Gottesdienst mit Abendmahl und Jubelkonfirmation, Pfr. Wenzke, KiGo & TeenieKirche, Livestream

Zur PDF

Predigt Jubiläumskonfirmation 21.06.2026, Kreuzkirche Bayreuth:

Mi. 7,18-20:

Liebe Jubiläumskonfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext stammt aus dem Buch des Propheten Micha, genau genommen ist es

der Schluss seines Buches. Micha zählt zur Schar der kleinen Propheten. Er lebte im 8. Jahrhundert

vor Christus und war ein Zeitgenosse des großen Propheten Jesaja. Fast unscheinbar und

vielen unbekannt, hatte er dennoch eine großartige Botschaft. Als die Juden 100 Jahre später den Propheten Jeremia hinrichten wollten, weil ihnen seine Botschaft zu unbequem war, da erinnerten sich doch einige der Schriftgelehrten daran, dass Micha dasselbe schon einmal thematisiert hatte und die Menschen daraufhin Buße getan hatten. Diese Erinnerung an den Propheten Micha rettete dem Jeremia damals das Leben.

Micha kommt jetzt nicht so oft in den Predigttexten vor und auch nicht in der regelmäßigen Bibellese. Vielleicht erinnern wir uns doch an die eine oder andere Aussage dieses kleinen Propheten? Ich will eine mal herausgreifen, die relativ bekannt ist.

Im 6. Kapitel tut Micha uns kund: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR

von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Und sein kleines Prophetenbuch schließt Micha mit der staunenden Frage, mit der unser Predigttext aus Mi 7 heute anfängt:

18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist,

der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen,

die geblieben sind als Rest seines Erbteils;

der an seinem Zorn nicht ewig festhält,

denn er hat Gefallen an Gnade!

19 Er wird sich unser wieder erbarmen,

unsere Schuld unter die Füße treten

und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

20 Du wirst Jakob die Treue halten

und Abraham Gnade erweisen,

wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

 

Liebe Gemeinde,

Axel Kühner erzählt in einem seiner Andachtsbücher von einem Jungen, der seinen Vater auf einer Bergwanderung fragt: „Vater, sind auf den Bergen, wo die Kreuze stehen, Menschen

abgestürzt?“ „ Nein“, erklärt der Vater, „ ein Kreuz auf einem Gipfel bedeutet, Menschen haben

den Berg mit seinen Gefahren besiegt und bezwungen. Hier ist das Kreuz ein Zeichen des

Sieges, nicht des Todes.“

Wie viele Berge gibt es in unserem Leben, Berge von Schwierigkeiten, Berge von Sorgen und

Nöten, Berge von körperlichen Gebrechen und Leid, von Mühsal und Einsamkeit? Wir sagen manchmal: „das steht wie ein Berg vor mir“. Oder wenn wir etwas geschafft haben: „Da bin ich über den Berg.“ Was steht für ein Zeichen über den Bergen deines Lebens, die DU schon bezwungen hast: Das Kreuz Jesu als Siegeszeichen oder der Stolz auf eigene Leistung? Die Einsicht, dass Jesus Dir beigestanden und geholfen hat, oder ein Leben nur aus der eigenen Kraft und den eigenen, dann doch auch immer wieder begrenzten Möglichkeiten?

Auch wenn ihn viele nicht sehen oder nicht sehen wollen: Einer der größten Berge unseres Lebens dürfte wohl der Berg von Schuld und Sünde sein. Dieser Berg – so groß er auch sein mag – wird meist verdrängt. Dass wir immer wieder schuldig werdenund Sünde auf uns laden, ist einfach etwas, was die wenigsten wahrhaben wollen;

obwohl es merkwürdiger Weise alle betrifft, denn niemand von uns ist vollkommen.

Schuld und Sünde richten großen Schaden an: Da verletzten wir andere, manchmal bewusst, manchmal obwohl wir es gar nicht wollen oder nicht einmal bemerken. Auch verletzten wir uns selbst – fügen unserer Seele oder sogar unserem Körper manchen Schaden zu indem wir uns Einflüssen aussetzen, die nicht gut für uns sind oder uns selbst zu wichtig nehmen und überfordern.

Doch wir verletzen nicht nur andere und uns selbst, sondern auch immer wieder unsere Beziehung zu Gott und untereinander.  Gott selbst, der heilig und allmächtig ist, können wir nicht verletzen, wohl aber unsere Beziehung zu IHM – und das ist ein großes Problem.

Die Schuld und Sünde in unserem Leben ist wie ein großer Müllberg. Da ist nichts, worauf wir

stolz sein könnten. Da ist nur Kaputtes, sind Verletzungen – und nichts von alledem eignet sich

aufzuheben.

Nun sind wir ja mehr oder weniger gut geübt, wenn es um die Müllentsorgung geht. Und das ist

notwendig, weil wir statt weniger, immer mehr Müll produzieren, alles ein und verpacken und auf

dem Einmal-Wege schnell los werden wollen. Und so landet viel zu viel auf unseren Müllkippen

und auch nicht wenig in den Meeren, die wir für groß und tief genug halten. Doch inzwischen

wissen wir, dass selbst der Plastikmüll im Meer, wenn er uns nicht gerade um die Nase

schwimmt, dennoch als Mikro- Plastikpartikel im Meersalz plötzlich wieder auf unseren Tischen in

unseren Tellern landet. Die Müllentsorgung holt uns immer wieder ein.

Und mit Schuld und Sünde ist es genauso: Alles Verschieben und Verdrängen hat keinen Wert.

Wir werden unsere Fehler, unser Versagen auch nicht los von selbst. Und unsere Unvollkommenheit ist auch keine Entschuldigung; man kann auch nicht einfach sagen: „ich bin halt so!“  Wir können uns nicht selbst retten und auch nicht selbst die Müllberge unseres Lebens abtragen.

Und genau deshalb schließt der Prophet Micha seine gesamte Botschaft mit dieser ganz zentralen Frage:

Wo ist solch ein Gott, wie Du,

– der die Sünde vergibt – und die Schuld erlässt;

– der Gefallen hat an Gnade;

– und sich unser wieder und wieder erbarmen will?

Wo ist solch ein Gott wie Du? Diese Frage kommt genau zweimal in der Bibel vor. Nämlich hier

beim Propheten Micha und dann noch in Psalm 77, wo der Beter bekennt: „Gott, dein Weg ist

heilig. Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott,

bist?“ (Psalm 77,14)

Es ist der heilige und allmächtige Gott, der sich danach sehnt, uns zu vergeben, uns seine Gnade

zu schenken. Gott ist bereit alles daran zu setzen, wenn wir uns nur helfen und vergeben lassen!

Und da gibt es keinen anderen und auch keine andere Möglichkeit. Nur Gott allein kann Schuld

und Sünde vergeben – niemand anderes!

Und das Großartige dabei ist:  Gott stellt keine Bedingungen oder Kriterien, wenn nur wir uns vergeben lassen wollen. Gott lässt und nicht im Ungewissen. Und ER macht eine ganz eindeutige Zusage, dass das, was vergeben auch vergessen ist.

Wir können eigentlich nur mit Micha einstimmen: Wo ist solch ein Gott wie Du? Ich will diesen Gott noch etwas charakterisieren:

 

  1. Er ist ein Gott, der nur das Gute will.

Gott will uns nicht schikanieren. Er ist auch nicht auf unsere Verehrung angewiesen. Und Er will

uns nicht mit Ängsten klein halten und folgsam machen -er  gebraucht keine Angst als pädagogische Maßnahme. Er ist es, der einfach in allen Nöten für uns da sein will. Er möchte, dass wir

ihn einbeziehen. Jesu sagt einmal, dass Gott wie ein Arzt für uns da sein will. Im Markusevangelium

lesen wir, wie Jesus sprach: „Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich

bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

Gott hatte am Anfang alles gut gemacht – ja sehr gut gemacht, wie es im Schöpfungsbericht

heißt. Und wir können das auch immer wieder erahnen, wenn wir Augen und Sinne öffnen,

schmecken und riechen, fühlen und staunen, was es an Schönem, an Erquickendem an vielfältigem

Reichtum in dieser Welt alles gibt. Gott ist ein Gott, der nur das Gute will.

 

  1. Er ist ein Gott, der uns nicht aufgibt.

Deshalb hat Gott wieder und wieder seine Propheten geschickt und hat sich in Jesus selbst zu Wort gemeldet und uns zudem die Heilige Schrift anvertraut. Die Bibel ist ein einzigartiges

Zeugnis von Gottes Liebe über die Jahrhunderte, in verschiedensten Ereignissen und unter den

unterschiedlichsten Menschen. Wie oft wiederholt sich Gottes Einladung und Angebot, mit uns

Gemeinschaft haben zu wollen? Selbst den Jüngern, die ganz nah dran waren, die die Botschaftund Wunder direkt erlebten gab Jesus immer wieder neue Chancen. Und zwar nicht nur eine zweite Chance – das wäre viel zu kleinkariert gedacht. Jesus gab den Jüngern viele neue

Chancen – und auch wir brauchen weit mehr, brauchen immer wieder neue Chancen. Gott wird

nicht müde uns wieder und wieder anzusprechen, uns durch den  Heiligen Geist sensibel zu

machen, uns einzuladen.

So ist auch die Jubiläumskonfirmation heute wieder eine große Einladung Gottes, sein Leben an Gott festzumachen. So wie damals an der ursprünglichen Konfirmation. Damals wurden Sie gefragt: Willst Du mit Jesus Christus leben, im Glauben an ihn wachsen und in seiner Gemeinde bleiben, so antworte: Ja, mit Gottes Hilfe.

Diese Frage stellt sich Ihnen heute neu. Sie allein wissen, was aus ihrem Ja von damals geworden ist. Aber heute ist die Gelegenheit, es neu auszusprechen. Heute ist die Gelegenheit, dieses Ja neu zu sprechen. Ihr Leben ist an Jahrzehnten fortgeschritten. Sie haben viel Lebenserfahrung im Gepäck. Und es liegt noch eine Wegstrecke vor Ihnen. Wollen Sie diese mit Jesus gehen oder nicht? Wenn ich ihnen eine Empfehlung geben darf, dann diese: Wag es mit Jesus! Wag es mit Jesus und Du bist in keiner Lebenssituation allein. Wag es mit Jesus und Du hast auch in dunklen Wegstrecken einen treuen Wegbegleiter. Wag es mit Jesus, er bleibt Dir treu. Auch beim Älterwerden und Sterben, wenn es einmal so weit ist. In einem Lied mit einer zugebenermaßen  deutlichen Sprache heißt es:

Heute will dich Jesus fragen:

„Bist du ganz für mich bereit?“

Du verlierst dich sonst im Jagen

nach den Gütern dieser Zeit.

Wag es mit Jesus, was deine Not auch sei!

Wag es mit Jesus, er macht dich frei! (2x)

Rühmst dich deiner Kraft und Gaben,

nur dich selbst bezwingst du nicht.

Mut muss man bei Jesus haben,

Menschenfurcht führt zum Verzicht.

Einmal fällt die Maskerade,

die du vor der Welt beziehst,

wenn du durch Gericht und Gnade

dich im Lichte Gottes siehst.

Lass dich nicht von Menschen leiten,

Menschen sind wie Laub im Wind.

Jesus schafft Persönlichkeiten,

die das Salz der Erde sind.

Wag es mit Jesus, was deine Not auch sei!

Wag es mit Jesus, er macht dich frei!

Der Prophet Micha  gebraucht ein gigantisches Bild: „ER wird sich unser wieder erbarmen,

unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“

Die Meere sind dabei ein majestätisches Bild für die Weite, Tiefe und Unerschöpflichkeit des

Lebens. Wenn aber das Meer der Liebe Gottes, weit, tief und unerschöpflich, unsere Lebensschuld

bedeckt, dann ist sie wirklich vergeben und weg. Da darf man sie nicht wieder hervorholen

und sich damit quälen. Wenn Gott unsere Schuld im Meer seiner Liebe versenkt hat, dann

setzt er gleichsam am Ufer ein Schild dazu: „Angeln verboten!“ Denn das ist oft ein Problem von uns, dass wir wieder und wieder hervorholen wollen, was ER längst vergeben hat. Auch im zwischenmenschlichen Miteinander. In der Bibel

steht wiederholt, dass Gott das, was ER vergeben hat, auch nicht mehr sieht. – Es ist ausgelöscht! Es gibt also etwas, was Gott nicht sieht – nicht mehr sehen will – nämlich das, was ER vergeben hat. Und dann sollten wir Menschen nicht dahinter zurück wollen.

Und Gott will uns auch verändern. Wir müssen nicht immer der oder die Alte bleiben. Es ist wie bei einem Glas – oder bei Geschirr. Niemand wird ein gebrauchtes, dreckiges Glas verwenden wollen, um etwas Edles einzuschenken. Niemand wird seinem Besuch dreckiges Geschirr auftischen. Das ist weder appetitlich – noch einladend!

Aber was für ein verschmutztes Glas gilt, können wir im Blick auf uns übertragen: Gott möchte

uns leeren von allem was uns besetzt. Er will uns reinigen mit seiner Vergebung und uns füllen mit seinem Geist. Und schließlich will er uns gebrauchen in seinem Sinn.

Ich denke zurück: Wir waren eine sechsköpfige Familie und bei uns gab es damals noch keine Spülmaschine. Stattdessen hatten wir Kinder Abtrockdienst. Und ich erinnere mich an zwei Erfahrungen:  Je größer der Spülberg, desto kleiner war die Lust anzufangen; und je länger etwas antrocknete, desto mühsamer war es, es sauber zu bekommen.

So ist es auch mit Sünde und Schuld. Je schneller wir etwas bei Gott zum Reinigen abgeben,

desto angenehmer und leichter fällt es. Übrigens auch in unserem Miteinander: je schneller ich jemand nach einer bösen Begebenheit um Vergebung bitten kann, umso besser. Nur nicht zwischenmenschliche Schuldgeschichten lange rumtragen, sondern möglichst noch vor Sonnenuntergang klären.

Wo ist solch ein Gott wie Du, der uns so sehr liebt; sich so sehr nach uns sehnt; der uns

einfach helfen und segnen will. Das, was Micha hier schreibt, hat Jesus am Kreuz auf Golgatha

mit Seiner Liebe unterzeichnet – mit Seiner Versöhnung signiert. Und deshalb ist das Kreuz

eigentlich kein Todeszeichen, sondern wie auf den Berggipfel ein Siegeszeichen. Ein Zeichen,

dass das Leben, ja das ewige Leben siegt. Als die Römer in Karthago die Kreuzigung erfunden

haben, war es ein Zeichen des Todes. Bei Jesus ist es aber anders. Durch die Versöhnung am

Kreuz auf Golgatha, steht das Kreuz für das Leben, für das ewige Leben – gegen die Macht des Todes. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort!

Im Kreuz kreuzen sich Himmel und Erde!

Darum ist der allmächtige und heilige Gott nicht fern, sondern mit Seiner Liebe und Gnade ganz nah. Auch Dir. Er hat dich heute gesucht. Lässt Du dich finden?

Amen

Bei Rückfragen bitte wenden an: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de