Ich wünsche dir …

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Miserikordias Domini 04.05.2014, Hebräer 13, 20-21

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: … Herr, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Das Wort Gottes für die Predigt am heutigen Hirten-Sonntag steht im Brief an die Hebräer im 13. Kapitel. Es sind die letzten Sätze dieses Briefes. Wie in vielen Briefen und Botschaften, bis heute, auch hier am Ende gute Wünsche:

Ich wünsche euch nun von Herzen, dass Gott selbst euch hilft, das Gute zu tun und seinen Willen zu erfüllen. Er ist es ja, der uns seinen Frieden schenkt. Er hat unseren Herrn Jesus Christus von den Toten auferweckt. Ihn, durch dessen Blut der neue und ewig gültige Bund geschlossen wurde, ihn hat er zum wahren Hirten seiner Herde gemacht.

Jesus Christus wird euch die Kraft geben, das zu tun, was Gott gefällt. Deswegen wollen wir ihn bis in alle Ewigkeit loben und ehren. Amen.

„Ich wünsche Dir…“ Wie oft sagen oder schreiben wir das. Da hat jemand Geburtstag oder ein Jubiläum, eine wichtige Prüfung steht bevor, wie bei vielen jungen Menschen in diesen Wochen das Abitur oder jemand muss zu einer bevorstehenden Operation ins Krankenhaus, ein anderer tritt eine neue Stelle an und hat Respekt davor. Zwei die sich lieben schließen den Bund fürs Leben und nach der Trauung stehen in langer Reihe Verwandte und Freunde um ihre guten Wünsche loszuwerden. Wenn dann ein Kind geboren ist, wünschen wir dem kleinen Erdenbürger ein gutes und behütetes Leben in friedlicher Umgebung unter erfreulichen Lebensumständen. Und selbst am Friedhof, beim Abschied von einem Verstorbenen, werden den Hinterbliebenen so manche Wünsche ausgesprochen. „Dein Wort in Gottes Ohr!“ antwortet man manchmal auf solche Wünsche. Bedenkt man es recht, ist das eigentlich die Aufforderung an den Wünschenden: Bete doch auch für mich!

Sie sind immer gut gemeint, oft mitfühlend, manchmal originell und kreativ. Gelegentlich auch mal unpassend und deplatziert. Auf dem Friedhof hab ich schon Sätze am Grab gehört, die ich wenig angebracht oder passend fand. Einmal warf ein Stammtischbruder eine Schaufel Erde ins Grab und mit den Worten: „Bleib sauber Kumpel!“ Ein anderer nahm Abschied am offenen Grab mit der Aufforderung: „Halt die Ohren steif!“ Da hab ich meine Zweifel, ob ihm das gelingen kann. Vielleicht ist das ein Zeichen der Hilflosigkeit im Umgang mit dem Tod.

In unserer früheren Gemeinde, in Vorra, im Pegnitztal, gratulierten die Kindergartenkinder der Erzieherin, die Geburtstag hatte. Sie machten das so, wie sie es von den Großen gehört hatten und wünschten Glück Gesundheit, Freude und alles Gute. Ein Kind, so erzählte mir die Mitarbeiterin hinterher lachend, hatte sich etwas Besonders überlegt und sagte: „Ich wünsch Dir, dass Du nicht in die Pegnitz fällst!“ – Die Pegnitz floss nur wenige Meter am Kindergarten vorbei und war an dieser Stelle sehr tief und reißend. Wahrscheinlich war das Kind von seinen Eltern immer auf die Gefahr aufmerksam gemacht worden: Pass auf, bleib weg vom Ufer, sonst fällst Du rein und ertrinkst.

So ein Wunsch, der ausdrückt, dass wir vor Gefahren beschützt und vor Unglück bewahrt bleiben mögen, ist sicher kein schlechter. Manfred Siebald dichtet in einem seiner Lieder: Gute Wünsche, gute Worte, wollen dir Begleiter sein. Doch die besten Wünsche münden alle in den einen ein:

Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen,
geh in seinem Frieden, was auch immer du tust.
Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte,
bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.

Das sind unbestritten die drei besten Wünsche: Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen, geh in seinem Frieden

Aber, hab ich denn Einfluss darauf, dass solche guten Wünsche in Erfüllung gehen? Schön wär’s ja, aber wie kann ich denn dazu beitragen, dass diese Wünsche wahr werden? Im Refrain von Siebalds Lied stehen zwei wertvolle Hinweise dazu: Hör auf Gottes Worte! Bleib in seiner Nähe!

Wer das tut, auf Gottes Wort hört und wer in seiner Nähe bleibt, also in der Gemeinschaft anderer Christen und in Verbindung mit dem Wort Gottes, der gibt dem Segen Gottes tatsächlich eine Chance und kann dann auch wirklich unter der Gnade gehen: In die Abiturprüfung oder an den neuen Arbeitsplatz oder in die gemeinsame Zukunft einer Ehe, in die neue Verantwortung als Vater oder Mutter oder auch zu der Operation ins Krankenhaus. Wer auf Gottes Worte hört und in seiner Nähe bleibt, kann sogar den Gang auf den Friedhof zum Begräbnis eines nahen Angehörigen gesegnet erleben.

Wir haben in gewisser Beziehung schon Einfluss darauf, ob wir gesegnet leben oder ob wir nur hinter gut gemeinten Wünschen herlaufen. Nur wer in Verbindung bleibt mit dem Gott des Friedens und der Gnade, wird dann auch im Alltag von seiner Gnade und seinem Frieden etwas spüren.

Die Wünsche am Ende des Hebräerbriefes zielen genau in diese Richtung. Sie ermutigen uns, dran zu bleiben am Glauben und den Willen Gottes zu tun. Sie erinnern an drei wichtige Tatsachen des Glaubens: 1. An die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und seinen Sieg über den Tod und alle Mächte der Finsternis. 2. An den Bund, den Jesus durch ihn mit uns geschlossen hat. Und 3. an den guten Hirten, den wir in ihm haben.

Denken Sie noch einmal an das Lied von Friedrich Hofmann, das wir vor der Predigt gesungen haben?

Ich hör die Botschaft: Jesus lebt!
Doch seh ich nur: die Welt erbebt,
weil Krankheit herrscht und Tod und Krieg.
Wo find ich Jesu Ostersieg?

Geht es uns nicht auch manchmal so: Wir hören zwar die Osterbotschaft vom lebendigen Gott, aber wir sehen um uns herum so viel Leid und Streit, Terror, Unrecht und Bosheit. Vieles erschreckt und beunruhigt uns: Die zunehmende Gewalt in der Ukraine. Was bahnt sich da an? In Schlagzeilen lesen wir die Worte vom „Dritten Weltkrieg“, der da angezettelt werden könnte.

Vor hundert Jahren – in diesen Tagen wird mit Dokumentationen und Filmen daran erinnert – hat ein Attentat in Sarajevo den Ersten Weltkrieg ausgelöst. Welche Lunte brennt in der Ostukraine? – Wo ist da etwas zu spüren vom Ostersieg? Wenn Häuser angezündet werden und Reifenstapel brennen, wenn Schüsse fallen und Sprengsätze explodieren.

Friedrich Hofmann schließt am Ende jeder Strophe mit dem Gebetsruf: Herr, steh mir bei! Genau das ist der Ostersieg, dass wir so beten können. Wäre der Herr nicht auferstanden, dann wäre so ein Gebet Unsinn. Einer der vor 2000 Jahren an einem Kreuz gestorben ist und der im Tod geblieben ist, wäre doch nie in der Lage uns beizustehen. Aber weil er den Tod besiegt hat und wahrhaftig auferstanden ist, darum dürfen wir so rufen, so beten, so glauben. Und wir erfahren dann Trost, Hilfe, Bewahrung, Führung durch ihn. Er lässt sich als der lebendige Herr erfahren, der seine Hände über uns hält, der seinen Frieden schenkt mitten in einer friedlosen Welt. Wir müssen nicht in Angst, sondern dürfen geborgen leben.

Hier werden wir erinnert: Der Herr Jesus Christus hat doch durch sein Blut am Kreuz einen ewig gültigen Bund mit uns geschlossen. Gott hat sich mit uns verbunden. Ganz Mensch ist er geworden in Jesus, der in die tiefste Tiefe hinabsteigt, um uns herauszuholen aus dem Leid, das uns beschwert, aus der Angst, die uns lähmt.

In der Taufe ist uns dieser Bund persönlich zugesprochen. Er gilt für Dich! Er gilt für mich! Wenn wir im Glauben mit diesem Bund und mit den damit verbundenen Verheißungen leben, sind wir gerettet. Ohne Glauben sind wir verloren. Ohne Glauben, so sagt Martin Luther im Kleinen Katechismus, ist die Taufe nur Wasser.

Damit wir diesen Tauf-Bund nicht so schnell vergessen und uns immer wieder daran erinnern, hat der Herr das Heilige Abendmahl eingesetzt, bei dem es ja jedes Mal neu ausgesprochen wird: das ist mein Blut des neuen Bundes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Jedes Abendmahl, an dem ich teilnehme ist die erneuerte Zusage des Bundes mit Gott durch Jesus Christus.

Und an ein Drittes erinnert der Schreiber des Hebräerbriefes mit seinen abschließenden Wünschen: An den wahren Hirten, zu dessen Herde wir durch den Bund gehören. Ihr seid doch nicht wie die verirrten und verstreuten Schafe, die leichte Beute eines jeden Raubtieres werden, sondern ihr steht unter dem Schutz und der Fürsorge eines Hirten, der dies Bezeichnung verdient. Jesus. Er ist der wahre Hirte, der gute Hirte, der alles für euch einsetzt. Er wacht über euch. Er sorgt für euch. Er führt euch.

Die Christen des ausgehenden ersten Jahrhunderts, die diesen Brief erhielten, lebten auch in einer christenfeindlichen Umwelt. Wenn sich da einer in der Öffentlichkeit als Christ geoutet hat, musste er mit Hohn und Spott, sogar mit Gefahr für Leib und Leben rechnen. Bei uns ist das ja auch nicht mehr so leicht. Wer mit klarer christlicher Position in der Öffentlichkeit auftritt, hat auch ganz schnell Feinde gegen sich und sieht sich der Lächerlichkeit preisgegeben. Aber das soll uns nicht schrecken. Auch wenn um uns die Hölle tobt. Jesus ist und bleibt stärker. Er ist und bleibt der Sieger.

Am Ende unseres Predigttextes wird aus dem Wunsch Gewissheit, aus der Hoffnung feste Zuversicht: Jesus Christus wird euch die Kraft geben, das zu tun, was Gott gefällt. Wenn unser „Dein Wille geschehe!“ im Vaterunser nicht nur so dahingesagt ist, sondern wirklich unser Herzensanliegen: Ja, Herr, ich will mein Leben unter deine Leitung stellen, dann steht es auch unter seiner Leitung. Dann öffnet der Herr uns Türen, wo wir bisher keine gesehen haben und er schließt vielleicht auch manche Tür vor uns zu, durch die wir besser nicht gehen sollten. Er zeigt uns Wege und Möglichkeiten und führt uns auf rechter Straße um seines Namens willen.

Gute Wünsche an diesem Hirtensonntag, die uns auf dem vor uns liegenden Weg begleiten wollen. Wenn wir sie so verstehen, wie der Hebräerbrief, sind sie mehr als nur gute oder fromme Wünsche. Dann sind sie Zusage, Zuspruch und Wegweisung. Gute Wünsche. So oft sprechen wir sie aus. Wir wünschen unserem Gegenüber Glück. Wir schreiben auf Karten „herzliche Glückwünsche“. Aber was ist das? Was meinen wir damit?

Unsere Jahreslosung 2014 kann uns diese Frage beantworten: Haben Sie sie noch parat? Aus Psalm 73 der 28. Vers: Gott nahe zu sein ist mein Glück. Wenn wir als Christen „Glück“ wünschen, dann wünschen wir dem anderen, dass er die Nähe Gottes erfährt, dass Gottes Nähe ihn ruhig macht, ihm Frieden ins Herz schenkt und ihm alle Angst nimmt.

Ach mein Herr Jesu, dein Nahesein
bringt großen Frieden ins Herz hinein,
und dein Gnadenanblick macht uns so selig,
dass Leib und Seele darüber fröhlich
und dankbar wird. (Christian Gregor, EKG alt, 485, 1)

Amen.

Verfasser: Martin Schöppel@, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel 0921/41168