Jahreslosung 2018

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Neujahrsandacht 01.01.2018 JL Offb 21, 6

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen!

Die Jahreslosung 2018 ist ein Vers aus dem vorletzten Kapitel der Bibel. Offenbarung 21,6: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Der Liedermacher Christoph Zehendner erinnert sich beim Nachdenken über diesen Vers an ein Erlebnis, das er bei Radfahren auf Korsika hatte. Er schreibt (Christoph Morgner Hrsg., Lesebuch zur Jahreslosung 2018, S. 148f): Irgendwie ging es am Morgen zu schnell. Nur zwei Brote und eine kleine Wasserflasche habe ich in den Rucksack geworfen. Dann schnell los, nicht die anderen warten lassen. –

Schon als sie erst ein Drittel der geplanten Route hinter sich hatten, sind seine Vorräte fast aufgebraucht. Kurz vor Mittag brennt die Sonne heißer und heißer – „…dann beginnt die Strecke zu steigen.“ Zehendner merkt, dass seine Kräfte nachlassen. Es dauert nicht lange und die anderen sind ihm weit voraus. Er keucht müde und kraftlos hinterher, weil er nicht genug gegessen und vor allem zu wenig getrunken hat. Die Sonne steht im Zenit und brennt unbarmherzig herunter. Er will nicht schlapp machen, aber es fehlt einfach die Kraft.

Er biegt um eine Kurve und sieht auf der anderen Straßenseite im Schatten eines Baumes einen Radler stehen. Es ist sein Freund Wolfram, der auf ihn gewartet hat. Als er neben ihm anhält, wird ihm schwarz vor Augen, aber der Freund fängt ihn auf und gibt ihm sofort zu Trinken. Er teilt seinen Wasservorrat und auch seine Essensreserven mit Christoph. Eine halbe Stunde später hat er sich soweit erholt, dass sie weiterfahren können. Dank der Hilfe seines Freundes schafft er es bis zur Passhöhe. Der restliche Teil der Strecke führt bergab und sie kommen heil wieder im Quartier an.

Zehendner schließt: „Im Nachhinein kann ich sagen: Auf dieser Fahrradtour habe ich eine Menge fürs Leben gelernt. Mein Freund Wolfram war wie ein Engel für mich. Er hat meinen Durst, meine Schwäche, meine Gefährdung erkannt, noch bevor ich selbst sie wahrgenommen hatte. Er hat mir gegeben, was ich dringend brauchte: Wasser. Wäre ich nicht so stolz und so dumm gewesen, hätte ich ihn und die anderen schon Stunden vorher um etwas Wasser bitten können. – Dann wäre ich überhaupt nie in Schwierigkeiten geraten. Die anderen hätten mir sicher gerne geholfen. Lauter kleine, aber ganz wichtige Erkenntnisse, Lehrstunden für meinen Lebensweg, aus denen ich lernen möchte. Ich will mich daran erinnern: Das Wichtigste gibt es oft vollkommen umsonst. Ich muss es mir nur schenken lassen.

Umsonst habe ich bekommen, was ich so dringend brauchte: Wasser. Umsonst“ – daran erinnert die Jahreslosung – „will auch Gott geben. Er will dem „Wasser“ geben, der voller Durst nach dem erfrischenden und echten Leben ist. Will uns beschenken mit dem, was wir für unseren Lebensweg brauchen.“

Das ist eine beinahe provozierende Aussage für alle, die meinen, sie müssten sich Liebe und Zuneigung Gottes mit irgendwelchen Leistungen, Verhaltensweisen oder Spenden „verdienen“.

Gott sagt: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Wasser, H²O, ist der wichtigste Stoff dieser Welt, ohne den es kein Leben gäbe. Gott hat mit dem Wasser einen Kreislauf geschaffen, der alles am Leben erhält, Pflanzen, Tiere, Menschen. Wasser ist ein genialer Stoff. Es kann Nährstoffe transportieren, Schadstoffe verdünnen und ausschwemmen. Es kann reinigen und Verkrustetes aufweichen. Es kann tragen und Lasten befördern. Es ist voller Kleinstlebewesen, die für den Kreislauf der Natur unverzichtbar sind, enthält Mineralien, die für unsere Gesundheit enorm wichtig sind.

Das gilt schon für den chemischen Grundbaustoff des Lebens auf der Erde. Nun wird in der Bibel diese Bedeutsamkeit des Wassers sehr oft hergenommen, um auf einen geistlichen Grundstoff hinzuweisen, ohne den unsere Seele stirbt. Er wird „lebendiges Wasser“ genannt. Damit ist eine Nahrung für die Seele gemeint, ohne die wir immerzu, unser ganzes Leben lang, durstig bleiben. Ohne dieses Wasser des Lebens haben wir immer, unser Leben lang, einen Mangel, ein Defizit, eine Sehnsucht, sind am Suchen, müssen alles ausprobieren, immer mit dem Bedürfnis: Ich muss finden und haben, was meiner Seele Ruhe schenkt und Erfüllung.

„Lebendiges Wasser“ kann nur aus Gott kommen und ich kann es nur bei ihm und durch Jesus bekommen. Jesus sagt zu der Frau aus Samarien, die er vor einer Stadt am Brunnen trifft (Joh 4, 10f): „Wenn du erkennen würdest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken! Du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser.“ „…wer von dem Wasser trinken wird, das ich gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“

Gott hat einst den Menschen als ein Gegenüber zu sich geschaffen. Er wollte ein Wesen auf dieser Erde, das mit ihm Verbindung aufnehmen kann, das fragt: Woher komme ich? Wem verdanke ich mein Leben? Wie kann ich es gut und sinnvoll gestalten? Wohin gehe ich? Wo ist mein Ziel, meine Heimat? Der Prediger Salomo sagt einmal, als er so über die Zeit und das menschliche Leben nachdenkt (Pred 3, 11): „Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit. Aber Gott hat auch die Ewigkeit in das Herz des Menschen hineingelegt.“ Das Wissen um die Ewigkeit und die Sehnsucht nach Ewigkeit stecken in uns. Die Sehnsucht, dass alles Vergehen und Sterben, alles Altwerden und Aufhören einmal vorbei ist.

Diese Sehnsucht sollte die Triebkraft sein, das wir nicht aufhören Gott zu suchen. Weil unser Leben nur mit ihm ewig werden kann. Man kann alles Glück und alle Freuden dieser Erde erleben und genießen, es stillt diese Sehnsucht nicht und wer Gott nicht sucht und nicht findet, in dem bleibt diese Leere. Der stirbt nach einem nicht erfüllten Leben, auch wenn er reich war und viel gesehen und erlebt hat. Nur wer durch Jesus die Quelle des lebendigen Wasser gefunden hat und wer aus dieser Quelle täglich trinkt, erlebt die Stillung dieser Sehnsucht, die Gott in unser Herz gelegt hat.

Gott bietet auf vielerlei Weise sein „lebendiges Wasser“ an. Im Psalm 36: „Bei dir ist die Quelle des Lebens.“ Und wenn David im 23. Psalm sagt: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser“, dann meint er genau das.

Wort Gottes ist das Leitungssystem aus dem Wasser des Lebens fließt. Worte der Vergebung, Worte des Trostes, Worte der Hoffnung. Worte, die vor falschen Wegen warnen, die zur Umkehr rufen, sind Worte des Lebens, die das Ziel haben uns mit Gott in Verbindung zu halten. Gott lässt nichts unversucht, um uns auf seinem Weg zu halten. Er kommt sogar selbst zu uns. „… in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut.“ „…er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein.“ (EG 23, 2+3)

Aber, so stellt Johannes am Anfang seines Evangeliums (1, 11) fest: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Das ist zwar unbegreiflich und unfassbar, aber wir erleben es um uns herum jeden Tag. Da wollen viele nichts wissen von Gott und dem Glauben und schon gar nicht von Jesus und der Kirche: „Lass mich doch in Ruhe …“

Wie oft habe ich Gespräche mit frustrierten, bitter gewordenen Menschen, die den Großteil ihres Lebens gelebt haben, Sie beklagen sich darüber, dass sie nicht mehr können und sind von vielem enttäuscht, aber sie greifen nicht zu, wenn man ihnen lebendiges Wasser anbietet. Sie sitzen davor und erkennen es nicht. Sie hören es plätschern und trinken nicht

Eine alte Parabel erzählt: Ein Mensch verirrt sich in einer Wüste. Tage- und nächtelang irrt er umher. Wie lange braucht man, um zu verhungern und zu verdursten? Das überlegt er beständig. Er weiß, dass man länger ohne Nahrung leben kann als ohne etwas zu trinken.

Die unbarmherzige Sonnenglut hat ihn ausgedörrt. Er fiebert. Wenn er erschöpft ein paar Stunden schläft, träumt er von Wasser, Orangen und Datteln. Dann erwacht er zu schlimmerer Qual und taumelt weiter.

Da sieht er in einiger Entfernung eine Oase. Aha, eine Fata Morgana, denkt er, eine Luftspiegelung, die mich narrt und zur Verzweiflung treiben will. Denn in Wirklichkeit ist gar nichts da.

Er nähert sich der Oase, aber sie verschwindet nicht. Im Gegenteil, sie wird immer deutlicher. Er sieht Dattelpalmen, das Gras und die Felsen, zwischen denen eine Quelle entspringt.

Es kann natürlich auch eine Hungerphantasie sein, die mir mein halbwahnsinniges Hirn vorgaukelt, denkt er. Solche Phantasien hat man ja in meinem Zustand. Natürlich – und jetzt höre ich sogar das Wasser sprudeln. Eine Gehörhalluzination. Wie grausam die Natur sein kann! Mit diesem Gedanken bricht er zusammen. Er stirbt mit einem lautlosen Fluch über die unerbittliche Bosheit des Lebens.

Eine Stunde später finden ihn zwei Beduinen. „Kannst du das verstehen?“, sagt der Eine zum Anderen. „Die Datteln wachsen ihm ja beinahe in den Mund! Er hätte nur die Hand ausstrecken müssen. Und dicht neben der Quelle liegt er, mitten in der schönsten Oase – verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?“

„Er war ein moderner Mensch“, antwortete der andere Beduine. „Er hat nicht daran geglaubt.“ (A.a.O. S.139f)

Solche sogenannte „moderne Menschen“ gibt es viele. Sie stellen ihren Verstand und ihre Vernunft, ihr Wissen und ihr Denken über Gott, sein Wort und seine Wahrheit. Sie bleiben vor der Quelle stehen, sie brechen zusammen, aber sie greifen nicht nach dem lebendigen Wasser, das ihnen angeboten wird – und sie versäumen dadurch das Ewige Leben.

Dabei ist es so einfach, zuzugreifen. In einem Lied, das wir schon manchmal gesungen haben heißt es (EG 545,3): „Nimm Gottes Liebe an, du brauchst dich nicht allein zu mühn.“ Als Durstiger zu trinken, ist doch keinen Anstrengung. Es ist eine Wohltat. Das Leben spendende Element wird aufgesogen und weitergereicht in die letzte Faser unseres Körpers und es dauert nicht lang und man spürt wieder Lebenskraft.

So ist das auch, wenn wir Verheißungen und Gottesworte im Glauben für uns annehmen: „Unsere Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ – Wenn ich nur diesen Satz wirklich glaube, weiß ich, dass dem Allmächtigen nichts unmöglich ist. Er kann mir in meiner Lage, er kann dir in deiner Lage helfen. Da besteht gar kein Zweifel. Und das auch noch umsonst. Wir müssen und können dafür nichts bezahlen. Es wird keine Gegenleistung gefordert.

Das „Fürchte dich nicht…“ und das „Friede sei mit dir!“ und das „Dir sind deine Sünden vergeben!“ werden uns kostenlos zugesprochen und zugeeignet. Und es wird uns auch nicht gleich wieder weggenommen, wenn wir uns unwürdig erweisen.

Es ist wie bei einer echten Quelle: Sie fließt. Imerzu, Tag und Nacht, zu jeder Stunde und wir dürfen ihr Wasser schöpfen und in uns aufnehmen. David: du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. Voll! Das lebendige Wasser ist nicht rationiert. Es ist im Überfluss für uns da. Wort Gottes, Lebenskraft für uns. Mehr als wir brauchen! Das gilt für jeden Tag, ja für jede Stunde des Jahres, das vor uns liegt.

Lassen wir uns täglich lebendiges Wasser geben, dann dürfen wir ganz gewiss sein: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar. Denn Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Pfarrer, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168