Gurke, Tomate und Kürbis als Mutmacher zur Dankbarkeit

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Predigt am Erntedankfest 2022 in der Kreuzkirche BT: 1. Tim. 5, 4-5

Liebe Kinder, liebe Erwachsene,

danke sagen. Danke sagen in zweierlei Richtungen. Darum geht es heute. Danke sagen an Menschen und an Gott.

Zunächst Danke sagen an die vielen Menschen, die sich mit Kraft, Zeit und Geld dafür einsetzen, dass unsere Landschaft bebaut und gepflegt wird. Auch in unserer Geschichte haben wir davon gehört, dass die Menschen die Erde um die Wurzeln gelockert haben, damit die Wurzeln genug Luft bekommen. Und der Mensch ist es auch, der die Bäume beschneidet. Es ist der Mensch, der die Aufgabe hat, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Wobei freilich der Zusatz „bewahren“ heute zunehmend wichtig wird. Immer mehr passiert, was unsere Schöpfung in Schieflage bringt und gefährdet. Gewinn- und Profitgier auf allen Ebenen hinterlassen ihre zerstörerischen Spuren. Kriege und menschlicher Machbarkeitswahn verändern unsere Schöpfung, aber die nimmt es nicht einfach so hin. Wer die Natur unbarmherzig ausnutzt oder zerstört, der handelt nicht nach Gottes Willen. Wer die Tiere nur noch als Mittel zur Gewinnmaximierung sieht, versündigt sich. Allerdings ist es auch nicht in Ordnung, wenn wir in der Vergangenheit nach immer kostengünstigeren Lebensmitteln verlangt haben. Allerdings sind die jetzigen Preissteigerungen für manche auch kaum verkraftbar und kommen ja auch kaum bei den Erzeugern an.

Ich denke, wir sehen den Erntedankaltar heuer mit anderen Augen. Angesichts der Dürre im Sommer ist es überhaupt ein Wunder, das wir etwas geerntet haben. Und wir lernen den Wert von Lebensmitteln wieder neu erkennen. Lebensmittel sind eben nicht mehr verschwenderisch selbstverständlich. Und für manche wird der Gang an die Kasse des Lebensmittelladens ein schwerer Gang. Und so ist es uns als Kirchengemeinde wichtig: Wir helfen mit allem, was sie in den letzten Tagen hier an Erntegaben gebracht haben. Alles, was hier vorne steht, wird am Dienstag in den Bayreuther Tafelladen gebracht. Dort können bedürftige Menschen sehr kostengünstig Lebensmittel kaufen. Ganz herzlichen Dank, was Sie da gespendet haben. Den Eltern vom Kindergarten, aber auch vielen Einzelpersonen. Und unser Dank gilt heute vielen Menschen, die unser Land bebauen, bewahren und pflegen. Das ist der erste Teil von Erntedank.

Der zweite Teil aber ist fast noch wichtiger. Der Dank an Gott. An Gott, der die Bedingungen geschaffen hat, dass überhaupt Früchte gewachsen sind. Er hat die Sonne scheinen lassen. Er hat den Wind wehen lassen, damit der Blütenstaub verteilt wird. Und er hat es regnen lassen, wenn auch dieses Jahr im Sommer viel zu wenig. Dafür kommt der Regen jetzt und tut der Natur auch noch gut. Gott hat das alles geschickt. Ohne Gott können wir nichts ernten. Es gibt einen alten Spruch, der heißt: „an Gottes Segen ist alles gelegen.“ Also: irgendwie liegt alles an Gottes Segen. Was aber ist Gottes Segen? Kann man den anfassen? Kann man den riechen? Kann man den sehen? In den meisten Fällen schon. Oder genauer gesagt: die Folgen und Spuren des Segens, die kann man oft anfassen, sehen und riechen.

Es gibt vielfältige Segensspuren in dieser Welt und in deinem Leben.

Eine Segensspur ist, wenn aus etwas ganz Unscheinbaren etwas Großes wird. Dass du, wenn Du jetzt noch ein Kind bist, einmal groß und erwachsen wirst, das ist eine Segensspur. Wenn Du hier in dem Gottesdienst sitzt und hinterher irgendwie mutiger und getroster aus dieser Kirche gehst, dann ist das eine Segensspur. Dass wir alle heute früh aufstehen konnten, ist eine Segensspur. Wenn Du Eltern und Freunde hast, dann ist das eine Segensspur. Und wenn wir Eltern Kinder haben dürfen, so ist das auch eine Segensspur. Spuren des Segens Gottes in unserem Leben. Es gibt noch viele andere Segensspuren und manche sind auch unsichtbar. Segensspuren in unserem Leben: Mittel, die Gott benutzt, um sich in unserem Leben bemerkbar zu machen. Oft mitten im Alltag. Oft ganz unspektakulär. Gar nichts Besonderes auf den ersten Blick. So wie diese Äpfel, Karotten, Blumen und alle anderen Lebensmittel auf den ersten Blick in unseren Augen gar nichts Besonderes sind. Aber gehen Sie mal damit in die Hungergebiete dieser Welt, da werden sie Menschen finden, die sehen darin Wunderwerke der Schöpfung Gottes. Wir lernen eben leider oft erst dann die Dinge schätzen, wenn wir sie nicht mehr im Überfluss haben. Ich vermute, da haben wir in nächster Zeit einige Lektionen zu lernen.

Segensspuren Gottes in unserem Leben: Gehen wir doch mal selbst auf Entdeckungsreise. Blicken wir auf unser Leben und nehmen uns und unser Tun mal nicht so wichtig. Dann wird uns der Blick geöffnet für Gottes Segensspuren in unserem Leben. Dann werden wir erkennen, dass wir uns selbst längst nicht alles verdanken. Dass viele von uns noch ihrem Beruf nachgehen können, dazu tragen wir doch recht wenig bei. Eine Diagnose innerhalb von 10 min uns mitgeteilt, kann all unsere beruflichen Wünsche und Pläne völlig über den Haufen werfen. Vielleicht sind Sie wohlhabend und haben einiges geerbt. Ist das ihr Verdienst? Vielleicht haben Sie ein gesundes Kind? Was haben Sie denn dazu beigetragen? Vielleicht haben Sie einen liebevollen Ehemann oder eine liebevolle Ehefrau. Klar, Sie waren es, die sich verliebt haben. Das war ihr Teil. Aber dass gerade dieser Mensch Ihnen über den Weg lief? In einer glücklichen Ehe werde ich immer wieder staunen und es nicht als Verdienst, sondern als Geschenk ansehen, dass ich gerade mit dieser Frau oder diesem Mann verheiratet sein darf. Wir verdanken so Vieles Gott und deshalb ist Dank angebracht.

Übrigens auch in der Gemeinde. Die Versuchung ist groß, immer nur auf das zu schauen, was fehlt oder nicht so gut läuft in der Kirchengemeinde. Und dann wächst die Unzufriedenheit und letztlich dann auch die Undankbarkeit. Dabei wären andere Gemeinden froh, wenn sie so viel Angebote hätten, wie wir sie haben. Dabei hast Du und ich vielleicht gerade in dieser Gemeinde schon einiges mit Gott erlebt und hoffentlich auch Gemeinschaft gefunden. Dabei haben sich doch immer wieder Wege gefunden und neue Türen aufgetan auch in schwierigen Gemeindesituationen. Wir haben viel mehr Grund zum Danken, statt zu klagen.

Wie aber kann sich Dank gegenüber Gott äußern? Am besten im Gebet. So wie es im 1. Timotheusbrief einmal heißt, in 1. Tim. 4, 4-5: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.“ Also darum geht’s: unsere Alltagswelt, unser ganz normales Leben mit seinen Höhen und Tiefen und auch mit seinen Notwendigkeiten wie Essen und Trinken mit Gottes Wort und Gebet in Zusammenhang bringen. Dann bleibt Glaube und Religion nicht auf ein paar Schulstunden oder den Sonntagvormittag beschränkt. Dann gibt es auch den Glauben am Montag und am Dienstag und allen anderen Wochentagen. Dann merken wir plötzlich: Die Früchte und Gaben die heute da stehen, weisen über sich hinaus. Sie sind Mutmacher, unser ganzes Leben ins Licht Gottes zu stellen und dankbar zu werden. Und sie sind andererseits nur ein ganz kleiner Ausschnitt dessen, wofür ich danken kann. Gott beschenkt uns reichlich. Das sollen uns diese sichtbaren Früchte des Feldes heute neu vor Augen führen. Das Ziel ist, dass Dankbarkeit zu einer Lebenshaltung wird. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber Gott kann uns im Laufe der Zeit auch diese Lebenshaltung schenken. Dankbarkeit als Lebenshaltung. Dann können wir wirklich aus vollen Herzen sagen: „Gott sei Dank!“ Amen.

Verfasser: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de