Lebensplanung ohne Gott und mit Gott

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Andacht zum Neujahr 01.01.2016, Jakobus 4, 13-15

Für diesen ersten Tag des Jahres sind Verse aus dem 4.Kapitel des Jakobusbriefs vorgesehen. Kapitel 4, 13-15:

Ihr sagt: Heute oder Morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen – und wisst nicht, was morgen sein wird.
Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.
Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.

Ein Jahr liegt vor uns. Mit dem Bonustag eines Schaltjahres 366 Tage. Wie wollen Sie die angehen? – Mit Gebet und dem Hören auf Gottes Wort, sonst säßen Sie jetzt nicht hier. Sie erbitten und erwarten, dass Gott Sie segnend begleitet auf dem Weg durch 2016. Gut so, denn alle Pläne oder Vorhaben, die wir ohne ihn angehen, stehen sehr in Frage.

Das fängt schon bei der Planung an. Jakobus zitiert, was er in seiner Umgebung so hört: Heute oder Morgen wollen wir… und seine Zeitgenossen vor 2000 Jahren unterscheiden sich nicht wesentlich von unseren. Sie wollten damals „Handel treiben und Gewinn machen“. Das ist immer noch so.

Aber der Apostel gibt zu bedenken: Ihr wisst doch nicht, was Morgen sein wird. Es ist alles so zerbrechlich, so ungewiss. Die weltpolitische Lage hat sich so entwickelt, dass sich die Zustände in einem Land oder zwischen Großmächten sehr schnell ändern können. Nach Jahren relativer Entspannung herrscht auf einmal wieder „Kalter Krieg“ und die militärischen Waffenlager werden wieder aufgerüstet.

Die wirtschaftliche Situation, die bei uns im Augenblick noch sehr gut ist, kann durch irgendein unvorhergesehenes Ereignis sich sehr schnell wieder verschlechtern. Da muss nicht viel geschehen.

Auch die gesundheitliche Verfassung von jedem von uns kann ganz schnell anders sein. Ein Virus, ein Unfall, eine anhaltende Überlastung und die Psyche macht nicht mehr mit. Geschieht um uns herum immer häufiger.

Jakobus wird deutlich: „Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.“ Das ist schon ein ziemlich drastisches Bild: Ein Rauch. Wenn man eine Kerze ausbläst, dann steigt noch ein bisschen Rauch auf, der sich aber schnell verzogen hat und auch bald nicht mehr zu riechen ist.

Was will er denn der Jakobus? Will er uns Angst machen? Will er verunsichern? Uns den Spaß verderben? – Ganz im Gegenteil. Er will, dass die Freude anhält und wir nicht aus allen Wolken fallen. Er warnt davor, Lebensplanung, Karriereplanung, Familienplanung ohne Gott zu machen. Das ist ja bei uns weit verbreitet. Alles wird geplant. Der Tag, das Jahr, der Erfolg, die Entwicklung, die Schulzeit, die Berufsausbildung, das Berufsleben, der Ruhestand und von manchen sogar die Bestattung im Friedwald oder auf hoher See.

Nur nicht die Ewigkeit. Viele Lebenspläne sind ohne Gott gemacht und das kann nur tragisch enden. Jakobus weiß, wie auch der Psalmschreiber und wie es eigentlich jeder Christ wissen sollte: Meine Zeit steht in Gottes Händen! Und darum kann ich meine Zukunft doch eigentlich nur mit ihm angehen. In dem Wissen, dass jede Stunde, jede Phase meines Lebens nur mit ihm gelingen kann. Jede Reise nur unter seinem Schutz geschehen sollte. Jedes Unternehmen, jede Investition nur in Verantwortung vor ihm gelingen und Früchte tragen kann.

Meine Zeit steht in Gottes Händen! Dieser Satz steht auf der Rückseite der Parkscheiben, die wir in den Bänken ausgelegt haben und die Sie sich gerne mitnehmen dürfen, soweit sie halt reichen. Und während sie auf der Vorderseite ganz nach Straßenverkehrsordnung in Farbe und Größe gestaltet ist, hat ein findiger Kopf die Rückseite ganz anders gestaltet:

Eine Sonnenuhr und das Bibelwort aus Psalm 31,16 erinnern an den der die Zeit an sich geschaffen hat und der jedem von uns eine bestimmte Lebenszeit zur Verfügung stellt.

In dem kleinen Fenster, auf der Rückseite der Parkzeit acht Anregungen und Impulse zum Thema Zeit und Glauben. Stellen Sie doch mal 5.30 Uhr ein und drehen dann die Parkscheibe um. Jetzt müsste in dem Fenster der Satz stehen:

Jeder Tag hat 24 Stunden, um Gott zu erfahren.

24 Stunden, die wir nicht selber machen können. Da fängt die Gerechtigkeit schon an. Kein Reicher hat mehr Zeit am Tag, kein Armer weniger. 24 Stunden mal 60 Minuten (1.440 Min) mal 60 Sekunden (86.400 Sek.) jeden Tag. Arbeitszeit, Freizeit, Ruhezeit. Wie verwenden wir unsere Zeit? Verbrauchen wir alle Zeit für uns? Oder nehmen wir uns von unserer Zeit auch Zeit für andere? Zum Helfen, zum Zuhören, zum Begleiten… Nehmen wir uns Zeit für Gott? Stille Zeit, Gebetszeit, Zeit zum Hören auf sein Wort? – Nur wer sich Zeit für Gott nimmt, wird auch etwas mit ihm erleben.Nur wer mit ihm rechnet wird ihn erfahren.

Drehen wir die Uhr eineinhalb Stunden vor, auf 4.00 Uhr. Dann lesen wir auf der Rückseite: „Wir sind bei Gott immer willkommen. An jedem Ort und zu jeder Zeit.“ Wir müssen uns nicht erst einen Termin geben lassen, auch nicht vier Wochen warten, wie bei manchem Facharzt. Ob nach dem Klingeln des Weckers in der Früh, am Esstisch, im Stau, im Bus, in der Bahn, an der Haltestelle, im Fahrstuhl… Es gibt 1000 Gelegenheiten am Tag mal kurz Kontakt aufzunehmen mit dem, der uns die 24 Stunden Zeit am Tag gibt. Das sind die wichtigsten Momente des Tages, wenn wir ihn einschalten und fragen. Wenn wir die Sorge oder Angst an ihn abgeben. Wir verlieren dabei keine Zeit, sondern gewinnen eine ganze Ewigkeit. Aber dazu später mehr.

Lassen Sie uns die Zeit weiter zurückdrehen: 2.30 Uhr. Da lesen wir zunächst einen weit verbreiteten Irrtum: Zeit ist Geld. Ja, so sagt man, wenn man nur in € oder $ denkt, wenn man meint, man könnte Zeit oder Leben kaufen. Aber Zeit ist nicht Geld und nicht käuflich, sondern eine Gabe. Jeder Tag und jede Stunde wertvoll, unwiederbringlich, einzigartig. Ein Geschenk, das wir gestalten können und dessen Nutzung wir einmal vor Gott verantworten müssen.

Zeit soll uns und anderen zum Nutzen und zum Segen werden. Oder uns und anderen zur Last. Oder wir vergeuden sie. Wieviel kostbare Lebenszeit wird nur so vertan! – Aber wenn Menschen einmal dem Tode nahe waren, wenn ihre Lebenszeit beinahe zu Ende gewesen wäre, Gott aber noch einmal Gnadenzeit dazu gibt, dann sagen sie manchmal: Jetzt lebe ich bewusster. Jetzt versuche ich das Geschenk der Zeit mehr zu schätzen. Am besten tun wir das, wenn wir dafür danken.

Drehen wir die Zeit auf 1.00 Uhr Ankunftszeit, dann finden wir auf der Rückseite einen Satz von Max Lucado: Gott führt uns. Er wird zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tun. Das ist die Erfahrung aller Glaubenden, wenn sie ihren Lebensweg zurückschauen. Auch ich kann nur staunen, wie Gott in meinem Leben die Dinge gelenkt hat. Ich hab oft den Sinn nicht gesehen oder gedacht, warum greift der Herr denn nicht ein? Rückblickend merke ich dann oft: Er hatte schon längst eingegriffen. Die Hilfe war schon unterwegs. Was ich für ein Unglück hielt war Teil seines Hilfeplans. Das dürfen wir sicher wissen, wenn wir unser Leben so planen, wie Jakobus das empfiehlt, wenn wir sagen: So der Herr will und wir leben, dann trifft dieser Satz zu: Er wird zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tun. Warum? Weil er uns führt, wenn wir ihn um Führung bitten.

Sollten wir dabei durch manche Not müssen , dann gilt der Satz des Propheten Nahum (1,7), den wir bei 11.30 Uhr finden: Gott ist ein starker Halt in Zeiten der Not. Das haben mir schon viele bezeugt, wenn sie mir von schweren Zeiten ihres Lebens berichtet haben, von Kriegs oder Krankheitszeiten, von Unfällen, Enttäuschungen und Verlusten: Herr Pfarrer, wenn ich da den Glauben nicht gehabt hätte, wenn Gott mir da nicht geholfen hätte, dann weiß ich nicht…

Die Psalmen sind voll solcher Zeugnisse: Du Herr bist mir ein starker Halt, ein Fels, eine Burg. Ein Christ, der vor der Asche und den Trümmern seines abgebrannten Hauses stand, sagte: Herr, jetzt habe ich nur noch Dich und mich. Aber Hauptsache, ich habe dich. Du wirst mir wieder aufhelfen.

Von der Niederländischen Christin, Corrie ten Boom, stammt die Weisheit, die bei 10.00 Uhr auf der Rückseite zu finden ist: Wer auf Gott wartet, verliert keine Zeit. Warten hat sie gelernt im Konzentrationslager, in das sie mit ihrer Schwester kam, weil sie Juden versteckt und zur Flucht verholfen hatten. Sie wartete auf Hilfe und verbrachte auch die Zeit in dieser schlimmen Umgebung mit viel Gebet, mit dem Bezeugen ihres Glaubens den anderen Häftlingen gegenüber, denen sie dadurch Kraft gab und mit Nachdenken über Worte der Bibel. Das war für sie keine verlorene Zeit. Es war Zeit, die sie weitergebracht hat auf ihrem Glaubensweg.

Meistens haben wir ja ein großes Anliegen, wenn wir auf Gott und sein Eingreifen warten. Manchmal haben wir dabei Angst, dass wir dabei etwas verpassen.

Die kleine Tabea betete immer wieder, dass sie bald zu ihrer Oma nach Norddeutschland fahren dürfe. Ihre 5-jährige Schwester Sina wehrte ihr und meinte: Tabea, hör auf damit! Wenn du Jesus so hetzt, macht er es erst recht nicht. – So ist Jesus nicht. Wir dürfen, ja, wir sollen anhalten am Gebet oder wie es heißt, ohne Unterlass beten. Keine Angst, Jesus lässt sich weder hetzen, noch straft er, weil jemand intensiv und immer wieder betet. Unser Gebet soll den Jakobinischen Zusatz enthalten: So der Herr will und wir leben– Wenn es in deinen guten Plan passt, Herr.

Manches braucht einfach Zeit. Bis wir so weit sind oder bis die Zeit reif dafür ist. Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn… so schreibt es der Apostel Paulus an die Galater (Gal4,4). Und der Prediger Salomo hat der Zeit ein ganzes Kapitel gewidmet. Was er dabei fest stellt finden wir bei 8.30 Uhr: Alles hat seine Zeit im Leben und manche Zeiten gehen auch vorbei. Die Jugendzeit, die Arbeitszeit, Gott sei Dank auch die Krankheitszeit und die Zeit des Weinens. Salomo endet dann seine Betrachtungen über die Zeit mit der Feststellung, dass Gott neben der Zeit noch etwas anderes in unser Herz gelegt hat: Die Sehnsucht nach Ewigkeit.

Eine junge Mutter sagte kürzlich zu mir: Eigentlich wünsch ich mir, dass immer alles so bleibt wie es ist – es war gerade alles einigermaßen gut – aber so fuhr sie fort, das wird halt nicht so sein. Nein, in diesem Leben nicht. Aber in der Ewigkeit. Wenn einmal die Uhr nicht mehr weiterläuft, wenn die Freude, das Glück, das Schöne nicht mehr vergeht, dann wird alles so bleiben, wie es ist: Gut!- In Gottes Ewigkeit, wenn der Rauch unseres Lebens vergangen ist und das Ewige Leben beginnt, dann bleibt alles so wie es ist: Gut! Sehr gut!

Drehen wir noch ein letztes Mal an der Uhr. Wenn Sie 7.00 Uhr einstellen und die Karte wenden, dann lesen wir einen sehr wichtigen Satz des ersten Bundeskanzlers unseres Landes: „Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang.“ Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang Konrad Adenauer das gesagt hat, aber im Blick auf unseren Glauben und unsere Gottesbeziehung ist das bestimmt wahr. Und gerade am Anfang eines neuen Jahres kann es nicht verkehrt sein, auch in Gottes Namen und mit Jesus einen neuen Anfang zu machen. Auch jetzt und heute zu sagen: Herr schenk du mir einen Neuanfang mit dir und mir meinen Lieben. Nimm alles Alte und Belastende fort. Gib mir Mut und Zuversicht für alles, was dieses neue Jahr bringt und halte mich fest im Glauben.

Wenn Sie in Zukunft irgendwo in ihrem Auto warten müssen, im Stau oder auf irgendetwas daheim, nehmen Sie diese Parkuhr her und gehen Sie die Sätze immer wieder durch. Machen Sie das auch zu Ihrem Satz: Meine Zeit steht in Gottes Händen. Ein gutes Gebet auch für das Jahr 2016.

Herr, meine Zeit steht in deinen Händen. Und das ist gut so.

Amen. 

 

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168