Gottesdienst – Röm 6, 3-8

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6. Sonntag nach Trinitas 11.07.2010, Römer 6, 3 – 8

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.
Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten … Herr, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

(Am Taufstein) Nein, ich hab mich nicht verlaufen. Es ist Absicht, dass ich erst mal hier am Taufstein stehe. Am 6. Sonntag nach Trinitatis steht die Taufe im Mittelpunkt. Lesungen, Lieder Predigttext kommen darauf zu sprechen.

Die Taufe ist eines von zwei Sakramenten, die wir in der Evangelischen Kirche haben. Sie ist unverzichtbar für unser Christsein. Wer nicht getauft ist, gehört nicht zu Jesus Christus, der ist kein Christ. Jesus selbst hat den Auftrag gegeben zu taufen. Sein Taufbefehl ist das letzte, was er den Jüngern bei seiner Himmelfahrt sagt. Und den sollte jeder Christ kennen und können, darum müssen ihn auch unsere Konfirmanden immer noch lernen: Jesus Christus spricht:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.
Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Diese Jesusworte und das Wasser sind unbedingt nötig für eine gültige Taufe. Ob die dann in einer Kirche oder in einer Klinik oder in einem Wohnzimmer oder unter freiem Himmel geschieht ist nicht entscheidend. Nicht einmal ein Pfarrer muss die Taufe vornehmen. Es darf im Notfall jeder Christ taufen. Noch heute steht die Anweisung zum Vollzug einer Taufe in Notfällen in unserem Gesangbuch (Textteil Nr. 810).

Seit dem ersten Jahrhundert werden auch schon kleine Kinder, getauft. Martin Luther ist bereits einen Tag nach seiner Geburt getauft worden. Heute sind die Kinder meist einige Wochen oder Monate alt. Sie werden zur Taufe gebracht, wenn Mutter und Kind wieder so fit sind, dass sie das gut verkraften. Die meisten von uns können sich deshalb an ihre Taufe nicht erinnern. Dürfen wir das? Ja! Weil Gott durch Jesus alle notwendigen Voraussetzungen zur Taufe geschaffen hat, darum dürfen wir auch ein kleines Kind taufen, dass noch nicht begreifen kann und das auch noch nicht selbst entscheiden kann.

Das unmündige Kind wird dem lebendigen Gott in der Taufe von den Eltern anvertraut, in der Hoffnung, dass es später einmal begreifen und annehmen wird, was Gott ihm da anbietet und schenkt. Die Kinder, die Jesus so liebt und die er mit ihrem kindlichen Glauben den Erwachsenen als Vorbild hinstellt, sollen voll und ganz hineingenommen sein in die Gemeinschaft mit Jesus.

Damit aber kein Zwang draus wird und niemand gegen seinen Willen ein Leben lang zu Jesus gehören muss, hat man die Konfirmation eingeführt. Nach sorgfältiger Unterweisung werden da die angehenden Erwachsenen gefragt werden, ob sie zu ihrer Taufe und zu einem Leben mit Jesus Christus als ihrem Herrn ja sagen wollen. Jeder soll wissen, worum es im Glauben geht und was es für ihn bedeutet getauft zu sein.

Es gibt zwar ohne Taufe kein Christsein, aber man darf diese Aussage nicht einfach umdrehen und sagen: Also ist jeder ein Christ, der mal über den Taufstein gehalten und mit Wasser benetzt wurde. Wenn dem so wäre, könnten wir unsere Kirchen zusperren und bräuchten nur noch Taufkapellen.

Die Taufe und das Bekenntnis zur eigenen Taufe bei der Konfirmation oder auch später, hat ganz gravierende Folgen für unser Leben und für die Ewigkeit. Taufe fordert zu einem neuen Leben heraus. Zu einem Leben mit Gott und Jesus, im Sinn Gottes, in Achtung seiner Gebote und der Worte Jesu.

Leider haben das viele Getaufte, und Konfirmierte nie begriffen. Sie leben ohne Gott, unverbindlich, ohne Verbindung zu Gott. Sie können mit Jesus, seinem Sterben und Auferstehen nichts anfangen, brauchen weder Gottesdienst noch Bibel und meinen erstaunlicherweise sie seien dennoch Christen. Ein verbreiteter und folgenschwerer Irrtum. Im Markusevangelium (16,16) steht im Anschluss an den Taufbefehl das wichtige Wort: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden. Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Verdammt, das heißt, ausgeschlossen vom Reich Gottes.

Taufe ist zunächst ein großzügiger Gnadenakt Gottes. Geschenk und Zuspruch an einen Menschen, der das nie und nimmer verdient hat oder bezahlen kann. Gott schenkt die Befreiung von Schuld und deren Folgen für die Ewigkeit. Er schenkt Frieden und ewiges Leben. Er schenkt Nähe und Geborgenheit. Was er dafür von uns erwartet, ist Glauben. Und Glauben ist nichts anderes als Vertrauen und Gehorsam.

Das Vertrauen, was auch in meinem Leben geschieht, ich bin Gottes geliebtes Kind. Er meint es gut mit mir und will mich zu sich ziehen. Deshalb will ich ihm gehorsam sein und will so gut ich das kann nach seine Geboten und Ordnungen leben. Taufe hat mit den Grundtatsachen des Lebens zu tun: Mit Geboren werden und Sterben, mit Bedrohung und Rettung. In seinem Brief an die Römer versucht der Apostel Paulus das den Leuten klar zu machen, die meinen: Wenn ich nur getauft bin, dann kann mir ja nichts mehr passieren. Dann kann ich leben wie ich will, sündigen so viel ich Lust habe, meine Taufe garantiert mir ja trotzdem Gottes Gnade.

Solchem Denken, das heutzutage weit verbreitet ist, das es aber offensichtlich auch schon im ersten Jahrhundert in der Christenheit gab widerspricht der Apostel Paulus vehement mit den Worten unseres heutigen Predigttextes (Röm 6,3-8):

Wisst ihr denn nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?
So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten, durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.
Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.
Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen.
Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

Leute, dem Paulus geht’s nicht um eine nette Familienfeier mit schönen Bildern von der Taufe, sondern um Leben und Tod. Taufe und ihre Folgen sind kein Werbegag des lieben Gottes, mit dem er die Massen fängt, damit sie dann ein Leben lang Kirchensteuer zahlen müssen und nichts davon haben. Sondern die Taufe hat Gott das höchste Opfer abverlangt.

(zum Altar) Und jetzt muss ich mal ein Stück weiter gehen, zum Altar. Da steht in der Mitte ein großes Kreuz. Es führt uns den Preis unserer Rettung vor Augen. Ja, unsere Taufe hat mit dem Sterben von Jesus zu tun. Mit einem unmenschlichen schmerzvollen und grausamen Sterben. An seinem Kreuz hat Jesus, der Sohn Gottes die Sünde der Welt auf sich genommen. Konkret: Dieses Kreuz steht für alle Lügen und lieblosen Aktionen, alle Gemeinheiten und Schweinereien, alle Gotteslästerungen und Zweifel, alle Arroganz und Frechheit derer, die getauft sind. Und der am Kreuz ist die Rettung aller die nur glauben wollen. Nicht für die anderen, die mit ihm nichts zu tun haben wollen, ist Jesus am Kreuz gestorben, sondern für die Christen, für die, die wirklich zu ihm gehören wollen, aber durch ihre Schuld und Schwachheit nicht könnten. Deren Sünde ist mit Christus am Kreuz gestorben und Gelöscht!

Jeder Getaufte, der aus seiner Taufe leben will, darf immer wieder sich auf das Kreuz und auf Jesus Christus berufen und in seinem Namen um Vergebung bitten. Dieses Recht wird durch die Taufe geschenkt. Aber es muss in Anspruch genommen werden. Erbeten. Wie Martin Luther sagt: Durch tägliche Reue und Buße soll der alte Mensch ersäuft werden.

Dafür ist ja die Taufe eine Gleichnishandlung. Das Wasser bei der Taufe ist nicht nur das Zeichen des Abwaschens und des Lebens, sondern auch Zeichen des Gerichts und des Untergangs. Bei der Sintflut hat Gott die Menschen, die sich nicht um ihn gekümmert haben und die einander nur Böses angetan haben, in den Fluten verderben lassen.

Vielleicht haben sie in alten Kirchen schon große Taufsteine gesehen, so tief wie ein alter Waschkessel. Die hat man früher bei der Taufe mit Wasser gefüllt und dann das Kind für einen Moment ganz untergetaucht, um an das Gericht Gottes zu erinnern, das über dem verdorbenen und gottlosen Menschen steht. Und dann hat man es aus der Bedrohung, aus dem sicheren Tod herausgehoben, gerettet, zu einem neuen Leben mit Christus und durch Christus. Aus der Taufe gehoben.

Man wollte damit drastisch deutlich machen: Ohne Christus bist du schon so gut wie tot für Gott und die Ewigkeit, aber mit Christus bist du gerettet, darfst leben, nicht nur einige Jahrzehnte, sondern für ewig. So wie Christus nicht im Tod geblieben ist, sondern auferstanden ist zum ewigen Leben in seiner unvorstellbaren Herrlichkeit, so sind auch wir berufen zu diesem wunderbaren Reich. Durch die Taufe und durch Glauben, der aus dem Zuspruch der Taufe lebt.

(Weiter zum Auferstandenen) Darum ist hier in unserer Kreuzkirche der Auferstandene so groß und unübersehbar an der Altarwand dargestellt, dass wir das vor Augen haben: Wer sein altes von Sünde durchdrungenes Ich mit Christus am Kreuz sterben lässt, der hat Anteil an Auferstehung und Ewigem Leben. Der ist von Gott angenommen. Der darf auch jeden Tag nach Gebet und Glauben wieder als neuer Mensch aufstehen und sich geliebt und geborgen wissen.

Jeder so Glaubende darf wissen: Ich bin nicht ein Opfer meiner Sünden und bösen Lüste, ich bin nicht verloren in meinen Zwängen und Gebundenheiten, sondern befreit und erlöst und werde immer wieder neu befreit und gelöst von der Last meiner Schuld. Nicht von selber, nicht durch billige Gnade, die einen trifft, ob man es will oder nicht, sondern durch Gottes Liebe, die den höchsten Preis zahlt, der vorstellbar ist.

(Zur Kanzel.) Und jetzt geh ich noch ein Stück weiter auf die Kanzel, dorthin, wo Sonntag für Sonntag Gottes Wort gepredigt wird, wo, wenn Geistliche ihre Verantwortung ernst nehmen, immer von Gericht und Gnade die Rede ist. Hier wirkt der heilige Geist Glauben. Den Glauben, der dann auch aus der Taufe lebt. Den Glauben, der nach Niederlagen wieder aufsteht, der nach Schuld und sei sie noch so schwer wieder um Vergebung bittet. Den Glauben, der dann auch gegen alle Vernunft und Menschenweisheit festhält an Gottes Liebe.

Heiliger Geist, der Glauben wirkt ist schon dem Kind in der Taufe zugesagt. Über dem Taufstein leuchtet unser sogenanntes Pfingstfenster, mit seinem kräftigen farbigen Glas und erinnert an das Feuer des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist, der aus dem Wort Gottes kommt, wirkt lebendigen Glauben. Dass wir durch Bibel, Predigt und Gebet immer mehr glauben. Eltern, Paten, Pfarrer und Religionslehrer sollen dabei helfen.

Ich bin heute mit Ihnen in dieser Predigt einen Weg gegangen: Vom Taufstein zum Kreuz und vom Kreuz zum Auferstandenen und dann zur Kanzel, dem Ort, an dem Kreuz und Auferstehung, Gericht und Gnade verkündigt werden. Diesen Weg sollen wir im Glauben immer wieder gehen. Martin Luther, so wird berichtet, hat manchmal für sich selbst in Stunden des Zweifels und der Glaubensmüdigkeit mit Kreide auf den Holztisch geschrieben: Bapticatus sum! Das heißt auf Deutsch: Ich bin getauft! Das ist geschehen. Das gilt mir. Und dabei ging es ihm nicht um eine fromme feierliche Handlung, sondern um das, was Gott ihm in der Taufe zugesprochen hat: Du gehörst zu mir. Du bist mein Kind. Dir gilt meine Erlösung durch Jesus Christus. In seinem Namen darfst du immer wieder Vergebung erbitten. Dein alter Mensch ist mit Christus gestorben und ich mache einen neuen Menschen aus dir. Einen Menschen, der für immer bei mir sein darf.

Also, wer sich allein mit dem Getauftsein begnügt, hat nichts davon. Der ist getauft, aber weil er nicht glaubt wird er verdammt. Wer aber glaubt und sich auf die Taufe beruft und mit den Zusagen seiner Taufe lebt, der ist gerettet. Der wird unter dem Kreuz und im Vertrauen auf Gottes Auferstehungskraft von neuem geboren. Wird zu einem neuen Leben geboren, das er gar nicht mehr ohne Gott führen will. Zu einem Leben, das er im Gehorsam des Glaubens gestalten möchte, nicht muss.

Auch solche von neuem Geborene sind nicht vollkommen. Sie machen Fehler, sie sündigen, sie sind schwach und tun oft, was sie gar nicht wollen, aber sie stehen trotzdem nicht im Gericht, sondern unter der Gnade Gottes. Sie gehen immer wieder den Weg, von ihrer Taufe zum Gekreuzigten und zum Auferstandenen, zum Altar, wo sie in Leib und Blut Christi seine Vergebung und Gegenwart annehmen. Sie kommen immer wieder zur Kanzel und zum Wort Gottes, von dem sie sich Trost und Hoffnung, Wegweisung und Hilfe erhoffen.

Wir werden, so verspricht es das Evangelium, wenn wir auf diesem Weg bleiben, ewig leben, weil Christus für uns gestorben und auferstanden ist und weil uns Gottes Geist zurecht bringt und weil in der Taufe unser Name mit diesen Zusagen Gottes verbunden. Auch wenn wir manchmal nicht wissen, wie das gehen soll, wenn wir den Weg nicht wissen, der vor uns liegt, er weiß ihn und er führt ihn uns. Solcher Glaube macht die Seele still und friedevoll. Amen.

Verfasser: Martin Schöppel © , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168