Kinder sind ein großes und wertvolles Geschenk Gottes und Jesus ist Gottes größtes Geschenk an uns.

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Ostersonntag, 01.04.2018, 1.Samuel 2, 1-2. 6-8a

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. Wir wollen in der Stille, jeder für sich, um den Segen für diese Predigt bitten. … Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Das Schriftwort für die Predigt zum Ostersonntag steht im 1. Buch Samuel im 2. Kapitel. Es sind Sätze aus dem Loblied einer Frau, die etwas erlebt hat mit dem lebendigen Gott. -Darum geht es doch vor allem an Ostern, dass wir wieder neu begreifen, dass wir keinen toten langweiligen Gott haben sondern einen lebendigen und aufregenden Gott, der in unser Leben eingreift, der die Macht hat alles umzukehren.

Um das Loblied dieser Frau, sie heißt Hanna – und alle Hannas, die es auch bei uns gibt haben ihren Namen von ihr – um also den Jubel-Song dieser Frau zu verstehen, muss man ihre Geschichte kennen:

Hanna lebte vor über 3.000 Jahren. Sie war glücklich verheiratet mit einem liebevollen einfühlsamen Mann, der auch noch einigermaßen wohlhabend war und ihr ein gutes Leben bieten konnte. Der Mann, er hieß Elkana, hatte noch eine zweite Frau, was damals für einen Mann, der sich das leisten konnte durchaus üblich und nicht ungewöhnlich war. Diese zweite Frau, Penina, brachte einige Kinder zur Welt, war stolz auf ihre Kinder und fühlte sich Hanna überlegen.

Hanna war kinderlos geblieben. Das war ihr ein großer Schmerz und eine große Not. Elkana versuchte immer wieder sie zu trösten und ihr seine Wertschätzung zu zeigen, aber Hanna konnte sich nicht mit ihrer Kinderlosigkeit abfinden. – Es war eine Zeit, in der niemand auch nur im Entferntesten auf die Idee gekommen wäre, dass Kinder eine Last wären oder ein Armutsrisiko oder ein Karrierehindernis. Nein, im Gegenteil, man betrachtete Kinder als einen sichtbaren Segen Gottes, als Reichtum und als Zukunftssicherung. Eine Frau, die schwanger wurde, war stolz und dankbar. Sie wusste sich als Mutter in ihrer Gesellschaft besonders wertgeschätzt.

Es war sowohl Männern als auch Frauen klar, dass Kinder ein großes und wertvolles Geschenk Gottes sind. Umso bitterer war es auf diesem Hintergrund, wenn eine Frau keine Kinder bekam. Sie fühlte sich zurückgesetzt, von Gott vergessen, irgendwie ausgegrenzt. So ging es Hanna.

Dazu das tägliche Erleben des Glücks von Penina neben ihr die sie stets spüren ließ, dass sie die sichtbar Gesegnete war. Bei der jährlichen Wallfahrt ins Heiligtum nach Silo – Jerusalem war noch nicht Hauptstadt Israels, eine Tempel gab es noch nicht – in Silo war es Jahr für Jahr das große Gebetsanliegen Hannas, dass Gott auch ihr ein Kind schenken möge.

Unter Tränen flehte sie Gott um Hilfe an und ihr Schluchzen war so heftig, dass der oberste Priester Eli, der sie beobachtete, sie für betrunken hielt. Als er sie deshalb wegschicken wollte, damit sie erst einmal ihren Rausch ausschläft, erzählt sie ihre Geschichte und es kommt zum seelsorgerlichen Gespräch. Der Priester erkennt seinen Irrtum, entschuldigt sich, betet für Hanna, tröstet sie und verspricht ihr, dass Gott ihr Gebet erhören wird. – Sicher hat er auch selbst für sie gebetet.

Hanna ging dieses Mal fröhlich heim. Sie hatte wieder Mut bekommen und glaubte von da an, dass Gott sie erhören würde. – Und es dauerte nicht lange und sie wurde tatsächlich nach so vielen Jahren Kinderlosigkeit schwanger und brachte einen Sohn zur Welt. – Als bald darauf wieder die große Wallfahrt nach Silo anstand, konnte Hanna nicht mit, weil ihr Sohn, Samuel, gerade erst ein paar Wochen alt war.

Hanna war glücklich und voller Dank. Sie erlebte mit diesem Kind Gottes Eingreifen und seine Liebe. Sie hatte erfahren, dass Gebete erhört werden und dass es für Gott kein „unmöglich“ gibt. Fröhlich ließ sie den Rest der Familie nach Silo ziehen und versprach, wenn Samuel größer wäre, mit ihm nach Silo zu gehen und ihn dort Gott zu weihen.

Sie wusste, anders als viele Eltern heute, dass ein Kind kein Besitz ist und dass Sie kein Recht hat, ihre eigenen Wünsche in das Kind hineinzuprojizieren. Hanna war dankbar für das Geschenk, das Gott ihr mit diesem Kind gegeben hatte, aber sie konnte ihren Samuel auch wieder loslassen und ihn Gott zurückgeben. – Aus ihm wurde der besondere geisterfüllte Prophet Samuel, der Saul und David zum König salbte und der ein besonders bevollmächtigter Bote Gottes war.

Als Jahre später der Tag kam, an dem Hanna mit Samuel zum Heiligtum zog, um ihn dort dem Priester Eli zur Ausbildung zu übergeben, war das für sie kein Opfer und kein Schmerz, sondern sie wurde mit einer unbändigen Freude erfüllt. Über Gott, sein Handel und seine Macht. Und in dieser Freude wurde ihr Gebet zu einem Lobgesang. Einige Sätze daraus sind heute unser österlicher Predigttext, der zunächst gar nichts mit Ostern zu tun hat und der doch voller Osterfreude steckt. Sie werden es sehen: 1. Samuel 2 lesen wir:

Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den toten und wieder herauf. Der Herr macht arm und macht reich, er erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse.

Gott schenkt Leben, wo Menschen die Hoffnung schon begraben haben. – Wie viele stehen an den Gräbern ihrer Lieben in ohnmächtiger Trauer, weil sie den Glauben an den lebendigen Gott verloren oder vielleicht noch nicht gefunden haben. Ohne Jesus, ohne den Glauben an die Auferstehung und Gottes Macht über den Tod, wird Sterben trostlos.

Da kann die Trauerfeier noch so schön und aufwändig gestaltet sein. Der teuerste Sarg, die üppigsten Kränze, die edelsten Stoffe und Schleifen können dem Tod keinen Sinn, der Trauer keinen Trost, dem Abschied keine Hoffnung geben. Das kann nur der lebendige Gott, der durch Jesus den Tod besiegt und das ewige Leben ermöglicht hat.

Jesus ist nicht für sich am Kreuz gestorben, sondern für uns und unsere Sünde. Und Jesus ist an Ostern nicht nur für sich auferstanden, sondern für uns. Er sagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben! Das ist Gottes Plan, sein Wille für uns, sein Ziel mit uns. Wir sollen leben, endgültig leben! Ohne Angst, ohne Schmerzen, ohne gebrechlich zu werden. Leben mit ihm in seiner Herrlichkeit. In seiner neuen Schöpfung, in seinem Friedensreich.

Das ist das Ziel, auf das Christen zu gehen sollen. Das ist die Aussicht, mit der wir manches Leid und manchen Schmerz in dieser Welt aushalten können: Es geht vorbei! Einmal werde ich ganz erlöst sein! Einmal wird alles überwunden sein, was mir hier und jetzt zu schaffen macht. Der Himmel ist nicht für eine exklusive Elite reserviert, sondern er ist Sündern vorbehalten, die sich an den gekreuzigten und Auferstandenen Jesus hängen. Er bringt sie durch. Er nimmt sie mit. Er hebt sie auf aus dem Staub! Holt sie aus ihrer Tiefe heraus und verändert sie so, dass sie in sein Himmelreich passen.

Für alle, die sich die Osterbotschaft sagen lassen, muss doch klar sein, dass ein Gott, der diese Macht hat und der solche Liebe zeigt auch mit mir und meiner Not kein Problem hat. Wer stärker ist als der Tod, der ist auch stärker als alles andere, was sich mir in den Weg stellt und was mich belastet.

Ostern ist der Aufrüttler aus unserer langweiligen weichgespülten Christlichkeit. Es geht nicht um Tradition, nicht um Liturgie, nicht um Rituale. Schon gar Nncht um Eier und Hasen, nicht um Frühling und süße Osterlämmer. Es geht um Christus, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Es geht um den Sieg des Lebens in einer Welt des Todes.

Alles in unserer Welt ist ja zunächst zum Sterben bestimmt! Ist das nicht entsetzlich! Die Kinder, die jede Woche als Neugeborene in der Zeitung zu bewundern sind, die jungen Paare, die ihre Liebe und ihr Glück genießen, die Mütter und Väter, die sich für ihre Familie einsetzen, die Kranken in den Kliniken, die Hochbetagten in den Pflegeheimen. – Alle sind zum Sterben bestimmt. Beute des Todes.

Wenn sie sich nicht der rettenden Auferstehungsmacht Gottes in Jesus anvertrauen. Er sagt und er sagt es als einziger zu Recht: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben auch wenn er stirbt. Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nicht sterben. – Der wird am Ende seines Lebens, sei es nur 20 Jahre kurz oder 100 Jahre lang, hinübergehen in jene andere Wirklichkeit Gottes, die unseren Augen in dieser Welt verborgen ist.

Es ist die große Not unserer Zeit, dass so viele sich mit einer vergänglichen Welt, mit einem verwelkenden Leben, mit einer begrenzten Existenz zufrieden geben, wo sie doch Gottes ewiges Reich, ewiges Leben und Herrlichkeit haben könnten. Trauen wir doch Gott zu, dass er noch viel mehr für uns hat, als wir jetzt sehen können.

Kurz vor seinem Tod sagt Jesus zu dem neben ihm Gekreuzigten Schächer: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein! Heute noch sagte er! Paradies sagt er! Was bedeutet das? Der Schächer stirbt doch auch einen elenden Tod nach einem vermutlich erbärmlichen Leben. Aber er ergreift seine letzte Chance: Er bekennt Jesus seine Schuld und er bittet ihn: Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Dieser Verbrecher glaubt, dass Jesus ein Reich hat, ein ewiges Reich, in das er durch den Tod geht und in dem er Macht hat und etwas für elende Menschen mit verpfuschtem Leben tun kann. Dieser gottlose Kerl glaubt, dass Jesus seine Rettung ist und dass er mit Jesus eine bessere Zukunft hat.

Und Jesus verspricht ihm das Paradies. Er macht ihm klar: Mit meinem Sterben habe ich auch für dich und deine Schuld bezahlt und mit meinem Sieg über den Tod gibt es auch für dich ewiges Leben in einer Herrlichkeit für die es nur ein Wort gibt: Paradies!

Jesus verspricht niemandem den Himmel auf Erden. Wer meint, wenn ich ein bisschen fromm bin, dann muss es mir gut gehen und dann bleiben mir Leid und Schmerz erspart, der irrt. Jesus verspricht den Himmel bei Gott. Und zwar nicht denen, die meinen, dass sie besser sind als andere, sondern denen, die erkannt haben, dass sie verloren sind und dass nur Gottes Gnade sie retten kann.

Gottes Gnade hat einen Namen. Den Namen Jesus. Der Name über alle Namen. Wer diesen Namen um Hilfe anruft und ihm Hilfe zutraut, der ist gerettet. Der kann noch so arm sein, mit Jesus ist er unendlich reich. Der kann noch so tief abgestürzt sein, er fällt in Gottes Hände. Jesus reicht ihm die Hand, hebt ihn auf, zieht ihn aus seinem Sumpf. Da ist niemand, für den er nicht Rettung und Hilfe hat. Hanna jubelt: Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den toten und wieder herauf. Der Herr macht arm und macht reich, er erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse.

Das hat die einfache Frau des Alten Testaments vor über 3.000 Jahren erkannt, weil sie es erlebt hat. Und sie hat ihre Erfahrung mit dem lebendigen Gott nicht für sich behalten, sondern fröhlich hinausgerufen in die Welt. Sie konnte ihren erbetenen Sohn hergeben und das Herz wurde ihr froh dabei, weil Gott sie mit seiner Liebe reich gemacht hatte.

Er macht auch dich und mich reich, wenn wir ihm vertrauen. Er füllt uns mit allem, was wir brauchen. Mit ihm gehen wir am Ende unseres Lebens einer wunderbaren Zukunft entgegen. Das ist Ostern. Darum kann Paul Gerhard nach 30 Jahren schrecklichem Krieg triumphierend singen (EG 112,5.6):

Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn, sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn. Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht, das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied. Wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit.

Er nimmt alle mit in sein Reich, die ihm vertrauen. Amen.

Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168