Konfirmation
Zur PDFKonfirmation Kreuzkirche Bayreuth
am 21.04.2013
Der Herr denkt an uns
und segnet uns.
Psalm 115 12
Das Handy brummte, kurzes Signal, aha, eine SMS. Ein Blick aufs Display, Befehl „öffnen“. Und schon ist die Botschaft zu lesen: Diese SMS bahnte sich ihren Weg durch viele Netze und Telefonnummern um dich zu finden und um dir zu sagen, dass es da jemanden gibt, der gerade an dich denkt.
Ein netter Gruß von einem lieben Menschen. Ich denk an dich! Wer freut sich da nicht? Erst am vergangenen Wochenende vor den Stichwortveranstaltungen habe ich so einen Gruß erhalten von jemandem, der weit weg wohnt, aber mir sagen wollte: Ich bin bei dir! Ich denk an dich!
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, heute denken viele an Euch. Das kann man schon hier an dieser gut gefüllten Kreuzkirche sehen. Viele liebe Menschen haben sich heute Vormittag auf den Weg gemacht um bei diesem Ereignis dabei zu sein. Viele denken an Euch und wollen Euere Konfirmation miterleben. Manche sind sogar von weither extra dafür angereist. Vielleicht habt Ihr auch solche SMS erhalten.
Manche wären gerne da, können aber vielleicht nicht dabei sein und denken jetzt an Euch. Verwandte und Freunde, vielleicht eine Uroma oder ein Uropa, die nicht mehr so mobil sind. Vielleicht muss auch jemand heute arbeiten und ist deshalb nicht dabei. Aber Ihr wisst, er oder sie denkt an mich.
Wahrscheinlich habt Ihr es auch an den Glückwünschen und Geschenken gemerkt, die in den letzten Tagen bei Euch eingetroffen sind, wer da alles an Euch denkt. Diese Botschaft. Ich denke an Dich, heißt ja irgendwie auch: Ich mag Dich und Du bist mir wichtig. Das zu wissen tut gut und freut einen.
Wie sehr, das merkt man erst, wenn einen jemand vergessen hat. Das kommt ja auch vor. Dass man auf ein Zeichen, einen Gruß von jemandem wartet und der vergisst einen, dann ist man traurig und enttäuscht. Wenn der Geburtstag vergessen wird oder bei einem Ehepaar der Hochzeitstag, dann hat man das Gefühl: Der andere denkt gar nicht mehr an mich.
Heute denken viele an Euch. Sicher nicht nur neugierig wegen der Äußerlichkeiten, was Ihr anhabt, welche Frisur ihr habt. Heute denken viele auch im Gebet an Euch und setzen sich in der Fürbitte für Euch ein. Ich denke, dass Ihr das auch spürt und dass Euch das hilft. Da ist jemand, vielleicht sind es sogar viele, die beten für mich und meine Zukunft. Die denken vor Gott an mich und bringen meinen Namen vor ihn.
Nun haben wir in unserer Konfirmandenzeit uns auch mit diesem kleinen blauen Büchlein befasst, mit den Herrnhuter Losungen. Wir haben sie miteinander gelesen und darüber gesprochen. Da steht für jeden Tag ein Satz aus der Bibel, der für den jeweiligen Tag aus ein paartausend Sätzen ausgelost wurde. Für den heutigen Tag, Eueren Konfirmationstag passt die Losung ganz besonders gut. Es ist ein Satz aus dem 115. Psalm, der 12. Vers und lautet: Der Herr denkt an uns und segnet uns.
Es denken also heute nicht nur Menschen an Euch, sondern der Herr. Gott selber denkt an Euch. Er ist mit seinen guten Gedanken, mit seinem guten Heiligen Geist jetzt bei Dir. Er meint es gut mit Dir. Der Gott, der alle Macht hat, der Himmel und Erde erschaffen hat, der denkt an Dich und der segnet Dich. Ist das nicht noch wertvoller, als die vielen guten Gedanken von Menschen. Das heißt doch: Du bist Gott wichtig! Er hat Dich lieb! Er meint es gut mit Dir und beschenkt Dich.
Wenn Ihr das im Glauben begreift und ergreift, dann wird das für Euch das größte Geschenk sein. Der Herr denkt an mich! Er vergisst keines seiner Kinder. Seine Gedanken sind gute freundliche, liebevolle Gedanken. Das habt Ihr doch vielleicht auch schon in Euerem Leben erfahren.
Der große Gott denkt an uns kleine Menschen. Das ist eine Erfahrung, die alle Glaubenden jeden Tag machen dürfen. In einem seiner Lieder hat Paul Gerhard das einmal so schön ausgedrückt:
Als ich noch nicht geboren war; da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar , eh‘ ich dich kannt‘ erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.
Schon vor Deiner Geburt, hat Gott an Dich gedacht und hatte gute Pläne mit Dir. Gottes Gedanken haben für Euch und für uns immer schon einen guten Plan vorbereitet, der immer dann in die Tat umgesetzt wird, wenn wir sagen: Dein Wille geschehe. Wenn Menschen ja sagen zu den Gedanken Gottes über ihrem Leben, dann werden sie immer wieder staunend feststellen, wie der Beter des 40. Psalms (Ps.40,6):
Herr, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweist, dir ist nichts gleich.
Gottes Gedanken sind keine launischen Zufälligkeiten oder Willkürakte. Sie haben ein Ziel und ein gutes Ende, wie wir durch den Mund des Propheten Jeremia erfahren (Jer.29,11):
Ich weiß wohl, was ich für Gedanken mit euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende auf das ihr wartet.
Da können Menschen reden oder tun, was sie wollen, wenn Gott gute Gedanken mit uns hat, dann darf uns nichts und niemand schaden.
Ich erinnere an die Josefs-Geschichte im 1. Buch Mose, in der Josef aus Neid und Eifersucht von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft wird. Anfangs sieht es so aus als würde Ihr böser Plan gelingen. Am Ende hat Gott diesen bösen Plan in seine gute Rettungsaktion eingebaut und dadurch Josef, seine ganze Familie und viele andere vor dem Verhungern gerettet. Am Ende kann Josef sagen:
Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen,
aber Gott gedachte es gut zu machen.
Gottes gute Gedanken sind immer stärker als alle bösen Gedanken, Worte und Taten, die sich gegen uns richten können. Das Kreuz von Jesus, das Menschen in ihren bösen Gedanken einst aufgerichtet haben, beweist es: Gottes liebende Gedanken sind stärker als alles Böse. Darum ist es so ermutigend, dass Gott heute – und nicht nur heute – an Euch denkt.
Das muss nicht heißen, dass der Herr Euch immer nur leichte Wege führt. Gottes Wege gehen manchmal auch durch trockene Wüsten. oder durch dunkle Täler. Aber sie führen auch wieder heraus. Wir dürfen an seiner Hand gehen, auch wenn Gott sagt: (Jes.55,8) Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege, aber soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken höher als eure Gedanken.
Vor den Gedanken Gottes über unserem Leben braucht uns aber nie Angst zu sein, auch wenn sie uns woanders hinführen als wir das eigentlich geplant hatten. Zu den guten Gedanken Gottes gehört nicht nur die Familie, sondern dass er uns darüber hinaus in eine Gemeinschaft gestellt hat, in der wir im Glauben verbunden sind. Weil das so ist, treffen sich Christen sonntags in der Kirche zum Gottesdienst.
So schön, wie das erste Versprechen dieser Losung ist auch die zweite Zusage: Der Herr segnet uns.
Wenn Pfarrerin Bauer oder ich Euch in ein paar Minuten vor dem Altar die Hände auf den Kopf lege und Euch den Segen Gottes zusprechen, dann ist das nicht bloß ein alter kirchlicher Brauch, sondern Handeln Gottes an Euch. Der Herr segnet Euch. Das heißt: Der Herr berührt Euch. Der Herr begleitet Euch mit seiner Hilfe und seinem Schutz, mit seinen guten Gaben und seiner Treue. Er umgibt Euch mit seinen schützenden Mächten und ist immer für Euch da.
Segenshandeln Gottes ist nicht bloß frommer Wunsch, sondern wirksame Kraft. Den Segen dürft Ihr mitnehmen, wohin Ihr auch geht. Mit in die Schule, wo manchmal ganz schön viel von Euch verlangt wird, mit in die Familie, wo Ihr manches mit tragen und ertragen müsst und er geht mit in Euere Freizeit, wenn Ihr ihn darum bittet
An jedem Tag Eueres Lebens dürft Ihr Euch miteinander über diesen Herrn und Heiland freuen und Euch in Freud und Leid gegenseitig immer wieder daran erinnern: Der Herr denkt an uns und segnet uns.
In einer Fußgängerzone liefen drei junge Leute mit schwarzen T-Shirts. Mit weißen Buchstaben stand groß auf dem Rücken:
„Scarred for life“, übersetzt, „Gezeichnet fürs Leben“. Das ist eigentlich ein Ausdruck, der einen erschrecken lässt. Wenn jemand einen schweren Unfall hatte und davon sichtbare Narben geblieben sind, dann ist er gezeichnet fürs Leben.
Manche Soldaten, die aus dem Krieg heimkommen, sind gezeichnet fürs Leben, weil sie einen Arm verloren haben oder ein Bein oder ein Auge. Sicher sind auch nicht wenige, die bei dem Boston-Marathon vom Terroranschlag betroffen waren, oder bei der Explosion in Texas, gezeichnet fürs Leben.
Aber gezeichnet fürs Leben kann man nicht nur durch Verletzungen und Wunden sein. Das muss man nicht nur negativ verstehen. Gezeichnet fürs Leben werdet Ihr in einer ganz anderen und guten Weise, wenn Ihr Euch segnen lasst. Heute, an Euerer Konfirmation vor dem Altar kniend. Und dann immer wieder in Gottesdiensten und bei Abendmahlsfeiern.
Auch wenn man in der Bibel liest oder sich mit anderen Christen in einer Gruppe trifft oder an einer Freizeit teilnimmt, kann man das immer wieder spüren: Der Herr denkt an uns und segnet uns. Das macht einem auch Mut, wenn man in einer Prüfung sitzt und voll gefordert ist, wenn es drauf ankommt. Dann darfst Du wissen, wenn Du darum gebetet hast: Der Herr denkt an Dich und segnet Dich. Das heißt, dass er Dir hilft, dass er gelingen lässt, was von Dir verlangt wird.
Vorhin haben wir in dem Tauflied, das wir auch gelernt haben gesungen: Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn, wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verloren gehen. Nimm mich, dein Kind zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan.
Wenn Gott verspricht, dass er an uns denkt, sind das keine leeren Worte. Im Unterschied zu uns Menschen kann man sich auf so eine Aussage bei Gott sicher verlassen. Er ist treu und hält sein Wort.
Davon singen Euch jetzt Euere Eltern und Paten ein Lied:
Ich bitte den gestern gegründeten Chor der Eltern und Paten:
Der Herr ist treu, er hält sein Wort. Er enttäuscht uns nicht, was sein Wort verspricht, das wird geschehn. Der Herr ist treu. Halt dich an sein Wort! Komm und gib nicht nach, denn was Gott versprach, das wird geschehn!
Sein Wort tut gut, sein Wort macht Mut, macht alles neu. Sein Wort ist wahr, sein Wort sagt klar: Der Herr ist treu! Sein Wort macht reich, denn es macht euch von Ängsten frei. Er nimmt sie fort, nehmt ihn beim Wort. Der Herr ist treu!
Er spricht uns los, egal wie groß die Schuld auch sei. Er trägt sie gern. Lobt unsern Herrn! Der Herr ist treu! Sein Wort baut auf – baut fest darauf. Gott steht euch bei. Bleibt an ihm dran, betet ihn an: Der Herr ist treu!
Der Herr ist treu, er hält sein Wort. Nun bekommt Ihr ja alle nachher am Altar nicht nur den Segen, sondern auch noch ein Wort Gottes, Eueren Konfirmationsspruch. Das ist ein Wort Gottes das Euch auf Euerem Lebensweg begleiten soll. Die meisten von Euch wissen noch nicht, was das für ein Wort sein wird. Vielleicht seid Ihr schon gespannt darauf.
Wenn ich mich damit befasse, dann bete ich immer darum, dass Gott mich leitet und mir zeigt, welches für die oder den das richtige Wort ist. Und ich glaube, dass er es tut. Es kann sein, dass man erst einige Zeit braucht, bis man dieses Wort Gottes richtig versteht und es einem wertvoll wird, aber es ist immer ein persönliches Versprechen eine Zusage an Dich und darfst Dich Dein Leben lang darauf berufen. Es ist ein Teil des Segens und ein Zeichen, dass Gott immer an Dich denkt.
Ich hab ein schönes Gebet gefunden, dass zu unserer Losung gut passt und mit dem möchte ich schließen:
Herr, gib uns deinen Segen,
wie man ein Glas Wasser reicht dem Durstigen in der Wüste.
Herr gib uns deinen Segen,
wie man das Feuer schenkt dem Frierenden in der Nacht.
Herr gib uns deinen Segen,
wie man den Deich aufrichtet gegen das wütende Meer.
Herr gib uns deinen Segen,
wie man das Öl in die schmerzenden Wunden träufelt.
Herr gib uns deinen Segen,
wie man den Arm reicht dem Blinden auf dem Weg.
Herr gib uns deinen Segen,
damit wir ihn weitergeben in unseren Häusern und Familien.
Herr, lege deinen Segen auf uns.
Amen.
Verfasser: Martin SchöppelÓ , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168