Gottesdienst, Pfr. Wenzke
Zur PDFGottes Ja und unser Amen: 2.Kor.1,18-22
Liebe Gemeinde,
kennen Sie das? Jemand sagt Ihnen etwas und es ist so wunderbar mehrdeutig, dass man überhaupt nicht weiß, woran man überhaupt ist.
Kommt zum Beispiel eine Frau nach Hause und sagt zu ihrem Mann: »Du, unser Auto sollte in die Werkstatt; es hat Wasser in der Einspritzpumpe.« Er entgegnet: »Das kann doch gar nicht sein! Und überhaupt, seit wann kennst du dich mit der Autotechnik aus?« »Aber es hat bestimmt Wasser in der Einspritzpumpe!« »Woher weißt du das? Wo steht das Auto denn?« »Draußen, in unserem Swimming-Pool!«
Klare Worte wären manchmal hilfreicher. Auch innerhalb der christlichen Gemeinde ist es wichtig, so miteinander zu reden, dass man weiß, woran man ist. Das schärft Paulus auch den Christen in Korinth ein. Wir hören auf den heutigen Predigttext 2. Korinther 1, 18–22:
18Bei der Treue Gottes, unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich. 19Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern das Ja war in ihm. 20Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre. 21Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat 22und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.
Es geht vor allem um Gottes klares Ja, das sich bei uns auswirkt. Deshalb beschäftigen wir uns heute Morgen mit folgenden zwei Gedanken:
- Gott sagt »ja« zur Welt und
- Gott sagt »ja« zu mir.
- Gott sagt »ja« zur Welt
Wenn Gott »ja« sagt, dann meint er auch »ja«! Das will Paulus in seinem Brief unterstreichen. Bei Gott weiß man, woran man ist. Gott macht keine Versteckspielchen mit Halbwahrheiten. Paulus legt sich hier deshalb so ins Zeug, weil Kritiker in Korinth behaupteten, er sei unglaubwürdig. Und das nur, weil sich seine Reisepläne geändert hatten.
Aber Paulus geht es gar nicht so sehr um sich selbst, sondern vielmehr um Gott. Bei Gott, so sagt Paulus, gibt es keine Zweideutigkeiten. Gott sagt nie zuerst »ja« und dann »nein«. Gott ist absolut zuverlässig. Paulus ruft: »Gott ist treu!« Es geht also darum, wie vertrauenswürdig Gott ist.
Gottes vertrauenswürdiges Ja zu unserer Welt zeigte sich doch schon in der Schöpfung. Gott hat diese Erde samt dem ganzen Kosmos so wunderbar geschaffen. Wie sollte er da ein Nein zur Welt sagen? Gott hat die Menschen als ein Gegenüber zu sich selbst geschaffen und jedem einen freien Willen gegeben. Wie sollte er da seine Menschheit verneinen? Gott sagt sein großes Ja zu dieser Welt. Er blieb den Menschen treu, als sie im Garten Eden seinen Willen übertraten. Gott blieb den Menschen treu, als sie sich einen Turm bis in den Himmel bauen wollten. So ist Gott. Sein großes Ja zur Welt ist unübersehbar.
Das hat sich im Lauf der Geschichte der Menschheit immer wieder bewahrheitet. Bis auf den heutigen Tag gilt Gottes Treue. Das ist erkennbar an dem beständigen Wechsel von »Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht« (1. Mose 8. 22).
Daran zeigt sich Gottes großes Ja zur Welt. Das können auch solche Menschen erkennen, die sich nicht als gläubig bezeichnen.
Doch dabei ist Gott nicht stehen geblieben. Mit dem Volk Israel machte er weiter und zeigte sein großes Ja in immer wieder neuen Taten.
Und am allerdeutlichsten wurde Gottes Ja zur Welt sichtbar an Weihnachten. Jesus selbst ist das personifizierte Ja Gottes, das Fleisch gewordene Wort Gottes. Paulus sagt: »Jesus war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm.« Das ist die überwältigende Botschaft von Weihnachten, die bis heute ihre Gültigkeit hat: Gott sagt »ja« zur Welt! Gott sagt »ja« zur Rettung seiner Menschheit.
Das ganze Leben von Jesus spiegelt nichts anderes wider, als dieses überwältigende Ja Gottes zur Welt:
Jesus lebte das Ja Gottes, indem er sich aller erbarmte. Jesus verkündigte das Ja Gottes, indem er alle zur Umkehr rief. Jesus zeigte das Ja Gottes, indem er sich Schriftgelehrten und Zöllnern, Pharisäern und Prostituierten zuwandte. Jesus war nicht Ja und Nein. In allem, was er tat und sagte, zeigte sich Gottes Ja, zeigte sich, dass Gott alle liebt.
Und Paulus, der das Alte Testament in- und auswendig kannte, betont, dass Jesus selbst auch die Antwort auf alle Wünsche und Sehnsüchte des Volkes Israel ist. Alle Verheißungen Gottes im Alten Testament haben in Jesus die eindeutige Antwort »Ja« erhalten.
Dass Gott sein Ja zur Welt und zu allen Menschen sagt, das hat dann schließlich jenes dramatische Wochenende nach dem Passahfest im Jahr 30 gezeigt. Jesus ist am Kreuz gestorben und am dritten Tag auferstanden.
Gott sagte zu Jesus am Kreuz: »Ja, ich nehme dein Opfer an. Ich akzeptiere, dass du für die Schuld aller Menschen stirbst.« Und damit erteilte er sein Nein der Macht der Sünde. Die Sünde darf nun niemanden mehr für immer von Gott trennen.
Drei Tage später – an Ostern – sagte Gott zu Jesus: »Ja, du bist und bleibst mein Sohn. Du gehörst in die ewige Welt. Der Tod darf dich nicht länger festhalten.« Und dann rief er Jesus aus dem Tod. Damit sagte er sein Nein zur Macht des Todes.
Und das hat Auswirkungen für die ganze Welt. Nicht nur für die ganze Welt. Auch für jeden von uns ganz persönlich. Deshalb entdecken wir heute noch ein Zweites:
- Gott sagt »ja« zu mir
Schon bei meiner Zeugung und Geburt hat Gott »ja« zu mir gesagt. Er sorgte dafür, dass jeder von uns das Leben erhielt. Gottes großes Ja zur Welt in der Schöpfung vollzieht sich bei der Geburt eines kleinen Kindes jedes Mal aufs Neue! Und bei der Taufe wird Gottes Ja zu diesem Kind gewissermaßen dem Kind auf den Körper geschrieben: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ So wird jedes getaufte Kind gewissermaßen von Gott handsigniert.
Liebe Gemeinde, das müssen wir uns immer wieder aufs Neue sagen lassen. Nicht nur an Tauftagen, sondern jeden Tag ist es wichtig zu hören: Gott sagt »ja« zu mir, Gott sagt »ja« zu dir, Gott meint es absolut gut mit dir!
Und welche Konsequenzen hat das? Paulus sagt kurz und bündig: »Auf Gottes Ja sagen wir das Amen!«
Wir bestätigen das große Ja Gottes mit unserem persönlichen Amen. Wir lassen Gottes Ja gültig werden, wenn wir mit Amen antworten. Denn »Amen« bedeutet »So ist es!«
Wir selbst haben es in der Hand, ob Gottes großes Ja Auswirkungen in unserem Leben hat. Gerade weil Gott uns Menschen mit einem freien Willen begabt hat, gilt sein Ja zu uns nicht ungefragt. Ob Gottes Nein zur Sünde und sein Ja zur Rettung seit Karfreitag auch bei dir und mir gilt, das hängt von deinem und meinem Amen ab. Ob Gottes Nein zum Tod und sein Ja zum Leben auch über deinem und meinem Leben steht, das hängt von unserem Amen ab.
Nachdem das Ja Gottes bei uns in der Taufe deutlich ausgesprochen wird, fragen wir die Konfirmanden nach einem Jahr Unterricht, ob sie ihr Amen dazu sprechen wollen. Die jungen Menschen dürfen und sollen festmachen, was in der Taufe schon versprochen wurde. »Konfirmation« heißt übersetzt »festmachen«.
Und genau darum geht es auch Paulus. Er sagt, gerade weil Gott so treu und zuverlässig ist, weil wir wissen, woran wir bei Jesus sind, weil Gottes Ja ein gültiges Ja ist; deshalb will Gott uns fest machen und gewiss machen.
Paulus bestätigt das: »Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat« (Verse 21.22.)
Gott sagt »ja« zu mir. Ich darf mit meinem Ja und Amen antworten. Gott stülpt uns nicht etwas über, er beteiligt uns mit unserem Willen und unserem Verstand. Und ist doch letztlich auch der, der uns bewegt, Ja und Amen zu sagen. Wir können uns nie etwas darauf einbilden, dass wir zum Glauben gekommen sind. Auch das ist immer Gnade. Aber Gnade, die für jeden da ist.
Unser Ja und Amen zu Gottes Ja zu uns hat dann auch Auswirkungen in unserem Leben. Ich will es an vier Punkten kurz deutlich machen:
- Ich werde festgemacht in Jesus Christus. Jetzt darf ich wissen, wohin ich gehöre. Wie ein Schiff im Hafen festgemacht wird, um vor Wind und Wellen geschützt zu sein, so werde ich festgemacht in Jesus Christus. Er ist mein Hafen. Er ist mein Halt in den Stürmen des Lebens. Er ist der sichere Ankerplatz. Da finde ich Schutz vor all den Wellen, die mich hin und her werfen wollen.
- Ich werde gesalbt, so sagt es unser Text: 21Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat 22und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat. . Salbung war quasi die Krönung eines Königs im alten Israel. Jesus selbst ist ein Gesalbter. Nichts anderes bedeutet sein Beinamen »Christus« oder hebräisch »Messias«. Jesus ist zum König eingesetzt. Er soll herrschen. Im Glauben an ihn werde auch ich gesalbt. Ich werde an seiner Herrschaft beteiligt. Jesus sagt, dass alle, die ihm nachgefolgt sind, bei seiner Rückkehr auf die Erde auf Thronen sitzen werden und mit regieren werden (Matthäus 19. 28). Sind wir uns dieser Würde bewusst, die Gott uns zuteil werden lässt?
Petrus hat das geahnt, deshalb schrieb er später in seinem Brief: »Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat«, (1. Petrus 2.9). Das heißt, wer gesalbt ist, der hat die Aufgabe, davon weiterzusagen. Wer das große Ja Gottes angenommen hat, der wird auch andere dazu einladen, auf Gottes Ja ein Amen zu sagen. Das ist eine königliche Aufgabe, der wir uns nicht länger entziehen sollten – gerade in der Vorweihnachtszeit.
- Ich werde versiegelt. Von der Antike bis ins letzte Jahrhundert hinein wurden wichtige Schreiben mit einem Siegel gezeichnet. Damit war klar, wer der Unterzeichner ist. Was da geschrieben stand, das galt. So ein Siegel hat Gott durch Jesus auf unser Leben gesetzt. Damit ist klar, zu wem wir gehören. Ich muss mir nicht mehr selber einen Namen machen, sondern Jesu Name steht unter mein Leben geschrieben. Ich muss mir nicht selber Ziele stecken, sondern Jesus ist mein Lebensziel. Das entlastet kolossal. Ich denke da vor allem an junge Menschen, die sich in unserer Zeit so schwer tun, eine Entscheidung zu treffen: Welche Lehrstelle soll ich antreten, oder soll ich weiterhin an die Schule gehen? Was soll ich nach dem Abitur machen? Welches Studium kommt für mich in Frage? Kann ich mich auf einen festen Ehepartner für das ganze Leben einlassen? Will ich meine Karriere in den Vordergrund stellen oder meine Familie? Entscheidungen, die vielen so schwer fallen. Aber Jesus will uns versiegeln, er will der Herr unseres Lebens sein. Er will uns den Weg weisen, den wir gehen können. Darum müssen wir täglich neu auf sein Ja hören. Lasst uns doch ihm vertrauen und nicht alles selber machen und entscheiden. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn. Er wird´s wohl machen!
- Ich erhalte den Heiligen Geist als Bestätigung. Wie gut: Ich muss nicht alleine durchs Leben gehen. Gottes großes Ja und mein persönliches Amen werden durch den Heiligen Geist jeden Tag aufs Neue bestätigt. Der Heilige Geist will uns ganz praktisch durchs Leben begleiten. Und das wird sich auswirken in unserer direkten Umgebung. Leute, die den Heiligen Geist haben – und das sind alle, die Gottes Ja bestätigt haben – die sind anders. Die wissen von der Liebe Gottes und versuchen diese im Miteinander weiterzugeben. Die nehmen die Vergebung Gottes in Anspruch und sind deshalb hoffentlich schneller zur Versöhnung bereit. Christen mit dem Heiligen Geist sind geprägt von der Freude und lassen das die anderen spüren. Bis in die Kirchengemeinden wirkt sich das hoffentlich im Umgang miteinander aus. Mir ist es jedenfalls total wichtig, dass hier in unserer Pfarrei ein gegenseitiges Vertrauen da ist, dass man gerne mitarbeitet, dass man Fehler machen darf und dass gegenseitige Wertschätzung und Verständnis da ist, auch wenn mal etwas zu viel ist. Mir ist wichtig, dass wir den Einzelnen wahrnehmen mitten in der großen Gemeinde. Auch wenn ich weiß, dass uns und mir das nicht immer gelingt, sind das doch die Leitsätze, an denen ich mich orientieren will. Wir sagen hier zueinander Ja in Achtung und Wertschätzung und jeder bringt sich mit seinem Teil ein.
Liebe Gemeinde, so wirkt sich Gottes großes Ja in unserer Welt und in unserem Leben aus. Das macht doch richtig Freude, um die Advents- und Weihnachtszeit bewusst unter Gottes Segen zu erleben. Ich lade euch herzlich ein: Lasst uns die nächsten Tage nicht nur für uns und in den Familien Weihnachten feiern, sondern auch hier in der Gemeinde. Manche haben sehr liebevoll in den letzten Tagen zu mir gesagt: Das ist doch alles richtig viel für dich mit den vielen Gottesdiensten. Und ich sage immer: Ja, das ist es wirklich. Aber es ist auch wunderschön, in der Gemeinde und in der Gemeinschaft Advent und Weihnachten zu feiern. Deshalb herzliche Einladung, lasst uns gemeinsam feiern. Amen.
Bei Rückfragen gerne wenden an: Friedemann.Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168,
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