Ihr seid aus der Sklaverei der Sünde befreit

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Okuli, 11.03.2012, 1.Petrus 1, 13-21

Lebendiger Herr und Heiland, wir bitten dich: Schließe uns dein Wort auf durch das Wirken deines Heiligen Geistes. Lass Reden und Hören zum Segen für unser Leben werden. Amen.

Das Schriftwort für die heutige Predigt steht im 1. Brief des Petrus im 1.Kapitel. Der Apostel Petrus erinnert die Gemeinden gleich zu Beginn seines Briefes daran, dass Christen ein großes Ziel haben. Der Seelen Seligkeit. Einmal im Reich Gottes mit dabei sein und für immer die Herrlichkeit im Reich Gottes erleben. Wer dieses Ziel aus den Augen verliert, wird die unaussprechliche Freude des Himmels nicht ererben. Petrus macht uns dieses Ziel wichtig und schreibt:

Seid bereit und stellt euch ganz und gar auf dieses Ziel ein. Lasst euch nichts vormachen, seid nüchtern und richtet all euere Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit, die er euch in vollem Ausmaß an dem Tag erweisen wird, wenn Jesus Christus als Herr der Welt wiederkommt.
Weil ihr Gottes Kinder seid, gehorcht ihm und lebt nicht mehr wie früher, als ihr eueren Leidenschaften hilflos ausgeliefert wart und Gott noch nicht kanntet.
Jetzt sollt ihr leben wie Christus, der euch als seine Jünger berufen hat: Vorbildlich, ja heilig soll euer ganzes Leben sein. Genau das meint Gott, wenn er sagt: „ Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.
Ihr betet zu Gott als euerem Vater und wisst, dass er jeden von euch nach seinem Verhalten richten wird und zwar ohne jedes Ansehen der Person. Deswegen führt euer Leben in Gehorsam und Ehrfurcht vor Gott, solange ihr noch nicht am Ziel seid.
Denkt daran, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der Sünde zu befreien, aus einem sinnlosen Leben, wie es schon euere Väter geführt haben. Christus hat euch losgekauft, aber nicht mit Geld, sondern mit seinem eigenen kostbaren Blut, das er als unschuldiges, reines Lamm Gottes für uns geopfert hat.

Petrus erinnert die Christen hier an fast alle zentralen Themen ihres Glaubens: Jesus wird wiederkommen, er wird die Menschen richten. Er spricht von Vergebung der Sünden und von ewigem Leben und er weist eindringlich auf den hohen Preis der Erlösung durch Jesus am Kreuz hin. Manche unter uns, die das noch im Konfirmandenunterricht oder in der Schule im Religionsunterricht lernen mussten, haben sich vielleicht erinnert an die Worte aus dem kleinen Katechismus

Auslegung zum zweiten Glaubensartikel, wo es heißt: „Ich glaube dass Jesus Christus … sei mein Herr, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat, erworben, gewonnen, von allen Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben…“

Denkt dran, was es Christus gekostet hat. Sein Rettungsschirm bestand nicht aus ein Paarhundert Milliarden Drachmen, Denare oder Sesterzen, sondern aus Leib und Blut des Christus, des Sohnes Gottes. Wer sich unter das Blut Christi stellt, wer sich unter diesen Rettungsschirm Gottes begibt, der muss nicht am Ende den totalen Bankrott befürchten. Am göttlichen Rettungspaket muss auch nichts nachgebessert werden. Der fällt nicht dem Steuerzahler zur Last und geht nicht auf Kosten der kleinen Leute. Gott hat selbst für den Bankrott der Bürger seines Reiches bezahlt. Jesus hat sich für uns verbürgt und verblutet. Er ist bei unserer Rettung unter unsäglichen Schmerzen draufgegangen. Vergesst das doch nicht!

Der englische Diktator Oliver Cromwell verurteilte einen seiner Gegner zum Tod auf dem Schafott. Die Frau des Verurteilten suchte Cromwell auf und bat um Gnade für ihren Mann. Doch der blieb hart. Er lehnte es ab den Mann zu begnadigen. „Morgen früh um sechs, wenn die Glocke läutet, muss Ihr Mann sterben!“ Das war sein letztes Wort.

Aber am anderen Morgen um sechs Uhr war die Glocke nicht zu hören. Als der Küster oben im Turm nachschaute, warum die Glocke nicht läutete, sah er, dass sich die Frau des Verurteilten am Klöppel der Glocke festgehalten hatte, um so das Anschlagen der Totenglocke zu verhindern. Dabei wurden allerdings Ihre Arme zerschmettert. Als Cromwell das hörte, begnadigte er den Mann.

Was hat es diese Frau gekostet ihren Mann zu retten? Was hat sie zu einer solchen todesmutigen Tat bewegt? Es war die große Liebe zu ihrem Mann. Nur so konnte sie ihn retten. Das war ihr mehr wert als ihre Gesundheit. Dafür hat sie ihre Angst überwunden und wahnsinnige Schmerzen ausgehalten.

Was hat es Christus gekostet sein Volk, uns, zu retten? Was hat ihn dazu bewegt, in Gethsemane nicht die Flucht zu ergreifen, sondern sich greifen und abführen zu lassen? Was hat ihn dazu gebracht, seine Angst zu überwinden, sein Kreuz zu tragen und sich darauf festnageln zu lassen? Seine unendlich große Liebe zu uns, seinem Volk.

Daran erinnert Petrus die frühen Christen. Frauen und Männer die nach der ersten Begeisterung ihres neu angenommenen Glaubens langsam spüren, was das im Alltag bedeutet Christ zu sein. Auch damals schon hat man Christen mindestens belächelt: Arme Irre, Sektierer, die an einen gekreuzigten Gott glauben. Fanatiker, die die Menschen Gebote ihres Gottes wörtlich nehmen.

Meist war es mit Spott nicht getan. Die Anhänger der neuen Lehre wurden mancherorts auch beschimpft, verklagt und misshandelt, man nahm ihnen Besitz weg, jagte sie fort oder sperrte sie ein, oder tötete sie. Die sind gefährlich, verführen die Leute, erregen Ärgernis. So warf man ihnen vor.

Dem hielten nicht alle stand. Manche wendeten sich unter diesem Druck wieder ab von der Gemeinde und nahmen ihr früheres Leben wieder auf. Andere versuchten es mit einem angepassten Christentum. Sie machten bei vielem mit, was um sie herum geschah. Opferfeste, Kaiserkult, Kultur und Kunst der Zeit. Daneben gingen sie auch in die christlichen Versammlungen, nahmen an Gottesdiensten und am Gemeindeleben teil. Geht doch! Dachten sie zunächst.

Aber Petrus bestreitet das: Geht gar nicht! sagt er. Ihr könnt nicht der Welt und Christus nachfolgen. Er erinnert sie an ihre Wiedergeburt zu der lebendigen Hoffnung des Glaubens, an das neue Leben, an die Befreiung von alten Gewohnheiten und Bindungen. Christus hat euch befreit zu einem neuen ganz anderen Leben! Bedenkt, was ihn euere Rettung gekostet hat!

Was lassen wir es uns kosten? Was ist uns unsere Rettung wert? Halten wir es aus, dass uns andere belächeln, weil wir beten oder manches nicht mitmachen? Nehmen wir in Kauf, dass uns der große berufliche Erfolg verwehrt bleibt, weil wir nicht alle Mittel einsetzen? Lassen wir uns unsere Überzeugung die Zeit kosten, den Tag mit Gebet und Bibellese zu beginnen? Oder die Zeit uns einzusetzen in der Gemeinde, in der Jugendarbeit, bei einer diakonischen Aufgabe mit Kindern, alten Menschen.

Ja, nicht wenige lassen es sich Zeit und Kraft kosten. Fahren Lebensmittel für Bedürftige zusammen, stricken für den nächsten Bazar, kochen Marmelade ein, tragen für den Flohmarkt Brauchbares zusammen oder langen bei der Ausgabe von gebrauchten Kleidern oder Hausrat mit hin. Machen sich dabei für andere die Hände schmutzig, weil das für sie auch ein Zeugnis ihres Glaubens ist.

Und manchmal ist schon das auch demütigend, wenn statt guter Kleidung dreckige oder zerlumpte Wäsche angeliefert wird. Es kann auch schmerzhaft sein, wenn man Säcke und Schachteln schleppt, von Haustür zu Haustür läuft, obwohl einem die Füße weh tun.

Noch folgenreicher für ein ganzes Leben, wenn eine Familie aus ihrer christlichen Überzeugung heraus ein behindertes Kind nicht abtreiben lässt, sondern aus Ehrfurcht vor Gott und Achtung vor dem Leben annimmt und liebevoll und unter großen persönlichen Opfern begleitet. – Manchmal lebenslang.

Ja, manche lassen es sich viel kosten, den Weg in der Nachfolge des Christus bewusst und konsequent zu gehen. Manchmal wird es ihnen gar nicht oder doch viel zu wenig gedankt. Und manchmal müssen sie sich dafür noch dumm anreden lassen: Sei doch nicht so blöd! Bist doch selber schuld! Hör doch auf damit! Genieß lieber dein Leben und dein bisschen Freizeit!

Die so reden, haben noch nicht verstanden. Sie haben nicht verstanden, dass Geld und Besitz keine Garantie für Glück sind. Sie haben noch nicht verstanden, dass der Einsatz für andere einem selbst sehr viel geben kann. Sie habe noch nicht verstanden, dass Geben seliger ist als Nehmen. Sie haben noch nicht verstanden, dass, wie Jesus sagt, wer sein Leben verliert im Einsatz für ihn, es für die Ewigkeit gewinnt.

Petrus schickt uns hier eine ganze Reihe von Ermahnungen: Seid bereit! Seid nüchtern! Lasst euch nicht verführen! Lebt vorbildlich! Handelt wie Christus! Er fordert uns sogar mit einem Wort aus dem 3. Buch Mose auf (19,2): „Ihr sollt heilig sein, denn Gott ist heilig!“ Wie der, der Euch berufen hat, sollt auch ihr heilig sein in euerer ganzen Lebensführung.

Da geht es um Glaubwürdigkeit. Wir sollen, die Werte leben, die unser oberster Chef vertritt. Man muss das ja ganz realistisch sehen. Auch wenn in der Statistik unseres Landes noch etwa zwei Drittel der Bevölkerung einer christlichen Kirche angehören, ist es doch eine kleine Minderheit unter den Christen, die wirklich bewusst in der Nachfolge des Herrn Christus leben will. Das sind die, wie Petrus sie am Anfang seines Briefes nennt, die durch den Glauben wiedergeboren sind zu einer lebendigen Hoffnung. Die durch Jesus Christus versöhnt sind mit Gott, die Vergebung ihrer Sünden erfahren haben und die Hoffnung des ewigen Lebens haben.

Solche, die die Zusagen Gottes wirklich für sich nehmen. Petrus fordert ja hier in seinem Brief nicht nur. Er erinnert im gleichen Atemzug an Gottes Versprechen an uns:

Ihr seid Gottes Kinder! Jetzt schon! Ihr müsst euch nicht erst anstrengen, dass ihr vielleicht mal welche werdet, wenn ihr euch sehr viel Mühe gebt und alles richtig macht. Ihr seid doch Gottes Kinder und seid angenommen und geliebt. So wie auch ungehorsame, trotzige und leichtsinnige Kinder von ihren Eltern geliebt sind, so sind auch Sünder von Gott geliebt und von Jesus angenommen. Das steht fest! Das ist so!

Die zweite Zusage, die Petrus hier macht, lautet: Ihr seid als Jünger berufen! Ihr seid Gottes Mitarbeiter! Jedes Gotteskind ist auch Gottes Mitarbeiter. Es gibt niemanden, der in Gottes Reich keine Aufgabe hat, niemand ist unbrauchbar. – Es können nicht alle im Verkündigungsdienst stehen oder ein Amt haben, aber jeder, der sich als Gotteskind versteht, ist ein Botschafter Gottes durch die Art und Weise wie er redet und arbeitet, wie er mit anderen umgeht oder mit Geld, Musik, Sport, Mode oder mit Alkohol oder mit seiner Freizeit.

Die Minderheit der Christen wird heute von der Mehrheit der gottlos Lebenden sehr genau beobachtet. Aber das war auch schon immer so. In der Urgemeinde fanden die Christen unter der Bevölkerung große Anerkennung, weil sie gut miteinander umgingen. Weil sie liebevoll, ehrlich und fürsorglich waren. Werte, die auch in unserer Gesellschaft auffallen und Anerkennung finden, weil sie selten geworden sind.

Die dritte Zusage an die Petrus in seinem Brief erinnert: Ihr seid befreit! Ihr seid aus der Sklaverei der Sünde befreit.

Er meint das in doppeltem Sinn. Durch die Vergebung hat Jesus euch von aller alten Schuld befreit. Da steht nichts mehr zwischen Gott und euch! Er hat am Kreuz für alle Schuld bezahlt. Teuer bezahlt, mit seinem Blut und Leben. Und er hat euch von dem Zwang zur Sünde befreit. Ihr müsst nicht mehr sündigen. Jesus schenkt euch die Freiheit vom sündigen müssen. Mit seiner Kraft musst du nicht mehr fluchen, lügen, untreu sein, stehlen, die Eltern anbrüllen, neidisch oder geizig sein. Da hilft unser Herr raus! Ihr seid befreit!

Der Kabarettist und Christ Hanns Dieter Hüsch sagte das so:

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit,
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin?
– Ich sing und springe her und hin
Vom Kindbett bis zur Leich.
– Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
– Es kommt ein Geist in meinen Sinn
will mich durchs Leben tragen.
– Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
– Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Das ist Freiheit und Unbeschwertheit der Kinder Gottes. Wir dürfen vergnügt sein, weil wir erlöst und befreit sind und weil wir durchs Leben getragen werden. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Dr-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168