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Wir hören auf den Bibeltext: Lk. 6,37-38

Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;

28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.

29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.

30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück.

31 Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

32 Und wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben, die ihnen Liebe erweisen.

33 Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Das tun die Sünder auch.

34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon? Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche zurückbekommen.

35 Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.

Liebe Gemeinde!

Wenn man an den Küsten des Mittelmeeres entlangfährt, fallen einem immer wieder zwei unterschiedliche Arten von Stränden auf. Da gibt es zum Beispiel an der Adria überwiegend die großen Sandstrände, die im Sommer tausende von Urlaubern anziehen. An der nördlichen Riviera dagegen finden sich auch viele Felsenküsten. Die Badeorte dort liegen an den kleinen Buchten dieser Steilküsten.  Wenn die Meereswellen an einer Felsküste ankommen, prallen sie voller Wucht gegen die steil aufragenden Felsen. Die Gischt spritzt hoch und die Wellen werden von den Felsen gebrochen. Ganz anders ist es bei den Sandstränden. Die Wellen kommen zwar mit der gleichen Wucht an, aber sie laufen sich fast unmerklich an der sanft ansteigenden Sandküste tot. Selbst die größten und stärksten Wellen verlieren sich am Strand langsam in einem sanften Plätschern.  

Mit diesem Bild der unterschiedlichen Strände möchte ich unsere Reaktion auf das vergleichen, was uns durch andere Menschen entgegenkommt. Ich kann mich verhalten wie eine Steilküste. Ich schleudere alles, was mir begegnet, mit unverminderter Härte zurück, ganz nach dem Motto: „Wie du mir, so ich dir!“ Oder: „Was du kannst, das kann ich noch besser!“ Ich sage dabei entschuldigend: „Wie es in den Wald schallt, so schallt es auch wieder heraus.“

Die andere Möglichkeit: Ich verhalte mich wie eine Sandküste an der sich die größten Wellen und die schärfsten Angriffe langsam totlaufen. Ich gebe meinem Gegner keine Angriffspunkte.

Grundsätzlich lassen sich drei Arten von Vergeltung unterscheiden, mit denen wir auf das Verhalten anderer reagieren.  

Da ist zuerst die Selbstvergeltung: Ich selbst bin es, der am anderen Vergeltung übt. Ich gebe zurück, was mir entgegengebracht wird. Oft bleibt es dabei nicht einmal bei dem Prinzip: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sondern das, was der andere mir zugefügt hat, wird mehrfach zurückgegeben eben solange bis ich Genugtuung verspüre. Der Konflikt schaukelt sich so unter Umständen immer mehr hoch.

Neben der Selbstvergeltung gibt es die Rechtsvergeltung. Gott hat den Menschen einen Rechtsmaßstab zur Hand gegeben, der in seinen Grundzügen bis heute überall angewandt wird. Dieser Maßstab richtet sich nach dem vielzitierten Grundsatz: „Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde“ (2. Mo 21,23f). Das heißt ganz einfach: Gerechtigkeit herrscht, wenn Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Unser ganzer Rechtsstaat ist auf diesen Grundsatz der Rechtsvergeltung aufgebaut.  

Jesus stellt nun neben die Selbstvergeltung und die Rechtsvergeltung noch eine dritte Art von Vergeltung, die Liebesvergeltung. Egal was der andere mir zufügt, es sei gut oder schlecht, alles soll mit Liebe vergolten werden.

Um diese Vergeltung der Liebe geht es in unserem Bibeltext heute.  Jesus richtet sich mit den Maßstäben, die er mit der Vergeltung der Liebe begründet jedoch nicht an alle Welt, sondern nur an seine Nachfolger. Sie gelten nur für sie. Diese Maßstäbe auf alle Menschen anzuwenden oder sie gar zur Tagespolitik zu machen, würde nicht gelingen. Ich gebe dem früheren Bundeskanzler Schmidt recht: „Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen.“ Dieser Versuch würde im Chaos enden.

Jesus geht davon aus, dass nur ein erlöster Mensch, der die Kraft der Liebe Gottes kennt und aus dieser Kraft heraus lebt, nach diesen Maßstäben handeln kann.  An fünf Praxisbeispielen zeigt Jesus, wie die Vergeltung der Liebe aussehen kann:  

1. Ein Jesusschüler soll dem Übel nicht widerstreben. „Ich aber sage euch, wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete auch die andere dar.“ Der Schlag mit dem Handrücken auf die rechte Backe war eine der größten Entwürdigungen, die man damals im Orient kannte.  Und nun sagt Jesus, dass ein Kind Gottes bei so einer tiefen Beleidigung anstatt zurückzuschlagen, dem Gegner auch noch die andere Backe hinhalten soll. Ja er geht so weit, dass er Anweisung gibt, das Böse überhaupt nicht zu bekämpfen. Es gibt viele Situationen, in denen wir in die von Jesus beschriebene Lage kommen. Da wird ein Schüler durch seinen Lehrer beleidigt oder ein Angestellter von seinem Chef oder umgekehrt. Da hört einer, dass andere schlecht über ihn geredet haben. Da werde ich zu Unrecht beschuldigt und erfahre schmerzlich, dass mir nur noch Misstrauen entgegengebracht wird.  Jeder von Ihnen könnte da wahrscheinlich seine eigene Geschichte erzählen, die deutlich macht, wie ihn andere Menschen zutiefst verletzt haben. Und nun sagt Jesus: „Du sollst nicht genauso reagieren wie der andere. Du sollst vielmehr vergeben und dem anderen mit der Vergeltung der Liebe entgegentreten. Ja, du sollst dem Bösen, das dir zugefügt wird, überhaupt nicht entgegentreten, auch wenn dir dadurch großer Schmerz zugefügt worden ist.“ Durch so ein Verhalten entsteht ein doppelter Effekt. Auf der einen Seite lernst du auf diese Weise, immer mehr auf Jesus zu vertrauen. Er wird einmal Gerechtigkeit schaffen. Er spricht mir den Rechtsbeistand zu, den ich nicht erhalten habe. Er gibt mir die Liebe, die ich vermissen musste. Dadurch werde ich frei von Menschen und ihren Reaktionen.  Der erste Effekt also: ich lerne vermehrt Jesus zu vertrauen. Der zweite Effekt der Vergeltung der Liebe ist der Sieg über das Übel. Das Böse wird nicht erwidert. Es hat keine Angriffsfläche mehr. Das Böse läuft sich tot wie die Wellen am flachen Sandstrand. Vielleicht kann der andere durch die Vergeltung der Liebe, die ihm entgegengebracht wird, sogar zur Umkehr kommen.  

Eine Schülerin wollte ihrer Lieblingslehrerin am Ende des Schuljahres Blumen zum Abschied schenken. Ihre Mutter bewegte das Kind dazu, nicht nur der Lieblingslehrerin, sondern auch einer sehr ungerechten Lehrerin, unter der sie das ganze Jahr über gelitten hatte, einen Strauß Blumen zu überreichen. Als ausgerechnet diese Lehrerin auch Blumen erhielt, brach sie in Tränen aus und konnte nur noch stammeln: „Und ich war doch immer so wüst zu dir.“  

2. Das zweite Beispiel der Vergeltung aus Liebe: Ein Jesusschüler soll nicht mit anderen über Besitz streiten. „Und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.“ Hier handelt es sich um das Untergewand und den Mantel. Wenn einer sogar sein Untergewand hergeben musste und somit blank war bis auf die Knochen, dann war ja das ja schon das Äußerste. Aber dann auch noch den Mantel hergeben zu müssen, das kam einer Katastrophe gleich.  Der Mantel diente den Armen damals als Decke. In der Tora steht, dass es streng verboten ist, jemandem den Mantel zu pfänden. Jesus verlangt also Ungeheuerliches, wenn angibt, sogar den Mantel herzugeben, wenn ein anderer das verlangt.  

Jeder weiß es: „Am Geldbeutel hört das Christsein auf!“ Und tatsächlich: Wie viele Streitereien entstehen doch gerade dann, wenn es um den Besitz geht. Bei der Abgabe von Grundstücksflächen, bei Grenzstreitigkeiten, bei den Ästen, die über den Zaun hinüber ragen oder dann, wenn es beim Mieter um die Festsetzung der Heiz- oder der Stromkosten geht.  Ganz zu schwiegen von den Erbstreitereien, die oft über Jahrzehnte das Klima einer ganzen Familie vergiften können. Bestehen unter den Gläubigen solche Spannungen, kann das geistliche Leben in einer ganzen Gemeinde oder sogar an einem ganzen Ort über Jahre hinaus vollkommen blockieren.  Deshalb fordert uns Jesus dazu auf, doch auf die eigenen Rechte zu verzichten, dem anderen zu geben, was er haben will und den ersten Schritt auf den anderen zu zugehen.  Die Vergeltung der Liebe wirkt unheimlich befreiend. Ich erfahre: Die Bindung an Christus ist doch viel wichtiger als aller Besitz und niemand kann mir dies Bindung nehmen. Ich erleb, wie es zur Versöhnung kommt mit anderen, die mit mir zuvor über Besitz gestritten haben.  Ich stelle fest, wie ich selbst frei werde von der Bindung an meinen eigenen Besitz.  

3. Das dritte Beispiel der Vergeltung aus Liebe: Ein Jesusschüler soll gerne dienen. Wenn mich einer einen um einen Dienst bittet, bedeutet die Vergeltung der Liebe, dass ich den anderen nicht abweise, sondern ihm einen Gefallen tue und bei dem, um was er mich gebeten hat, evtl.noch eins draufsetze.  

4. Das vierte Beispiel der Vergeltung aus Liebe: Ein Jesusschüler soll gerne leihen „Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.“ Wenn einer von dir etwas ausleihen will, bedeutet die Vergeltung der Liebe, dass ich den anderen nicht abweise, sondern ihm gerne von meinem Besitz etwas ausleihe, etwa mein Auto oder meinen Anhänger oder meinen Schlepper mein Werkzeug oder mein Küchengerät.

5. Das fünfte Beispiel der Vergeltung der Liebe: Ein Jesusschüler soll auch seine Feinde lieben.  Dieses Praxisfeld der Vergeltung der Liebe übertrumpft alle anderen Bereiche, die Jesus angesprochen hat, bei weitem.  „Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen.“ Dies Liebe zum Feind äußert sich im Segnen, im Wohltun und sogar in der Fürbitte.  Immer wird die böse Reaktion des Feindes mit dem Gegenteil, mit der Liebe vergolten. So wird auch hier das Böse darin überwunden, dass es keinen Widerstand findet, sondern willig getragen und erlitten wird.  Und auf einmal kann ich hinter der Maske des Feindes einen Menschen sehen, der von Gott geliebt wird. Ich sehe einen Menschen, der Gottes Heil und Rettung braucht. Im Bild gesprochen heißt das: Der Feind ist wie eine Perle, die im Schmutz liegt und aufgehoben und gesäubert wird. So wird deutlich, dass ich nicht den Schmutz, sondern die Perle lieben muss.  Je feindlicher der Feind, umso mehr Liebe ist gefordert. Denn wer braucht die Liebe dringender als der, der selbst ohne Liebe im Hass lebt.  

Als Pfarrer Bodelschwingh, der Begründer der Bethel‘schen Anstalten einmal nach seiner Gewohnheit durch die verschiedenen Häuser ging, die er aus Liebe für die Armen, Kranken und Alten erbaut hatte, kam er auch in einen Raum, in dem sich ein leicht erregbarer Kranke aufhielten. In dem Augenblick, als er eintrat, kam ein Mann auf ihn zu und schlug ihn hart ins Gesicht. Bodelschwingh blieb ohne jedes Anzeichen einer natürlichen Gegenreaktion. Mit einem Blick des Erbarmens sah er einen Augenblick auf den großen grollenden Mann. Dann sagte er, nachdem er sich zuvor den Pflegern zugewandt hatte: „Wir haben diesen Bruder noch nicht genug geliebt.“  

Die Vergeltung der Liebe, alle Verhaltensregeln Jesu, die Jesus uns heute Morgen vorgestellt hat, zeigen uns im Grunde unsere eigene Sünde und die Unfähigkeit, so zu reagieren, wie Jesus es verlangt.  Und es ist so. Wir können nicht aus uns selbst heraus so reagieren, wie es der Vergeltung der Liebe entspricht. Wir können nur aus der Kraft der Liebe, die Jesus uns schenkt, so reagieren. Wenn wir Jesus gefunden haben, haben wir alles gefunden und haben daher nichts mehr zu verlieren.  Jesus selbst hat uns gezeigt, wie er die Vergeltung der Liebe gegenüber seinen Feinden übte. Von ihm heißt es in Jesaja 50,6: „Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen und meine Wange denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.“ „Noch am Kreuz hängend musste er zusehen, wie sie auch noch über seinem Gewand das Los warfen, weil man es besitzen wollten. Sterbend hat er es noch fertiggebracht, für seine Feinde zu beten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“  Diese Liebe des Sohnes Gottes am Kreuz überwindet mich selbst. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Das ist der Dreh- und Angelpunkt aller Forderungen dieses Textes. Deswegen kann man nur so leben, wenn man die Barmherzigkeit Gottes erlebt hat. Dieser Bibeltext mit seinen Forderungen ist ein Text für Insider.

Aber wenn Du Barmherzigkeit Gottes erfahren hast, dann bitte ich dich, dass Du ihn nicht als unrealistisch und unerfüllbar abtust, sondern ihn einfach heute mitnimmst und Dir überlegst, wie er dein Verhalten in der nächsten Zeit beeinflussen kann.

Es gibt eine bewegende Geschichte von Corrie ten Boom: Die Familie des Uhrmachers tenBoom in Amsterdam pflegt ein offenes Haus. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg hilft die Familie, zahlreichen Juden unterzutauchen. Solange, bis ihr Tun entdeckt, die Familie ins KZ gesteckt wird und alle bis auf ein Familienmitglied umkommen. Nur die Tochter Corrie überlebt.  Nach dem Krieg reist Corrie tenBoom viel, hält Vorträge, wird weltbekannt. Eines Tages begegnet sie im Anschluss an einen Vortragsabend ihrem KZ-Aufseher aus Ravensbrück. Sie erkennt ihn sofort, und ihr graut vor der Begegnung. Doch er kommt auf sie zu und fragt: „Können Sie mir vergeben?“  Dann fährt sie fort: „Da stand ich nun – ich, der Sünden wieder und wieder vergeben wurden – und konnte es nicht! Betsie war dort gestorben – konnte er ihren langsamen, schrecklichen Tod ausradieren – einfach mit dieser Bitte?  Es können nur ein paar Sekunden gewesen sein, dass er dastand mit seiner ausgestreckten Hand, aber für mich waren es Stunden, denn ich musste mit der schwierigsten Sache fertigwerden, mit der ich es je zu tun gehabt hatte. Denn ich musste es tun. Ich wusste das.  Corrie ten Boom erzählt weiter: Die Botschaft von der Vergebung Gottes hat eine entscheidende Voraussetzung: dass wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind.  ‚Wenn ihr den Menschen ihre Übertretungen nicht vergebt‘ sagt Jesus, ‚wird auch der Vater im Himmel euch die Übertretungen nicht vergeben‘. Das wusste ich – nicht nur als Gebot Gottes, sondern auch aus täglicher Erfahrung.  Seit dem Ende des Krieges unterhielt ich in Bloemendaal das Heim für Opfer des Naziregimes, und gerade dort konnte ich es doch mit Händen greifen: nur die, die ihren früheren Feinden vergeben konnten, waren in der Lage zurückzufinden und neu anzufangen, gleich in welchem körperlichen Zustand sie sich befanden. Wer seine Bitterkeit pflegte, blieb Invalide. Das war ebenso einfach wie schrecklich.  Und ich stand da mit einem kalten Herzen. Aber Vergebung ist kein Gefühl – das wusste ich auch. Vergebung ist ein Akt des Willens, und der Wille kann ohne Rücksicht auf die Temperatur des Herzens handeln. „Jesus hilf mir“, betete ich leise. „Ich kann meine Hand heben. Wenigstens das kann ich tun. Das Gefühl musst du dazutun.“ Hölzern, mechanisch legte ich meine Hand in die ausgestreckte Hand des Mannes. Als ich das tat, geschah etwas Unglaubliches. Die Bewegung entstand in meiner Schulter, sie strömte in meinen Arm und sprang in die umschlossene Hand. Und dann schien diese heitere Wärme mein ganzes Sein zu durchfluten. Tränen kamen mir in die Augen. „Ich vergebe dir, Bruder, weinte ich von ganzem Herzen‘“

Liebe Gemeinde, das war viel heute und mich bewegt dieses Thema auch weiter. Ich möchte noch einmal an den Anfang erinnern! Von zwei unterschiedlichen Meeresküsten war die Rede. Wir können dem anderen entgegentreten mit der Selbstvergeltung und gleichen darin einer harten Felsenküste, die dem Angriff der Wellen mit gleicher Wucht begegnet.  Oder wir können dem anderen entgegentreten mit der Vergeltung der Liebe, die einer Sandküste gleicht, an der die heftigsten Wellen sich langsam totlaufen. Am Kreuz sehen wir, wie Jesus auf diese Weise das Böse besiegte. Aus dem festen Glauben an Jesus heraus, aus seiner Kraft der Liebe heraus könne auch wir nach dem neuen Gesetz des Reiches Gottes, dem Gesetz der Vergeltung der Liebe leben. Lasst uns immer wieder darum bitten. Amen  

Bei Rückfragen gerne melden: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de

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