Gottesdienst – Mt. 16 13-19

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Silberne Konfirmation, 6.So. n. Tr. 29.06.08 Mt. 16 13-19

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

In der Stille bitten wir um den Segen Gottes für diese Predigt …

Heute ist nicht nur einer der vielen Trinitatissonntage, sondern
nach der Ordnung und dem Gedenkkalender der Kirche ist der 29.Juni auch
der Tag der Apostel Petrus und Paulus. Und diesem Tag ist ein Abschnitt
aus dem Matthäusevangelium als Predigttext zugeordnet, in dem es
um eine ganz wichtige Frage geht: Wer ist Jesus Christus? Ich lese die
Verse aus dem 16. Kapitel bei Matthäus:

Da kam Jesus in die Gegend von Caesarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen, die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie aber sprachen: Einige sagen: Du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. Darauf fragte Jesus seine Jünger: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Es geht hier um die alles entscheidende Frage. Und die lautet nicht: Wer wird heute Abend Fußball Europameister, Spanien oder Deutschland? Das ist für manche auch eine Frage, die sie sehr beschäftigt, aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass es, wie selbst Fußballer zugeben, dabei nur um die schönste Nebensache der Welt geht.

Für manche Amerikaner ist zurzeit eine entscheidende Frage, wer der nächste Präsident der USA wird. Aber auch diese Frage ist irgendwann entschieden und nur für einige Jahre von Bedeutung. Manche beschäftigen sich auch ganz intensiv mit anderen Fragen, die ihnen ganz wichtig erscheinen. Die NASA-Leute beschäftigt in diesen Tagen die Frage, ob man vielleicht eines Tages auf dem Mars Radieschen anbauen könnte. Eine Gruppe von Geologen geht der Frage nach, ob es im Chiemgau vor 2500 Jahren einen Meteoriteneinschlag gab, der die Landschaft geprägt hat. Wieder andere sind brennend daran interessiert, wer Germanys next Top Model wird.

Ja, man kann sich mit vielen Fragen beschäftigen und man kann auch viele unwichtige Dinge zu Kernfragen seines Lebens machen. Wie krieg ich meine Falten weg, die immer deutlicher zu sehen sind? Was tue ich gegen die immer mehr werden grauen Haare oder gegen die immer weniger werdenden Haare?

Hier in diesen Sätzen aus dem Matthäusevangelium geht es um eine wirklich wichtige Frage: Wer ist dieser Jesus Christus, nach dem wir uns ja Christen nennen? Jesus selbst schneidet das Thema an und macht zu diesem Zweck eine Umfrage unter seinen Jüngern. Umfragen sind ja auch bei uns sehr beliebt. Andauernd werden irgendwelche Umfragen gemacht, die dann ganz wichtige neue Erkenntnisse bringen: Wer derzeit unsere beliebtesten oder unbeliebtesten Politiker sind oder wen die Damenwelt für den attraktivsten Kicker der EM hält.

Kürzlich wurde das Ergebnis einer Meinungsumfrage veröffentlicht, die von der UNO in Auftrag gegeben worden war. Die Frage lautete: „Sagen Sie bitte ehrlich Ihre Meinung zur Lebensmittel-Knappheit im Rest der Welt.“ Das Ergebnis war wie folgt: Die Europäer haben nicht verstanden, was „Knappheit“ bedeutet. Die Afrikaner wussten nicht, was „Lebensmittel“ sind. Die Amerikaner fragten, was unter „dem Rest der Welt“ zu verstehen sei. Die Chinesen baten verwundert um zusätzliche Erklärung zum Begriff „Meinung“. Im Italienischen Parlament diskutiert man zur Stunde noch über die Bedeutung des Begriffs „ehrlich.

Ja, es wird viel geredet und geschrieben und Meinungen werden ermittelt, aber es geschieht nichts. Man zieht keine Konsequenzen aus den Erkenntnissen, verändert sein Verhalten nicht. Und dann hat auch die ganze, durch die Umfrage gewonnene Erkenntnis, keinen Wert.

Jesus fragt seine Jünger: Für wen halten mich eigentlich die Leute, mit denen ihr so zusammenkommt? Und die Jünger berichten, was sie so für Stimmen aus dem Volk gehört haben:

Manche halten dich für Johannes den Täufer. Der war einige Zeit vorher von Herodes gefangen genommen und auf Betreiben seiner Geliebten enthauptet worden. Manche Leute dachten nun, weil die Botschaft, die Jesus verkündigte, der des Johannes sehr ähnlich war, der Täufer sei wieder auferstanden.

Andere meinten, Jesus könne der Elia sein, dessen Wiederkehr man für die letzte Zeit der Welt erwartete oder Jesus sei ein neuer Jeremia oder anderer Prophet. Die Meinungen gingen auseinander. Man diskutierte und stritt, ohne aber seinen Lebensstil zu ändern. Das hätten aber alle diese Boten Gottes übereinstimmend gefordert, dass die Menschen Buße tun und umkehren sollten zu Gott.

Und was denkt ihr? Fragt Jesus in die unter den Jüngern aufkommende Unruhe? Für wen haltet ihr mich? Es wird still. Es ist eine klare Antwort gefragt: Wer ist Jesus für mich? Das ist ja nicht unwichtig. Davon hängt ja einiges ab. Ein Moslem würde sagen: Für mich ist Jesus von Nazareth der letzte große Prophet vor Mohammed. Er hat viele gute und wichtige Dinge gesagt, aber er ist nicht am Kreuz gestorben. Seine Jünger haben ihn lebend vom Kreuz abgenommen und gesund gepflegt. Er ist auch nicht auferstanden und er ist niemals Gottes Sohn, denn Allah ist einzig. Er hat keinen Sohn.

Auch fromme Juden gestehen Jesus durchaus prophetische Qualitäten zu, erkennen viele seiner Aussagen an, aber er ist nicht der Messias, sagen sie, der wird erst noch kommen.

Viele Theologen des letzten Jahrhunderts meinen herausgefunden zu haben, dass Jesus zwar ein besonderer Mensch gewesen sei, der viele gute Ideen hatte, aber der letzten Endes gescheitert sei und an einem Kreuz durch die Römer auf elende Weise umgekommen sei. Sie leugnen die Auferstehung und erkennen nur wenige Sätze des Neuen Testaments als tatsächlich von Jesus gesprochen an.

Die Frage steht immer noch im Raum. Damals bei Jesus und seinen Jüngern, heute unter uns. Einige unserer Silbernen Konfirmanden haben vorhin eine Antwort gegeben, wer Jesus für sie ist und was es für sie bedeutet, sich auch 25 Jahre nach der Konfirmation noch zu ihm zu bekennen. Es ist nicht ganz einfach, das in so kurzen Sätzen zu sagen, so dass es deutlich wird und nicht missverstanden.

Damals, als Jesus fragte, war es Petrus, der schließlich das Schweigen brach und seine Überzeugung in einen einzigen Satz packte: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Petrus wagt es, auszusprechen, was sicher auch die anderen Jünger gedacht haben. Aber sie haben sich nicht getraut, das so laut zu sagen. Sie wussten, es gibt welche, die warten nur darauf, dass wir das sagen. Dann zeigen sie uns an, dann machen sie uns fertig, dann grenzen sie uns aus.

Was der Petrus da behauptet, bedeutet ja, dass sie mit Jesus eigentlich Gott selber vor sich haben. Der Christus oder auf hebräisch, der Messias, auf deutsch vielleicht mit Heiland am besten übersetzt, ist der, der heil macht und Heil schenkt im Namen Gottes. Er handelt in der Vollmacht und Autorität Gottes. Nicht irgendeines Gottes, den sich die Menschen ausgedacht haben, sondern des lebendigen Gottes.

Es geht um den Gott, der alles Leben geschaffen hat und der in unser Leben hineinwirkt. Der lebendige Gott hat Spielregeln und Ordnungen für unser Leben gegeben und es ist ihm nicht gleichgültig, ob wir sie einhalten. In der Bibel wird er als ein wacher Gott, ein gerechter Gott, ein eifernder Gott bezeichnet.

Er überlässt die Welt, die er geschaffen hat und die Menschen, denen er sie anvertraut hat nicht sich selbst. Es ist ihm nicht egal, was wir aus seiner Welt und aus unserem Leben machen. Er hat seine Welt und die auf ihr lebenden Menschen so lieb, dass er seinen einzigen Sohn für sie gibt. Den Christus, der als der Mensch, Jesus, in Bethlehem zur Welt kommt, und später in dem Städtchen Nazareth in Galiläa aufwächst. Von dem bekennt Gott selbst bei dessen Taufe am Jordan: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Petrus hat aus dieser Erkenntnis und tiefen Überzeugung die Konsequenz gezogen, dass er bei Jesus geblieben ist. Auch als manche andere weggegangen sind, weil ihnen das, was Jesus sagte zu extrem, zu kompromisslos war. Jesus hatte die anderen damals direkt gefragt: Wollt ihr auch weggehen? Und wieder war es Petrus gewesen, der als erster antwortete: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist. (Joh. 6, 68f)

Wenn ich etwas als wahr und richtig erkannt habe, dann bleibe ich doch dabei. Wenn ich ein Medikament habe, das mir das Überleben sichert, dann nehm ich es doch: Wo sonst gibt es solche Worte? Worte des Ewigen Lebens. Wo sonst gibt es einen, der meine Schuld auf sich nimmt? Meistens gibt es solche, dir ihre Schuld auf mich abwälzen, aber Christus ist einer, der sagt: Gib mir deine Schuld, ich trage sie. Ich nehm’ sie dir ab, du bist frei!

Wohin sollen wir gehen? Bis jetzt hab ich noch niemand getroffen, der mir einen besseren Glauben, einen gnädigeren Gott, eine großartigere Zukunft gezeigt hat, als den der seinen Sohn schickt, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das Ewige Leben haben.

Der lebendige Gott lässt sich im Alltag erfahren. Er gibt denen Kraft, ist denen nahe, die ihn ernstlich anrufen. Er macht Verzweifelten Mut, tröstet Traurige, gibt Schwachen neue Kraft, vergibt Schuldigen, hat Wege in ausweglosen Lagen, löst aus falschen Bindungen und erlöst von allem Bösen.

Petrus ist bei Jesus geblieben. Auch er war nicht frei von Fehlern. Auch er war nicht ohne Angst. Auch er hatte Momente, in denen er schwach geworden ist. Die Bibel ist so ehrlich, dass sie auch das nicht verschweigt. Aber Petrus ist mit seinem Versagen bei Jesus geblieben. Ein anderer Jünger, der auch versagt hat, der war zu stolz, um seinen Fehler einzusehen und umzukehren. Judas ist verzweifelt allein geblieben und hat seinem Leben ein Ende gesetzt.

Jesus wartet darauf, dass Sünder umkehren, dass alle die ihm die Treue gebrochen haben, wieder neu anfangen. Er schickt keinen weg, der neu anfangen will. Wer sich zu ihm bekennt, zu dem bekennt er sich auch vor seinem himmlischen Vater. Es geht um zwei ganz wichtige Entscheidungen:

1. Wir müssen uns die Frage beantworten: Wer ist Jesus Christus für mich? Wenn wir antworten können, wie Petrus: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!

Dann sollten wir, zweitens, auch wie Petrus bei Jesus bleiben und so schlecht und recht wie wir können, seinen Weg gehen und nach seinem Wort handeln. Christen sind nicht die, die alles richtig machen, sondern solche, die mit Christus auf dem Weg bleiben wollen. Sie sind nicht besser als andere, aber viel besser dran, weil sie von Vergebung wissen und von dem Heiland, der sie ans Ziel bringt.

Das Bekenntnis zu Jesus, dem Sohn des lebendigen Gottes geschieht in unseren Gemeinden von jungen Leuten öffentlich bei der Konfirmation. Ob es echt war, zeigt sich dann in vielen kleinen Bekenntnisschritten im täglichen Leben. Indem ich mir die Zeit nehme zum Lesen in der Heiligen Schrift, zum Gebet, zum Gottesdienst. Es zeigt sich, wenn ich für andere bete, wenn ich Gott danke für alles, was er mir gibt. Es ist ein Bekenntnis zu unserem christlichen Glauben, wenn ich vergeben kann und teilen, wenn ich Not sehe und helfe, wenn ich dort nicht schweige, wo Gott verlacht oder gelästert wird.

Sowohl den ersten Schritt, des Bekennens, als auch den zweiten Schritt, des neu Glaubens dürfen wir, ja müssen wir immer wieder tun. Im Namen Jesu, des lebendigen Gottes Sohn, dürfen wir auch mit diesem Gottesdienst und mit dem Abendmahl, das wir nachher miteinander feiern wieder neu beginnen. Und wir dürfen aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens.

Jesu, geh voran, auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen,
führ uns an der Hand, bis ins Vaterland.


(EG 391,1)

Amen.

Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str.18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168