Gottesdienst – Röm 8, 31b-39

Zur PDF

Jahresschlussgottesdienst, 31.12.2009 Röm 8, 31b-39

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten … Herr, wir bitten dich, gib uns deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.

Besondere Tage brauchen besondere Botschaften. Ein Geburtstag braucht die Botschaft: Wir denken an Dich, wir mögen Dich, auch mit Deinen Marotten. Wir wünschen Dir Gutes. Der Hochzeitstag braucht die Botschaft: Ich liebe Dich noch immer. Du bist mir wichtig und wertvoll. Ich brauche Dich. Ich danke Dir. Der Jahrestag eines Unfalls braucht die Botschaft: Ich bin dankbar, dass ich noch lebe. Ich will nicht vergessen, dass mir das Leben noch einmal geschenkt wurde. Ich will nicht vergessen…

Besondere Tage brauchen besondere Botschaften. Selbst der Todestag eines Menschen, der uns wichtig war braucht eine Botschaft. Zum einen die Botschaft: Ich habe Dich nicht vergessen. Ich denke an Dich, Du fehlst mir. Zum anderen die Botschaft. Dieses Leben ist nicht alles. Gott hat mehr Leben, hat ewiges Leben für uns vorgesehen.

Weihnachten hat die Botschaft Dir ist der Heiland geboren! Es ist verhängnisvoll, wenn wir die besonderen Tage zu gewöhnlichen Tagen werden lassen und wenn ihre Botschaften uns nicht mehr erreichen oder vergessen werde.

Auch der letzte Tag des Jahres ist so ein besonderer Tag. Mit besonderen Gedanken und Gefühlen verbunden. Nicht umsonst ist dem letzten Tag des Jahres auch der 103. Psalm zugeordnet in dem es heißt: Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Der letzte Tag des Jahres ist auch ein Tag gegen das Vergessen. Vor allem das Gute sollen wir nicht vergessen. Das Gute, das uns der Herr getan hat. Denn alles in allem ist Gott gut zu uns. Das Wort dieses Tages, auch aus dem 103. Psalm: Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Das ist die Botschaft dieses Tages in einem Satz zusammengefasst.

Wir können auch heuer wieder den Jahresschlussgottesdienst miteinander feiern. Wir leben! Es ist Frieden in unserem Land. Auf den Feldern und in den Gärten konnte geerntet werden. Wir sind vor großen Naturkatastrophen verschont geblieben. Wir hatten jeden Tag gedeckte Tische und sauberes Wasser, soviel wir wollen. Hoffentlich nimmt das niemand unter uns gleichgültig und für selbstverständlich.

In den letzten Tagen sind uns doch wieder genug Bilder gezeigt worden, in den vielen Jahresrückblicken, von verheerenden Feuer- und Wasserkatastrophen, von Dürre und Hungersnot, von tödlichen Unfällen, teuflischen Terrorakten, von furchtbaren Verbrechen, von Seuchen und anderen schlimmen Ereignissen in der Welt. Und wir sind davongekommen, bewahrt worden.

Bei manchen unter uns gab es wohl auch persönliche Nöte, kleinere und vielleicht sogar größere Katastrophen, Verluste, Niederlagen und Abschiede. Aber wir haben gespürt und erfahren, dass uns geholfen wurde. Von Menschen und von Gott. Hoffentlich konnten Sie vorhin bewusst singen: Nun danket alle Gott, mit Herzen Mund und Händen, der große Dinge tut, an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut bis hierher hat getan.

Unser Leben ist keine Sicherheitszone, sondern ein von Gefahren gesäumter Weg. Und Gott verspricht keinem Menschen, dass ihm immer nur die Sonne scheint, dass er immer nur Glück hat und lebenslang lächeln kann. Er ordnet Höhen und Tiefen in unseren Weg hinein. Da sind manche harten Zeiten durchzustehen mit viel Arbeit, viel Krankheit, vielen Enttäuschungen. Und der Herr wartet darauf, dass wir ihn in solchen Zeiten ganz besonders suchen, ganz besonders um Hilfe bitten und ihm vertrauen.

Wenn Gott uns etwas nimmt, dann nur, damit wir das noch mehr sehen, was er uns dafür gibt und was wir haben. Besondere Tage brauchen besondere Botschaften. Eine ganz besondere Botschaft an der Schwelle vom alten zum neuen Jahr ist unser Schriftwort für die Predigt an diesem letzten Tag des Jahres 2009. Es ist aus dem 8. Kapitel des Römerbriefes und der Apostel Paulus macht uns darin klar, was das Kostbarste ist im Leben und woran wir uns halten sollen. Er schreibt:

Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.

Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst, Verfolgung oder Hunger, Armut, Gefahr oder gewaltsamer Tod?

Gewiss nicht! Es heißt ja schon in der Heiligen Schrift: “Wie Schafe, die geschlachtet werden sollen, wird man uns deinetwegen überall verfolgen und töten.“

Aber dennoch: Wir werden über das alles triumphieren, weil Christus uns so geliebt hat.

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod, noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist unserem Herrn.

Ist Gott für uns, wer kann dann gegen uns sein? Das ist die

Botschaft des Paulus gegen die Angst vor der Zukunft: Überleg doch mal, wenn du den Stärksten auf deiner Seite hast, wer kann dir dann etwas tun? Was darf Dir dann schaden? Wenn der Herr dein Licht und dein Heil ist vor wem solltest du dich dann fürchten? Wenn der Herr deines Lebens Kraft ist, wovor sollte dir dann grauen? (Ps 27,1)

Ist Gott für uns, wer kann dann gegen uns sein? – Schön, aber woher weiß ich denn, dass er für mich ist? Hätte er nicht genug Gründe gegen mich zu sein? Hab ich ihn nicht auch im vergangenen Jahr wieder oft genug vergessen, enttäuscht, missachtet, überhört? Vielleicht ist er ja gar nicht für mich. Vielleicht kann er ja gar nicht mehr für mich sein! So werden manche unter uns immer wieder angefochten. Auch ich kenne das. Es gäbe viele gute Gründe für Gott gegen uns zu sein. Aber es gibt einen Grund der für uns spricht und der ist gewichtiger. Jesus Christus!

Der seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

So ist das: Gott hat zu viel investiert um uns aufzugeben. Seine Liebe ist zu groß um unter unserer Schuld zu verschwinden. Nein, es ist umgekehrt. Unter seine Liebe verschwindet unsere Schuld. Und wenn sie noch so groß ist, die Liebe Gottes in Jesus Christus, unserem Herrn ist noch größer. Darum kann nichts uns von ihr trennen. Nichts!

Die Aufzählung die der Apostel hier vornimmt, ist schon ziemlich umfassend: … weder Tod, noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist unserem Herrn.

Wenn jemand unter uns sitzt und hat eine tödliche Krankheit in sich oder eine lebensbedrohliche Operation vor sich, dann darf er ganz ruhig, gelassen, getrost sein und wissen: Auch das trennt mich nicht von der Liebe Gottes. Wie meine Sache auch ausgeht, ich werde dabei getragen von der Liebe Gottes, geführt und gehalten von dem Herrn Jesus Christus.

Auch das Leben, in das Sie gestellt sind, mit all seinen Anforderungen und Aufgaben, mit der Verantwortung, den Lasten und Entscheidungen, kann Sie nicht trennen von der rettenden und helfenden Liebe unseres Herrn. Nicht einmal das Leben, das Sie vielleicht im vergangenen Jahr weit weg von Gott geführt haben, auf eigenen Wegen, auf falschen Wegen, auf gottlosen Wegen, wird Sie trennen von der Liebe Gottes in Jesus Christus. „Er hält seine Arme am Kreuz ausgespannt und bittet dich: Komm doch zu mir!“

Martin Luther hat einmal gesagt: Und wenn ein Engel vom Himmel käme und würde zu mir sagen, dass Christus nicht für mich gestorben ist, dann würde ich es nicht glauben. Die Liebe Gottes kann und wird auch kein Engel aufheben. Wir dürfen sie im Glauben für uns nehmen. An jedem Tag neu, in jeder Stunde und in jeder Minute neu!

Es gibt keine Macht und keine Gewalt, die das außer Kraft setzen kann. Auch keine Krankheitsmacht und keine Staatsmacht. Wie oft haben römische Gerichte in urchristlicher Zeit, germanische Fürsten in vorchristlicher Zeit unseres Landes das erfahren, dass Christen ihnen widerstanden, auch wenn es sie das Leben kostete. Die Zeugen und Missionare wussten sich gehalten von der Liebe ihres Herrn Jesus Christus. Auch in den Verhören der Gestapo, des KGB, der Stasi und wie die Gewalten sonst noch heißen mögen. Selbst die Mächte und Gewalten der Finsternis dürfen denen nichts anhaben, die sich unter den Schutz und die Liebe des Herrn Christus stellen.

Weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges kann uns scheiden von der Liebe Gottes. Was für eine wunderbare Zusage. Sicher sitzen manche unter uns, denen es heute nicht besonders gut geht. Denen gegenwärtiges Leid, gegenwärtiger Kummer zu schaffen macht. Schmerzen, Einsamkeit, Trauer wollen sie niederdrücken. Auch denen sagt der Apostel Paulus. Es ist trotzdem eine ganz große Liebe für dich da. Du bist nicht ausgeschlossen von Gottes umfassender Barmherzigkeit.

Und manchen von uns wird bange sein vor Zukünftigem. Was wird das Jahr 2010 bringen? Wird mein Arbeitsplatz erhalten bleiben? Werde ich meinen Betrieb halten können? Werde ich wieder gesund? Wie geht es mit meiner Ehe weiter? Was wird aus meinem Kind? Wie soll ich meine Rechnungen bezahlen, mein Haus halten, meine beruflichen Probleme lösen? Wie ein Berg, ja wie eine Wand steht die Zukunft manchmal vor uns.

Im Psalm 121 betet einer: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? So haben sich die Menschen auch schon vor 3000 Jahren gefragt und sich dann voll Gottvertrauen im Glauben selber die Antwort gegeben: Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen und der dich behütet schläft nicht. Wie gut, dass das auch für Sie und mich gilt: ER ist unsere Hilfe! ER lässt uns nicht abrutschen in die Hoffnungslosigkeit. ER schläft nicht!

Es hat schon seinen guten Grund, dass wir jeden Gottesdienst mit dieser Aussage und mit der persönlichen Zusage beginnen: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn Fußballer oder Basketballer am Beginn eines schweren Spieles einen Kreis bilden, sich an der Hand fassen oder einander die Arme auf die Schultern legen, dann machen sie sich Mut und zeigen, das sie zusammenhalten, dass sie kämpfen wollen u den Sieg.

Wenn wir als Christen zum Gottesdienst zusammenkommen, dann ist das auch so ein Zusammenstehen. Wir stimmen ein in unser Bekenntnis, unser Gebet, unsere Bitte um Vergebung. Und unser Herr nimmt uns bei der Hand. Er legt uns seine starken Arme, seine wunderbaren Heilandshände um die Schultern, auf den Kopf und sagt: Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir! Ich bin deine Hilfe! Verlass dich drauf!

So ist auch die neue Jahreslosung für 2010 so ein kraftvoller Zuspruch an der Schwelle zu einem neuen Jahr. Wie schwer es vielleicht auch werden mag. Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! (Joh 14,1) Wenn in ein paar Stunden wieder viele ihre Angst vor der Zukunft durch laute Böller und grell leuchtende Raketen zu verscheuchen suchen, dürfen wir in den bunten und lauten Nachthimmel hinausschauen und wissen, dass wir von einer noch viel stärkeren Macht geliebt, beschützt geführt sind. Der Schall der Böller verklingt, das Licht der Raketen ist schnell erloschen, ihr Rauch bald verzogen. Und der Rausch dieser Nacht wird zum Katzenjammer des Neujahrsmorgens. Aber wir verlassen uns nicht auf Schall und Rauch, Glück und Rausch, sondern auf den lebendigen Gott. Wir erschrecken nicht, sondern glauben an Gott und den Herrn Jesus Christus. Das trägt!

Getragen durch schwierige Zeiten,
getragen durchs Grauen der Nacht,
beschützet von allen Seiten,
der Vater im Himmel hält Wacht.
Gott mit dir! Gott mit dir!
Die Flügel sind stark unter dir.
Der dich hebt, der dich trägt,
voll Liebe sein Herz für dich schlägt.

Amen.

 

Verfasser: Martin Schöppel © , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168