Gottesdienst – Phil. 1, 15-21
Zur PDFLätare, 26.03.2006, Kreuzkirche, Phil. 1, 15-21
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Wir wollen in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt bitten: … Herr, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Das Schriftwort für die Predigt
an diesem Sonntag Lätare steht im 1. Kapitel des Philipperbriefes,
Verse 15-21. Der Apostel Paulus schreibt:
Zwar verkündigen manche nur deswegen die Botschaft von Christus, weil sie neidisch sind und mir eine erfolgreiche Missionsarbeit nicht gönnen; andere aber sind aufrichtig und lassen sich bei ihrer Predigt von den besten Absichten leiten. Sie handeln aus Liebe, weil sie wissen, dass ich im Gefängnis bin, um für das Evangelium einzutreten. Die anderen aber reden von Christus, weil sie mir beweisen wollen, dass sie es besser können. Sie meinen es nicht ehrlich und wollen mir nur zusätzlich Kummer bereiten. Doch, was macht das schon! Wichtig ist allein, dass die frohe Botschaft von Jesus Christus verbreitet wird; mag das nun unter einem Vorwand oder in ehrlicher Absicht geschehen. Wenn nur jeder erfährt, wer Jesus Christus ist! Darüber freue ich mich und ich werde mich auch in Zukunft darüber freuen. Weil ihr für mich betet und der Heilige Geist mir beisteht, vertraue ich darauf, dass hier alles für mich zum Besten ausgehen wird. Ich hoffe, dass ich während meiner Gefangenschaft nicht schwach werde und versage, sondern dass Jesus Christus durch mich in aller Öffentlichkeit verherrlicht wird, sei es durch mein Leben oder durch meinen Tod.Denn Christus bedeutet für mich alles; er ist mein Leben. deshalb kann das Sterben für mich nur Gewinn sein.
Was für Sätze!
Christus bedeutet für mich alles!
Er ist mein Leben!
Deshalb kann Sterben für mich nur Gewinn sein.
So ist es in der Hoffnung
für alle übersetzt. Vielleicht ist ja manchen unter uns die
Luther Übersetzung vertrauter und lieber:
Christus, ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.
Wir haben es ja auch vor der
Predigt so gesungen (EG 516). Was bringt einen Menschen dazu, so etwas
zu sagen? Religiöser Fanatismus? Oder ist es Todessehnsucht? In
unserer Zeit, in unserer Welt wird doch sonst ganz anders geredet:
Autofahren ist mein Leben!
Fußball ist mein Leben! Musik ist mein Leben! Theater ist mein
Leben! Kino ist mein Leben! Wandern ist mein Leben! Skifahren ist mein
Leben! Aber jetzt reicht’s trotzdem langsam mit dem Winter!
Für manche ist auch der Sonntagsbraten
das Leben, aber nur wenn Klöße dabei sind und natürlich
nur, wenn Bräckala (geröstete Weißbrotwürfel) drin
sind und wenn man danach ein Niggala (Nickerchen) machen kann. Was
gibt’s nicht alles, was für Menschen das Leben ist! Damit
ist doch etwas gemeint, was viel Zeit in Anspruch nimmt, damit
fülle ich meine Freiräume, das nimmt mein Denken gefangen das
scheint mir unverzichtbar.
Christus ist mein Leben. –
Ihnen ist Christus wichtig. Sonst wären Sie nicht hier. Manche
waren in der vergangenen Woche ja schon an mehreren Abenden hier, bei
ProChrist und sicher werden einige von Ihnen heute Abend zum Abschluss
von ProChrist wieder kommen, weil Ihnen Christus wichtig ist. Aber
können Sie das so sagen: Christus ist mein Leben? Ist Ihr
Leben vom Morgen bis zum Abend getragen, erfüllt, begleitet von
Christus? Ist in Ihnen diese Freude lebendig, dieser Trost
gegenwärtig, dieses Vertrauen die Basis Ihres Lebens: Christus,
der Sohn Gottes hält, führt, trägt, begleitet mich und
hält seine Hände stets über mich. Er vergibt mir, er
verändert mich nach seinem Plan, er bringt mich in das Reich
Gottes!
Das alles steckt doch in dieser Aussage: Christus ist mein Leben.
Und ein Christ sein bedeutet: Du darfst das so sagen, du darfst das so
glauben, du darfst dich darauf verlassen, dass Christus dein Leben,
deine Lebensgrundlage, deine Lebensgarantie ist. Christus ist auch
deine Garantie für Ewiges Leben.
Lätare, der Name dieses Sonntags, „Freue dich! Mensch, freu Dich doch!„,
will uns herausreißen aus unseren depressiven Stimmungen. Manchen
Gesichtern sieht man es an: Sorgen, sind mein Leben! Jammern, ist mein
Leben! Zweifeln, ist mein Leben! Mensch, freu Dich doch ruft uns der
Apostel hier zu! Freu Dich doch, dass Christus Dein Leben ist! Jesus
Christus, der am Kreuz für Dich starb, der an Ostern für Dich
auferstanden ist. Der lebendige Gott, der auferstandene Herr, Dein
Heiland! Mensch, freu Dich doch!
Vielleicht hat der Paulus leicht reden.
Vielleicht geht’s dem ja gerade gut. Vielleicht hat der ja keine
solchen Probleme, wie ich, so höre ich die Zweifler und
Schwarzseher widersprechen.
Von wegen! Paulus hat diesen Brief nicht
von der Terrasse seines Ferienappartements mit Blick auf das
ägäische Meer geschrieben, einen Cappuccino und eine
Sahnetorte vor der Nase, sondern im trüben Licht eines antiken
Gefängnisverlieses. Vor sich hatte er im günstigsten Fall
einen Krug mit abgestandenem Wasser und ein Stück trockenes Brot.
Und die Aussicht, die er hatte war nicht traumhaft, sondern eher
tragisch. Von Peitschenhieben bis Todesstrafe war alles drin.
Und trotzdem sagt oder besser schreibt er: Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn!
Was wollt Ihr denn, schreibt er seinen Freunden in Philippi, die in
größter Sorge um ihn sind. Was wollt ihr denn? Warum seid
ihr denn so bekümmert? Ich hab doch Christus! Jesus ist doch bei mir!
Mir kann doch gar nichts Schlimmes passieren. Der Herr ist doch da, mit
seiner Macht und Herrlichkeit. Ich kann ihn spüren. Ich kann mit
ihm reden. Er macht mir Mut. Ich weiß freilich noch nicht, wie
die ganze Sache hier ausgehen wird. Aber ist das so wichtig? Selbst
wenn sie mich zum Tode verurteilen, hab ich damit kein Problem, denn
Christus ist bei mir.
Und er fährt fort und treibt seine
Aussage, seine Zuversicht auf die Spitze: Was ist denn, wenn sie mich
zum Tod verurteilen und wenn sie das Urteil vollstrecken? Das doch
nicht schlimm für mich. Sterben ist mein Gewinn! Was verliere ich
denn, wenn ich sterbe? Ein Leben als Verfolgter, in Unsicherheit,
Armut, immer bedroht, einen Alltag mit Krankheit und Schmerzen.
Überlegt doch mal: Was gewinne ich dagegen, wenn ich im Vertrauen
auf Jesus Christus und für seine Sache sterbe?
Ein paar Jahre hätte ich wohl noch zu
leben, aber dann würde ich alt und gebrechlich und eines Tages
müsste ich auch sterben. Wenn es für Christus und mit
Christus ein paar Jahre weniger sind, dann ist das doch nicht schlimm.
Wir wissen doch als Menschen, die an Jesus Christus glauben, von
Auferstehung, von Erlösung, von Herrlichkeit, von Ewigem Leben in
Gottes neuer Welt. Was nützt es denn, das ein Leben lang als
religiöses Wissen im Hinterkopf zu haben und wenn es dann ernst
wird, wenn der Tod für einen persönlich zum Thema wird, das
dann alles zu vergessen und sich an das bisschen Leben zu klammern?
Merken Sie: Der Apostel Paulus will uns
anstecken mit seinem Glauben, seiner Gewissheit, seiner Zuversicht,
auch wenn wir in irgendeiner Not, Verzweiflung oder Krankheit drin
stecken: Er ruft uns zu: Mensch, freu dich doch! Du hast doch Christus! Du hast doch Jesus!
Er ist doch dein Leben! Und er garantiert dir das Leben, nicht nur bis
zum letzten Schnaufer, sondern für immer. Dafür lohnt es
sich, alles andere aufzugeben oder wenigstens in den Hintergrund zu
rücken.
Der große Maler Rembrandt van Rijn
hat 1627, als junger Mann, ein sehr eindrückliches Bild gemalt mit
dem Titel: „Paulus im Gefängnis“. Man sieht den einsamen
Häftling Paulus in einer Zelle, das Kinn in die rechte Hand
gestützt, in der Linken einen Federkiel, auf seinen Knien ein
aufgeschlagenes Buch. Er ist ganz in Gedanken, sein Blick geht in die
Weite, kann von den Gefängnismauern nicht aufgehalten werden.
Seine Gedanken gehen zu den Gemeinden, die er gegründet oder
besucht hat, rund um das Ägäische Meer. Er kennt die Sorgen,
Nöte und Schwierigkeiten, mit denen diese Christen in ihrer
unchristlichen Umgebung zu kämpfen haben. Er betet für sie.
Er bringt sie vor Gott. Er schreibt ihnen, macht ihnen Mut und ermahnt
sie, doch nicht auf ihre Not, ihre Angst, ihren Kummer zu schauen,
sondern auf Christus.
Der Blick des Apostels geht aber auch noch
weiter. Er geht über alle Grenzen hinaus, über alle Mauern
und Schmerzen, über alle Enttäuschungen und Bosheiten, in die
wunderbare Zukunft Gottes. Einmal, so weiß er und möchte es
uns groß machen, einmal ist das alles überstanden. Einmal bin ich ganz geborgen in den Armen des Herrn Christus.
Dann hab ich doch nichts verloren, das ist doch nur Gewinn! Das macht
ihn stark und das gibt ihm getroste Gelassenheit, Geborgenheit, auch
wenn er nicht weiß, wie sein Prozess ausgehen wird.
Auch für uns können diese Worte
des Apostels Mut und Trost sein in den Umständen, die uns zu
schaffen machen, in den Situationen, von denen wir heute noch nicht
wissen, wie sie ausgehen werden. Es hat ja jeder von uns seine Fragen
und Entscheidungen, seine Unsicherheiten und ungewisse Zukunft vor
sich. Schaff ich die Schule? Ist mein Arbeitsplatz sicher? Werd ich
wieder gesund? Kann ich das Haus halten oder die Firma? Was wird mit
meiner Rente?
Die Bibel sagt uns: Lass dir doch den Blick nicht so verstellen! Mensch, freu dich doch, du hast doch Christus!
Du bist doch nicht allein! Du bist doch nicht dem Zufall ausgeliefert
oder nur auf deine Kräfte angewiesen. Christus ist dein Leben!
Christus ist deine Hoffnung! Christus ist deine Hilfe! Christus ist
deine Kraft! Er ist auch morgen noch derselbe und in einem Jahr und in
zehn Jahren. „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“
Warum fällt es uns nur manchmal so
schwer das zu sehen, das zu glauben und uns darauf zu verlassen? Warum?
Vielleicht ist es unsere Schuld, unsere Sünde? Wir reden und
handeln so oft gegen Gottes Gebote, gegen die Liebe, gegen die
Wahrheit, gegen die Reinheit, gegen Gottes Weisung. Wir setzen immer
wieder unseren Dickkopf durch, passen uns an eine gottlose Umgebung an,
schweigen ängstlich von unserem Glauben. Und dann kommt der
Ankläger, der Feind Gottes und sät uns die Zweifel ins Herz:
Wie könnte Gott dir noch gnädig sein? Wie könnte er
deine Gebete noch erhören? Wie könnte Christus dir noch
beistehen? Er kann dich doch gar nicht segnen, wenn du so bist, wie du
bist.
Kennen Sie nicht solche Gedanken? Ich kenne
sie. Der Teufel macht sich immer wieder auf um den Keil zwischen uns
und Jesus zu treiben. Zuerst verführt er uns zur Sünde und
dann verklagt er uns damit. Aber er hat kein Recht mehr dazu! Denn Christus ist unser Leben.
Er hat sein Leben für unseres hingegeben. Sein Kreuz auf Golgatha
fängt alle Anlagen gegen uns ab. Solange wir dorthin kommen, immer
wieder dorthin sehen, dorthin fliehen, sind wir erlöst und
gerettet. Verloren ist nur, wer sich vom Kreuz, wer sich von Christus abwendet.
Das andere muss man auch ganz deutlich
sagen: Wer ohne Christus lebt, für den ist Sterben kein Gewinn.
Ohne Christus ist Sterben schrecklich, hoffnungslos, trostlos. Es geht
ohne Gott in die Dunkelheit, heißt die Titelzeile eines Liedes.
Und die Fortsetzung lautet: Aber mit ihm gehen wir ins Licht. Sind wir
ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir
uns nicht! Fürchten wir uns nicht, auch wenn das Leben bedroht ist.
Ich denke an die junge Frau, Sabine Mees,
die in der vergangenen Woche bei ProChrist interviewt wurde. Aufgrund
einer Knochenkrebs Erkrankung musste ihr ein Bein amputiert und Teile
des Beckens entfernt werden. Eine Tragödie für eine junge
hübsche Frau. Aber was hat diese Frau für eine Freude und
Zuversicht ausgestrahlt. Sie weiß nicht, ob der Krebs
wiederkommt. Sie muss mit allen Einschränkungen ihrer Behinderung
leben. Aber sie kann sagen: Christus ist mein Leben! Und darum
hat mein Leben Zukunft. Eine wunderbare Zukunft. Was auch kommt, wie es
auch weitergeht, Christus ist da! Er hält mich fest.
Ich will keine Angst machen, aber ich
möchte auch nicht die Augen vor der Wirklichkeit
verschließen. Schauen wir uns doch um, in was für einer
Welt, in was für einer Zeit wir leben. Ist nicht unsere Welt und
unser Leben von vielen Seiten bedroht? Von Terror und
Wirtschaftskrisen, von Krankheiten(Aids) und Umweltproblemen. Es droht
dem blauen Planeten der Klimakollaps, das Ökosystem Erde ist in
Gefahr umzukippen. Während unser Volk überaltert und
auszusterben droht, leiden andere Länder unter
Bevölkerungsexplosion. Die Rohstoffe gehen zur Neige, die Pole
schmelzen ab, die Stürme und Naturkatastrophen nehmen zu.
Bei allem Respekt vor den Wissenschaftlern,
Technikern, Politikern, ob wir das alles in den Griff kriegen? Glauben
Sie das? Ist es nicht viel mehr so, dass, während versucht wird
ein globales Problem zu lösen, fünf neue auftreten.
Verlassen wir uns auf den, der alle Macht hat! Christus ist mein Leben!
Mensch, freuen wir uns doch, dass wir diesen Herrn Jesus Christus
haben. Halten wir uns doch an ihm fest, auch wenn es uns vielleicht im
Augenblick so gut geht, dass wir meinen, wir könnten uns selber
halten. Nein! Das täuscht! Festen Halt kann nur Christus geben.
Jeder andere Halt bricht einmal weg. Aber auf Jesus Christus ist
Verlass.
Amen.
Verfasser: Pfarrer Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth Tel.O921/4l168