keine Zeit für Gottes Fest
Zur PDF2. Sonntag n. Trin., 17.06.12 Einführung Konfirmanden
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Wir wollen in der Stille, jeder für sich, um den Segen für diese Predigt bitten.
… Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.
Unser Schriftwort für die Predigt steht im Evangelium des Lukas im 14. Kapitel, Verse 15-24:
Jesus war zu einem Fest eingeladen. Nach dem Essen
sprach er vom Reich Gottes, vom Fest, das es dort geben wird und von
dem Lohn, den Gottes Geladene dort einmal empfangen werden, weil ihnen
in dieser Welt Gottes Worte und Gebote wichtig waren. Lukas berichtet
weiter:
Als einer von den Gästen das hörte, rief
er: „Was für ein Glück muss das sein zu Gottes Fest
eingeladen zu werden!“ Jesus antwortete mit einer Geschichte:
„Ein Mann bereitete ein großes Festessen vor, zu dem er
viele Gäste einlud. Als er fertig war, schickte er seinen Boten zu
den Eingeladenen: ’Alles ist vorbereitet, kommt!’ Aber
niemand kam. Jeder hatte auf einmal Ausreden.
Einer sagte: ‚Ich habe ein Grundstück gekauft, das muss ich unbedingt besichtigen. Bitte entschuldige mich!’
Ein anderer: ‚Es geht leider nicht. Ich habe mir fünf Gespanne Ochsen angeschafft. Die muss ich jetzt ansehen!’
Ein dritter entschuldigte sich: ‚Ich habe gerade geheiratet. Du wirst verstehen, dass ich nicht kommen kann.’
Der Bote kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Der
wurde sehr zornig: ‚Geh gleich auf die Straßen und
Plätze der Stadt und hole die Bettler, Krüppel, Lahmen und
Blinden herein!’ Der Bote kam zurück und berichtete:
’Es sind viele gekommen, aber noch immer sind Plätze
frei!’
‚Geh auf die Landstraßen’, befahl der Herr,
‚und bringe her, wen du finden kannst! Jeder ist eingeladen. Mein
Haus soll voll werden. Aber von denen, die ich zuerst eingeladen hatte,
soll keiner einen Bissen bekommen.’
Können Sie sich in die Situation hineindenken?
Bestimmt! Sie haben vor Wochen schon zum großen Grillfest
eingeladen, Fleisch und Würste, Wein und Wasser, Saft und Eis
heimgeschafft, das halbe Mobiliar in den Garten geschleppt, vom Grill
anzünden eine halbe Rauchvergiftung, eine Brandblase und rote
Augen. Jetzt liegt das Fleisch auf dem Rost und der Duft zieht ihnen in
die Nase.
„Wo bleiben denn die Gäste?“
„Bis jetzt ist noch keiner da!“ tönt es aus der
Küche zurück, wo die Frau gerade die letzten Salate fertig
macht. „Stimmt eigentlich das Datum auf der Einladung?“
– „Natürlich! Ich bin doch nicht blöd.“
Die Tochter erhält den Auftrag, bei einigen
anzurufen und zu fragen, wo sie bleiben, der Sohn geht zu den
Gästen aus der Nachbarschaft um sie zu holen. Frustriert kommen
beide zurück. Alle können nicht, wie sie sagen. Herr B. ist
noch im Büro und wird es wohl nicht mehr schaffen und ohne ihn
kommt seine Frau auch nicht. Frau A. ist von der Probefahrt mit ihrem
neuen Cabrio nicht zurückgekommen und C. hat Besuch aus der
Verwandtschaft bekommen.
Das Grillfleisch ist schon dunkelbraun und das
Gesicht des Familienoberhaupts dunkelrot. Ob vor Hitze oder vor Wut
lässt sich nicht genau ausmachen. Kurz entschlossen schickt er den
Sohn ins nahe Aussiedlerheim, die Tochter ins Internat des
Heilpädagogischen Zentrums und seine Frau in die
Asylantenunterkunft. „Holt alle, die ihr erreichen könnt!
Wir feiern unser Fest trotzdem!“ Sollen doch die anderen, die uns
sitzen lassen haben, draußen bleiben.“
So ähnlich würde Jesus die Geschichte wohl
heute erzählen und wir könnten den Zorn des Gastgebers gut
verstehen. Zeugt es doch von ziemlicher Gleichgültigkeit, wenn man
eine Einladung mit so faulen Ausreden in letzter Minute absagt. Es ist
offensichtlich, der Gastgeber und das Fest waren den eingeladenen
Gästen nicht wichtig.
Klar ist auch: Die Geschichte, die der Herr Jesus
erzählt und ihre moderne Fassung aus dem Reihenhaus in der
Andechsstraße oder dem Einfamilienhaus im Wacholderweg haben
natürlich einen tieferen Sinn. Jesus richtete sie damals an fromme
Juden, die nicht verstehen konnten, warum er sich mit zweifelhaften
Typen an einen Tisch setzt, sich mit Römern, Aussätzigen und
gottlosen Leuten abgab.
Er macht mit seiner Gleichnisgeschichte den
Nachkommen Abrahams klar: Ihr wart von Gott bevorzugt eingeladen. Euch
galten doch die Vorbereitungen und Wohltaten Gottes zuerst. Aber sie
waren euch nicht wichtig. Mit fadenscheinigen Ausreden und euerer
Gleichgültigkeit habt ihr Gottes Zorn hervorgerufen. Jetzt
lädt Gott eben andere ein. Leute, die nicht zum auserwählten
Volk gehörten, Menschen, die weit weg waren von den Geschenken und
Kostbarkeiten, die Gott vorbereitet hat. Jetzt lädt er alle ein,
die bereit sind die Einladung wichtig zu nehmen, die anderes liegen
lassen und die sofort zu ihm kommen.
Warum erzählt Jesus diese empörende
Geschichte? Und: Was sollen wir mit dem Evangelium dieses Sonntags
anfangen? Ist das nur eine alte Geschichte?
Läuft das nicht bei vielen Christen in unserer
Zeit auch so? Selbstverständlich sind wir eingeladen und
gehören als Christen nicht nur zur Kirche, sondern auch zum Volk
Gottes und kommen einmal alle in den Himmel. Schließlich sind wir
getauft und konfirmiert oder werden es bald, wenn’s hoch kommt
sind wir auch noch kirchlich getraut und sogar gelegentlich im
Gottesdienst. Man hat sich daran gewöhnt eingeladen zu sein, so
sehr, dass es einem gar nicht mehr bewusst ist, dass das ein Privileg,
eine unverdiente Ehre ist.
Wir haben vor etlichen Wochen knapp Dreißig
Familien angeschrieben und die Söhne oder Töchter eingeladen
zum Konfirmandenunterricht und zur Vorbereitung auf die Konfirmation
2013. Die meisten sind heute gekommen, einige aber auch nicht, weil sie
vielleicht in einer anderen Gemeinde konfirmiert werden wollen oder
erst ein Jahr später. – Oder auch gar nicht. – Es muss
ja niemand konfirmiert werden. Im Gegensatz zur Schulpflicht, gibt es
keine Konfirmationspflicht. Wer nicht will, muss nicht, sollte auch von
niemandem gezwungen werden.
Konfirmation und die Vorbereitung darauf ist Teil
der großen Einladung Gottes an uns. Einladung wozu? Zu dem
großen Fest, dass Gott mit uns eines Tages im Himmel feiern will.
Schon mal davon gehört? Am Ende aller Zeiten wird es ein
großes Fest geben mit Gott und Jesus im Himmel. Ein Fest, das
schöner ist als alle Feste dieser Welt und das nicht zu Ende geht.
Gott sagt: Zu diesem Fest lade ich dich ein. Du darfst mit dabei sein.
Freu dich drauf und bereite dich darauf vor.
Oder willst Du gar nicht dabei sein? Oder glaubst Du
vielleicht gar nicht, dass dieses Fest einmal stattfinden wird? –
Es wird stattfinden, mit absoluter Sicherheit. Aber es werden wohl
nicht alle dabei sein, die ursprünglich dazu eingeladen waren.
Weil sie die Einladung gar nicht wirklich ernst nehmen und sich
überhaupt nicht darauf vorbereiten. So viele andere Sachen sind
ihnen viel wichtiger.
So war’s ja auch damals. Sehen wir noch einmal
genauer hin: Die Entschuldigungen der Eingeladenen kamen damals aus
drei Bereichen: Besitz – das ist der, der einen Acker gekauft hat; Arbeit – das bezieht sich auf den, der fünf Gespann Ochsen erstanden hat und Familie – dafür steht der, der keine Zeit hat, weil er erst vor kurzem geheiratet hat.
Besitz, Arbeit und Familie sind auch heute noch häufig die
Begründungen – oder müsste ich sagen die Ausreden – mit denen
Menschen Gottes Einladung immer wieder ablehnen.
Besitz, das heißt doch, ich hab schon so viel. Ich
wüsste gar nicht woher ich die Zeit nehmen sollte in den
Gottesdienst zu gehen, zu beten oder in der Bibel zu lesen. Ich komm ja
jetzt schon nicht rum. Man muss sich doch kümmern! Bei den Jungen
ist es die Schule, das Training, die Spiele, die Freunde, die Musik,
Facebook… Bei den Älteren das Haus, der Verein, der Urlaub,
meine Sammlung, der Garten, die Bücher, der Fernseher der
Computer… Unser Besitz, das Viele, was wir besitzen hindert uns oft daran Gottes Einladung wirklich anzunehmen. – Was wir besitzen? Oder besitzt es uns? Sind wir gar besessen davon?
Die Arbeit, die man hat, die man verlieren
könnte oder die man schon verloren hat, kann auch so ein
tückischer Entschuldigungsgrund sein. „Ich schaff`´s
einfach nicht! Ich hab so viel zu tun! Ich weiß gar nicht wie ich
da rumkommen soll!“ Das sind die einen, bei denen der Druck am
Arbeitsplatz immer größer wird oder der Kostendruck, der
Konkurrenzdruck. Oder der Perfektionsdruck: Ich muss noch mehr leisten,
noch besser sein. Es gibt Druck, der von oben kommt, vom Chef, oder von
außen, von der Gesellschaft. Es gibt auch viel Druck, den wir uns
selber machen: Immer muss alles Tip-Top sein, originell, nie da
gewesen, noch besser als beim letzten Mal, aufwendiger als beim
Nachbarn oder Kollegen.(Die Tischkärtchen bei der Einladung, die
Überraschungen beim Kindergeburtstag, die Drinks bei der Party)
Vor lauter Arbeit und Druck bleibt keine Zeit mehr für Gottes Fest
und dafür, seiner Einladung Folge zu leisten. Er lädt uns
ein, nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu ruhen, zu entspannen, auf
seine guten Worte zu hören. Aber wir schaffen die Feiertage ab,
entwerten den Sonntag und gönnen uns keine Ruhe. – Rastlos
unterwegs, der moderne Mensch. Er jettet, jobbt und joggt durchs Leben
und verpasst das Fest Gottes.
Im 127. Psalm schreibt der weise Salomo: Wenn der Herr nicht das
Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht
die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Es ist
umsonst, wenn ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esst
euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.
Seinen Freunden? Sind das besonders Bevorzugte? Wie
gewinne ich denn Gottes Freundschaft, seine Zuneigung, Fürsorge
und Liebe? Indem ich seine Einladung ernst nehme und annehme. Indem ich
mich immer wieder einladen lasse und mir die Wohltaten Gottes gefallen
lasse. Bei einer Einladung wird man doch bewirtet, beschenkt,
verwöhnt.
Jesus streckt uns seine durchbohrten Hände entgegen und sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid,
alle, die ihr überlastet, enttäuscht, ausgenutzt,
missbraucht, verlassen, abgeschoben, gedemütigt, verraten,
alleingelassen seid, – kommt her zu mir alle, ich will euch erquicken, ich will euch Gutes tun.
Erquickung brauchen die gedrückten, gejagten
und ausgepowerten Menschen unserer Zeit. Die Jungen und die
Älteren, auch die Schülerinnen und Schüler, die in immer
kürzerer Zeit im mehr Wissen in ihre Köpfe bringen sollen.
Alle brauchen solche Wohltaten. Nicht nur für den Körper,
sondern noch viel mehr für die Seele. Dass sie zur Ruhe kommen,
dass sie ihren inneren Frieden finden, dass sie geborgen sind und mit
Hoffnung und Zuversicht neue Aufgaben anpacken können. Alles das
findet nur, wer mit Gott das Leben feiert, wer sich von Jesus zum Fest
einladen lässt, wer das Leben als ein Fest mit Gott versteht. Dazu
hilft Gottesdienst: Dankfest, Vergebungsfest, Hoffnungsfest,
Mutmachfest. Bei Gott steht alles bereit, was uns satt macht, was den
Lebensdurst und –hunger stillt.
Was könnte wichtiger sein? Womit sollten wir
eine Absage zu seinem Fest begründen? Es wären, es sind alles
nur Ausreden. Jesus erwähnt hier in seinem Gleichnis sogar den,
der absagt, weil er gerade geheiratet – hat. Ist seine Absage nicht
verständlich? Die Familie ist wichtiger. Auch bei uns eine
häufige Begründung, warum man keine Zeit für Gott hat.
Sonntagvormittag ist Familienzeit! Die Familie geht vor. Sie
ist so etwas wie eine Heilige Kuh, die man nicht aus dem Weg schieben
darf. Und schließlich kann man sich da ja sogar auf die Bibel
berufen, in der die Familie einen hohen Stellenwert hat. Einen hohen,
das stimmt. Aber nicht den höchsten. Wenn schon Familie, warum
dann nicht als Familie den Gottesdienst besuchen? Sich gemeinsam segnen
lassen, miteinander beten und Gottes Wort hören. Das ist auch ein
Beitrag zum Frieden und zur Gemeinschaft und zum Familienleben, ein
wichtiger.
Mit seinem Gleichnis fragt der Herr Jesus die
Menschen aller Zeiten, auch uns danach, was uns wirklich wichtig ist.
Was steht an erster Stelle? Wenn es nicht Gott ist, dann werden wir
einmal nicht mit feiern beim großen Fest Gottes. Eingeladen sind
wir alle. Aber wer nicht kommt, schließt sich selber aus.
Wie kann ich zum Ausdruck bringen, dass ich Gottes Einladung gerne
annehme, dass sie mir wichtig, ist? Indem ich jede Gelegenheit
wahrnehme,
– Gottes Wort zu hören oder zu lesen,
– das Abendmahl im Glauben zu empfangen,
– mit glaubenden Menschen zusammen zu sein,
– mit Gott im Gebet zu reden.
Ich nehme Gottes Einladung an,
– wenn ich seinem Wort vertraue,
– wenn ich mich fest auf seine Verheißungen, die er mir einmal
gegeben hat verlasse, auch wenn ich nicht weiß, wann und wie sie
sich erfüllen.
– Wenn ich mit meiner Schuld und Sünde, wie groß sie auch
sei immer wieder zum Kreuz komme und Vergebung erbitte und im Glauben
annehme.
Es ist niemand unter uns, der nicht von Gott zu seinem großen
Fest des Himmels eingeladen wäre. Niemand. Wir können uns nur
selbst ausschließen, indem wir anderes wichtiger nehmen. Wie
sagte der Mann, der mit Jesus am Tisch saß? Was für ein Glück muss das sein, zu Gottes Fest eingeladen zu werden!
Ja, es ist das größte Glück, das es gibt.
Herr wir danken dir für deine Einladung,
für deine Liebe Fürsorge und Freundlichkeit. Hilf uns, dass
wir nichts anderes wichtiger nehmen, dass wir uns nicht abbringen
lassen, dir zu vertrauen und deinem Wort zu gehorchen. Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168