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Zur PDFPredigt an Ostern 2026 in der Kreuzkirche Bayreuth: 1. Kor. 15, 19-28
Statt Friedhofsordnung gibt es eine Auferstehungsordnung
Liebe Gemeinde,
in vielen Bereichen des Lebens wollen die Menschen gerne Erster sein. Wer will nicht der Erste sein in der Bundesliga? Wer will nicht der Erste sein bei der Gehaltserhöhung? Wer will nicht gerne der Erste sein in der Schlange am Supermarkt? Erste oder Erster sein, das ist was. Bei Erwachsenen, aber auch bei Kindern. Wie oft rufen Kinder einem entgegen: ich bin Erster!
Es gibt aber auch Situationen, da lässt man gerne anderen den Vortritt. Zum Beispiel, wenn es unangenehm ist. Oder peinlich. Oder gar gefährlich. Als ich mal mit Konfirmandinnen und Konfirmanden unter dem Hochsseilgarten stand und es darum ging, wer anfängt, in 8 m Höhe auf dem Seil zu gehen, waren sich plötzlich alle einig: der Pfarrer muss anfangen. Soviel vornehme Zurückhaltung war sonst im Unterricht nicht immer zu spüren.
Es gibt aber auch Bereiche, wo uns gar nichts anderes übrig bleibt, uns auch gar nichts anderes möglich ist, als jemanden den Vortritt zu lassen. Davon redet unser Predigttext aus dem 1. Korintherbrief. Wir hören heute aus der Basisbibel: (1. Kor. 15, 19-28):
Wenn wir nur für dieses Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen.
20Nun ist Christus aber vom Tod auferweckt worden, und zwar als Erster der Verstorbenen.
21Denn durch einen Menschen kam der Tod in die Welt. So bringt auch ein Mensch die Auferstehung der Toten.
22Weil wir mit Adam verbunden sind, müssen wir alle sterben. Weil wir aber mit Christus verbunden sind, werden wir alle lebendig gemacht.
23Das geschieht für jeden nach dem Platz, den Gott für ihn bestimmt hat: Als Erster wird Christus auferweckt. Danach, wenn er wiederkommt, folgen alle, die zu ihm gehören.
24Dann kommt das Ende: Christus übergibt Gott, dem Vater, seine Herrschaft.
Zuvor wird jede andere Herrschaft, jede Gewalt
und jede Macht vernichtet.
25Denn Christus muss so lange herrschen,
bis Gott ihm alle seine Feinde zu Füßen gelegt hat.
26Der letzte Feind, den er vernichten wird, ist der Tod.
27Denn alles hat Gott ihm zu Füßen gelegt.
Das bedeutet: Alles ist ihm unterworfen.
Eines ist jedoch offenkundig: Davon ist der ausgenommen, der ihm alles unterworfen hat – Gott.
28Sobald ihm nun alles unterworfen ist,
wird auch der Sohn selbst sich unterwerfen:
Er wird sich Gott unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat.
Das geschieht, damit Gott alles umfasst und in allem gegenwärtig ist.
Ich möchte Ihnen die Hauptaussage des Textes in einem gedanklichen Bild nahe bringen. Stellen Sie sich ein Tal in einer Gebirgslandschaft vor. Dieses Tal ist umschlossen von einem steil aufragenden Felsen. Er ist überhängend und bietet keinen Halt. Noch niemand hat diesen Felsen bezwungen ohne abzustürzen. Es gibt aber keinen anderen Weg aus diesem Tal als über diesen Felsen. Niemand kann sich an ihm vorbeischleichen. Manche haben sich im Tal ein erfolgreiches Leben aufgebaut. Manche sagen: Oberhalb dieses Tales wird es wohl gar nichts geben. In manchen steckt aber auch eine tiefe Sehnsucht: dieses Tal, das kann nicht alles sein. Wer hilft uns einmal hier heraus?
Dieses Tal ist ein Bild für unser Leben. Unser Leben, ob kurz oder lang, ob fröhlich oder eher beschwert, ob erfolgreich oder mit vielen Niederlagen, es ist umschlossen von dem Felsen Tod. Wir kommen nicht an ihm vorbei. Wir können nur in eine neue Gegend gelangen, wenn wir diesen Felsen durchschreiten und durchklettern. Aber wie? Es gibt keinen Halt, es ist ein unmöglicher Weg. Was bleibt einen anderes übrig, als sich irgendwie an diesen Felsen zu gewöhnen. Es ist halt so. Man kann natürlich auch versuchen, ihn zu ignorieren und den Blick auf die lieblichen Seiten des Bergtals zu lenken.
Plötzlich eines Morgens ruft jemand: „Seht mal, da sind ja Kletterhaken, ja da hängt ja sogar ein Seil. Und steht da nicht jemand oben? Da hat ja tatsächlich einer das Unmögliche geschafft!“
Der das so ausruft ist Paulus, der unseren Predigttext geschrieben hat. Er ruft: „Es hat jemand geschafft. Jemand hat den Felsen Tod durchklettert und uns den Weg freigemacht. Dieser jemand ist Jesus Christus. 20Nun ist Christus aber vom Tod auferweckt worden, und zwar als Erster der Verstorbenen. Seitdem geht dieser Ruf durch die Welt: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!“ Halleluja heißt: „Lobt Gott!“ Der Weg über den Fels ist kein unüberwindlicher Weg mehr. Nicht ein Einziger hat ihn überwunden, sondern ein Erster. Es wird auch einen Zweiten geben und einen Dritten. Denn Jesus ist diesen Weg für uns gegangen. Und wer mit ihm lebt, der hängt an ihm. Und wer an ihm hängt, der wird von ihm durchgezogen durch den Tod zu einem neuen Leben. Das ist ähnlich wie bei einer Geburt. Ist der Kopf erst mal als erstes durch den Geburtskanal, so wird auch der übrige Körper hindurchgezogen. Alle einzelnen Gliedmaßen.
Tatsächlich aber ist Christus als Erster von den Toten auferstanden. Dieser Satz ist wie ein Fanfarenstoß, der die Grabesstille der Todesnacht zerreißt. Wenn Paulus hier die Nachricht von der Auferstehung in die Welt hinaustrompetet, wollen wir uns heute auch von diesem Klang der Gewissheit Ohren und Herzen füllen lassen. Er ist auferstanden. Daran hängt die Hoffnung der Welt, die unter dem Gesetz des Todes leidet. Wie aber kam es dazu?
Um die Auferstehung zu verstehen, müssen wir retour zu Adam gehen. Der hat uns die Tour vermasselt. Adam ist nicht einfach nur der erste Mensch. Nein Adam ist das Urbild für den Menschen, der ohne Gott lebt. Durch diese Trennung des Menschen von Gott ist der Tod in die Welt gekommen als Ausdruck der Gottesferne. Der Mensch ist nicht mehr dran an der Lebensquelle, am Gott des Lebens. Der Tod mag aus biologischer Sicht als etwas Natürliches erscheinen, in geistlicher Sicht steht er einem dauerhaften Leben mit Gott im Weg und ist ursprünglich absolut nicht von Gott gewollt. Er ist ein Kennzeichen einer gefallenen Welt. Wir alle werden früher oder später sterben. Wir sind alle Adamskinder.
Die Frage ist allerdings: Sind wir auch Gotteskinder? Dann sieht nämlich alles ganz anders aus. Denn dann bekommen wir ewiges Leben. Sterben müssen wir zwar auch als Gotteskinder, aber wir werden, wie Paulus es ausdrückt, zu neuem Leben erweckt. Die Friedhofsordnung ist nicht die letzte Ordnung, der wir unterliegen. Sie wird abgelöst durch Gottes Auferstehungsordnung.
Damit nicht genug: Paulus weist mit seinen Worten noch über uns als Einzelpersonen hinaus. Das Ziel Gottes ist nicht nur die Seligkeit aller Menschen. Sein Ziel ist, dass seine gute Herrschaft alles erfüllt. Für mich ist das eine grandiose Zusage in einer oft Leid zerrissenen Welt. Es gibt ein Neuwerden für diese ganze Welt. Es gibt ein Happyend. Und das ist nicht nur Einbildung. Bei Filmen schmunzeln wir ja manchmal, wenn am Ende dann alles gut ausgeht. Und denken dann leise: schön ist es ja, aber es ist eben nur Hollywood, nicht die Wirklichkeit.
Was Paulus hier beschreibt, ist aber kein Hollywoodfilm. Er redet davon, dass das Happy End hart erkämpft werden muss. Er spricht davon, dass der Tod ein Feind ist. Er wird nicht verklärt und klein geredet von wegen :“in sanften Frieden eingeschlafen“, oder: „der Tod als Gnade und Erlösung“. So leichtfertig reden oft wir nur heute, weil wir feige geworden sind und versuchen, den Tod auf allen Ebenen zu verdrängen. Nein, der Tod ist schrecklich und schmerzhaft. Er hat Ausdauer. Die Bibel bezeichnet ihn als den letzten Feind. Er steht da bis zum Schluss.
Aber weil Gott ein Gott des Lebens ist, nimmt er sich selbst der Sache an. Deshalb ist er seit Ostern vernichtet. Deshalb gibt es ein Happyend. Auch wenn er jetzt noch nicht aus der Welt ist und wir manchmal unter ihm leiden und seufzen. Gott verspricht eine neue Zukunft.
Paulus gibt hier keine detaillierte Sicht, wie diese neue Zukunft, die Herrschaft von Jesus Christus konkret aussehen wird und wie alle Mächte und Gewalten vernichtet werden. Er macht aber das Ziel klar. Alles wird einmal unter einer guten und liebevollen Herrschaft von Jesus stehen.
In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, kann man da ausdrucksstärkere Bilder lesen. Sie beschreibt die Herrlichkeit Gottes in dem Sinne: alles, was jetzt schön ist, wird noch viel herrlicher sein. Und es wird kein Leid, kein Geschrei, kein Tod, kein Schmerz mehr sein. Und dann kommt die Jahreslosung 2026: „Siehe, ich mache alles neu!“
Das alles ist eine begründete Hoffnung, weil Gott selbst sich dieser Sache annimmt. Es ist eine begründete Hoffnung, weil wir schon mächtige Zeichen davon bekommen haben. Die Auferstehung ist ein Zeichen des Sieges über den Tod. In ihr leuchtet Gottes neue Welt schon auf. Uns allen ist es verheißen, da dabei zu sein. Wenn wir darauf vertrauen, dann wird es auch für uns persönlich Ostern.
Oft begegne ich Menschen, die haben für ihren Tod schon vorgesorgt und alles Mögliche geregelt. Ich finde das gut, zeigt es doch, dass sich Menschen Gedanken über ihr Ende machen und nicht einfach so in den Tag und die Jahre hineinleben. Aber die beste Vorsorge, die über die Bestattungsvorsorge hinaus geht, ist, fest auf Jesus Christus zu vertrauen und sich ganz auf die Seite des Auferstandenen zu stellen.
Gott positioniert sich als der Auferstandene mit aller Kraft für unser Leben und für diese Welt. Die beste Vorsorge für unser Leben und Sterben ist es also, wenn wir unsererseits an seine Seite kommen und bleiben. Dann ist der Weg in ein Leben nach dem Tod, in eine neue herrliche Welt Gottes geebnet. Dann können wir auch unser Leben hier voller Lebenszuversicht und Geborgenheit gestalten, in dem festen Vertrauen, dass der Auferstandene uns im Leben und Sterben zur Seite steht. Amen.
Bei Rückfragen bitte wenden an: Pfr. Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de