Jesus kommt!
Zur PDF2. Advent, 07.12.2014, Lukas 21, 25-33
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
Wir bitten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt:
…Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Glauben Sie an Gott? Der Professor für Robotik und Telematik, Klaus Schilling, der im Interview so gefragt wurde, ist einer der führenden Köpfe, der an der Rosetta-Mission zu einem Kometen am Rand unseres Sonnensystems beteiligt war. Er hat sich viel mit der Welt und dem Kosmos beschäftigt und weiß, wie viele andere Astronauten und Physiker, um die Endlichkeit und Zerbrechlichkeit unseres blauen Planeten.
Dem Journalisten Achim Muth antwortete Professor Schilling auf seine Frage nach Gott: „Das ist ein Thema, zu dem ich als Techniker eigentlich nichts sagen kann. Aber als Mensch betrifft jeden von uns der Anfang und das Ende unseres Daseins ganz einschneidend und natürlich muss sich jeder von uns mit diesen wichtigsten Fragen auseinandersetzen. (Von den Wissenschaftlern in der Theologie aber auch Philosophie kommen da ja eindrucksvolle Anregungen und Anstöße zu Antworten.) Für mich persönlich bejahe ich die Frage nach Gott. Es ist für mich unvorstellbar, wie die wundervolle Ordnung und Harmonie unseres beobachtbaren Kosmos aus reinem Zufall hätte entstehen sollen.“ (Nordbayer. Kurier Sa/So 06.12./14)
Anfang und Ende unseres Daseins betrifft jeden, meint dieser Bayreuther Wissenschaftler. Sein naturwissenschaftlich geschultes Denken hindert ihn nicht daran, an Gott zu glauben, in die Kirche zu gehen und an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Um solche Fragen nach Zukunft, Anfang und Ende des Daseins geht es auch im Advent und besonders im heutigen Schriftwort für die Predigt aus dem 21. Kapitel des Lukasevangeliums. Es ist ein Stück aus den Endzeitreden. Als der Herr Jesus mit seinen Jüngern über sein Wiederkommen am Ende der Zeiten sprach, sagte er:
Zu dieser Zeit werden Zeichen an Sonne, Mond und Sternen
Unheil verkünden. Angst und schreckliche Ratlosigkeit beherrschen
die Menschen, weil Sturmfluten und Katastrophen über sie
hereinbrechen. Ungewissheit und Furcht treiben sie zur Verzweiflung. Sogar der Lauf der Gestirne wird in Unordnung geraten.
Doch dann werden alle Völker den Menschensohn in
den Wolken des Himmels mit göttlicher Macht und Herrlichkeit
wiederkommen sehen.
Wenn aber das anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Ich will es euch an einem Beispiel verdeutlichen: Seht euch die Feigenbäume an oder die anderen Bäume.
Wenn sie anfangen zu blühen, weiß jeder, dass es bald Sommer wird.
So könnt ihr wissen, dass Gottes Reich nahe ist, wenn sich all das ereignet.
Denn das steht fest: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor sich nicht alles erfüllt hat.
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.
Vor ein paar Tagen erzählte mir eine Kirchenvorsteherin von einem Besuch in unserer Tagespflege. Sie hätte mit den Gästen über das Thema Advent gesprochen und wollte zunächst einmal von ihnen wissen, was das Wort überhaupt bedeutet. Obwohl viele unserer Gäste in der Tagespflege unter Demenz leiden und schnell vergessen, hätten einige sofort ganz richtig gesagt: Advent heißt Ankunft. Sie forschte weiter: Um welche Ankunft geht es denn da? Wer kommt? Auch das wurde schnell beantwortet: Jesus kommt.
Tief verwurzelt das Wissen vom kommenden Jesus bei diesen alten Menschen, deren geistige Kräfte sonst schon sehr eingeschränkt sind. Jesus kommt. Es geht um seine Ankunft. Das ist auch nicht irgendeine Feststellung, sondern die wichtigste Aussage, die man über diese Welt machen kann. Er ist gekommen, damals in dieses kleine Land im Nahen Osten, das heute noch Brennpunkt der Weltgeschichte ist. Und er wird wiederkommen mit göttlicher Macht und Herrlichkeit, für die ganze Menschheit sichtbar.
Auch in der Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Kommen ist er da. Unsichtbar zwar, aber erfahrbar für alle, die ihm vertrauen. Bei seinem Abschied aus der sichtbaren Welt an Himmelfahrt hat er den ängstlich zurückbleibenden Jüngern versprochen: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Die Christen der folgenden Zeiten haben sich an dieses Versprechen geklammert und damit ihre Erfahrungen gemacht. Sie haben die Nähe ihres Herrn gespürt, in Verfolgungszeiten, Kriegen, Bedrohungen und Ängsten. Sie waren getrost und geborgen vor Königen und Richtern, in Gefängniszellen, auf Krankenlagern und an Gräbern. In Stürmen und Prüfungen, in Bunkern und Bombennächten. Der kommende Herr lässt keinen im Stich, der ihm wirklich vertraut.
Von seinem ersten Kommen sagt Jesus selbst: Ich bin gekommen um zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Von seinem zweiten Kommen wissen wir, dass es mit Gericht und Scheidung verbunden ist. Er wird „kommen um zu richten die Lebenden und die Toten.“ Für alle, die auf dieses letzte Kommen warten und vorbereitet sind, wird das die Erlösung sein. Zu denen sagt Jesus: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“
Für die anderen, die Jesus und die Aussagen der Bibel ablehnen oder nicht wichtig nehmen, wird das zweite Kommen, der zweite Advent des Gottessohnes, zum Schrecken werden. Sie werden dann in einem Augenblick erkennen: Falsch gelebt! Falsche Ziele gesetzt! Zeit nicht genutzt! Chancen vertan! Gnade verachtet! Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, dass es diese Möglichkeit des „Verdammt Werdens“ gibt. Markus 16, 16 ist da nur eine von vielen klaren Aussagen: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.
Die leidenschaftliche Liebe Gottes will erreichen, dass möglichst viele gerettet werden. Darum ruft er immer noch, lädt ein, geht Menschen nach und schenkt noch Zeit. Gnadenzeit. Das ist Zeit, in der wir umkehren sollen und Jesus als unseren Heiland annehmen. Zeit in der wir uns vorbereiten sollen auf die Begegnung mit dem heiligen und gerechten Gott. Die Endzeitreden waren so etwas wie letzte Worte, die Jesus vor seiner Verhaftung, Verurteilung und Kreuzigung an die Jünger richtete. Letzte wichtige Vorbereitung auf kommende Zeiten. Wie wichtig Jesus diese letzten Worte sind betont er eindringlich: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht!“
Jesus hat nie Zeiten und Zahlen genannt, wann seine letzte Wiederkunft sein wird. Gott will nicht, dass wir rechnen und Zeitpläne für seine Heilsgeschichte aufstellen. Jetzt und heute sollen wir glauben, seinen Willen tun, Vergebung erbitten, Erlösung annehmen. Da gibt’s nichts aufzuschieben oder zu verdrängen. Jetzt, heute dürfen wir zugreifen, glauben, barmherzig miteinander umgehen, neu anfangen.
Keine Zeitangaben, aber Zeichen werden von Jesus genannt. Mit einem ganz simplen Beispiel aus der Natur macht er das deutlich: Wenn die Bäume Blätter und Blüten bekommen, weiß jeder, dass es auf den Sommer zugeht. – Daran wird niemand zweifeln. Und wenn Katastrophen überhand nehmen und die Naturgewalten aus dem Ruder laufen, dann soll jeder sich drauf einstellen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis zum endgültigen Kommen von Jesus.
Wir können ja bestimmt nicht sagen, dass wir nichts von der zunehmenden Bedrohung gewusst hätten. Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es eine Generation die so informiert war über die Lage der Welt. Wenn in Japan ein Atomkraftwerk außer Kontrolle gerät, wenn sich in Südostasien ein verheerender Taifun zusammenbraut (Manila heute Nacht), wenn in Island ein Vulkan ausbricht, in Amerika Wassermassen die Menschen bedrohen, wir wissen es. Nahezu zeitgleich erfahren wir davon über die Medien. Die Frage ist nur, was machen wir mit diesem Wissen? Wozu dienen uns die umfassenden Informationen? Verändern sie unser Verhalten? Haben sie Einfluss auf unseren Glauben?
Ohne Glauben und ohne Gott können sie nur die Angst groß machen. Wie Jesus hier sagt: „Angst
und schreckliche Ratlosigkeit beherrschen die Menschen, weil
Sturmfluten und Katastrophen über sie hereinbrechen. Ungewissheit
und Furcht treiben sie zur Verzweiflung.“
Ist das nicht eine treffende Beschreibung des Lebensgefühls der Menschen am Anfang des 21. Jahrhunderts? Angst und Furcht, Ungewissheit und Ratlosigkeit beherrschen die Menschen. Manche werden krank davon, andere versuchen zu verdrängen, flüchten sich in Genuss oder Rausch, betäuben sich mit Lautstärke und Lichteffekten, lenken sich mit pausenlosem Geschwätz in sozialen Netzwerken ab. Damit man nur nicht zur Ruhe und nicht zum Nachdenken kommt.
Bei einem Treffen unserer Jugendmitarbeiter in der vergangenen Woche haben wir uns auch mit Filmen für unsere Jugendarbeit beschäftigt. Einige Mitarbeiter stellten fest, dass man eine Reihe von Filmen, die noch vor ein paar Jahren als besonders gut und wertvoll galten, mit Kindern heute nicht mehr anschauen kann. Die ertragen die ruhige Bildführung nicht mehr. Sie ist ihnen langweilig. Sie können den Gedanken und Dialogen nicht mehr folgen und dann auch die Aussage des Films nicht erfassen. Warum? – Sie sind durch aktuelle Filme und Bildbeiträge in den Medien gewohnt, dass sich die Szenen jagen, dass die Bildfolgen rasant wechseln, dass permanent optische und akustische Reize gesetzt werden. So werden schon die Kinder getrieben und gehetzt. Sie halten Ruhe nicht mehr aus, werden „hyperaktiv“. Die seelischen Störungen im Kinder- und Jugendalter nehmen seit Jahren zu. Das sind auch Katastrophen, die die Menschheit bedrohen. Leider werden sie nur viel zu wenig wahrgenommen.
Was werden solche, in der Jugend verbogenen Seelen, später mal für Eltern und Großeltern sein? Meinen Sie, die können Werte wie Geduld, Besonnenheit oder Einfühlungsvermögen vermitteln?
Das sind ja alles nur ein paar einzelne Beobachtungen, die den Nachdenklichen und den mit Gott Rechnenden zu der Erkenntnis bringen, dass die gesellschaftliche Entwicklung zu eskalieren droht. Jesus erwartet, dass seine Leute das wahrnehmen und die rechten Schlüsse daraus ziehen. Er will nicht, dass seine Schwestern und Brüder in Angst und Verzweiflung fallen, wenn sie das alles beobachten. Er will dass wir im Vertrauen auf ihn ruhig werden und wissen: Jesus ist Sieger! Er hat die Macht! Er ist der Eine, der am Ende kommt und am Ende bleibt.
Er wird alles Böse besiegen, alle Bedrohungen beseitigen. Wir sollen aufsehen, aufhorchen und klarer den Weg der Nachfolge gehen: Wenn aber das anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Wer auf einer langen Wanderung nah am Ziel ist, der sieht auf, nimmt das Ziel in Blick und freut sich, weil ihm klar ist: Jetzt bin ich bald am Ziel. Ich kann‘s ja schon sehen. Die schmerzenden Füße, der schwere Rucksack, die müden Knochen, das ist alles nicht mehr so schlimm. Dort vorne ist es geschafft. Da darf ich ausruhen, da geht’s mir gut.
Ein Stück weiter hinten im neuen Testament werden wir noch einmal zum Aufsehen ermuntert. Hebräer 12, 2: Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. Das Aufsehen richtet sich an den, der uns hilft durchzuhalten und das Ziel zu erreichen. Niemand von uns hat sich den Glauben selbst gegeben. Da hat Gott durch Menschen einen Anfang gelegt. Vielleicht schon im Kleinkindalter durch das, was die Oma oder eine Mitarbeiterin des Kindergottesdienstes oder ein Jungscharleiter weitergegeben hat. Jesus verspricht diesen Anfang fortzuführen und aus dem guten Anfang ein noch besseres Ende zu machen, wenn wir auf ihn sehen und hören. Im 1. Petrusbrief nimmt der Jünger das auf und verspricht: „Ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“
Das rückt die Adventszeit mit ihren Liedern und Texten wieder in den Blick: Das gute Ende. Den Sieg Gottes, das Ende allen Leids. Wenn wir im Glauben das Heilige Abendmahl empfangen, dann ist das auch ein Aufsehen auf Jesus und ihm zutrauen, dass er aus unserem Scheitern und Versagen etwas machen kann. Seine Kraft ist in unserer Schwachheit mächtig. Ach mache du mich Armen in dieser heil‘gen Zeit
aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168