Jubelkonfirmation
Zur PDF2. S. n. Trin. 25.06.17 Jubelkonf. Mt 22, 1-14 + 1.Tim 6, 12
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: …
Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören.
Im Evangelium des Matthäus, im 22. Kapitel steht ein Gleichnis, das für den heutigen Sonntag als Predigttext bestimmt ist.
Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Wenn Gott seine Königsherrschaft aufrichtet, ist das wie bei dem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitete. Viele wurden zur Hochzeit eingeladen. Als die Vorbereitungen beendet waren, schickte er seine Diener um die Gäste abzuholen. Aber keiner wollte kommen.
Er ließ sie durch andere Diener nochmals bitten: Es ist alles fertig, die Ochsen und Mastkälber sind geschlachtet. Das Fest kann beginnen. Kommt!
Aber die geladenen Gäste interessierte das nicht. Sie ließen sich in ihrer Arbeit nicht stören. Der eine hatte auf dem Feld zu tun, der andere im Geschäft. Einige wurden sogar handgreiflich, misshandelten und töteten die Diener des Königs.
Voller Zorn sandte der König seine Truppen aus, ließ die Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sagte er zu seinen Dienern: Die Hochzeitsfeier ist vorbereitet, aber die geladenen Gäste waren es nicht wert, an diesem Fest teilzunehmen. Geht jetzt auf die Straßen und ladet alle ein, die ihr trefft. Das taten die Boten und brachten alle mit, die sie fanden: gute und böse Menschen. So füllte sich der Festsaal mit Gästen.
Als der König kam um seine Gäste zu begrüßen, bemerkte er einen Mann, der nicht festlich angezogen war. âMein Freund, wie bist du hier ohne das Festgewand hereingekommen, das für dich bereit lag?â fragte er ihn. Darauf konnte der Mann nichts antworten. âFesselt ihm die Hände und die Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis!â befahl der König streng. âDort wird er weinen und jammern, ohne dass ihm jemand helfen kann. Denn viele sind eingeladen, aber nur wenige sind bereit zu kommen.â
Um es gleich klarzustellen: Diese Geschichte habe ich nicht für diesen Anlass âKonfirmationsjubiläumâ ausgewählt, sondern sie ist nach der Ordnung unserer Predigttexte, die sechs verschiedene Predigtreihen hat, für heute vorgesehen. Das nächste Mal wird sie erst wieder in sechs Jahren Predigttext sein. – Ist es Zufall, dass sie so gut zu unserem Gedächtnis der Konfirmation passt? â Ich glaube nicht an Zufälle, sondern an die weise Führung Gottes.
âViele sind eingeladen, aber nur wenige sind bereit zu kommen.â Viele haben wir eingeladen zu diesem festlichen Gottesdienst, vor Wochen schon angeschrieben, aber vergleichsweise wenige sind gekommen. Im Lauf der letzten Jahrzehnte sind die Zahlen derer, die sich von Kirche und zum Gottesdienst einladen lassen im ganzen Land kontinuierlich gesunken. Und zwar nicht nur bei besonderen Jubiläen, wie Silberne oder Goldenen Konfirmation, sondern ganz allgemein.
Gott lädt ein, aber viele haben kein Interesse an seiner Einladung. Gott redet, aber immer mehr Menschen hören gar nicht hin. Dabei hat er uns erstens lebenswichtiges zu sagen und zweitens grandioses zu bieten. Was hat er uns zu sagen? â Du bist von Gott geliebt. Er meint es so gut mit Dir, dass er Dich bei sich haben, mit dir feiern und dich bewirten will. Er hat einen Vorzugsplatz für dich in seinem Festsaal, in seinem Himmel. Und er bietet: Ein königliches Festgewand. â Was damit gemeint ist, darauf kommen wir noch.
Zunächst mal zu dem, was Gott uns zu sagen hat: Am Anfangdes Johannesevangeliums heißt es: Das Wort Gottes wurde Fleisch und wohnte unter uns. Damit ist Jesus gemeint. Der Sohn Gottes hat gewissermaßen das königliche Ornat und seine Macht abgelegt und das Reich des Vaters verlassen, um als Mensch auf dieser Erde zu leben. Sein Ziel: Den Menschen Gott nahe zu bringen. Dazu hat er sich viele anschauliche Geschichten überlegt und sie erzählt. Er hat auf Wohlstand, Anerkennung und Bequemlichkeit verzichtet, hat sich Kritik ausgesetzt, Verleumdungen in Kauf genommen und schließlich foltern, zuletzt sogar töten lassen. Um Gottes Liebe zu uns zu beweisen und um uns aus einer gottlosen Lebensweise herauszuholen â um uns zu retten für seine himmlische Zukunft.
Aber damals wie heute sind viele nicht interessiert. Kein Bedarf. Sie nehmen schon das Leben, das Gott ihnen schenkt, die Gesundheit, solange sie sie haben, aber sie bleiben den Dank schuldig und fragen nicht danach, wozu Gott ihnen das Leben gegeben hat. Sie sagen: Es ist mein Leben! Was ich damit mache, ist meine Sache und geht niemanden etwas an. Immer wieder lädt Gott sie ein, aber sie lehnen es ab, der Einladung Folge zu leisten: Ich habe keine Zeit, keine Lust, kein Interesse. Der König im Gleichnis wiederholt seine Einladung mehrmals. Er schickt seine Leute, um die Geladenen abzuholen. Aber auch das bleibt ohne Erfolg. Die Boten werden mit Vorwänden weggeschickt, schlecht behandelt, ja einige sogar misshandelt und getötet.
Vielen Boten des Evangeliums ist es durch die Jahrhunderte so ergangen. Verlacht, ignoriert, nicht ernst genommen oder gar misshandelt, eingesperrt und umgebracht. Die Geschichte der Kirche ist auch eine Geschichte der Märtyrer. Nicht nur vor langer Zeit und in dunklen Jahrhunderten und fernen Ländern. Wir leben in einem Zeitalter der Christenverfolgung.
In manchen Ländern genügt es schon, eine Bibel zu besitzen oder jemandem vom christlichen Glauben zu erzählen, um verhaftet zu werden, vor Gericht zu kommen und in Lebensgefahr zu geraten. Bei uns ist es noch nicht so lebensbedrohlich, aber wenn sich in unserem Land Menschen öffentlich klar zu christlichen Grundpositionen und biblischen Aussagen bekennen, werden sie schnell angefeindet oder in eine fundamentalistische Ecke gedrängt.
Christen, die beim Marsch des Lebens in Berlin für den Schutz des ungeborenen Lebens eintraten, sich gegen Abtreibung äußerten, wurden in den letzten Jahren von wütenden Abtreibungsbefürwortern beschimpft, bespuckt, mit Gegenständen beworfen und bedroht. Sie mussten von einem massiven Polizeiaufgebot geschützt werden. Nicht irgendwo in einem fernen Land, sondern in unserer Hauptstadt.
Unser Gleichnis deutet an, dass Gott sich nicht alles gefallen lässt. Er wird, das wird zwar heutzutage oft verschwiegen, auch Gericht halten und die zur Rechenschaft ziehen, die seine Boten und Zeugen schlecht behandelt haben. Er wird kommen, so steht es in unserem Glaubensbekenntnis, zu richten, die Lebenden und die Toten.
Aber Gericht ist nicht sein erstes Interesse, sondern seine letzte Gerechtigkeit für alle, die nichts von ihm wissen wollen. Sein Anliegen ist Liebe, Vergebung und Rettung aus Verlorenheit und dem Fluch der Vergänglichkeit. Kommen wir noch einmal auf das im Gleichnis erwähnte Festgewand zurück. Die geladenen Gäste sind ja nicht gekommen. Die Plätze im Fest-saal des Königs sollen aber nicht leer bleiben. So werden vom König andere eingeladen. Noch einmal schickt er seine Boten los und sagt ihnen: Geht jetzt auf die Straßen und ladet alle ein, die ihr trefft. Das taten die Boten und brachten alle mit, die sie fanden: gute und böse Menschen. So füllte sich der Festsaal mit Gästen.
Gute und böse Menschen lädt Gott ein. Er sagt nicht: Du musst aber erst⦠Er lädt alle ein, wer und wie sie sind. Was sie in der Vergangenheit auch getan haben und woher sie kommen. Damit sie zu seinem Festsaal passen und damit ihnen niemand ihre Vergangenheit ansieht, bekommen sie vor dem Betreten des Königspalastes ein königliches Festgewand. Neu, ohne Flecken, Risse und schlechte Stellen. Wir würden vielleicht sagen: Sie dürfen ihre dreckige schmuddelige Kleidung gegen eine weiße saubere Weste eintauschen.
Es geht dabei natürlich nicht um Klamotten und Mode, sondern das ist ein Bild für Vergebung. Alles Schlechte, Gemeine, Versaute, Bösartige, Lieblose Wesen dürfen wir vor Gott ablegen. Das können wir loswerden! Durch Jesus, der dafür am Kreuz bezahlt hat. Er hat sein Blut für uns vergossen, seinen Leib für uns gegeben. â Im Heiligen Abendmahl nachher wird es uns angeboten. â Wir dürfen es nehmen und glauben, dass die Vergebung und Erlösung durch Jesus uns gilt.
Jesus sagt: Siehe, ich mache alles neu! Wer das für sich nimmt, bekommt das königliche Festgewand. Den macht Gott passend für sein Reich. Den lässt er beim größten und schön-sten Event mit dabei sein, das es gibt. So genial, dass wir es uns mit unserer begrenzten Fantasie nicht vorstellen können.
Die Menschen meinen ja leider oft, es gibt nur das, was sie sich vorstellen können. So, als ob der Mensch der jeweiligen Zeit das Maß aller Dinge und seine Vorstellungskraft über möglich und unmöglich entscheidet. â Die Menschen vor 100 Jahren hätten sich weder Atomkraft, noch Solarzellen, noch unsere heutigen Autos vorstellen können, geschweige denn Computer, Handys und GPS- Systeme. â Und doch gibt es sie.
Wie oft hab ich schon den ziemlich beschränkten Satz gehört: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Gott gibt. Oft wird das dann begründet mit irgendeinem Unrecht, das Menschen angerichtet haben. Oder: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Himmel oder eine Hölle gibt. â Ja, glauben Sie wirklich, dass Gottes Möglichkeiten an unserem menschlichen Vorstellungsvermögen scheitern? Paulus hat einmal gesagt: Der Friede Gottes ist höher als jede Vernunft. â Was wäre das für ein Gott, dem das Denken seines Geschöpfs Grenzen setzt?
Gott ist allmächtig! âIch glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Da geht es um unendliche Weiten, um unvorstellbare Massen und Energien. Und da kommt ein Menschlein auf diesem Staubkorn Erde und sagt, das kann nicht sein, weil ich es mir nicht vorstellen kann?! â Ich kannâs mir auch nicht vorstellen, aber ich muss und will es mir nicht vorstellen. Es genügt mir zu wissen und zu glauben, dass Gott alle Macht hat und dass er mit seiner Liebe und Fürsorge für mich und alle sorgt, die ihm einfach nur vertrauen. â Dass er allen ein neues Kleid â Wesen â Leben schenkt, die seine Liebe in Jesus annehmen.
Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus unserem Herrn ist. Wer heute und jetzt seine Vernunft und Vorbehalte hinter sich lässt und sagt: Mein Gott, ich danke dir, dass du auch mich annimmst, dass du auch mich erlöst hast durch Jesus, deinen Sohn, der lebt mit einem neuen Horizont. Der geht nicht auf ein elendes Ende zu, sondern auf eine unvorstellbare Herrlichkeit in einer neuen Dimension, in der er dann den heiligen Gott sehen wird. Dagegen ist alles, was man auf dieser Erde, in dieser Welt, erleben kann nichts.
Gott ist heilig und er will uns heil machen an Leib und Seele. Der Apostel Paulus schreibt an seinen Freund und Mitarbeiter Timotheus einen wichtigen und guten Satz. Und das ist der zweite biblische Text, der diesem Tag, der auch als Gedenktag des Bekenntnisses der Protestamten gilt, weil am 25. Juni 1530 auf dem Reichstag in Augsburg vor dem Kaiser das evangelische Bekenntnis abgelegt wurde (1.Tim 6, 12). Er lautet: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das Ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen.â
Das ist eine Ermutigung zu Glauben. Zum Weiterglauben und durchhalten. Lasst Euch nicht abbringen von dem Weg, den Ihr eingeschlagen habt. Gottes Weg verändert sich nicht, auch wenn sich die Welt verändert. Seine Gebote müssen nicht an neue Zeiten angepasst werden. Sie gelten für alle Zeiten. Seine Einladung steht noch, aber sie muss angenommen werden. Gott wirft sein Festgewand keinem hinterher, der sich nicht dafür interessiert und wer meint ohne dieses neue Kleid der Vergebung im Himmel mitfeiern können, der irrt sich. Da spricht das Gleichnis eine sehr deutliche Sprache. In den Himmel wird keiner gezwungen. Man kommt auch nicht automatisch und ohne Glauben rein. Da braucht es schon Ausdauer und Beharrlichkeit. Manchmal sogar einen Kampf gegen innere und äußere Widerstände. Aber wer den guten Kampf des Glaubens kämpft, der wird das Ewige Leben ergreifen, zu dem ihn Gott berufen hat. Das ist sicher! So sicher wie das Amen in der Kirche.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/4116