Jesu Leib und Blut wert schätzen
Zur PDFLätare 03 04 2011 Silb u Gold Konf Joh 6 55 bis 69
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten:
… Herr, wir bitten dich, erhöre uns. Amen.
Unser Bibeltext für die Predigt an diesem Sonntag steht im 6. Kapitel des Johannesevangeliums. Jesus sagt zu seinen Jüngern: Mein Leib ist die lebensnotwendige Nahrung, und mein Blut ist der Leben spendende Trank. Wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
Ich lebe durch die Kraft des lebendigen Gottes, der mich gesandt hat. Ebenso wird jeder, der meinen Leib isst, durch mich leben. (So verhält es sich mit dem Brot, das vom Himmel zu euch gekommen ist! Euere Väter haben zwar auch in der Wüste ‘Brot vom Himmel gegessen’, aber sie sind trotzdem gestorben. Doch, wer dieses Brot isst, der wird für immer leben.
Dies alles sagte Jesus in der Synagoge von Kapernaum. Aber damit hatte er viele von denen verärgert, die ihm bisher gefolgt waren. „ Das ist ja unerhört!“ meinten sie. „Nein, das ist zu viel!“
Jesus sah ihre Entrüstung und fragte sie deshalb: „Nehmt ihr schon daran Anstoß? Was werdet ihr erst sagen, wenn ihr seht, wie der Menschensohn dahin zurückkehrt, woher er gekommen ist? Gottes Geist allein schafft Leben. Ihr selber könnt es nicht. Die Worte aber, die ich euch gesagt habe, sind aus Gottes Geist, deshalb bringen sie euch das Leben. Aber einige von euch glauben mir trotzdem nicht.“
Jesus wusste nämlich von Anfang an, wer nicht an ihn glaubte, er kannte auch den, der ihn später verraten würde. „Deshalb“, so erklärte er weiter, „habe ich euch gesagt: keiner kann zu mir kommen, wenn ihn nicht der Vater zu mir führt. (Nach dieser Rede wandten sich viele von Jesus ab und gingen nicht mehr mit ihm.)
Da fragte Jesus die zwölf: „Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.
Eine Geschichte, die sich seit damals immer wiederholt. Menschen hören von Jesus. Solange sie sich nur oberflächlich mit ihm beschäftigen, finden sie ihn ganz gut. Ein interessanter Mann. Er hat originelle Thesen und durchaus bedenkenswerte Ansätze. Er ist glaubwürdig, steht hinter dem, was er sagt und ist authentisch. So dachten viele auch damals. Zunächst. Aber das Leben ging weiter und Arbeit und Familie forderten einen und für Feste und Fröhlichkeit blieb nicht viel Zeit. – Auch nicht für Jesus. Ihre Begeisterung ist geteilt.
Trotzdem kamen viele wieder, wenn Jesus in der Nähe war. Man konnte ihm gut zuhören und nahm ihm ab, was er sagte. Nur, manches war einfach zu krass, zu extrem: „Mein Leib ist die lebensnotwendige Nahrung, und mein Blut ist der Leben spendende Trank. Wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“
Wie soll man das verstehen? Wie ist das gemeint? Was ist lebensnotwendig? Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf, Familie, Anerkennung, Erfolg? Man könnte eine ganze Menge aufzählen. Junge Leute sagen heute: Spaß muss das Leben machen. Und dass Geld wichtig ist, da ist man sich quer durch die Generationen einig.
Als Jesus anfing von seinem Leib und seinem Blut zu reden, die lebensnotwendig seien, da war das für viele zu viel. Das ist zu extrem, sagten sie, zu einseitig. Und sie distanzierten sich. Sie gingen weg. Viele gingen weg, so bezeugt es hier der Evangelist Johannes.
Als ich bei der Vorbereitung auf diesen Festgottesdienst diesen, für heute vorgesehenen Predigttext gelesen habe, dachte ich zuerst daran auf einen anderen Text auszuweichen. Dieser Text für ein Konfirmationsjubiläum? Das geht nicht.
Es ist doch ein schöner und fröhlicher Anlass, wenn man sich nach 25 oder 50 Jahren an so einem Ort wieder trifft und Erinnerungen austauscht. Wenn man sich erzählt, wie einen das Leben geführt hat und was aus den Gedanken und Vorstellungen von damals geworden ist. Wär’ da nicht ein leichteres, unverfängliches Bibelwort besser?
Aber mich haben dann diese, zum Teil recht ernsten Sätze von Jesus nicht mehr losgelassen und mir ging durch den Kopf, dass das, was hier steht, doch eigentlich genau das Thema der Konfirmation ist. Man wird oder wurde mit Jesus konfrontiert, mit seinen Worten und Taten und mit seinem Anspruch, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben sei. Am Anfang ganz interessant, aber wenn man sich dann näher damit befasst hat, auch schon ganz schön fordernd.
Dieser Jesus gibt sich nicht mit Kompromissen zufrieden. Er ist zwar sehr leidensfähig, aber was seine eigenen Worte und seine Person betrifft, auch ziemlich kompromisslos und intolerant. Er hält sich für den einzigen Weg, der zu Gott führt. Und für das wichtigste Lebensmittel. Er erwartet, dass sich Menschen ganz für ihn entscheiden total auf seine Seite stellen und dass sie nicht noch nebenbei anderen Herren dienen.
Jesus behauptet sogar, dass man nicht gleichzeitig ganz von Gott erfüllt sein kann und gleichzeitig an Geld und Besitz hängen kann. Man kann immer nur eine Priorität setzen, ein oberstes Ziel haben. Wenn sich ein Weg gabelt, kann man nicht beide Wege gehen, man muss sich für einen entscheiden.
Die Konfirmandenzeit hatte die Aufgabe und das Anliegen den Weg zu zeigen, den Jesus führen will. Den Weg mit Gott und mit anderen Christen in der Gemeinde. Es ist ein Weg, der sich nicht an der Masse oder an der Mode ausrichtet, sondern ein Weg, der sich an den Vorgaben Gottes orientiert und auf dem man sich führen lässt von Jesus und seinen Grundsätzen. Ein Weg auf dem man sein eigenes Handeln auch immer wieder kritisch hinterfragt und durchaus bereit ist auch mal Fehler zuzugeben und umzukehren.
Die Konfirmation war dann die persönliche und konkrete Frage an uns: Willst du bei diesem Jesus und seiner Wahrheit bleiben, willst Du, dass dein Glaube wächst und willst du bei denen bleiben, die das auch wollen? – „Ja, mit Gottes Hilfe!“ war die Antwort. Und aus diesem Ja und seinem Zusatz geht schon hervor, dass das gar nicht so einfach ist. Allein eigentlich gar nicht zu schaffen. Darum kann es nur mit Gottes Hilfe gehen. Eine steile Forderung.
„Von da an wandten sich viele ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.“ Klingt ja fast wie für eine Konfirmation geschrieben. Ist es da nicht auch so? Bei der Konfirmation ein feierliches Ja und dann wandten sich viele ab und gingen nicht mehr mit ihm. Die Gedanken und Überlegungen nicht viel anders als damals: Man muss es ja nicht übertreiben. Jetzt will ich erst mal leben. – Es gibt doch auch noch andere Wege. Und wie die Gründe für den allmählichen oder abrupten Abschied sonst noch lauten.
Man kann sich das gut vorstellen, wie so einer nach dem anderen weggegangen ist. Schließlich steht noch ein eher bescheidenes Häuflein da und Jesus sieht sie an. Sein Blick wandert von einem zu Anderen. – „Und ihr?“ fragt er. „Was ist mit euch? Wollt ihr auch weggehen“ – Zuerst Schweigen. Keiner sagt was. Überlegen sie noch? Sind sie noch unentschlossen? Es scheint eine endlose Stille zu sein. Bis es einer nicht mehr aushält. Petrus. Er war ja immer der erste, der die Sprache wieder fand. Du er trägt ja seinen Namen ‚Petrus’, ‚Fels’ auch nicht umsonst. Manchmal hat er die Sache tatsächlich auf den Punkt gebracht. Wie hier:
Jesus, deine Frage ist ernst gemeint. Aber es gibt doch eigentlich keine echte Alternative. Es gibt zwei gute Gründe nicht von Dir wegzugehen. 1. hast Du Ewiges Leben zu vergeben und 2. ist uns doch klar geworden, dass Du wirklich von Gott bist. Da wäre es doch verrückt und dumm woanders hinzugehen. Anderswo nach Heil und Leben zu suchen.
Schauen wir uns die beiden Gründe, die Petrus dazu bewegen, bei Jesus zu bleiben, noch ein wenig genauer an und fragen wir uns ob sie auch für uns gelten:
1. Du hast Ewiges Leben zu vergeben.
Wir haben ja heute hier, recht anschaulich, verschiedene Lebensabschnitte vertreten. Da sind unsere Grünen Konfirmanden. – Schön, dass Ihr unserer Einladung gefolgt seid. – Sie sind an der Schwelle zum Erwachsenwerden, voller Ideen, Vorstellungen Wünsche, Erwartungen an das Leben. Die Zukunft liegt noch als unentdecktes Land vor ihnen.
Dann die Silbernen Konfirmanden, die mitten im Leben stehen, nicht ganz 40 Jahre alt, voll gefordert im Beruf und in der Familie, in manchen Punkten schon ernüchtert, aber immer noch mit Wünschen und Erwartungen. Sie schauen die Jungen an und erinnern sich an Ihre Zeit vor 25 Jahren, damals um die Konfirmation. Vielleicht an manche Streich, die sie ihrem Pfarrern Schneider gespielt haben Und sie schauen die Goldenen Konfirmanden an und denken vielleicht: Das ist noch weit weg. 25 Jahre, das ist eine lange Zeit, bis wir Goldene sind.
Aber die Goldenen sehen das ganz anders und finden, dass das die Jahre und Jahrzehnte doch unheimlich schnell vergangen sind und dass das doch noch alles ist, als ob es gestern war. Auch Sie erinnern sich noch gut an die damals nagelneue Kreuzkirche, an den Bau und die Einweihung und an Pfr. Jäger und den Unterricht im Kindergarten… –
Mit 64, sind viele von Ihnen am Übergang vom aktiven Berufsleben zum Ruhestand. Vielleicht fragen Sie sich manchmal etwas bange: Was kommt denn jetzt noch? Wie viel Zeit bleibt uns wohl noch? Zurückblickend muss man ja oft fest, dass nicht alles so geworden ist, wie man es sich gewünscht hätte. Manches besser, manches schlechter. Beruflich, gesundheitlich, familiär. Wer’s nicht verdrängt, sieht schon, dass die verbleibende Zeit knapper wird. Sind da nicht Worte Ewigen Lebens wichtige Worte? Ihre Gedanken gehen heute sicher auch zu den acht mit ihnen Konfirmierten, die diesen Tag heute nicht mehr erleben können. Wenn sie Jesus und die Worte ewigen Lebens ernst genommen haben, sehen sie jetzt schon, was sie geglaubt haben.
Die Aussicht für ein Leben ohne Jesus lautet: Vielleicht noch ein paar schöne Jahre, aber irgendwann werden auch bei gesunder Lebensweise die Knochen nachgeben, die grauen Zellen ihren Dienst nicht mehr so gut verrichten und die Kräfte rapide ab nehmen. Und dann war’s das. Man darf gar nicht dran denken, sagen manche.
Dem stehen Worte Ewigen Lebens gegenüber: Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und ein bewusstes vom Ende her denken, wie im Psalm 90 einer sogar betet: Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, dass wir klug werden.
Wir leben ja in einer Zeit, in der man alles plant. Bildung und Ausbildung, die Karriere, die Familie, den Ruhestand. Man sichert alles Mögliche ab, aber viele sorgen nicht für die Zukunft nach dem Leben vor. Das ist nicht klug. Wer verdrängt, dass sein Leben endlich ist, vergisst leicht Gott in seine Pläne einzubeziehen. Die Menschen sind ja so vergesslich. 1986 hat uns die Atomkatastrophe von Tschernobyl erschreckt. Man hat gemerkt, dass wir diese Technik nicht beherrschen können. 25 Jahre später werden wir wieder erinnert und gewarnt. Fukushima. Ob wir diesmal die Lektion verstehen.
Gott liegt viel an uns. Ihm ist jede und jeder Einzelne wichtig. Auch die, die heute kein Jubiläum feiern. Er hat seinen Retter geschickt. Jesus. Den der für uns ans Kreuz gegangen ist, der für uns Schuld bezahlt und Vergebung möglich gemacht hat. Den, der Ewiges Leben schenkt und der durch zeitliches Leben begleitet und führt.
2. Petrus kann sagen: Wir haben begriffen, wer du bist. Du bist wirklich von Gott. Jeder, der behauptet, dass es egal ist, an wen man glaubt und welche Religion man hat, wenn man nur überhaupt was glaubt, der ist noch nicht so weit wie Petrus damals. Aber wenn er sucht und sich mit Jesus befasst und ihn vergleicht mit den anderen Göttern, die in den Religionen verehrt werden, wird erkennen, dass er der einzige ist, der den Tod besiegt, der für die Sünden der Menschen bezahlt und der Ewiges Leben schenkt.
Ich hab schon manchmal erlebt, bei Konfirmationsjubiläen, dass da Frauen und Männer waren, die das noch nicht begriffen hatten, wer Jesus ist und was das Abendmahl bedeutet, wenn Jesus sagt: Mein Leib ist die lebensnotwendige Nahrung, und mein Blut ist der Leben spendende Trank. Wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Ich hab es daran gemerkt, wie Einzelne mit dummen Sprüchen und geringschätzigen Bemerkungen zum Tisch des Herrn gegangen sind. Das war für mich immer sehr erschreckend. Das hat mich sehr betroffen gemacht.
Das angebotene Heil nicht ergriffen. Das Ewige Leben ausgeschlagen. Nicht erkannt, wer Jesus ist. Dass er der Heilige, heilbringende Retter Gottes ist. Ich hoffe und bete, dass heute niemand die Gelegenheit verpasst, neu Gottes Gnade und Liebe zu ergreifen. Und dass für uns alle dieser Gottesdienst ein neuer Anfang ist im Glauben und in unserer Beziehung zu Jesus. Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/4116