Jesus führt von der Traurigkeit zur Freude
Zur PDFKonfirmandeneinführung 13 07 14. Joh. 16,16.20-23
Jesus führt von der Traurigkeit zur Freude
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt…
Heute Abend, kurz vor Mitternacht, da ist es entschieden. Eine Nationalmannschaft ist der geniale Sieger, die andere der große Verlierer. Deutschland oder Argentinien: Eine Nation wird jubeln, die andere traurig und enttäuscht sein. Wir hoffen natürlich, dass die Freude auf unserer Seite sein wird. – Aber die anderen erwarten das für sich auch.
Traurigkeit und Freude sind ja im Leben oft ganz nah beieinander. Das haben wir schon manchmal erlebt.
Auch bei Jesus war das so. Wenige Tage vor seinem Tod machte Jesus bei seinen Jüngern Andeutungen über das, was geschehen sollte. Er wollte sie vorbereiten und ihnen damit helfen. Ich lese Verse aus dem 16. Kapitel des Johannesev.:
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ich werde nur noch kurze Zeit bei euch sein. Bald nach meinem Weggehen aber werdet ihr mich wiedersehen.
Es wird tatsächlich so kommen, wie ich es jetzt zu euch sage: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll sich in Freude verwandeln.
Das ist genauso wie bei einer Frau, die ein Kind bekommt. Sobald ihr Kind geboren ist, hat sie die Angst und Schmerzen der Geburt vergessen. Sie ist nur noch glücklich darüber, dass ihr Kind zur Welt gekommen ist. Auch ihr seid jetzt sehr traurig, aber ich werde euch wiedersehen. Dann werdet ihr froh und glücklich sein, und diese Freude kann euch niemand mehr nehmen. Am Tag unseres Wiedersehens werden alle eure Fragen beantwortet sein.
Auch da geht es um Traurigkeit und Freude. Traurigkeit und Freude kennen wir alle, haben wir alle schon oft erlebt. Wir sehnen uns nach Freude, aber wir machen die Erfahrung, dass die Freude immer wieder vergeht. Meistens viel zu schnell. Freude über ein Geschenk, Urlaubsfreude, Ferienfreude, Freude über einen Erfolg – vielleicht eine gute Note.
Wir möchten die Freude festhalten, aber es geht nicht. schon kommt wieder eine Traurigkeit und zerstört die Freude.
Die Freude am neuen Auto ist durch den Kratzer im Lack zerstört. Die Freude am neuen Fußball durch den Sprung in der Fensterscheibe dahin.
Die Freude an der zwei in Mathe wird von der fünf in Englisch getrübt. Die Freude am eigenen Haus durch die vielen Rechnungen, die laufend kommen.
Die Freude am Leben wird durch die Nachricht vom Tod eines lieben Verwandten oder Bekannten weggeblasen.
Uns überfällt Traurigkeit. So sagen wir doch manchmal. Und manchmal haben wir das Gefühl, dass sich andere an unserer Traurigkeit sogar noch freuen. Die Schadenfreude, so behaupten manche, sei die schönste Freude. Aber wenn ich es bin, der den Schaden hat?
Kennst Du sie nicht auch, mit Deinen 12/13 Jahren? Ja, selbst kleine Kinder kennen es schon, dieses Gefühl, das einem die Tränen in die Augen treibt, die dunkle schmerzvolle Stimmung. Es gibt wohl niemanden, der es nicht schon erlebt hat und immer wieder erlebt.
Sieht es nicht manchmal so aus, als sei die Traurigkeit die stärkste Macht dieser Welt. Die Macht, die am Ende siegt? Ja, manchmal sieht es so aus. – Vielleicht gerade heute in Ihrem/Deinem Leben. Trostlos und hoffnungslos. Da denkt man dann, es kann gar nie mehr anders werden.
Auf so eine Situation bereitet der Herr Jesus seine Jünger vor. Und als sie dann, bald danach, unter seinem Kreuz standen an jenem unvergesslichen Freitag, den wir Karfreitag nennen, als sie ihren Freund und Herrn so furchtbar leiden und so elend sterben sahen, waren sie untröstlich, Voll Traurigkeit.
Sie sahen ihn sterben und dachten: Jetzt ist es aus und vorbei. Und alles, was da vorher an Hoffnung und Freude war, ist kaputt. Wie soll das wieder gut werden? Unmöglich! Wenn sie nur zugehört hätten, was ihnen Jesus vorher gesagt hat. Euere Traurigkeit wird in Freude verwandelt werden! Jesus sagt das Gegenteil von dem, was wir oft erfahren. Er sagt: Hört zu! Traurigkeit kann in Freude verwandelt werden.
Obwohl ihm die Jünger nicht geglaubt haben erleben sie dann, dass er Recht hat. Es stimmt, was er ihnen angekündigt hat: An Ostern sehen sie den Auferstandenen. Sie sind auch so blöd, wie wir manchmal und können das Gute gar nicht glauben, gar nicht fassen. Es dauert eine Weile, bis sie begreifen: Er lebt ja wirklich. Er hat ja doch Macht. Er kann ja doch das unvorstellbare Leid in Freude verwandeln.
Unser Herr lebt! Wir verehren nicht einen großen Menschen der Vergangenheit, der nicht mehr lebt, so wie manche Menschen Richard Wagner verehren und andere Elvis oder …. Sie machen dann einen Kult draus und pilgern zu einem Grab oder voll Ehrfurcht durch ein Haus, in dem der/die gelebt hat.
Nein, unser Herr Jesus Christus ist kein Toter, der vor langer Zeit gelebt und Gutes getan hat, er ist lebendiger Gott. Durch seine Auferstehung hat er das bewiesen. Und weil er lebt und weil er Gott ist, kann er auch heute noch handeln und helfen, kann Traurigkeit in Freude verwandeln und in hoffnungslosen Situationen trotzdem helfen und etwas Gutes daraus machen.
Ich sage das nicht, weil ich Pfarrer bin und das halt so sagen muss, sondern weil ich das immer wieder selbst erlebt habe. Und zwar lange bevor ich Pfarrer war:
Ich war nicht viel älter als Ihr neuen Konfirmanden. Im Jahr meiner Konfirmation hatte ich das Klassenziel nicht erreicht. In Mathe und Latein hatte ich eine 5 im Schlusszeugnis und das bedeutete, ich musste die 8. Klasse noch einmal machen. Das ist nicht angenehm. Als ich das Zeugnis in der Hand hatte und wusste, ich bin durchgefallen, da war ich ziemlich traurig. Zumal ich wusste und mir viele das sagten: Du bist selber schuld! Du könntest, wenn Du wolltest, Du müsstest nur mehr tun.
Im September, als das neue Schuljahr begann, trafen sich meine alten Klassenkameraden fröhlich wieder und gingen in die 9. Klasse, ich musste zu lauter mir unbekannten Jungen und Mädchen noch einmal in die 8. Klasse. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie man sich da fühlt? – Eine Mischung aus Scham, Angst und anderen schlechten Gefühlen. Eben mit einem Wort: Traurigkeit. Kann das je wieder gut werden?
Ich hatte auch gebetet in den letzten Wochen des alten Schuljahres und bei der Nachprüfung in den Ferien, aber umsonst. Es war doch passiert. So musste ich nun auf den einzigen freien Platz im Klassenzimmer, neben einen großen kräftigen Jungen, an den ich wegen eines Vorfalls im Pausenhof ungute Erinnerungen hatte. Auch das noch!
Doch es dauerte nicht lange, da freundeten wir uns an und er lud mich übers Wochenende zu sich ein auf einen Bauernhof in der Fränkischen Schweiz. Von da an hab ich viele Wochenenden und Ferien dort zugebracht, im Kuhstall und im Schweinestall, auf den Feldern und im Wald, hinter dem Steuer von Traktoren und auf so mancher Maschine. Aus dem schlimmen und schweren „durchgefallen“ wurde eine wunderbare Zeit. Aber das war noch nicht alles. 7 Jahre später habe ich die Schwester meines Freundes geheiratet, die nun seit fast 38 Jahren meine Frau ist. So kann Gott das machen. Traurigkeit in Freude verwandeln.
Das ist nur ein persönliches Erlebnis, an das ich denken musste, als ich hier las, dass Jesus unsere Traurigkeit in Freude verwandeln kann. Jesus hat meine Gebete doch erhört. Ganz anders als ich dachte. Und es war gut so, dass ich die Klasse wiederholt habe und meine Lücken aufarbeiten konnte. Ich hab draus gelernt und später doch Abitur gemacht.
Wer dem Wort Gottes vertraut, kann immer wieder Wunder und Abenteuer mit Gott erleben. Wer sein Leben mit dem Herrn Jesus lebt, der erlebt schon auch Traurigkeiten – seine Jünger ja auch – aber der darf sich darauf verlassen: Der Gott, der Jesus aus dem Tod herausgeholt hat, der holt auch mich aus Traurigkeit und Not, die mir jetzt zu schaffen machen.
Auch glaubende Menschen müssen durch Krisen, durch Ängste, durch Schwierigkeiten und Bedrohungen, aber eigentlich ist es so, dass sie sich schon in der Not voll Erwartung freuen dürfen und sagen: Herr Jesus, ich bin gespannt, wie du es diesmal schaffst, meine Traurigkeit in Freude zu verwandeln.
Jesus hat immer einen Weg, denn der Herr, der den Tod besiegt hat, dem ist nichts unmöglich. Er wartet darauf, dass wir mit ihm reden und ihm unsere Traurigkeit sagen. Dass wir ihn bitten, dass er sie in Freude verwandelt. Er hat immer einen Weg dazu. – Er kann uns nur dann nicht helfen, wenn wir uns von ihm abwenden und nicht mit ihm leben.
Wir haben einen lebendigen Gott. Einen Gott, der uns kennt und der uns Freude machen will. Das haben nur leider viele Menschen, ja sogar viele Christen, noch nicht begriffen. Die denken: Och, Kirche, Glauben, Bibel lesen und beten, das ist langweilig und das bringt nichts. Irrtum! Das ist sehr spannend, das ist voll Hoffnung, Lebensmut, Freude.
Wer sich noch nie darauf eingelassen hat, der hat es auch noch nie erlebt. Und wenn dann andere davon erzählen, dann wollen sie ihnen nicht glauben. Anstatt es auch zu probieren mit dem Glauben und Beten, zweifeln sie alles an, manche spotten und lästern sogar.
Die Gemeinheit der Leute, die Jesus kreuzigten, hat Gott dazu benutzt um uns zu zeigen, dass der Herr Jesus sogar Macht über den Tod hat. Jesus ist immer stärker. Und jeder Mensch, der ihm sein Leben anvertraut ist damit automatisch auf der Seite des Siegers. Was gibt es denn Besseres als auf der Seite des Siegers zu sein?
Jesus ist auch stärker als unsere eigene Gemeinheit, mit der wir manchmal uns und anderen das Leben schwer machen. Er kann Schuld vergeben und auslöschen. Er kann uns helfen, dass wir nicht mehr lügen, nicht mehr hassen, nicht mehr betrügen müssen. Er kann bewirken, dass wirklich Freude in unser Leben kommt. Freude, die auch Traurigkeiten aushält. Freude, die tief im Herzen sitzt und uns hilft, Leid zu ertragen, eigenes oder fremdes.
Jesus hilft uns auch zufrieden zu sein und die Dinge in unserem Leben, die wir nicht ändern können einmal mit anderen Augen anzusehen. So hat es Herr M. erlebt (aus Kühner, Eine gute Minute, S. 239):
Familie M wohnt am Stadtrand in einer bescheidenen Wohnung. Der Vater verdient nicht so viel und die 5 Kinder kosten eine Menge. Da muss sehr gespart werden. Da geht eines Tages die Waschmaschine kaputt, die täglich dringend gebraucht wird.
In den Kleinanzeigen findet Herr M eine „preiswerte Waschmaschine, gut erhalten“. Er fährt gleich nach der Arbeit hin. Unter der Adresse findet er ein vornehmes Haus in einem wunderbaren Garten. Alles sieht nach Reichtum und Wohlstand aus. Ein freundliches Ehepaar bittet ihn herein. Die Waschmaschine wird besichtigt. Sie ist wirklich gut erhalten und preiswert.
Erleichtert erzählt Herr M von seinen Sorgen, wieviel die 5 Kinder an Kleidung und Schulzeug brauchen. Fast jede Woche geht ein paar Schuhe kaputt. Da geht die Frau schnell aus dem Zimmer und kann dabei ihre Tränen nicht verbergen. Erschrocken fragt Herr M, ob er irgendwas Falsches gesagt habe. ‚Nein!‘ sagt der Mann, ‚‘aber wir haben ein einziges Kind, ein Mädchen, 8 Jahre alt. Es ist seit Geburt gelähmt. Ein paar zerrissene oder abgetragene Schuhe würde uns zu den glücklichsten Menschen der Welt machen‘. Herr M geht dankbar und beschenkt nach Hause, mit ganz neuer Freude über die Waschmaschine und über seine 5 gesunden Kinder.
Gott kann auch kaputte Schuhe oder eine defekte Waschmaschine benutzen, um uns etwas zu zeigen. Wenn wir es uns zeigen lassen, können wir viel lernen und leichter leben. Wir werden mit dem Traurigen viel leichter fertig, wenn wir es aus der Hand Gottes nehmen und uns nicht dagegen wehren.
Vielleicht ist auch in ihrem oder in deinem Leben etwas kaputt gegangen. Der Herr Jesus Christus kann auch das heilen, kann trösten, kann Kraft schenken, darum gibt es keinen besseren Freund und Lebensbegleiter als ihn.
Wir dürfen Jesus bitten, dass er unsere Traurigkeit in Freude verwandelt. Ob wir das mit eigenen Worten oder mit einem
alten Gebet tun, ist dabei völlig egal. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168