Gottesdienst – Röm 6 18 bis 23
Zur PDF8. Sonntag nach Trinitatis, 13.07.2008, Römer 6, 18-23
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt…
Das Schriftwort für die heutige Predigt steht im 12. Kapitel des Römerbriefes. Der Apostel Paulus schreibt:
Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit eueres Fleisches willen. Wie ihr euere Glieder hingegeben hattet an den Dienst der Unreinheit und Ungerechtigkeit zu immer neuer Ungerechtigkeit, so gebt nun euere Glieder hin an den Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden.
Denn als ihr Knechte der Sünde wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun damals für Frucht? Solche, deren ihr euch jetzt schämt, denn das Ende derselben ist der Tod.
Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das Ewige Leben.
Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus unserem Herrn.
An diesem letzten Satz bleiben meine Gedanken zuerst hängen: Der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus unserem Herrn.
Tod und Leben stellt der Apostel Paulus da hart nebeneinander. Der Tod ist für ihn die Folge der Sünde, das Leben, sogar das ewige Leben kommt als Gabe Gottes aus der Verbindung mit Jesus Christus.
Da hör ich die Kritiker aufschreien: „Typisch Bibel, schwarz-weiß Malerei! So einfach ist es doch auch nicht! Oder soll das etwa heißen, dass einer, der jung stirbt, ein besonderer Sünder war?“ Bestimmt nicht. Wenn es danach ginge, dann dürften wir alle nicht mehr leben. Die Bibel macht deutlich, dass wir alle Sünder sind. „Wenn du, Herr, Sünde anrechnen willst, Herr, wer wird bestehn?“ So betet einer im 139. Psalm.
Alle stehen von Natur aus unter der Herrschaft der Sünde und darum müssen alle in den Tod. Wir haben alle auch die Gene Adams und Evas in unserem Erbgut. Seit der Vertreibung aus dem Paradies – seit der Trennung von Gott – herrscht der Tod in dieser Welt. Und ob wir wollen oder nicht, werden wir tagtäglich damit konfrontiert.
Freunde, gute Nachbarn, Verwandte sterben. Manche langsam und schwer leidend, andere schnell und unerwartet, mitten aus der Arbeit, mitten aus der Familie oder im Urlaub. Auch wenn wir es oft wegschieben, wissen wir doch, einmal bin auch ich an der Reihe. – Oder Du, Konfirmand – oder Sie. Denn der Tod ist der Sünde Lohn. Der Tod ist die Folge einer von Gott getrennten Welt, die sich als Todeskarussell Tag für Tag, Jahr für Jahr um sich selbst und um die Sonne dreht. Und wir alle, auf diesem großen blauen Karussell, sind eingeschlossen ist das Gesetz der Sünde. Da ist kein Entrinnen möglich!
Doch, sagt Paulus. Seit Jesus Christus gibt es einen Weg. Seit der Sohn Gottes den Kampf gegen den Tod gewonnen hat. Seitdem er von der Macht der Sünde befreit, gibt es einen Ausweg, den einzigen. Wer sich an ihn hält, braucht den Tod nicht zu fürchten. „Wer an mich glaubt“, so verspricht Jesus, „der wird leben, auch wenn er stirbt.“
Tamara Danz, eine Rockmusikerin, die vor einem guten Jahrzehnt an einem Krebsleiden starb, sang in einem ihrer letzten Lieder: „Das einzige, was mir noch droht, ist noch so ein Leben nach dem Tod.“ Sie hat, wie viele Menschen unserer Zeit, die Hoffnung auf die Ewigkeit Gottes, die Hoffnung auf Erlösung und Heil verloren oder nie kennen gelernt. Aus ihrer Liedzeile lässt sich entnehmen, dass sie nichts von christlicher Auferstehungshoffnung wusste, sondern im hinduistisch-buddhistischem Reinkarnationsdenken gefangen war. Da glaubt man, dass jede Seele immer wieder neu in ein Lebewesen auf dieser Erde zurück muss. Leben wird als Last und Fluch empfunden und Erlösung wäre es, endlich nicht mehr leben zu müssen.
So wie in der griechischen Mythologie Syssiphos den Felsblock immer wieder neu den Berg hinaufschaffen muss und kurz vor dem Ziel rollt er wieder ins Tal, so müssen nach fernöstlicher Lehre die Menschen immer wieder in ein Leben, alles noch einmal durchmachen, von der Geburt bis zum Tod. Immer wieder, bis sie vielleicht irgendwann einmal, wenn sie sich genug angestrengt und alles richtig gemacht haben, ins Nirwana eingehen, jenen Zustand, in dem alles Empfinden aufhört. Da gibt’s keine Gnade, keinen Gott, der sich erbarmt, der vergibt, der Erlösung schenkt. Und darum bleibt über den Tod hinaus die Angst, das alles immer wieder durchmachen zu müssen.
Ganz anders zeigt uns die Bibel Gottes Vorstellung vom Leben. Für den Christen ist Leben Gottes Geschenk, kein Fluch, ein Schatz, eine gute Gabe und wo es uns manchmal trotzdem schwer wird, da macht Gott uns Mut: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! Vertrau mir! Du gehörst zu mir! Ich habe eine gute Zukunft für dich! Die Fülle des Lebens, das ewige Leben! Nicht in der alten gefallenen Welt, nicht wieder vergänglich und leidvoll, sondern ewig und voll Freude und Frieden.
Die Botschaft des ewigen Lebens ist keine Drohung vor der man sich fürchten muss, sondern eine großartige und wunderbare Aussicht, die uns hilft mit den Erfahrungen der Vergänglichkeit und des Todes in dieser Welt fertig zu werden. Wer sich auf das verlässt, was Jesus, was das Neue Testament über Leben und Sterben sagt, findet Trost und Kraft, wenn er selber betroffen ist von Krankheit, Leid und Tod oder wenn er einen lieben Menschen hergeben muss.
Jesus redet im Johannesevangelium ganz menschlich und fürsorglich vom ewigen Leben (Joh.14, 2): In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Wohnungen sind Orte der Geborgenheit, der Sicherheit, da bin ich zu Hause, da darf ich bleiben. Und in der Offenbarung heißt es dann von denen, die in Gottes neuer Welt leben (Off.21, 3): Gott wird bei ihnen wohnen. Nicht mehr unsichtbar, sondern von Angesicht zu Angesicht.
Wer diesen Aussagen der Bibel glaubt, der darf für sich selber sagen, wie David (Ps. 23, 6) Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Auch wenn es vorher vielleicht durch manches finstere Tal geht, bin ich doch getröstet. Wenn es mir dreckig geht, wenn ich nicht mehr kann, nicht weiß wie es weitergehen soll, ist er da und macht mir Mut und hilft mir weiter. Und am Ende bringt er mich an dieses große Ziel, trotz meiner Schwachheit, trotz meiner Fehler, trotz meiner Sünde. Jesus hat sie mir abgenommen. An seinem Kreuz hat er mein Todesurteil aufgehoben.
Im Johannesevangelium (Kap.17,24) steht ein wunderbares Gebet, das Jesus für seine Leute spricht: Vater, ich will, dass wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast. Martin Luther nennt diese Fürbitte des Herrn einmal „ein Flaumfederbett für unsere Seelen, dass wir mit fröhlichem Herzen dahinfahren, wenn das liebe Stündlein da ist.“
Und auch Paulus erinnert uns hier an diesen großartigen Kern des Evangeliums: Daraus sollst du deine Kraft schöpfen. Aus dieser Glaubenszuversicht sollst du an deine Arbeit gehen und in jeden neuen Tag. Dann verschwindet auch die Resignation und die Niedergeschlagenheit, wenn du dir immer wieder vor Augen stellst: ich habe ein wunderbares Ziel, an das mich Jesus bringt. Gottes Zorn über meine Sünde ist durch ihn überwunden. Er tritt für mich ein.
Christen, die sich dieses Ziel nehmen lassen, sind arm dran. Sie haben einen armseligen diesseitigen Glauben. Paulus sagt sogar: Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die Elendsten unter allen Menschen. (1.Kor.15,19)
Elend ist ein Christ, der ohne die Erwartung der Herrlichkeit Gottes lebt. Der ist wie jemand, der ein wunderbares Menu zubereitet und sich nicht darauf freut, es auch essen zu dürfen.
Oder wie jemand, der ein schönes Haus baut, aber sich gar nicht danach sehnt, dass er einmal wohnen darf. Der verhält sich wie ein Reisender, der sich eine Fahrkarte kauft, sich in den Zug setzt, aber gar nicht glaubt, dass er je an seinem Ziel ankommen wird.
Wir haben in unserem Leben viel kleine oder auch große Ziele. Die sollen wir auch haben. Das Klassenziel zu erreichen, die Schule gut zu machen, die Ausbildung oder das Studium erfolgreich abzuschließen, einen Beruf auszuüben, einen Menschen zu finden, der das Leben mit uns teilt. Auch in unseren Berufen haben wir Ziele, voranzukommen. In der Familie, dass aus unseren Kindern etwas wird. Als älterer Mensch hat man das Ziel, seine Selbständigkeit zu erhalten, niemandem zur Last zu fallen, mobil zu bleiben und nicht senil zu werden.
Gut, wenn wir Ziele haben. Dann tun wir auch was dafür. In der Schule und im Studium setzt man sich hin und lernt. Im Beruf hängt man sich rein, in der Familie kümmert man sich um die Kinder. Im Alter bewegt man sich, um nicht steif zu werden, man trainiert sein Gedächtnis, damit es nicht degeneriert. Man versucht sich gesund zu ernähren und krank machende Schadstoffe zu meiden. Tun wir doch alle, oder?
Über jedes erreichte Ziel freuen wir uns. Schuljahr bestanden, Abschlussprüfung gelungen, Stelle bekommen, geheiratet, Haus gebaut… Manche tun auch viel, um sportliche Ziele zu erreichen. Auch nicht schlecht, wenn man’s nicht übertreibt und sich nicht dopt. Es gibt viele gute Ziele, aber viele vergessen darüber das eine große Ziel, das einmal dann erreicht wird, wenn alle anderen Ziele im Leben ihre Bedeutung verloren haben. Der Seelen Seligkeit. Das ewige Leben. Mit dabei sein im Reich Gottes, in der Herrlichkeit, die alles in den Schatten stellt, was man in dieser Welt an Zielen erreichen kann.
Was kann man denn tun, um dieses Ziel zu erreichen? Paulus sagt: Lebt nicht als Knechte der Sünde! Lebt nicht ohne Gott! Damals, so sagt er den Christen in Rom, als ihr zum Glauben kamt, hat Christus euch frei gemacht von der Sünde und ihr habt ihn als Herrn angenommen. Jetzt lasst ihn doch Regie führen in euerem Leben. Sonst war alles umsonst. Ohne Gott kann euer Leben nicht fruchtbar werden für die Ewigkeit.
Der reiche und mächtige König Salomo gibt uns im 127.Psalm weiter, was er trotz seiner Schätze und seines Erfolgs begriffen hat: Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esst euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er’s im Schlaf.
Seinen Freunden? Wer sind denn die? Vielleicht gehöre ich da ja gar nicht dazu? Alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, alle die sein Ziel erreichen wollen, wenigstens wollen, sind seine Freunde. Auch Du, auch Sie. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott, dichtete Paul Gerhard (EG 351,11 1+2) und fuhr fort: Nun weiß und glaub ich’s feste und rühm’s auch ohne Scheu, dass Gott der Höchst’ und Beste, mein Freund und Vater sei und dass in allen Fällen er mir zur Seite steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.
Es waren damals die Stürme des Dreißigjährigen Krieges, die Wellen der Pest und manches persönliche Weh, beim Verlust von Kindern und seiner lieben Frau. Er hat sich den besten Freund nicht nehmen lassen und auch nicht das größte Ziel.
Ein Vater fragte seinen Sohn, was der sich zum Geburtstag wünsche. Spontan antwortete der Junge: „Ein Pferd!“ Erschrocken fragte der Vater zurück: „Aus Holz?“ „Nein!“ „Aus Metall?“ „Nein!“ „Aus Plastik?“ „Nein!“ „Ja, aus wenn denn dann?“ „Aus Pferd natürlich!“ – Ein echtes Pferd kann nur aus Pferd sein. Alles andere wäre nur ein billiger Ersatz.
Was wünschen wir uns von diesem großen, mächtigen Freund? Leben. Ganzes erfülltes Leben! Und wenn jemand zurückfragt: Aus Arbeit? – Nein! Aus Erfolg? – Nein! Aus Luxus? – Nein! Ja, woraus denn? Aus Leben, das nicht aufhört.
Solches Leben kann nur von dem kommen, der selber das Leben ist. Dieses Leben kann nur der bekommen, der sich dem lebendigen Gott anvertraut, der sich unter ihn stellt und alles von ihm erwartet. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich. (Joh. 14, 6) Ruft uns Jesus zu. Und in der Mitte des Jahres sei einmal an die Jahreslosung erinnert, die auch nichts anderes zum Inhalt hat: Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. (Joh. 14,19)
Bitten wir ihn um dieses Leben, um diese Hoffnung, dass uns dieses Ziel ganz neu groß werde. Amen.
„Hoch tut euch auf ihr Tore der Welt, dass der König der Ehre einziehe!“ Das singt uns jetzt unsere Kantorei.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168