Kriterien für geistlich gesunde Gemeinden.

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Predigt über Offb. 3, 7-13 am 2. Advent 2023 in der Kreuzkirche Bayreuth

Liebe Gemeinde,

ein Brief von Gott an uns persönlich- haben Sie sich das nicht auch schon einmal gewünscht? Endlich einmal eine Antwort bekommen auf so manche Lebens- und Glaubensfragen. Oder klare Wegweisung in ungewissen Situationen, wo man nicht so recht weiß, wie man sich entscheiden soll. Oder auch schwarz auf weiß sehen, was Gott in meinem Leben für gut befindet und was nicht. So ein Brief Gottes an uns: ich für mich fände das nicht schlecht.

Und manchmal wünsche ich mir, dass so ein Brief von Gott nicht nur an mich geht, sondern auch an unsere Gemeinde. Ein Brief, in dem er zum Beispiel auflistet, was er davon hält, wie hier Gemeinde lebt. Was er zu unseren Gruppen und Kreisen zu sagen hat, zu unserer Art, Gottesdienst zu feiern, zu meinem pfarramtlichen Dienst. Darüber müssen wir Menschen hier in der Gemeinde immer wieder beraten. Aber noch wichtiger ist eigentlich, was Gott zu dem allen sagt. Was wäre wohl der Inhalt eines solchen Briefes von Gott an die Kirchengemeinde in Heinersreuth/ an die Kreuzkirchengemeinde? Wie würden wir wohl dastehen? Hätte Gott viel zu tadeln an unserem Tun oder wäre auch manches zu loben?

Die Gemeinde von Philadelphia hat vor knapp 2000 Jahren so einen Brief von Gott bekommen. Philadelphia ist übrigens eine antike Stadt gewesen, kein Frischkäse! Dieser Brief von Gott wurde übermittelt durch den Seher Johannes, der Gottes Worte in der Offenbarung niedergeschrieben hat. Ich lese Offb. 3, 7-13:

Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf:

8 Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.

9 Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden und sind’s nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe.

10 Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.

11 Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!

12 Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel hernieder kommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.

13 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Viele Vergleiche und Bilder sind in diesem Brief Gottes enthalten. Eines steht gleich an Anfang: das Bild von der Tür. Eine Tür, die geschlossen war und jetzt offen steht. Advent ist die Zeit der Türen. In den Adventskalendern öffnen wir jeden Tag ein Türchen. Und wir sind gespannt, was sich dahinter verbirgt. Hier in unserem Text ist davon die Rede, dass nicht jeder die Tür öffnen kann. Es braucht die Schlüssel Davids. Das ist der Universalschlüssel. Wozu? Zum Zugang zu Gott. Für die Gemeindeglieder von Philadelphia und auch für uns steht kein Hindernis mehr im Weg, um zu Gott zu gelangen. Nichts kann sie mehr von Gott trennen. Offenbar kann das auch ganz anders sein. Dass Gott verborgen ist wie hinter einer verschlossenen Tür. Da will man rein zu ihm und kann doch nicht. Das ist die Hölle. Wenn man zu Gott rein will und nicht mehr kann. Da könnt ihr jede künstlerische Darstellung mit allen möglichen Darstellungen der Hölle dagegen vergessen. Die Hölle ist nichts anderes, als wenn die Tür zu Gott verschlossen ist- für immer und ewig. Das ist das Schlimmste, was es gibt. Ein kleinwenig kann man das nachvollziehen, wenn man sich schon mal ausgeschlossen hat. Fenster und Türen sind verschlossen, die Tür hat der Wind zugehauen oder der Schlüssel blieb aus Versehen drin liegen und dann steht man vor verschlossener Tür und verzweifelt. Wie komme ich da nur jemals wieder rein?

Ganz ähnlich muss es den Menschen vor Jesu Geburt gegangen sein. Irgendwie war ihr Gott so weit weg. So oft hatten sie auf ihn gehofft, aber doch auch immer wieder große Enttäuschungen erlebt. Deshalb setzten sie ihre ganzen Hoffnungen auf den verheißenen Messias, den von den Propheten versprochenen Retter.

Jetzt aber im Advent kündigt sich dieser Retter an. Die verschlossene Tür öffnet sich. Und sie bleibt offen, wenn wir drei Kriterien erfüllen. Drei Kriterien, die die Gemeinde von Philadelphia offenbar sehr gut erfüllt hat. Schauen wir uns sie noch etwas näher an, wir können bestimmt etwas von ihnen lernen:

  1. Das erste Kriterium: Die Gemeinde von Philadelphia ist eine hörende Gemeinde

Die Christen in Philadelphia waren nur eine kleine Gemeinde. Und sie waren umringt von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, die versuchten, den christlichen Glauben madig zu machen. Aber sie waren standhaft geblieben und werden in diesem Brief sehr gelobt: ihr habt mein Wort bewahrt und habt meinen Namen nicht verleugnet. Das war damals eine Leistung, noch viel mehr als heute. Heute kümmert sich keiner um den Glauben des anderen. Soll doch jeder nach seiner Façon selig werden, denken viele. Die Christen in Philadelphia aber waren bedrängt und ließen sich doch nicht beirren. Wie haben sie das hinbekommen? Indem sie genau hingehört haben auf die Worte Gottes. Indem sie aufmerksame Leser und Hörer von Gottes Wort waren. Diese Worte können wie ein Fundament sein. Darauf kann man seinen Glauben und sein Lebenshaus bauen. Gottes Worte können trösten und neuen Mut schenken. Sie können uns Halt geben, wenn unser Glaube ins Wanken gerät.

Also, die Stille suchen, Gott reden lassen, genau hinhören und seine Worte ins Herz aufnehmen, dann kann das Folgen haben für unser Leben und uns neue Türen zu Gott öffnen. Die Christen in Philadelphia haben das so gelebt und erlebt. Ich weiß, dass das manchmal allein schwerfallen kann. Dann lest doch Gottes Wort in der Gruppe. Ein Angebot ist dabei der Psalmenkurs, der von Ende Januar bis März in der Kreuzkirche stattfindet. Gemeinsam in der Gruppe wollen wir in die Psalmen geistlich eintauchen und von dieser Gebetsschule des Glaubens profitieren. Eine Gemeinde muss auf Gottes Wort hören, ja eine ganze Landeskirche. Ich bin gewiss, dass Gott uns auch Weisheit schenkt, wie wir unter sich rasant wandelnden gesellschaftlichen Entwicklungen Kirche Jesu Christi sind und bleiben.

Doch die Gemeinde in Philadelphia war nicht nur eine Gemeinde, die hört. Sie hat noch ein zweites Kriterium erfüllt:

  1. Das zweite Kriterium: Sie war eine Gemeinde mit kleiner Kraft

Vielleicht staunen Sie jetzt. Das ist doch keine positive Eigenschaft für eine Gemeinde: kleine Kraft. Heute zählt doch Stärke und Ausstrahlungskraft. Je mehr Power umso besser und der Leistungsschwächere fällt schnell hinten runter. Wie schnell schauen wir oft nach Zahlen auch in der Kirche, sind sehr schnell im Vergleichen mit anderen Gemeinden und beneiden manche, mit wie viel Power sie manche Aufgaben bewältigen können. Wir schauen gerne nach links und rechts, wo vielleicht mehr läuft, es mehr Gruppen und Kreise gibt. Und wir zweifeln vielleicht manchmal insgeheim, warum manches wo anders so einfach geht, nur bei uns nicht.

Und nun kommt Jesus und sagt: ?Ich kenne deine Werke und die sind gut.? Erstaunlich: Jesus sitzt gar nicht da und rechnet unsere gemeindlichen Defizite auf. Nichts ist zu hören von Dingen, die nicht so gut gelaufen sind. Stattdessen sieht er das Gute, das im Glauben getan wurde und wenn die Kraft noch so klein ist. Jesus überfordert unsere Kräfte und Möglichkeiten nicht.

Lassen Sie uns doch eine Gemeinde sein, die nicht nur auf die kleine Kraft schielt – Heinersreuth gehört zu den kleinen Gemeinden in unserem Dekanat, sondern die die kleine Kraft, die wir haben, gezielt einsetzt. Lassen Sie uns eine Gemeinde sein, die sich nicht ständig mit anderen Gemeinden vergleicht. Auf dem Vergleichen liegt in der Regel kein Segen, sondern nur Neid. Lassen Sie uns eine Gemeinde sein, die sich ihrer kleinen Kraft bewusst ist, aber daher umso mehr die Kraft Gottes in Anspruch nimmt. Ich bin froh, dass wir mit dieser Haltung schon gute Erfahrungen gemacht haben und wir sind eingeladen in dieser Haltung weiterzumachen. Denn lieber eine kleine Gemeinde in der Kraft Gottes, als eine Powergemeinde, die vielleicht äußerlich viel her macht, aber innerlich tot ist. Im Sendschreiben direkt vor unserem bekommt die dort angesprochene Gemeinde das vernichtende Urteil: ?Du hast den Namen, dass du lebst und bist tot.? Das kann die andere, erschreckende Seite einer Gemeinde sein.

Wer möchte, dass die Tür zu Gott offensteht, der muss sich seiner kleinen Kraft bewusst sein und auf die große Kraft Gottes vertrauen. Dann kann Gott wirken und seinen Namen groß machen. Das gilt für ganze Gemeinden und das gilt für uns als einzelne Christen.

Und das dritte Kriterium für eine offene Tür Gottes:

  1. Das dritte Kriterium: Die Gemeinde von Philadelphia war eine Gemeinde, die den Namen Gottes trägt

Vom Namen Gottes und vom Namen von Jesus ist oft die Rede im Schreiben an die Gemeinde in Philadelphia. In der Gemeinde wurde der Name von Jesus nicht verleugnet. Das ist ein weiterer Grund für die offene Tür zu Gott. Wir hören nochmal auf den Text: 8 Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.

Die Gemeindeglieder damals haben darauf vertraut, dass Gott bei aller kleinen Kraft bei ihnen ist und bleibt. Sie sind standhaft geblieben mitten in allen Anfeindungen, die sie von der jüdischen Gemeinde und auch von Nichtchristen erleben mussten. Sie haben sich den Jesusnamen auf die Fahnen geschrieben. ?Jesus? bedeutet übersetzt: Gott rettet.

Wer sich so mutig zu Gott bekennt, zu solchen Menschen steht dann auch Gott. In allen Anfechtungen und Stürmen des Lebens.

Wenige Verse später heißt es: ?Dich will ich zu Säulen in meinem Reich machen und will meinen Namen auf dich schreiben.? Gott steht zu ihnen, er hat sie mit seinem Namen gezeichnet und sie gehören zu ihm. Wir können uns das anschaulich machen bei Hochzeiten, wo einer der Ehepartner den Namen des anderen annimmt: dann wird damit auch bezeugt: Wir gehören jetzt zusammen und stehen füreinander ein auch in schweren Zeiten.

Ganz ähnlich ist das, wenn Gott uns seinen Namen schenkt. Auch das drückt eine intensive Beziehung aus. Gott steht zu uns und wir stehen zu Gott, was auch kommen mag.

In der Regel geschieht der Beginn einer solchen engen Beziehung zwischen Gott und Mensch in der Taufe. Der Täufling wird auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft. In der Schule begegnet mir immer noch die Vorstellung, dass viele Kinder meinen, man bekommt bei der Taufe seinen Rufnamen. Nein, wir bekommen nicht unseren menschlichen Rufnamen, wir bekommen Gottes Namen. Er wird uns auf den Leib geschrieben. Gott ist es, der uns signiert. Und er wartet darauf, dass wir auch unsere Unterschrift im Laufe des Lebens setzen und einwilligen zu einem Leben mit Gott. Wir sind immer die Zweiten, der Ersthandelnde ist Gott. Das wird in der Kindertaufe besonders deutlich.

Wir haben heute gehört: Unsere Gottesbeziehung lebt davon, dass wir auf Gott hören und uns seine Worte zu Herzen nehmen. Unsere Gottesbeziehung lebt davon, dass wir bei aller kleinen Kraft auf Gott und seine große Kraft vertrauen. Unsere Gottesbeziehung lebt davon, dass wir den Namen Gottes hochhalten. So bleibt die Tür zu Gott offen. So kann man Gott auch alltäglich in seinem Leben erfahren. Und so haben wir Bestand auch in den rauen Zeiten unseres Lebens.

Das kann man zu guter Letzt auch daran sehen: Viele Gemeinden, von denen in den weiteren Kapiteln die Rede ist, sind untergegangen: Sardes ist untergegangen, Pergamon auch, von Ephesus sah man nur noch einen Trümmerhaufen. Aber von Philadelphia wird überliefert, dass noch im 16. Jahrhundert mitten im Ansturm des Islams eine christliche Gemeinde dort bewahrt geblieben ist und durchgehalten hat.

Und so ist unsere Predigt heute die große Ermunterung: Bleib treu im Glauben. Gründe dich auf dem Wort Gottes. Vertrau auf Gott und seine große Kraft, selbst wenn deine Kraft klein ist. Und lass dich nicht beirren, egal was andere um dich über dich denken. Diese Treue zu Gott steht unter einer großen Verheißung: ?Halte was du hast, damit niemand deine Krone nehme.? Wir werden einmal gekrönt von Gott. Was für ein Wunder. Deshalb lasst uns treu im Glauben bleiben.

Amen.

Verfasser:
Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth,
Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de