche austreten will und fragte mich, was sie ihm denn sagen kann und wie sie das verhindern kann. – Wer die Stimme des guten Hirten nicht mehr hört, wer ihm nicht mehr folgt, fragt sich früher oder später, ob er nicht der Kirche des Herrn Jesus Christus den Rücken kehren sollte und mit dem Geld besser gut essen gehen oder noch schöner reisen sollte.
Es fängt immer mit dem nicht mehr auf Jesus hören an, dann entfernt man sich und lässt sich nicht mehr von ihm führen. Man hört auf andere Hirten, geht eigene Wege, versteht nicht mehr, was der Sinn des Glaubens ist. Nach dieser Inneren Entfremdung folgt dann die äußere Distanzierung. In letzter Konsequenz der Austritt aus der Kirche.
Wenn nicht ein Wunder geschieht, wenn es keine Erweckung in unserem Volk gibt, dann werden in den nächsten wenigen Jahrzehnten, noch scharenweise Austritte erfolgen. Die Rechte der Kirchen werden immer mehr hinterfragt werden. Religionsunterricht, Kirchensteuer, staatliche Zuschüsse, der rechtliche Status der Kirche und vieles mehr.
Parallel dazu werden die fremden Kulte und Religionen wachsen, die christlichen Werte verloren gehen, der Aberglaube boomen und die Menschen haltloser werden, denn es geht ohne Gott in die Dunkelheit.
Aber keine Angst! Die wahre Kirche Jesu Christi, die sich durch alle Konfessionen zieht, wird deshalb nicht sterben. Eine kleine Schaar wird immer die Stimme des guten Hirten hören und ihm folgen, aber viele werden in die Irre gehen, werden verloren gehen, weil sie falschen Hirten aufgesessen sind. – Jesus nennt diese falschen Hirten hier „Mietlinge“. Angeheuerte Saisonhirten, die nicht wirklich am Wohl der Schafe interessiert sind, sondern nur an ihrem Lohn.
Der Dealer ist doch nicht an dem Menschen interessiert, dem er seinen Stoff verkauft, sondern nur daran, dass er Gewinn macht. Und dazu ist es ihm recht, dass er den Konsumenten abhängig gemacht hat. – Es sind viele Dealer – Händler – die uns von sich abhängig machen wollen, die aber nicht an uns als Menschen, sondern nur als Kunden interessiert sind.
Wir sind umgeben von Mietlingen, die Großes versprechen, aber nichts halten können. Sie versprechen den ultimativen Kick, die abgefahrene Freude, den Genuss, den Erfolg, die Sicherheit. Sie versprechen ein geiles Leben und verschweigen den elenden Tod, den jedes solche Leben zur Folge hat.
Jesus hält dagegen: Ich gebe euch das ewige Leben! Das ewige Leben ist lebenswert! Es ist kein ewiges Elend, wie manches Leben, das mit Magensonde und Infusionen künstlich verlängert wird, weil man nicht mehr glaubt, dass nach dem Tod noch was kommt. Ja, wenn’s dann absolut aus und vorbei ist, muss man schon noch ein paar Monate oder Jährchen rausschinden, auch wenn der Zustand erbärmlich ist.
Wenn man aber vom guten Hirten geleitet und von seiner Stimme gestärkt, Gottes ewige Herrlichkeit als Ziel hat, wenn man sich darauf verlässt, dass er sein Leben für uns gegeben hat, dann ist die Zukunft hinter dem Horizont einladend, ja verlockend, dann kann man lachend dem Tod entgegengehen, auch wenn vielleicht die Zahl der Jahre nicht so hoch ist.
Ihr werdet nicht umkommen! Sagt Jesus. Und er meint damit, dass selbst ein früher Tod durch Krankheit oder Unfall dann kein Aufhören der Existenz ist, sondern ein Übergang in jene wunderbare Welt Gottes, in der es alles Leid dieser Erde nicht mehr geben wird. Auch keine Kriege, keine Schmerzen, keine Verbrechen, keine Angst. Weder Traurigkeit, noch Unterdrückung, weder Vergänglichkeit, noch Bitterkeit. Nur Freude und Geborgenheit, die alles Vorstellbare übertrifft. Das Wörtchen „ewig“ bedeutet dabei, dass das nicht nur ein kurzes Glück, sein wird, kein vorübergehender Zustand oder vergehender Genuss, sondern ein endloser. Alles ewig gut!
Niemand kann euch aus meiner Hand reißen! Wer sich Jesus ganz gegeben hat, der gehört ihm und den lässt er doch nicht mehr los. Den hält er fest. Auf den passt er auf! Wer ihm vertraut, den lässt er sich nicht entreißen. Der ist gehalten, geborgen, getröstet und sicher. Der muss sich nicht mehr anstrengen und mit eigenen Kräften selber festhalten, sondern der ist und bleibt gehalten für immer und ewig.
Das hat der gute Hirte zu bieten. Wem? Jedem, der auf ihn hört und er ihm folgt. Es gibt nichts Besseres, nichts wofür es sich lohnt den guten Hirten zu verlassen. Darum ist es das Beste, was wir tun können, einmal und dann immer wieder zu sagen (EG 406,1+2): Bei dir Jesu will ich bleiben, stets in deinem Dienste steh‘n. Nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.
Könnt ich’s irgend besser haben, als bei dir, der allezeit so viel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getroster werden, als bei dir, Herr Jesu Christ, dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist?
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168