Im Training bei Jesus

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Gottesdienst am 13.10.2024, Kreuzkirche Bayreuth: Predigt: 2. Kor. 3, 3-9

Liebe Gemeinde,

sicher haben Sie sich auch schon mal über jemanden so geärgert, dass sie ihm am liebsten in einem scharfen Brief ihre Meinung gesagt hätten. Paulus hatte auch Grund, auf die Leute in Korinth ärgerlich zu sein, weil sie ihm manches Falsche unterstellten. Paulus schreibt zwar in aller Deutlichkeit. Aber man spürt den Sätzen trotzdem ab, dass er die Korinther immer noch liebt, dass er um sie kämpft, weil er sie ins Herz geschlossen hat. Deshalb hören wir in unserem heutigen Predigttext nicht eine deftige Schelte, sondern eine warmherzige Erinnerung an das, was Gott an den Christen in Korinth getan hat. Paulus liebt diese störrischen und eigensinnigen Brüder und Schwestern, weil Gott ihnen eine ganz neue Chance gegeben hatte und sie deshalb trotz allem von Gott neu gemachte Menschen sind. Um diese neue Chance soll es heute in der Predigt gehen, der Konflikt muss in den Hintergrund treten. Er ist nur der Anlass für diese Zeilen des Paulus, nicht der Hauptinhalt.

Wir hören auf den Predigttext aus 2. Kor. 3, 3-9, gelesen aus der Basisbibel:

Es
ist offensichtlich:
Ihr
seid ein Empfehlungsschreiben, das von Christus kommt.
Zustande
gekommen ist es durch unseren Dienst.
Es
wurde nicht mit Tinte geschrieben,
sondern
mit dem Geist des lebendigen Gottes.
Es
steht auch nicht auf Steintafeln,
sondern
in den Herzen der Menschen.

4
Diese
Zuversicht haben wir durch Christus.
Sie
gilt auch gegenüber Gott.

5
Von uns aus sind wir dazu gar nicht fähig.
Wir
können uns nicht etwas zuschreiben,
als
hätten wir es aus eigener Kraft erreicht.
Sondern
es ist Gott, der uns dazu befähigt hat.

6
Er
hat uns die Fähigkeit verliehen,
Diener
des neuen Bundes zu sein.
Und
die Grundlage dieses Bundes sind nicht Buchstaben, sondern der
Heilige Geist.
Denn
der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.

Trotz neuer Übersetzung war es vielleicht doch beim Zuhören nicht ganz einfach zu folgen. Aufgrund unserer jungen Leute hier und um es leichter verständlich zu machen, will ich versuchen, diesen Text durch ein alltägliches Thema zum Sprechen kommen zu lassen: durch das Thema Sport, wobei das für manche vielleicht auch nicht so alltäglich ist. Wie auch immer:

Im Leistungssport gibt es das häufig, dass Sportler auf eine neue Chance hoffen. Durch Verletzungs-pausen, durch falsche Trainingsmethoden, durch eine Schwangerschaft, durch einen Trainer-wechsel oder auch durch eine Dopingsperre kann es vorkommen, dass ein Spitzensportler in seiner Leistung in die Mittelmäßigkeit absinkt. Doch wenn der Sportler ehrgeizig ist, dann arbeitet er nach solchen Leistungstiefs mit aller Energie an einem Comeback, er versucht, an die Weltspitze zurückzukehren.

Religiös gesehen befand sich Israel einmal als Gottes auserwähltes Volk an der absoluten Weltspitze. Es konnte auf eine lange religiöse Tradition zurückblicken. Die Stammväter Abraham, Isaak und Jakob waren große Männer des Glaubens gewesen. Mit Mose als Frontmann erlebte Israel ungewöhnliche Wunder und außergewöhnliche Führungen. Nach einem Fehlstart am Berg Sinai, als sich das Volk von Gott abwandte und ein Götzenbild anfertigte, gab Gott noch einmal eine zweite Chance. Im Lauf der Geschichte ging es immer wieder durch Höhen und Tiefen, aber insgesamt ging es deutlich bergab. Als Jesus in die Welt kam, befand sich Israel auf dem absoluten religiösen Tiefpunkt: die führenden Köpfe waren untereinander zerstritten, das Volk war weithin dem Aberglauben verfallen.

Jesus kam, um Israel eine ganz neue Chance zu geben. Und Jesus gab nicht nur Israel eine neue Chance, Jesus gab der ganzen Welt eine neue Chance. Durch Jesus bekam die Menschheit die Chance eines Comebacks unter ganz neuen Rahmenbedingungen. Ein Comeback, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Die drei Rahmenbedingungen für dieses großartige Comeback stellt Paulus in unserem Predigttext vor Augen:

1. Ein neuer Trainer.

Bisher hatten weder Israel noch die anderen Völker einen Trainer. Sie trainierten sich alle selbst. Die Juden hielten sich mit ihrem Trainingsplan an die zehn Gebote und an die vielen im Laufe der Zeit hinzugekommenen Gesetze, insgesamt 613 an der Zahl. Dieser Trainingsplan war ein ziemlich dickes Buch geworden. Das Training machte wenig Freude, denn die vielen Gesetze, die es zu beachten galt, schränkten die Lebensfreude empfindlich ein. Deshalb versuchten es viele erst gar nicht, sich daran zu halten. Ganz anders klingt das, was Paulus zu den Korinthern sagt:  5 Von uns aus sind wir dazu gar nicht fähig. Wir können uns nicht etwas zuschreiben, als hätten wir es aus eigener Kraft erreicht. Sondern es ist Gott, der uns dazu befähigt hat. 6 Er hat uns die Fähigkeit verliehen, Diener des neuen Bundes zu sein.

Wir brauchen uns nicht selbst zu trainieren, uns selbst anzustrengen, Gottes Willen zu erfüllen. Jesus Christus will unser Trainer sein. Der, der den Trainingsplan für unser Leben aufgestellt hat, will selbst unser Trainer sein, uns befähigen, seinen Willen zu erfüllen. Wir dürfen dem Trainer Jesus nachfolgen, ähnlich wie ein Spieler seinem Trainer nachfolgt. Du wirst dann von ihm geprägt er hat Einfluss auf dein Leben und du wirst ein immer besserer Spieler, der die Ideen seines Trainers umsetzt. Dabei gilt aber immer grundlegend, was Paulus schreibt:

Wir können uns nicht etwas zuschreiben, als hätten wir es aus eigener Kraft erreicht.

Dieser Satz des Paulus bedeutet das Ende jeder menschlichen Religiosität. Jede Art von Religion auf der Welt zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass Menschen versuchen, den Willen der Gottheit zu erfüllen oder im Einklang mit der religiösen Idee zu leben. Der christliche Glaube ist strenggenommen keine Religion. Denn hier gibt es einen entscheidenden Unterschied zu allen Religionen: Nicht wir tun etwas für Gott, sondern Gott tut etwas an uns. Darin liegt der entscheidende Unterschied zu jeder anderen Religion. Jesus Christus ist für uns auf die Welt gekommen. Er ist für uns am Kreuz gestorben. Und er hat den Tod besiegt und lebt. Das ist Ostern. Das ist das größte und wichtigste Comeback.

Die zweite Rahmenbedingung für das Comeback beschreibt, was Jesus Christus konkret an uns tut:

2. Er schenkt uns ein neues Herz.

Paulus schreibt an die Korinther:  Es ist offensichtlich: Ihr seid ein Empfehlungsschreiben, das von Christus kommt. Zustande gekommen ist es durch unseren Dienst. Es wurde nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes. Es steht auch nicht auf Steintafeln, sondern in den Herzen der Menschen.

Mit diesem Bild von den steinernen und fleischernen Tafeln erinnert Paulus an die Verheißung im Hesekielbuch: »Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.«

Komplizierte Verse. Nochmal zurück zu unserem Bild vom Trainer. Jeder menschliche Trainer wird immer wieder an die Leistungsgrenzen seines Schützlings stoßen. Ein Trainer kann immer nur mit dem arbeiten, was vorhanden ist. Das Training zielt auf gezielten Muskelaufbau, auf erhöhte Ausdauer, auf mentale Stärke. Der Trainer kann dem Sportler aber kein neues Herz verpassen, keine andere Statur, keine stärkere psychische Grundkonstitution. Jesus kann mehr. Er vollbringt das Unmögliche: Menschen, die sich von ihm trainieren lassen, bekommen ein neues Herz. Das steinerne Herz, an dem Gottes Liebe abprallt und das nicht in der Lage ist, Gottes Willen zu erkennen und zu tun, wird durch ein fleischernes Herz ersetzt. Ein Herz, das aufnahmebereit ist für Gottes Liebe, das fähig wird, seinen Willen zu tun. So verändert Jesus. Zu Jesus können wir kommen wie wir sind. Aber wir brauchen nicht bleiben, wie wir sind. Er verändert uns. Jesus schenkt uns nach und nach ein neues Wesen, das ihm ähnlich wird. Vielleicht nicht in den eigenen Augen, aber andere nehmen es war. Keiner von uns ist festgelegt auf seine Vergangenheit oder auf seine Gene. Natürlich ist manches vererbt. Natürlich prägt unsere Geschichte. Aber wir sind dem nicht wehrlos ausgeliefert. Jesus verändert uns.

Ihr seid ein Empfehlungsschreiben, das von Christus kommt. Das heißt: an euch kann die Welt ablesen, dass Jesus Christus Herzen verändern kann. Für Paulus ist das kein schöngeistiger Gedanke, keine religiöse Schwärmerei, sondern handfeste Realität. Aus Herumtreibern, aus Säufern und Prostituierten waren in Korinth ganz neue Menschen geworden, zwar nicht fehlerfrei, aber doch mit neuen Herzen.

Ich will euch von Wilhelm Buntz erzählen. Den hatten wir vor zwei Jahren hier in der Kreuzkirche eingeladen. Der 1954 in Ulm geborene Wilhelm Buntz wurde schon als Neugeborenes abgelehnt und als Kind von seiner Mutter im Feld ausgesetzt. Mit den Eltern hatte er schon früh Probleme. Zuhause war er ungewollt, und so wurde er vom Vater ins Heim abgeschoben mit der Diagnose „verhaltensgestört“. Buntz wurde von Heim zu Heim geschoben und sein Herz wurde immer abgehärteter. Buntz wollte nichts mehr fühlen, damit ihm keiner mehr weh tun kann. Er geriet immer mehr auf die schiefe Bahn und lebte jahrelang als Kleinkrimineller, der von den Behörden verfolgt wurde. Jugendarrest, Gerichtssaal, Bewährung – das war der gewohnte Lebensrhythmus von Wilhelm Buntz. Als Jugendlicher hat Wilhelm Buntz ein Auto gestohlen. Er verursachte einen Verkehrsunfall, in dem ein Mann verunglückte. Als Folge der Straftat bekam Wilhelm Buntz 14 Jahre Knast mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Der Schwerverbrecher wurde erst mit 32 Jahren wieder entlassen. Der Bibelraucher dreht sich eine Kippe nach der anderen Um sich die Zeit zu vertreiben, bat Wilhelm Buntz den Pfarrer im Gefängnis eines Tages um eine Bibel. Er verwendete sie, um seinen Tabak dort zu verstecken. Gleichzeitig fing er an, die Seiten einzeln herauszureißen und, bevor er sich damit Zigaretten drehte, sie komplett zu lesen. Wilhelm Buntz sagt, er hätte in 6-7 Jahren das ganze Alte Testament durchgeraucht. Auch das Neue Testament begann er zu rauchen. Die als Zigarettenpapier dienenden Bibelseiten waren ihm zunächst unverständlich, doch mit der Zeit merkte Wilhelm Buntz, dass ihn Gottes Wort berührte. Als Wilhelm Buntz schließlich bei der Bergpredigt Jesu im Neuen Testament ankommt, sprechen ihn vor allem zwei Sätze an: „Ihr seid das Salz der Erde“ und „Ihr seid das Licht der Welt“. An diesen Sätzen bemerkte er, dass sein Leben keine Frucht trägt, sondern Bitterkeit. Dem Bibelraucher wurde klar, dass er eine Entscheidung treffen müsste. Er könnte entweder im Gefängnis sterben, oder aber sein Leben ändern und Jesus sein Leben geben. Das Leben von Wilhelm Buntz veränderte sich tatsächlich – und auch die Insassen und Gefängnisleitung merkten davon, dass er allmählich ruhiger wurde. Der Verbrecher findet während seiner Gefängnisstrafe zum Glauben an Gott und wird aufgrund seines Verhaltensveränderung frühzeitig entlassen.

@SCM

„Wir müssen die Hölle plündern und den Himmel bevölkern“ – Wilhelm Buntz

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis entscheidet sich der nun gefühlsstarke Wilhelm Buntz dazu, sich für die Taten bei den Opfern und Familien zu entschuldigen. Wilhelm Buntz beginnt, von der Begegnung mit Gott zu berichten und erzählt, wie er sich dadurch verändert hat und sich Dinge zum Guten verwandelt haben. Seit Jahren predigt er in Gottesdiensten und bei Veranstaltungen. Eben auch hier in der Kreuzkirche. Ein beeindruckendes Lebenszeugnis, wie Jesus Menschen verändert. Nun noch zur dritten Rahmenbedingung für das Comeback:

3. Eine neue Lunge.

Wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt, bekommt er den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist die Lunge, das Atemorgan des Glaubens. Das griechische Wort »pneuma« kann man sowohl mit Geist als auch mit Atem übersetzen. Atem ist lebensnotwendig. Der Heilige Geist ist für das Christsein lebensnotwendig. Paulus sagt uns, warum der Heilige Geist lebensnotwendig ist: 6 Er hat uns die Fähigkeit verliehen, Diener des neuen Bundes zu sein. Und die Grundlage dieses Bundes sind nicht Buchstaben, sondern der Heilige Geist. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.

Paulus geht es hier um die Frage der Motivation: ob ich den Willen Gottes aus innerem Antrieb tue oder nur, weil er mir von außen aufgedrängt wird. Lerne ich den Willen Gottes nur in Form eines geschriebenen Regelwerks kennen, dann tötet mich dieses Gesetz. Denn so sehr ich mich auch bemühe, ich kann Gottes Willen nicht erfüllen und muss für meine Gesetzesübertretung sterben. Ganz anders, wenn ich vom Heiligen Geist von innen her motiviert werde, Gottes Willen zu tun. Dann wird mir das eher gelingen. Der Geist macht lebendig. Das heißt: der Geist gibt mir die Motivation und verleiht mir die Kraft, Gottes Willen zu tun. Gottes Willen zu tun wird mir zur Lebensnotwendigkeit – es ist keine lästige Pflichtübung mehr. Ich erkenne, dass Gottes Wille gut für mich ist und dass mein Leben nur so gelingen kann.

Nur ein Sportler mit Leib und Seele kann es zu sportlichen Höchstleistungen bringen. Er trainiert aus innerer Motivation, nicht weil es ihm irgendein Trainer befiehlt. Wer nur ab und zu auf dem Heimtrainer lustlos in die Pedale tritt, weil der Arzt es ihm dringend ans Herz gelegt hat, wird es dagegen nicht weit bringen. Zwei ganz gegensätzliche Sportler: ein Sportler mit Leib und Seele und ein Sportler wider Willen. So ähnlich können wir uns auch den Gegensatz von Geist und Buchstabe vorstellen. Auf die Motivation kommt es an.

Jesus Christus aber ist nicht nur ein Trainer, der neben uns steht und uns antreibt. Durch den Heiligen Geist wirkt er in uns und schenkt uns die nötige Motivation. Wenn Sportler ein Comeback planen, dann ist das in der Regel mit sehr viel Anstrengung verbunden. Sie müssen sehr hart gegen sich selbst sein, um ihre Ziele zu erreichen.

Vielleicht gibt es heute Menschen unter uns, die sich nach einem Comeback für ihr Leben sehnen. Vielleicht haben manche von uns den Eindruck, an einem Tiefpunkt angekommen zu sein. Vielleicht hast du den Eindruck, dass du nicht so lebst, wie Gott sich das vorgestellt hat. Dir fehlt Freude und innere Motivation.

Es gibt eine neue Chance für Dich. Das Comeback ist – im Gegensatz zum Sport – ganz einfach. Du brauchst nur im Gebet zu Jesus sagen, dass er von jetzt an dein Trainer sein soll. Er will dich längst in seiner Mannschaft haben. Du sollst nicht nur Zuschauer sein, es reicht auch nicht, ihn gut zu finden und Beifall zu klatschen. Nein, du bist eingeladen, in seiner Mannschaft zu spielen. Jesus macht dich fit dazu: Er schenkt Dir ein neues Herz und eine neue Lunge, den Heiligen Geist. Amen.

Bei Rückfragen und Anregungen: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168, E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de