Gottesdienst – Psalm 139

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Beichtgottesdienst Konfirmation 24.04.2010, Psalm 139

Unser ganzes Leben liegt offen da vor Gott. Egal ob einer an Gott glaubt oder nicht, ob jemand sich bemüht nach seinen Geboten zu leben oder ob die ihm völlig gleichgültig sind. Unser ganzes Leben liegt offen da vor Gott. 

Vielleicht denken manche: Für mich ist noch gar nicht mal klar, ob es Gott überhaupt gibt. Ich seh’ ihn doch nicht und ich merk auch nichts von ihm. Und es passiert so vieles in der Welt und in meinem Leben, was ich nicht mit Gott zusammenbringe. Wie kann Gott dann alles wissen?

Es gibt Glasscheiben, die sind so beschichtet, dass man nur von einer Seite aus durchsehen kann. Wenn man von der verspiegelten Seite aus davor steht, kann man sich noch so anstrengen, man sieht einfach nicht durch, man weiß nicht, was dahinter ist, man sieht nur sich selbst. Von der anderen Seite aber ist das Glas klar und durchsichtig. Der Beobachter überblickt den Raum und sieht alles, was geschieht.

So etwa darf man sich das vorstellen. Wir sehen den auf der anderen Seite von Raum und Zeit nicht. Er entzieht sich unseren Blicken. Wir stehen im Leben und starren angestrengt in die Ereignisse um uns herum und sehen oft nur uns selbst. Gott aber ist da. Er ist in unmittelbarer Nähe. Unseren Blicken verborgen. Er überblickt den ganzen Raum und das ganze Geschehen.

Der Beter des Psalms, den ich gerade gelesen habe und nachdem das Lied getextet ist, das wir eben gesungen haben, macht sich das bewusst und er will es uns bewusst machen: Du, Gott, siehst meine Wege, Du erfasst meine Worte, noch bevor sie über meine Lippen kommen. Ja, du weißt meine Gedanken. Dir ist klar, was ich plane und warum ich etwas tue.

Ich bitte Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, ich bitte Sie, liebe Angehörige, liebe Gemeinde, lassen Sie doch diesen Gedanken einmal zu. Geben Sie dieser Vorstellung Raum: Unser ganzes Leben liegt offen da vor Gott. Er weiß, warum und mit welchen Gedanken Sie hier sitzen. Vor Menschen können wir uns verstellen, eine Fassade aufrichten, hinter der es ganz anders aussieht, aber Gott durchschaut uns.

Vor Gott brauchen wir gar nicht so zu tun, als ob es anders wäre. Er sieht’s doch, wie es wirklich ist. Als ich in der Schule mal eine Ex geschrieben habe, fiel mir eine Schülerin auf, die unter der Bank ihr aufgeschlagenes Heft hatte und immer wieder verstohlen hineinsah, um abzuschreiben. Ich hab sie natürlich sofort drauf angesprochen: Du, was hast Du unter deiner Bank? Ist das Dein Religionsheft? Erschrocken sah sie auf, setzte ihr unschuldigstes Gesicht auf und sagte: „Nichts! Nein!“ Da sie nur für die Religionsstunde in einem anderen Raum war, wusste sie nicht, dass die Bänke in diesem Zimmer alle vorne offen waren und ich sehen konnte, was sie tat. Durch ihre Lüge war die Sache noch peinlicher.

Manche Menschen versuchen auch der Wirklichkeit Gottes auszuweichen. Ihm nicht begegnen, die Kirche und den Gottesdienst meiden, nicht an ihn denken. Aber das macht auch keinen Sinn vor ihm davonzulaufen. Wo wir auch hinlaufen, Gott ist schon da! Er überblickt den ganzen Raum und alle Zeit. Tag und Nacht, Jahr für Jahr. Unsere ganze Geschichte. Auch der Satz: Das glaub ich nicht, ist nur ein armseliger Fluchtversuch. Wenn mir der Arzt nach einer Untersuchung sagt: Du bist krank, dann wird ich nicht dadurch gesund, dass ich sag: Das glaub ich nicht. Im Gegenteil, ich kann nur etwas gegen die Krankheit tun, wenn ich die Krankheit erkenne.

Nach einer genauen Untersuchung in der vergangenen Woche hat mir der Arzt gesagt: In Ihrem Fuß ist eine ganze Menge kaputt, das muss dringend gemacht werden. Der Schaden ist groß, aber es gibt eine Möglichkeit, ihn zu beheben. Was nützt es, wen ich sage: Das glaub ich nicht. Ich mach einfach weiter, denk nicht dran, betäube die Schmerzen. Es würde nicht lange dauern und der Fuß wäre nicht mehr zu gebrauchen.

Was also tun? Die Diagnose ernst nehmen und sich in die Hände des Arztes zur Behebung des Schadens begeben. So dürfen wir uns mit dem Schaden, den Schuld in unserem Leben angerichtet hat in die Hände Gottes begeben und ihn bitten, dass er uns behandelt und heilt. Der Beter des 139. Psalms tut das und sagt: Prüfe mich Gott! Zeig mir, was nicht stimmt und bring mich auf den richtigen Weg!

Die Lösung unserer Schuld heißt nicht: Flucht vor Gott, sondern: Ehrlich werden vor Gott. Wir sollen uns prüfen vor ihm, nachdenken über seine Gebote und unser Leben. Was sind die Punke, die nicht stimmen?

Dass er in unserem Leben gar nicht vorkommt? Dass wir ohne ihn planen und handeln? Dass dauernd alles andere wichtiger ist und den Vorrang erhält? Dass wir so wenig Vertrauen zu ihm haben und an allem zweifeln?

Dass wir viel zu wenig beten und Gott nur gedankenlos im Mund führen, anstatt ihn bewusst anzubeten?

Dass Gott nicht einmal am Sonntag eine Rolle spielt? Ja, ausschlafen, kochen, essen, fernsehen, feiern, arbeiten, seinem Hobby nachgehen, alles ist wichtiger.

Wer sich einmal ernsthaft mit den 10 Geboten befasst, wie wir es in unserer Konfirmandenzeit getan haben, der merkt schnell, dass vieles nicht stimmt. Auch in unseren Beziehungen. Der Umgang mit den Eltern oder Geschwistern. Der Ton in der Familie, der Einsatz, die Hilfsbereitschaft. Man denkt immer nur an die eigenen Wünsche und Interessen. Man teilt kräftig aus, kann aber gar nichts einstecken, sondern ist sofort beleidigt und schuld sind natürlich immer die anderen.

Wie oft verletzen wir andere mit unseren Worten, übersehen sie, weil wir nur auf uns selbst fixiert sind, verachten, reden schlecht über sie. Manchmal genügt schon ein Blick.

Ganz zu schweigen von dem Missbrauch der Sexualität, die Gott doch als etwas Zartes und Wertvolles ins Leben hinein gegeben hat. Sie wird entstellt, versaut, erzwungen, entwertet und egoistisch eingefordert. Der Lustgewinn führt zum Verlust der echten Liebe.

Unsere Gesellschaft und unsere Staatsfinanzen kranken an der Gier und dem Geiz und daran, dass alle immer noch mehr wollen. Es wird denen weggenommen, die ohnehin schon nicht viel haben und kommt anderen zugute, die im Überfluss leben. Es gilt nicht mehr: Du sollst nicht stehlen, sondern: Du sollst dich nicht erwischen lassen. Unser ganzes Leben liegt offen da vor Gott.

Vergessen wir es nicht: Unser ganzes Leben liegt offen da vor Gott. Auch alle Lügen und Halbwahrheiten, die Übertreibungen und Vertuschungen, die Verharmlosungen und falschen Beschuldigungen anderer. Auch der Neid und die Unzufriedenheit, mit dem, was wir haben.

Wir vergessen den Dank dafür, dass es uns doch gut geht, dass wir im Frieden leben, nicht hungern und nicht unter Wassermangel leiden, dass wir schön wohnen und warm haben, medizinisch versorgt sind. Allein unsere Undankbarkeit und Unzufriedenheit wären schon genug Schuld vor Gott.

Wer ehrlich ist und nicht ausweicht, erkennt schnell, dass er vor Gott nicht recht ist und dass er in vielen Bereichen seines Lebens einen falschen Weg eingeschlagen hat. Bring Du mich auf den richtigen Weg! Lautet die Bitte im Psalm. Bring Du mich auf den Weg, der mich in Deine Ewigkeit führt: Leite mich auf ewige Wege.

Wie geht das? Welches ist der Weg heraus aus Schuld und Abhängigkeit. Der Weg zu Gott, zum Ewigen Leben? Es ist der Weg der Ehrlichkeit, der Weg zum Kreuz von Jesus Christus. Immer wieder in unserem Leben müssen wir erkennen, dass wir auf einem ganz anderen Weg sind. Dann heißt es umkehren! Zurück zu Gott! Mit Jesus, durch Jesus und sein Kreuz wieder auf den Weg zum Ziel kommen. Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt ohne ihn zum Vater.

Das Heilige Abendmahl ist Station auf diesem Weg. Wenn ich mich vor Gott als schuldig, als Sünder erkannt habe, darf ich kommen und seine Vergebung erbitten und annehmen. Im Brot des Abendmahls antwortet er: Für Dich gegeben zur Vergebung deiner Sünden. Im Wein des Abendmahls verspricht er: Für Dich vergossen, zur Vergebung Deiner Sünden.

Ist das nicht ein wunderbares Angebot? Der Gott, der alles sieht, der alles weiß, ist bereit auch alles zu vergeben. Wenn wir nur ehrlich kommen und ihn von Herzen darum bitten. Er stößt uns nicht weg. Er schließt uns nicht aus. Er will nicht verurteilen, sondern viel lieber vergeben, wenn wir uns vor ihm beugen.

Weil Jesus an seinem Kreuz für unsere Sünde bezahlt hat, kann Gott uns vergeben. Nicht nur das, er will uns auch helfen, anders zu handeln und neue Wege zu gehen. Den Weg, der zum Leben mit Gott führt. Das beste, größte und schönste Leben, das es überhaupt geben kann.

Wer Gott und seinem Wort den Rücken zuwendet, wer das ablehnt, trifft die falsche Wahl. Wer Beichte und Abendmahl verachtet, muss mit seiner alten Schuld weiterleben und verliert dabei das Ewige Leben.

Ich lade Euch und Sie ein mit den Strophen des folgenden Liedes mit Gott neu zu beginnen (EG 200,5+6):

Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen tut.

Lass diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist. Halt mich in deines Bundes Schranken, bis mich dein Wille sterben heißt. So leb ich dir, so sterb ich dir, so lob ich dich dort für und für.

Amen.

 

 

Verfasser: Martin Schöppel , Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168