Man darf’s dem Heiland sagen
Zur PDF2. Sonntag nach Epiphanias, 18.01.2015 Johannes 2, 1-11
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Wir beten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt: … Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Unser Schriftwort für die Predigt steht im 2. Kapitel des Johannesevangeliums. Im 1. Kapitel ging es um hoch theologische Gedanken: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott… Vom Licht war da die Rede, von der Gotteskindschaft und davon dass das Wort Fleisch wurde und unter uns wohnte. Johannes der Täufer zeigt auf Jesus, der zu ihm an den Jordan kommt und verrät seine Bedeutung: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Dann berichtet der Evangelist von der Berufung der ersten Jünger. Am Ende des 1. Kapitels verspricht Jesus denen, die sich mit ihm auf den Weg machen, die ihm folgen werden: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn.
Das sind in der Tat große Ankündigungen und himmlische Aussichten. Aber dann geht es erstmal ganz volkstümlich und irdisch weiter mit unserem heutigen Predigttext. Jesus besucht mit seinen Jüngern eine ganz weltliche Feier. Sie sind auf einer Hochzeit eingeladen. Nicht nur die Jünger und Maria, auch Jesus. Und er nimmt die Einladung an. Er sagt nicht: Für so was hab ich jetzt keine Zeit. Ich muss die Welt retten und die Menschen erlösen. Jesus lässt sich einladen. Er kommt, wenn er eingeladen wird. Er feiert mit, isst mit, trinkt mit, lacht mit. Da wird Musik gewesen sein und vielleicht hat man auch getanzt. Hören wir, was Johannes da berichtet:
Am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.
Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte und in jeden gingen zwei oder drei Maße.
Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm.
Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war und nicht wusste, woher er kam, – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten – ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und wenn sie betrunken werden den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.
Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
Ist das nicht eher eine kleine Geschichte? Eine Nebensächlichkeit, ob sie nun auf dieser Hochzeit noch mehr Wein zu trinken haben oder nicht. Wie die Qualität des Weins ist und in welcher Reihenfolge der Wein serviert wird? Ob sich ein Brautpaar blamiert oder nicht. Ist das für die Welt- und Heilsgeschichte nicht völlig unbedeutend?
Diese kleine Geschichte gibt eine Menge Hinweise und wichtige Ratschläge. Johannes nennt sie das erste Zeichen, das Jesus tat und er stellt fest, dass diese kleine Begebenheit Folgen hatte für die neu gewonnenen Jünger: Und seine Jünger glaubten an ihn. Diese Männer waren erst den dritten Tag mit Jesus unterwegs. Sie beobachteten ihn, sie hörten genau hin: Was sagt der, was tut er? Wie verhält er sich?
Einige der Jünger waren vorher Johannes dem Täufer gefolgt. Bis der mit Blick auf Jesus betonte: Der ist viel größer als ich. Gegen den bin ich unbedeutend. Unwürdig ihm die Schuhe aufzubinden. – Das war Sklavenarbeit. – Johannes bezeugt, dass er Gottes Geist auf Jesus hatte kommen sehen und stellt fest: Dieser ist Gottes Sohn! (1, 34)
Die Jünger hatten daraufhin Johannes verlassen und waren Jesus gefolgt. Warum sollten sie sich weiter bei dem Vorboten aufhalten, wenn doch jetzt der gekommen war, von dem der Täufer die ganze Zeit geredet hatte. Diese ersten Jünger, Johannes, Andreas, Simon, Nathanael hatten die richtige Entscheidung getroffen. Ihnen war Jesus begegnet, als der Sohn Gottes bezeugt worden und sie waren ihm gefolgt. Sie hatten keine Garantie, sie wussten nicht, wohin das führen würde. Sie ließen sich darauf ein und erlebten gleich in der ersten Zeit ihres Glaubens an Jesus so manches Wunder. Der Evangelist Johannes nennt es nicht Wunder, sondern Zeichen.
Ein Zeichen. Zeichen geben wichtige Hinweise. Dieses Zeichen in Kana zeigt, dass die Liebe Gottes in Jesus in die Tiefe geht und dass für den Heiland nichts zu klein oder zu unwichtig ist. Er nimmt jede Not ernst, auch Deine und meine, mit der wir vielleicht heute hierhergekommen sind. Dort in Kana bei der Hochzeit kleiner Leute verhindert Jesus eine Blamage der Gastgeber. „Sie haben keinen Wein mehr!“
Maria hat vielleicht bei dieser Hochzeit in der Küche mit geholfen oder bedient und den Notstand frühzeitig bemerkt. Sie informiert Jesus. Aber der braucht diese Information gar nicht. Er weiß, wo es fehlt und er weiß, was er tun wird. „Sein Plan ist fertig schon und liegt bereit“, so hat es Hedwig von Redern in ihrem Lied beschrieben und sie fügt aus der Erfahrung ihres Lebens hinzu: „Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh, dass ängstlich schlägt das Herz, sei’s spät, sei’s früh.“
„Man darf‘s dem Heiland sagen.“ So hat Pfarrer Wilhelm Busch diese Geschichte gedeutet. „Das sollen wir wissen in den vielen Alltagsnöten, mit denen wir uns herumschlagen müssen: „Man darf‘s dem Heiland sagen.“
Vielleicht scheint es uns auch bei manchen Anliegen zunächst so, als wäre es zu klein und würde es ihn nicht interessieren. Maria wird ja von Jesus hier zunächst abgewiesen: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Jesus lässt sich nicht bestimmen oder von Maria beeinflussen. Übrigens eine Stelle, die denen, die Maria um Fürsprache anrufen, zu denken geben sollte. Jesus lehnt das ab. Er weist seine Mutter mit deutlichen Worten zurück: Was geht denn dich das an? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Es braucht keine Umwege über Maria oder Heilige. Wir dürfen uns unmittelbar an Jesus wenden. Jesus ist nicht im Stress. Er hat kein Zeitproblem. Er nimmt sich Zeit für jeden und für jedes Anliegen. Auch für so ein Catering-Problem bei einer Hochzeit. Vielleicht ein wichtiger Hinweis für alle die eine Hochzeit oder eine Feier planen: Ladet Jesus dazu ein! Wendet euch mit euren Anliegen an ihn. Lasst ihn den Geist bestimmen.
Wir dürfen kommen zu ihm mit allem. Ja, man darf‘s dem Heiland sagen. Aber wir sollen den Zeitpunkt und die Art der Hilfe dem Herrn nicht vorschreiben, sondern getrost ihm überlassen. Seine Hilfe kommt nie zu spät, sondern denen, die ihm vertrauen immer rechtzeitig und mehr als ausreichend. Von den 600 Litern Wein wird nach der Hochzeit eine Menge übrig geblieben sein für kommende Zeiten.
Sind wir nicht schon manchmal beschämt worden von der Hilfe, die Gott uns geschickt hat? Gottes Hilfe ist nie kleinlich. Als das Volk Israel hungerte und Gott ihnen Manna schickte, lag da viel mehr Manna auf dem Wüstenboden, als sie hätten essen können. Nach der Speisung der 5000 blieben körbeweise Reste. Immer wieder erleben wir es, dass der Herr unseren kleinen Glauben beschämt.
Maria wird hier von Jesus zunächst abgewiesen. Wie reagiert sie darauf? Nein, sie ist nicht beleidigt. Kein: „Na hör mal, wie redest du denn mit deiner Mutter!“ Sie lässt sich die Grenzen zeigen von Jesus und sie hat doch das Vertrauen, dass er etwas tun wird. Darum ihre Anweisung an das Personal: Was er euch sagt, das tut! Auch das ist so ein verborgener Hinweis im Evangelium, der für alle Zeiten gilt: Was er, was Jesus euch sagt, das tut! Tut es auch dann, wenn es euch unsinnig oder sinnlos scheint oder gegen den gesunden Menschenverstand.
Der Wein ist alle und was tut Jesus? Er lässt das Personal Wasser holen! Die Vernunft sagt: Schick sie doch lieber schnell zum nächsten Winzer oder in die Weinhandlung, aber doch nicht zur Wasserleitung! Aber Jesus hat andere Pläne und Möglichkeiten. Er kann aus nichts viel, aus Kleinem Großes, aus Wasser Wein machen. Das zeigt dieses Zeichen. Was er euch sagt, das tut! Auch wenn es zunächst nach menschlichem Ermessen nicht hilfreich scheint.
Sanftmütig sein, oder friedfertig, barmherzig oder immer ehrlich. Damit kommt man doch in dieser Welt nicht voran. So wird von den Starken behauptet. Wer was verschenkt, wer teilt, wer hergibt, der verliert was dabei, behauptet die Welt. Es gibt nichts zu verschenken! Jesus behauptet gegen alle menschliche Vernunft das Gegenteil.
Eine Frau erzählte mir vor einiger Zeit von ihrem Mann, der bekennender Christ ist, sehr bescheiden, freundlich, ja fast zurückhaltend auftritt. Ein Geschäftsmann hätte vor vielen Jahren einmal zu ihr gesagt: Dein Mann ist gescheit, aber er wird es mal nie zu was bringen, weil er keine Ellenbogen hat. Inzwischen ist genau dieser Mann in leitender Funktion bei einem großen Unternehmen. Auch ohne den Einsatz von Ellbogen. Wir dürfen den Herrn für uns streiten lassen.
Was er euch sagt, das tut! Selbst wenn Jesus sagt: Liebet eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Oder wenn er fordert dem Bruder sieben mal siebzig Mal zu vergeben. Das war und ist ein wirklich guter Rat Marias, der bis heute gilt: Was er, was Jesus euch sagt, das tut!
Jesus auf einer Hochzeit. – Das hat noch eine ganz andere und tiefere Bedeutung. Hochzeit, das ist im NT ein Bild für die große und zeitlich nicht begrenzte himmlische Feier des Auferstandenen mit seiner Gemeinde. Jesus der liebende Bräutigam, die Gemeinde die geschmückte Braut.
Das Wasser des täglichen Lebens, das Wasser der Reinigung, wie es in den Tonkrügen bereit stand, wird durch Jesus zum köstlichen Wein, Sinnbild für die Freude des Himmels nach überstandenem Leid dieser Erde. Die Jesus einladen, ihre Not dem Heiland sagen und die tun, was er sagt, sind von ihm und mit ihm eingeladen zum Fest des Himmels und zur großen Freude. Mit Jesus wird unser Leben nicht vom Mangel bestimmt, sondern von der Erfahrung der Hilfe. Mit ihm dürfen wir uns der schönen Erde freuen und der Köstlichkeiten, die er hier ausgestreut hat. Ob es die Aussicht von einem Berg auf eine wunderbare Landschaft ist, ein mit guten Zutaten schmackhaft zubereitetes Essen, ein Mensch, der einen liebevoll in die Arme nimmt, ein Kind an der Hand oder eine Wohnung, in der man sich wohlfühlt. Die Blume auf der Fensterbank, die Frucht im Garten. Das sind doch alles Kostbarkeiten die für uns von Gott gegeben sind.
Sie sollen uns nicht auf diese Erde fixieren und genügen, sondern sie sollen uns dem auf die Spur bringen, der noch Größeres und Schöneres für uns bereithält. Im Orient hat der Gastgeber die Gäste zum Fest abholen und begleiten lassen. So will Gott uns durch Jesus abholen und leiten, zu seinem himmlischen Hochzeitsfest.
Halten wir uns an Jesus. Vergessen wir diese drei Ratschläge nicht, was uns auch begegnet oder widerfährt: Wir dürfen Jesus einladen. – „Man darf‘s dem Heiland sagen.“ Und: Was er euch sagt, das tut! Er hilft denen, die ihm vertrauen zur rechten Zeit und reichlich. Er lässt die Freude in unserem Leben nicht versiegen, sondern will unsere Freude vollkommen machen und einmal einmünden lassen in die Freude ohne Ende in seinem Reich. Und jedes Zeichen seiner Hilfe, das wir erleben, will unseren Glauben an ihn stärken. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168