NUR in Jesus ist das Heil
Zur PDFRogate, 26.05.2019, Johannes 16, 23-28. 33
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt… Herr, wir bitten Dich, gib uns den Heiligen Geist zum Reden und Hören. Amen
Im 16. Kapitel des Johannesevangeliums steht unser Schriftwort für die Predigt heute:
Mit diesen Sätzen enden die Abschiedsreden des Herrn Jesus, dann betet der Herr noch mit seinen Jüngern und für sie, bevor er verhaftet wird und die Ereignisse bis zum Tod am Kreuz ihren Lauf nehmen.
Zum Schluss der dreijährigen gemeinsamen Zeit erklärt Jesus seinen Jüngern noch einmal die Zusammenhänge und gibt ihnen Hilfen für die kommende Zeit. Was geschehen wird, ist nicht ein zufälliges schreckliches Ereignis, sondern ist eingebaut in einen großen Heils- und Rettungsplan.
Dass Jesus aus dieser sichtbaren Welt wieder weggeht, hängt mit seiner Herkunft zusammen. Er kam aus der Herrlichkeit Gottes und hatte in der Welt einen Auftrag auszuführen: Nämlich den Menschen das Evangelium zu bringen, uns Gottes Gebote lieb und wertvoll zu machen und zu zeigen, dass hinter ihnen eine fürsorgliche Liebe steht. Jesus hat in vielen Begegnungen gezeigt, dass Gott daran liegt, dass alle Menschen gerettet werden. Seine Liebe gilt nicht nur den Frommen und Braven, sie gilt auch und besonders den Gottlosen und Bösen, den „Verlorenen“.
Nun ist der Auftrag fast erfüllt. Es fehlt noch der Höhepunkt, das Erlösungswerk. Dass Jesus Hass und Ungerechtigkeit aushält und in allem die Liebe durchhält. Der Tod als Folge der Sünde wird besiegt, von dem einen Gerechten, damit alle Ungerechten durch seine Gerechtigkeit frei werden können. Ich lese die Verse aus dem 16. Kapitel des Johannes.
Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.
Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater.
An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin.
Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Sind sie nicht wie Kinder, diese Jünger? Wie Kinder, deren Mutter am Abend das Kinderzimmer verlassen und die Türe hinter sich zu machen möchte? „Bleib da, Mama!“, rufen sie. „Lass wenigstens die Tür offen!“ Und die Mutter antwortet: „Ich bin doch da, auch wenn die Tür zu ist und ihr mich nicht seht. Ich hör euch doch wenn ihr ruft. Ihr könnt auch den Papa rufen, der hört euch auch. Und wenn der Papa fragt, dann sagt ihm, die Mama hat es uns erlaubt. Seid nur ganz ruhig. Wir sind da! Es kann euch nichts passieren.“
Seid getrost! Was für ein Wort! Seid ganz ruhig! Ich bin doch da und ich bin stärker als alles, was euch Angst macht. Was sind das für starke und liebevolle Worte, die Jesus uns hier mitgibt! Seid getrost! Auch wenn da so viel ist, was euch Angst machen will. Ich bin doch stärker! Habt Ihr es nicht immer wieder erlebt? Wie oft hat Gott schon eure Gebete erhört! Seid Ihr nicht bisher wunderbar bewahrt und gnädig geführt worden?
Ja, aber, – so mag jetzt mancher Kritiker einwenden, – ich hab damals auch gebetet und es hat nichts genützt. Ich hab die Stelle nicht bekommen, die Prüfung nicht bestanden, der Verwandte ist doch gestorben, Das Mädchen nach dem ich mich so gesehnt habe, hat meine Liebe nicht erwidert. – Und was es sonst noch alles für Erfahrungen mit offensichtlich nicht erhörten Gebeten geben mag. Haben wir nicht alle auch Erinnerungen an nicht erhörte Gebete?
Eine Geschichte, die ich gelesen habe, hat mir zu denken gegeben:
Ein Bauer hat nur ein Pferd, einen Acker von dem er sich ernährt und einen Sohn. Eines Tages bricht das Pferd aus und verschwindet. Die Leute kommen zu dem Bauern und sprechen ihr Bedauern aus. Doch der Bauer sagt: „Woher wisst ihr, dass es ein Unglück ist?“ Kurz danach kehrt das geflohene Pferd zurück und hat ein Wildpferd in seinem Gefolge. Nun sagen die Dorfbewohner: „Was für ein Glück hast du, denn jetzt gehören dir zwei Pferde.“ Aber der Bauer erwidert: „Woher wisst ihr, dass es ein Glück ist?“
Kurz danach will der Sohn das Wildpferd zureiten, aber es wirft ihn ab und er bricht sich ein Bein. Wieder kommen Menschen und beklagen sein Geschick.“ Er aber fragt zurück: „Woher wisst ihr, dass es ein Unglück ist?“
Eine Woche später erscheinen Soldaten im Dorf. Ein Krieg ist ausgebrochen und sie ziehen alle jungen Männer ein. Doch den Sohn des Bauern lassen sie zurück, weil er ein gebrochenes Bein hat.
Wir wollen immer sofort den Erfolg sehen, wenn wir beten. Wir wollen gleich einen Sinn erkennen, in dem was geschieht, aber Gott hat langfristige Pläne. Er denkt und handelt in größeren Zeiträumen und verborgenen Zusammenhängen. Manches „Unglück“ in meinem Leben habe ich erst viele Jahre später als gnädige und gute Führung Gottes begriffen. Gottes Timing ist mit Sicherheit besser als unsere Zeitplanung.
Beten ist mehr als eine „Erste Hilfe Aktion“ und ein Notverband. Es ist die Einbeziehung dessen in unser Leben, der die Welt überwunden hat und der alles Böse überwindet. Wer betet, darf mit seinem Gebet die Sorge abgeben und vertrauen, dass der, dem nichts unmöglich ist, Mittel und Wege hat umfassend zu helfen.
Zum Gebet gehört immer der Glaube, dass Gott sich meiner Not annehmen wird. Ein Seelsorger sagte; Ihr dürft schon vorher danken, dass Gott Euer Gebet erhört, auch wenn von der Hilfe noch nichts zu sehen ist. Beten ist ein Einüben in uneingeschränktes Gottvertrauen. Julie Hausmann macht es genau richtig in ihrem bekannten Lied, das ja eigentlich ein Vertrauensgebet ist (EG 376,3): „Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht.
Ein Gebet, das mit kindlichem Glauben verbunden ist, ist in jedem Fall zielführend. Es führt uns von Erfahrung zu Erfahrung, von Hilfe zu Hilfe, von Erkenntnis zu Erkenntnis, von Sieg zu Sieg. – Manchmal scheint uns die Tür verschlossen, der Himmel verschlossen. Aber hinter der Tür hört der Vater unser Rufen und tut, was nötig und für uns richtig ist.
Es ist nicht unsere Sache Gott vorzuschreiben, wann und wie seine Hilfe geschehen soll. Er weiß wann und wie es gut und richtig ist. Und in der Wartezeit müssen wir nicht in Angst versinken, sondern dürfen ganz getrost sein, weil Jesus die Welt und alle ihre Angstmacher längst überwunden hat.
Im Namen Jesu dürfen wir Gott bitten. Das ist ein besonderes Vorrecht. Weil Jesus alles für uns getan hat, darum haben wir direkten Zugang zum Thron Gottes. Wir müssen nicht zweifeln und denken: Ach ich bin doch so unwürdig, so verkehrt, hab so viel gesündigt, da kann Gott doch meine Gebete gar nicht erhören. Es hat gar keinen Wert, dass ich bete. Martin Luther hat dazu einmal geschrieben:
Wenn du nicht eher bitten willst, als du dich würdig und geschickt weißt und empfindest, so musst du nimmermehr bitten. Denn unser Gebet muss sich nicht gründen auf unsere Würdigkeit, sondern auf die unwandelbare Wahrheit göttlicher Zusage, und wo es sich auf sich selbst oder etwas anderes gründet, so ist es falsch und betrügt dich, wenn auch vor großer Andacht das Herz zerbreche und reine Blutstropfen weinte (…)“
Wer im Namen Jesu an Gott herantritt und bittet, akzeptiert damit Gottes Weg, zu handeln. Das kann ich nur, wenn ich Jesus als meinen Herrn und Heiland angenommen habe. Wenn ich mit Jesus nichts zu tun haben will, wenn ich ihn ablehne, dann kann ich doch nicht in seinem Namen Gott bitten. Die Bitte in Jesu Namen ist immer auch das Annehmen des Sohnes Gottes als mein Retter. Er ist für mich Weg, Wahrheit und Leben. Das hat keine andere Religion zu bieten, einen Gott, der Mensch wird, der mit leidet, der dient, so wunderbar tröstet und annimmt.
Dem Indienmissionar Stanley Jones, der an unzähligen Orten gepredigt und missioniert hat, trat ein Hindugelehrter entgegen und sagte: „Es gibt nichts, was ihr Christen aus Europa uns Hindus voraushabt. Alle religiösen Weisheiten sind auch in unseren Schriften zu finden. „Darf ich mich“, so fragte er den Missionar, „nach deiner nächsten Rede direkt an die Menschen wenden?“ Stanley Jones sagte zu. Aber nach seiner Predigt geriet der Hindugelehrte in Verlegenheit. Er brachte nur einen Satz heraus: „We don’t have such a person.“ – „Wir haben keine solche Person.“ – Er meinte Jesus damit.
Das müssen wir begreifen: Nobody has such a person! Niemand, keine andere Religion der Welt hat so einen, wie Jesus. In der Apostelgeschichte wird berichtet, dass der Fischer Petrus, der mit Johannes verhaftet worden war, weil er Jesus als den Sohn Gottes predigte und einen Gelähmten im Namen Jesu geheilt hatte, nach eine Nacht im Gefängnis vor dem hohen Rat bekannte (Apg 4, 12): Es ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.
Allein in Jesus, dem Sohn des lebendigen Gottes ist das Heil. Aber weite Kreise unserer Christenheit sind dabei diesen Anspruch, den Petrus hier so klar formuliert hat, aufzugeben. Man lebt mit der Einstellung: Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. – Egal an wen du glaubst und was du für eine Religion hast. Der Auftrag zur Mission wird nicht mehr verfolgt, ja sogar grundsätzlich abgelehnt. Aber wenn wir das tun, werden wir schuldig an denen, die Jesus noch nicht kennen, wenn wir ihn nicht bekennen als den einzigen Weg zum Heil, als den ausschließlichen Zugang zum Vater im Himmel (Joh 14,6): „Niemand kommt zum Vater, denn durch mich!“
Jedes Gebetsanliegen, jede Not, jeder Zweifel, jede Angst, jeder plötzliche Schrecken soll uns zu Jesus führen und zum Beten bewegen. Da ist kein Anliegen zu unbedeutend oder zu aussichtslos. Für den der die Welt überwunden hat, ist nichts unmöglich.
Was macht Ihnen in diesen Tagen oder Wochen zu schaffen?
Haben Sie es schon Jesus im Gebet hingelegt? Haben Sie es schon im Namen des Herrn Jesus vor Gott gebracht? – oder zweifeln sie, dass er helfen kann oder helfen will? Der Prediger Spurgeon schreibt einmal (Kleinode 3.2.): „Ich beachte, wie er mich „getrost sein“ heißt. Ich bin sehr leicht niedergeschlagen. Mein Mut sinkt schnell, wenn ich schwer geprüft werde. Aber ich darf diesem Gefühl nicht nachgeben. Wenn mein Herr mich getrost sein heißt, darf ich nicht wagen niedergedrückt zu sein.
Womit ermutigt er mich? Nun, mit seinem Sieg. Er sagt: „Ich habe die Welt überwunden!“ Sein Kampf war viel schwerer als der meine. O Welt, Jesus hat dich schon besiegt…“
Bist du auch schnell niedergeschlagen? Sinkt dein Mut auch leicht, wenn etwas nicht gleich klappt? Gib nicht auf! Mach es wie Spurgeon. Schau auf Jesus und seinen Sieg. Aussichtsloser kann eine Lage nicht sein, als die von Jesus am Kreuz. Keine Hand kann er bewegen, keinen Schritt machen. Und doch rettet seine Hand und segnet. Mit seinen festgenagelten Füßen hat er den entscheidenden Schritt getan, auf dich zu. Und er nimmt dich bei deiner Hand und führt dich durch alle Tiefen und durch so manche Nöte. Seine Hand lässt nicht los. Niemand und nichts kann uns aus seiner Hand reißen! Keine Angst der Welt kann die Gewissheit zerstören, dass Jesus am Ende auch bei uns siegt.
Sagen wir ihm unsere Angst und lassen wir uns von ihm Frieden und Geborgenheit schenken.
Ja, Herr, dein Sieg, er gilt auch mir. Trotz aller Not vertrau ich dir. Vollbracht! Erlöst! Dies Wort ist mein. Ich bin jetzt frei, Herr ich bin dein. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168