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Predigt zu 1. Mose 2,4b-9 am 13.09.2026, Kreuzkirche Bayreuth

 Liebe Gemeinde,

„paradiesische Zustände“ haben Sie davon auch schon geträumt? Oder tun das nur Jugendliche? Gut und lang leben, gechillt, fit, gut drauf und nach einem „Schlaraffenleben“ einfach tot umfallen, schnell sterben dürfen. Ist das unsere Bestimmung?

Der Predigttext heute hat es tatsächlich mit dem „Paradies“ zu tun, er wirkt auf dem ersten Blick fast wie ein Traum. Aber er ist weit mehr als das:

Ich lese aus 1. Mose 2, den Abschnitt von V4 bis 9 und V15: Überschrift: Der Mensch im Garten Eden

Als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, 5 gab es zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe; denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es war auch noch niemand da, der das Land bearbeiten konnte. 6 Nur aus der Erde stieg Wasser auf und tränkte den Boden. 7 Da nahm Gott, der Herr, Staub von der Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen. 8-9 Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden, einen Garten an. Er ließ aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte. In der Mitte des Gartens wuchsen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens, dessen Früchte Unsterblichkeit schenken, und der Baum der Erkenntnis, dessen Früchte das Wissen verleihen, was für den Menschen gut und was für ihn schlecht ist … 15 Gott, der Herr, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen.“

Wie geht es Ihnen, wenn Sie hier von der Erschaffung des Menschen hören? Können Sie das ernst nehmen? Nun, die Bibel ist sicherlich kein Biologie- oder Physikbuch, und natürlich können Menschen auch nicht ihre eigene Erschaffung gesehen haben. Aber das steht da ja auch nicht. Die Schöpfung wird beschrieben in einer prophetischen Rückblende auf den Anfang. Und deshalb sollen wir sie Ernst nehmen!

Bis heute ist es Stand der Forschung, dass Leben nicht aus toter Materie entstehen kann. Und es ist ohne Gott, ohne einen intelligenten Planer nicht vernünftig erklärbar, wie komplexe Organe, wie z. B. ein Auge, oder ein Bakterium etwa durch Zufall entstanden sein könnten. Wenn wir auch auf manches keine Antwort haben: Das, was die Bibel hier berichtet, ist nicht aus der Luft gegriffen.

Fragen wir einen Chemiker, woraus der menschliche Körper besteht: ein Löffel Kochsalz, Eisen im Gewicht von 10 Nägeln, Phosphor für 6000 Streichholzköpfe, genügend Kalk, um einen Hühnerstall zu weißeln, 50 Liter Wasser, dazu noch ein bisschen Stickstoff und Kohlenstoff. So sieht es aus. Die Bibel hat Recht: Der Mensch, das Lebewesen mit dem am anscheinend höchst entwickelten Gehirn, ist von seiner Zusammensetzung her aus Erde vom Acker gemacht.

Auf Hebräisch heißt Mensch „adam“ und der Ackerboden „adama“. Bei jeder Beerdigung werden wir daran erinnert: „Von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden …“ Wir Menschen sind vergänglich – nicht ewig, sondern irdisch. Wie oft wehren wir uns gegen diese Erkenntnis, wollen unsere irdischen Grenzen nicht wahrhaben. Sicher, wir haben Großes erreicht: Menschen überwinden die Erdanziehungskraft und fliegen zum Mond, die Medizin lässt die Lebenserwartung kräftig steigen, die Wissenschaft löst viele Rätsel dieser Erde.

Aber die Bibel bleibt nüchtern: Wir sind aus Erde (Staub) vom Acker gemacht. Wir sind nicht die Macher, für die wir uns halten. Am Ende bleibt Erde, Vergänglichkeit. Erde ist das Rohmaterial, aus dem der Mensch besteht, so beschreibt es unser Predigttext.

Wer bin ich? Der letzte Dreck, ein Häuflein Staub? Einerseits ganz nüchtern betrachtet: ja. Andererseits aus geistlicher Sicht gesehen: Auch wenn Du dich vielleicht manchmal wie der letzte Dreck fühlst, Du bist viel mehr!! Unser Bibelwort sagt: Du bist ein Mensch von Gott beatmet, du bist viel mehr als der letzte Dreck. Das Sand- Entschuldigung, das Lehmmännchen wurde beatmet: „Gott blies ihm den Lebensatem in seine Nase“.

An der Atmung lässt sich feststellen, ob ein Mensch lebt. 15-mal pro Minute einen halben Liter Luft ein- und ausatmen, das ist der Rhythmus des Lebens. Aber dieses Leben kommt nicht aus uns selbst. Auch kein Herzschrittmacher und keine Beatmungsmaschine können uns lebendig machen. Sondern Gott gibt uns Menschen den Lebensatem, wir verdanken ihm unser Dasein. Wo Gottes Lebensatem fehlt, da werden wir wieder zu Erde und Materie. Waren Sie schon mal dabei bei einer Geburt, wo ein Kind das erste Mal schreit und selbstständig atmet? Und waren Sie schon mal dabei, wenn ein Mensch seinen letzten Atemzug gemacht hat? Beides ist sehr bewegend und ich empfinde beides als heilige Momente.

Was die Bibel hier berichtet, betrifft uns alle: Jede und jeder hat Gottes Lebensatem bekommen, es gibt keinen Menschen, bei dem der Schöpfer nicht die Hand im Spiel hatte. Deshalb sind Christen für den Schutz des ungeborenen Lebens und gegen Sterbehilfe. Niemand ist ein Zufallsprodukt und Niemand ist nur eine Mischung aus den Erbanlagen seiner Eltern. Sondern Du lebst, weil Gott es so haben will! Du bist Sein Geschöpf, mit Fähigkeiten und Stärken, mit Fehlern und Schwächen. Jeder Atemzug will uns daran erinnern: Ohne Gott kein Leben.

Aber wir Menschen sind heute ganz schön atemlos geworden. Ja, das Leben macht uns manchmal ganz schön atemlos. Alltag und Arbeit können Dir die Luft ausgehen lassen. Viele kommen heute nicht mehr zum Durchschnaufen, die Anforderungen werden immer höher geschraubt, der Druck nimmt an vielen Stellen zu. Wir haben das Gefühl: Keine Zeit mehr zum Luft holen. Lebe ich jetzt oder werde ich gelebt?

Allerdings: Vieles ist auch „hausgemacht“: Bei Jugendlichen oft die Jagd nach dem ultimativen Kick. Immer neue Erlebnisse konsumieren … Auf keinen Fall den neuesten Schrei verpassen … Immer online, immer up to date. Immer mehr Kondition und zugleich immer atemloser? Da passt doch was nicht!

Der Mensch ist, so sagt uns Gottes Wort, zum Aufatmen berufen! In die Atemlosigkeit hinein will uns Gott gerade den Atem des Lebens schenken! Deshalb sind wir heute Morgen hier. Im Gottesdienst. In seiner Nähe. Nicht immer am Puls der Zeit, aber am Puls Gottes, der so unglaublich stabil ist und der sich auf unser Leben übertragen will. Unsere Gottesdienste müssen am Puls Gottes sein. Das ist ein Muss. Ein „Kann“ ist, ob und inwieweit sie am Puls der Zeit sind. Das kann vorteilhaft sein, muss aber nicht. Wichtig ist vor allem die Gewichtung: Hauptsache am Puls Gottes, an seinem Wort in der ganzen Fülle. Alles andere sind wichtige Gestaltungsfragen, wo wir uns richtig Mühe geben sollten, aber daran sollten wir letztlich nicht den Wert eines Gottesdienstes, einer Freizeit oder einer christlichen Veranstaltung messen. Da wird die Form deutlich überbewertet gegenüber dem Inhalt.

Aber hören wir es nochmal: Wir dürfen bei Gott aufatmen. Bei ihm zählt nicht, was wir leisten und was wir uns leisten können. Da müssen wir nicht permanent fit und funny, high und happy sein. Sondern bei Gott kann jeder tief durchatmen, alle, die müde sind vom Hamsterrad des Leben. Gottes Beatmung gibt Kraft für den Alltag und Mut für die nächste Aufgabe.

Aber dazu reicht es nicht, ein- oder zwei Mal durchzuatmen und dann wieder wie bisher Augen zu und durch in die Woche zu starten und sich zu neuen Höchstleistungen aufschwingen wollen. Wer so lebt und immer nur Sonntag kurz aufatmet, der bekommt irgendwann fromme Schnappatmung. Und die trägt nicht bis zum Ende.

Wer den Lebensatem spüren will, der das ewige Leben in sich trägt, der muss Gott an sich heran lassen und mit ihm verbunden sein. Mit ihm leben. „Hört das Wort nicht nur, sondern setzt es auch in die Tat um, sonst betrügt ihr euch selbst“- das war die Losung der großen Sommerfreizeiten der Gruppe Luther seit Anfang Juni, an denen über 1000 Menschen teilgenommen haben. Also auf Gott hören und mit ihm leben. Sein Wort mit seiner Hilfe in die Tat umsetzen. Dann bekommst du  einen anderen Blickwinkel und eine neue Sicht der Dinge. Dann ist dein Leben im Einklang mit dem Lebensatem Gottes.

Und trotzdem, das dürfen wir nicht übersehen, es steht eben auch da: : Der Mensch ist geschaffen um zu arbeiten: Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen.“

Den Garten „bebauen und bewahren“, das war und das ist sein Auftrag. Ohne den Garten mit seinen Früchten kann er auch nicht überleben. Er braucht ihn! So hat es Gott gewollt! Aber dazu muss der Garten gepflegt werden! Man darf ihn nicht einfach sich selber überlassen, ins Kraut schießen lassen. Mit einem verwilderten Garten würde auch der Mensch, der darin lebt und auf ihn angewiesen ist, verkümmern! Andererseits aber versprechen ihm die Produkte des Gartens – das Fortleben, – sie versprechen ihm Freude, Feste, – ja sogar Reichtum und Macht. Also, viel viel mehr als der Menschen rein zum Überleben braucht. Und ja, wenn er es darauf anlegt, kann der Mensch mit extremen Mitteln auch noch das Letzte aus eben diesem Boden heraus holen! Aber ein Fass ohne Boden ist Gottes Garten nicht! Und auch die Lebensmittel und Lebensmöglichkeiten darin sind nicht endlos. Deshalb ordnet Gott an, ihn schonend und bewahrend zu pflegen! Wir alle sehen die Müllberge, die wir produzieren und die Abgase, die wir in die Lust pusten, die rapiden Wetterumschwünge … Unsere ganze Lebenseinstellung ist betroffen bei diesem Thema und das macht es nicht eben leichter, den Garten Erde schonend und bewahrend wie Gott es will zu pflegen. Aber dieses Gebot kann uns als Christen nicht egal sein! Und das hat überhaupt nichts mit Parteipolitik zu tun.

Und Arbeit kann manchmal schweißtreibend und anstrengend sein, aber keineswegs immer. Es hängt auch viel an unserer Haltung. Wo wir unsere Arbeit vom göttlichen Arbeitgeber lösen, bekommt sie eine Eigendynamik. Dann ist es plötzlich so, dass nicht wir etwas mit der Arbeit machen und sie gestalten, sondern die Arbeit macht etwas mit uns! Gott hat den Menschen nicht in den Garten Erde gesetzt, damit der Garten ihn beherrscht. Sondern der Mensch soll den Garten beherrschen! Nicht die Arbeit soll dich beherrschen, sondern Du deine Arbeit.

Und spannend ist auch die vielfältige Bedeutung des Gartens: Der Garten soll dem Menschen Lebensraum, Heimat, Arbeitsplatz – und auch Ruheort werden. Der Garten ist Spannungs- und – Entspannungsraum gleichzeitig! Entspannung aber gibt’s nur, wo die „Arbeit vor dem Vergnügen“ steht. Deshalb steht schon am Anfang der Bibel die ordnende Reihenfolge – erst die Arbeit – dann die Ruhe. Sechs Tage hat Gott gearbeitet und am siebten Tag hat er geruht.

Auch das Genießen der Früchte meiner Arbeit gehört zum Arbeiten. Wer arbeitet, darf auch feiern. Deswegen haben wir am Beginn der Sommerferien ein großes Mitarbeiterfest gefeiert. Deswegen ist es wichtig, zu feiern auch in der Familie: den Schulabschluss, den Führerschein, das abgeschlossene Schuljahr, das Ende der Kindergartenzeit uvm.

Aber zu dem Feiern muss auch dringend das Wissen gehören, wem ich die Früchte meiner Arbeit verdanke: nämlich Gott. Unbeschwerten und echten Genuss gibt’s dort, wo er in Dankbarkeit und Vertrauen dem Schöpfer gegenüber gelebt wird, der alles gegeben hat. Das kann nur gelingen, wenn ich mein Leben überhaupt und grundsätzlich an Gott ausrichte und mehr und mehr lerne ihm wie ein Kind zu vertrauen.

Ein Kapitel später wird’s darum gehen, wie Gott den Menschen aus seiner unmittelbaren Nähe vertreiben musste. Wegen der Sünde. Seither leben wir „Jenseits von Eden“. Seither träumen wir von paradiesischen Zuständen, die aber an Gott vorbei gehen. Seither suchen Menschen nach dem, was sie glücklich machen soll. Und finden es nicht. Seither fragen sie sich, wer sie sind, stürzen sich in Arbeit und Genuss und bleiben atemlos zurück. Seither leidet diese schöne Erde an Ausbeutung und Zerstörung. Ist Gott daran schuld?

Wenn wir ehrlich sind, haben wir Menschen uns das selber zuzuschreiben. Gott ist nicht schuld daran. Und trotzdem geht ER den umgekehrten Weg! In seinem Sohn Jesus Christus will er den Menschen für das Paradies zurück gewinnen. Der Zugang dahin ist nicht auf ewig versperrt. Wo ein Mensch sich durch Jesus Christus mit Gott versöhnen lässt, bekommt er auch – zu seiner Arbeit, – zu seiner Umwelt, – zu seinem Mitmenschen und nicht zuletzt – zu sich selber einen neuen Bezug. Und dieser Mensch findet zurück zu seiner ursprünglichen Bestimmung, die der Schöpfer uns als Geschöpfe mitgegeben hat: Dass wir leben sollen, arbeiten und Pause machen. Einatmen und Ausatmen. Arbeiten und Feiern. Gott segne in diesem Sinn unseren Start in das neue Schuljahr, in die Arbeit, in den Alltag. Amen.

Bei Rückfragen bitte wenden an: Pfr. Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921741168,

E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de