Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt!

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Predigt am 30.07.2023, Kreuzkirche Bayreuth. Text: Mt. 5, 13-16

Liebe Gemeinde,

um Salz und Licht soll es heute gehen. (Salzstreuer und Kerzenleuchter zeigen). Betrachten wir zuerst das Salz. (Mit dem Salzstreuer einige Körner auf die Erde streuen von der Kanzel aus).

Nun, sie bleiben alle sitzen. Salz scheint sie nicht so zu interessieren. Wenn ich ihnen gesagt hätte, dass da Goldkörner drin wären, dann wären sie vermutlich nicht alle so still auf ihren Bänken sitzen geblieben. Oder zumindest wenn die Kirche aus ist, wären sie wohl nach vorne geschlichen und hätten vielleicht heimlich versucht, ein paar Goldkörnchen zu ergattern. Aber Salz? Damit locke ich Sie nicht aus Ihren Bänken hervor. Salz – nichts Besonderes, denken wir. Für unsere Zeit heute stimmt das auch. Salz ist billig geworden. Ich habe nachgeschaut: Beim Discounter kann man 500g Jodsalz für 50 Cent kaufen. Aber es gab Zeiten, da konnte man mit Salz richtig Geld verdienen. Da war Salz sehr wertvoll und auch knapp. Da war es noch sehr aufwendig, an Salz zu gelangen. Ortschaften mit einem Salzbergwerk waren wohlhabend. Man war reich, wenn man viel Salz hatte. Das war auch damals zur Zeit Jesu so.

Und ebenso ist es mit dem Licht (Kerze anzünden). Eine brennende Kerze. Nichts Besonderes, denken wir und angesichts der Sommerzeit haben wir ja auch recht. Aber wieder möchte ich daran erinnern: Es gab eine Zeit, in der Licht durchaus sehr kostbar und knapp war. Man mag das kaum mehr glauben, wo heute ein Knopfdruck genügt und unsere Wohnung oder auch diese Kirche erscheint hell erleuchtet. Wir machen die Nacht zum Tage durch unser elektrisches Licht in unseren Häusern und auch auf unseren Straßen. Aber das ist nicht immer so gewesen. Vielleicht haben sogar noch manche von Ihnen in Ihrer Kindheit die Abende bei Kerzenschein verbracht bzw. sind, weil Brennstoff knapp war. Dann ist man zumindest im Winterhalbjahr auch relativ früh ins Bett gegangen. Und auch heute steht es uns gut an, wenn wir Energie sparen und unsere Beleuchtungen begrenzen. Auch Licht kann also sehr wertvoll sein und auch das war schon damals zur Zeit Jesu so.

Mit diesem Hintergrundwissen, dass Salz und Licht wertvoll sind, hören wir jetzt auf den Predigttext für den heutigen Sonntag. Er steht im Matthäusevangelium, Kapitel 5, die Verse 13-16.

(13) Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
(14) Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
(15) Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
(16) So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Liebe Gemeinde,

ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.

Wer ist denn mit „Ihr“ gemeint? Wer kann das sein Salz der Erde, Licht der Welt? Sind es die wenigen Jünger, die Jesus damals begleitet haben? Sind es die Zuhörer Jesu, die nach Jesu Predigt und Taten wieder in die Dörfer gegangen sind und ihren Alltag mit den bei Jesus gemachten Erlebnissen „gewürzt“ haben? Oder sind es wir heute, die Gemeinde am Sonntagvormittag?

Es sind wohl vor allem diejenigen, von denen Jesus in der Bergpredigt wenige Sätze vorher spricht und die er selig preist. Also: Menschen, die geistlich arm sind, keine Helden. Menschen, die an der Ungerechtigkeit dieser Welt leiden und sich nicht einfach damit abfinden oder gar mitmachen. Es sind einfache, friedliebende Menschen. Menschen, die sich von Jesus ansprechen lassen und ihm nachfolgen.

Besonders auf die letzte Seligpreisung nimmt unser Predigtwort Bezug: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch.“ Auch wenn wir das heute kaum mehr so richtig deutlich erleben, dass wir verschmäht oder verlacht werden aufgrund unseres christlichen Glaubens, so geschieht das doch noch, aber eben eher im Verborgenen. Viele sind aber gleichgültig geworden und haben die Haltung: jeder soll nach seiner Facon selig werden. Und auch wir Christen lassen uns davon anstecken und werden gleichgültig gegenüber Nichtchristen. Leiden wir eigentlich noch darunter, dass die Botschaft von Gottes Zuwendung zu uns auf so wenig Interesse stößt? Leiden wir noch darunter, dass wir in unserer Umgebung manchmal so wenig Beachtung finden mit unserem Glauben? Es kann leicht passieren, dass wir es uns in unserer Christlichen Kuschelecke bequem machen. Dabei haben wir immer noch Einfluss. Dabei haben wir immer noch Freiraum, dass Evangelium zu verkünden, Salz der Erde, Licht der Welt zu sein. 3,4 % der Deutschen besuchen regelmäßig einen Gottesdienst. Das sind 2,7 Millionen Menschen. Eigentlich gar nicht so wenig, wenn man den Einzelnen wahrnimmt, aber wir empfinden es als verschwindend wenig. Wir stehen in der Gefahr, uns ins Abseits stellen zu lassen. Dabei sind das immer noch genauso viele Menschen, wie jedes Wochenende das Fußballstadion besuchen. Und über Fußball wird mehrere Seiten in der Zeitung berichtet, über Kirche und Gottesdienst ungleich weniger.

Es stimmt manches nicht in unserer Kirche und wir müssen uns und unsere Arbeit durchaus kritisch hinterfragen. Aber kleinreden und Kleinmachen müssen wir uns nicht. Jesus sagt etwas ganz Anderes: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Ihr seid das Licht der Welt.“ Mag sein, dass die Kirche noch manche Krise durchzustehen hat, vielleicht auch nicht auf Dauer in der derzeitigen Form weiterbestehen kann, der christliche Glaube wird daran keinen Schiffbruch erleiden. Mag sein, dass die Anzahl der in der Gemeinde aktiven Gemeindeglieder in den nächsten Jahren zurückgeht – und ich nehme das nicht auf die leichte Schulter, sondern leide darunter – so weiß ich doch: Ein paar Menschen, denen der Glaube an Gott wichtig ist, können Großes bewirken. So wir ein paar Körnchen Salz das Essen schmackhaft machen. Es braucht nicht viel Salz, um eine große Menge zu würzen. Es braucht nicht viel Licht, um einen ganzen Raum zu erhellen. Und so lerne ich von diesem Wort Jesu: Gott schaut nicht allein auf Zahlen. Er rechnet anders in seiner Gemeinde.

Und Gott sieht uns anders, als wir uns manchmal sehen. Wir sind in Gottes Augen wertgeachtet wie das lebensnotwendige Salz. 5g braucht unser Körper täglich, sonst könnten wir gar nicht existieren. Ohne Salz kein Leben. Und ohne Licht kein Leben. Wir sind in Gottes Augen so wertvoll wie das Licht, ohne das keine Farben und Formen zu sehen wären, ohne das keine einzige Pflanze und Lebewesen existieren könnte. Allen, die Jesu Worte hören oder lesen, spricht Jesus diese Sätze zu. Alle, die Jesus nachfolgen, sind ihm unendlich viel wert. Wie das Salz ein Grundstoff ist, der nicht wegzudenken ist aus dieser Welt, so sind auch wir Christen nicht wegzudenken aus dieser Welt. Wir sind sogar erst die richtige Würze für die Welt. Sie und ich. Jesus hat nie Übermenschen gesucht. Er sucht Dich und mich. Und er spricht uns das so zu. Das ist keine Einbildung, sondern die Wertschätzung durch Jesus Christus selbst. Für so wichtig, für so kostbar hält Jesus Christus also seine Gemeinde und jeden einzelnen von uns, dass wir Salz der Erde, Licht der Welt sind. Wir sind es als Menschen, die Christus nachfolgen.

Und so lerne ich von diesem Wort Jesu: Wir sind in Gottes Augen unendlich wertvoll.

Dabei ist es noch wichtig, zu beachten, dass Jesus sagt: „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Nicht: „Ihr werdet sein“ oder: „Wenn ihr euch besonders bewährt im Glauben oder in der Kirche, dann werdet ihr Salz der Erde, Licht der Welt sein.“ Nein, ihr seid bereits das Salz der Erde und ihr seid bereits das Licht der Welt – weil Christus euch dazu gemacht hat. Er ernennt uns dazu. Und bei einer Ernennung ist es so: Wenn ich es höre und ich greife zu, dann habe ich es. Und dann bin ich es auch. Gottes Wort wirkt, was es sagt.

Salz der Erde, Licht der Welt, das ist eine große Auszeichnung, an der wir uns freuen dürfen. —

Diese unsere Freude sollten wir aber nicht für uns behalten. Sonst bringt sie nichts. Salz in einem Salzfass bringt auch niemandem etwas. Man muss es schon ausstreuen. Sonst bleibt alles fad und geschmacklos.

Licht unter einem undurchsichtigen Gefäß hat auch keinen hellen Schein und wird relativ schnell ersticken. (vorführen) Es strahlt aber hell, wenn man es auf einen Leuchter stellt.

Und so werden wir hier von Jesus angesprochen als Menschen, die etwas von ihrem Glauben weitergeben sollen. Wir werden angesprochen als Menschen, die ihre Würdigung Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, nicht für sich behalten, sondern für die Welt fruchtbar machen sollen. Allen widrigen Erfahrungen zum Trotz. Um die Ergebnisse brauchen wir uns nicht zu sorgen. Für die sorgt Gott. Wir aber sollen austeilen und uns nicht entmutigen lassen.

Wie kann das geschehen? Ich möchte ihnen nur ein paar Beispiele geben. Sie sollen zum Nachdenken anregen, wo Sie und ich selbst Salz der Erde und Licht der Welt sein können. Da bieten sich nämlich für jeden von uns unzählige Möglichkeiten.

Ich denke an Eltern, die mit ihren Kindern am Abend beten. Sie eröffnen damit Kindern schon in jungen Jahren einen Zugang zu einer lebendigen Gottesbeziehung. Sie sind Salz der Erde, Licht der Welt.

Ich denke an Großeltern, die ihren Enkelkindern Geschichten aus ihrem Leben erzählen und manchmal dabei Gott viel glaubwürdiger zur Sprache bringen können als Lehrer oder Pfarrer. Sie sind Salz der Erde, Licht der Welt.

Ich denke an Menschen in unserer Gemeinde, die im Gebet einstehen für ihre Familien, für unseren Ort und Gott sei Dank auch für unsere Kirchengemeinde. Sie sind Salz der Erde, Licht der Welt.

Ich denke an die zahlreichen Friedensgebete während des Ukrainekrieges: Diese Gebete und Veranstaltungen sind Salz der Erde, Licht der Welt in einer finster gewordenen, bedrohten Welt. Das nächste Friedensgebet hier in der Kreuzkirche ist übrigens am 13.10.

Ich denke aber auch an Menschen aus unserer Gemeinde, die mir selbst unverhofft zum Salz der Erde oder Licht der Welt wurden, obwohl sie es vielleicht gar nicht gemerkt haben. Wenn ich manchmal nach einem Besuch aus einem Haus gehe oder aus einer Schulstunde, oder aus dem Konfirmandenunterricht komme, oder ein Seelsorgegespräch hinter mir habe, so hat mich das mitunter in meinem Glaubensleben und meiner Lebenserfahrung weitergebracht Warum? Weil Gott selbst seine Leute als Licht und Salz einsetzt. Die Betreffenden merken es oft gar nicht und werden doch anderen zum Segen. Sie sind durchlässig für die Liebe Gottes.

Salz der Erde, Licht der Welt: das kann man in seinem Beruf sein, das kann man in der Schule sein, in der Nachbarschaft. Und wir sind mit diesem unseren Wirken wertvoll, auch dann, wenn wir vielleicht nicht viel Rückmeldung bekommen. Die hat Jesus selbst auch nicht immer bekommen. Und wenn Menschen sich zu ihm geäußert haben, dann waren da zwar auf der einen Seite begeisterte Anhänger, auf der anderen Seite aber auch erbitterte Gegner. Wundern wir uns also nicht, wenn auch unser Christenleben nicht immer nur auf Zustimmung stößt.

Und so lerne ich aus diesem Wort Jesu: Um Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, braucht es gar nicht große Leistungen, sondern eher Treue im Glauben.

Bei alledem müssen wir uns aber nicht selbst überfordern. Wir müssen nichts Weltbewegendes leisten, um den Leuten um uns herum Orientierung und Licht zu geben. Ohne Erfolgsdruck dürfen wir Salz der Erde und Licht der Welt sein. Wir müssen nicht ständig strahlen oder Geistesblitze von uns geben. Gott braucht keine grellen Silvesterraketen, die schnell aufsteigen und dann verpuffen. Er braucht keine Menschen, die sich verheizen. Er braucht Dauerbrenner. Menschen, die sich von ihm anstecken lassen und das Licht, das sie erhalten, weitergeben. Nicht unser eigenes Licht, sondern Gottes Licht.

Ein kluger Theologe hat mal gesagt: Wir dürfen angestrahlte Planeten sein. So etwas wie der Mond zum Beispiel. Der hat von sich aus gar keine Leuchtkraft, aber er wird von der Sonne angestrahlt. So ist das doch auch bei uns. Gott gibt uns Licht und wir dürfen einfach weitergeben. An die Menschen um uns herum. Und diese werden es merken. Wir müssen durch unseren Lebensstil niemand bekehren. Aber wir dürfen und wir sollen von unserem christlichen Glauben auch etwas in unserem Leben sehen lassen. Sonst leben wir in tiefstem Grunde unglaubwürdig und unser Christsein ist soviel Wert wie Salz ohne Salzkraft. Es wird keine Auswirkungen haben auf unser Leben. Es wird auch nicht auf andere anziehend wirken oder sie neugierig machen.

Und dennoch hat die uns zugesprochene Salz- und Lichtskraft nun nichts mit religiöser Leistung zu tun, sondern allein damit, dass wir ein Stück von dem, was Jesus uns schenkt, einfach weitergeben. Noch einmal: Wir sind von Gott angestrahlte Planeten. Gott gibt uns die Leuchtkraft. Gott gibt uns die Würzkraft.

Ausgehend von dem Jesuswort: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ haben wir entdeckt:

Gott schaut nicht allein auf Zahlen. Er rechnet anders in seiner Gemeinde.

Wir sind in Gottes Augen unendlich wertvoll.

Um Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, braucht es gar nicht große Leistungen, sondern eher Treue im Glauben.

Und: Wir müssen nicht aus eigener Kraft ein Leben mit Leucht- und Würzkraft führen. Gott wirkt durch uns

Und auf diese Weise traut er dir und mir zu, Salz der Erde, Licht der Welt zu sein. Heute. Morgen. Und alle Zeit unseres Lebens. Amen.

 

Verfasser: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de