Gottesdienst mit Totengedenken, Pfr. Wenzke, KiGo & TeenieKirche, Livestream
Zur PDFLiebe Gemeinde,
wer einen geliebten Menschen verliert, für den ist es manchmal so, wie wenn eine Tür endgültig ins Schloss gefallen ist. Und der Mensch, von dem man jetzt Abschied nehmen muss, ist auf der anderen Seite und man selbst steht jetzt vor der Tür, aber sie geht nicht mehr auf. Das Glück und die Freude, die Nähe und Geborgenheit, all das, was uns der andere bedeutet hat, ist nun hinter dieser Tür und von uns getrennt. Und es hat auch keinen Sinn, an diese Tür zu klopfen, sie bleibt verschlossen. Wir selbst bleiben zurück, traurig, verzweifelt, vielleicht auch wütend, aber die Tür bleibt zu. Eine sehr schmerzliche Erfahrung ist das.
Von einer verschlossenen Tür spricht auch das Gleichnis, das dem heutigen Sonntag zugeordnet ist. Es mag manchen ebenfalls schmerzlich berühren und mag hart erscheinen. Aber manchmal ist gerade das Harte und Schmerzhafte das Rettende. Dieses Gleichnis findet sich bei Matthäus zu Beginn des 25. Kapitels.
Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.2 Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug.3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst.10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.
Eine seltsame Geschichte, die uns da erzählt wird. Seltsam für uns zunächst, weil wir die Hochzeitsbräuche der damaligen Zeit nicht kennen. So war es meist üblich, dass die Hochzeit im Haus des Bräutigams gefeiert wurde. Der Bräutigam gingzum Elternhaus der Braut, um sie dort abzuholen und sie in sein eigenes Haus „heimzuführen. Bei einer solchen Zeremonie wurde der Bräutigam an dem Haus der Braut von sog. Brautjungfern empfangen. Dann holte man gemeinsam die Braut ab und zog ins Haus des Bräutigams, um zu feiern. Offenbar veranstaltete man dabei – wenn dieser Zug am Abend stattfand – gerne einen Lichterumzug. Die Lampen, von denen hier die Rede ist, sind also weniger kleine Öllämpchen, als vielmehr Fackeln: Holzstäbe, die mit einem Stück Stoff umwickelt waren, das in Öl getaucht wurde und dann eine ganze Zeit lang brannte.
Die zehn jungen Frauen nun sollen Brautjungfern sein bei einer Hochzeit. Und sie haben sich versammelt im Haus der Braut und warten auf den Bräutigam. Sie warten auf das große Fest. Sie warten darauf, dass der Bräutigam kommt. Hochzeitsfeste sind in der damaligen Zeit großartige, oft mehrtägige Feste. Immer wieder findet sich in der Bibel das Hochzeitsfest als Bild für das Reich Gottes.
Auch unser Gleichnis fängt so an: „Das Himmelreich ist wie…“ Das Reich Gottes, das Himmelreich, das bedeutet Leben in Freude und Glück, das bedeutet Erfüllung und Sinn, Frieden und Wohlergehen – eben wie ein Fest ohne Ende. Wenn Jesus also von einer Hochzeit spricht, dann spricht er von diesem Reich Gottes, das zu uns kommen wird. Das am Ende der Tage zu uns kommen wird, wenn Gott diese Welt und uns Menschen endgültig erlösen wird, das aber auch jetzt schon zu uns kommt, mitten in unser Leben hinein.
Denn das Reich Gottes ist bei Jesus ja nicht etwas, was nur im Jenseits, im Leben nach dem Tod stattfindet. Das Reich Gottes bricht schon jetzt in unser Leben hinein. Das Reich Gottes ergreift uns jetzt schon. Es ergreift uns, wenn zum Beispiel ein Mensch, dem der Tod seinen Partner genommen hat nach einer langen Zeit der Trauer wieder neuen Lebensmut findet. Eines Tages passiert es dann, dass jemand der lange getrauert hatte, wieder lachen und sich freuen kann. Da ist ein Stück Reich Gottes im Leben dieses Menschen aufgeblitzt.
Aber natürlich ist mit diesem Gleichnis auch jenes endgültige große Fest am Ende der Zeiten gemeint, wenn Gott diese Welt richten, das heißt zurecht bringen wird und seine neue Welt schaffen wird, das Himmelreich vollenden wird.
In unserem Gleichnis gehen diese zehn jungen Frauen los, weil ein Hochzeitsfest angesagt ist. Da gibt es nun fünf törichte und fünf kluge. Die törichten nehmen zwar eine Fackel mit, aber kein Öl, um die Fackel darin zu tränken. Das ist wirklich dumm und töricht. Sie sind unvorbereitet. Vielleicht war Ihnen das Ganze gar nicht wichtig. Sie nehmen die Fackeln, die man ihnen vielleicht noch in die Hand gedrückt hat, aber so richtig Lust haben sie keine. Halbherzig gehen sie an die Sache. Sie machen halt, was man ihnen sagt, ohne sich selbst dafür entschieden zu haben.
Gehören wir da nicht auch manchmal dazu, zu den Halbherzigen? Vielleicht sogar im Blick auf Tod und Sterben? Da ist vielleicht jemand gestorben, der einem etwas bedeutet hat, da ist man auf einmal mit der Endlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert, aber man stellt sich diesen schmerzhaften Erfahrungen gar nicht. Was ich manchmal erlebe an Hin und Her bei Terminen für eine Beerdigung oder Trauerfeier, weil mal der eine und mal der andere nicht kann. Wir lassen uns in unserem Leben offenbar gar nicht mehr unterbrechen. Wir können Dinge offenbar nicht mal liegen lassen, selbst dann nicht, wenn ein uns naher Mensch verstirbt. Das muss uns nachdenklich machen. Stattdessen versucht man schnell darüber hinweg zu gehen, versucht so zu tun, als ob nichts gewesen wäre. Man geht dann noch schnell zur Beerdigung, man nimmt an den ganzen Trauerritualen teil, aber man ist froh, wenn es einfach wieder vorbei ist. Man lässt den Schmerz und die Erfahrung der Sinnlosigkeit gar nicht zu, und hat darum auch keine Hoffnung mehr, dass das Leben noch anders sein könnte.
Man meint, man könnte das Unangenehme vertreiben und dabei wird man getrieben durchs Leben, lebt gar nicht mehr sondern wird gelebt. Das sind die ernsten Fragen, die uns der Text heute stellt und zwar ganz persönlich: Lebst du schon, oder wirst du gelebt? Bist du auch so eine törichte Jungfrau, die nur macht, was man halt so macht – und das auch noch halbherzig? Oder ist dein Glaube vielleicht sogar nur halbherzig?
Harte Fragen, die auch an mir in der Vorbereitung nicht spurlos vorbeigegangen sind.
Immerhin gibt es neben den fünf törichten noch die fünf klugen Jungfrauen. Die freuen sich auf das Fest, und sie haben sich vorbereitet. Sie haben nicht nur die Fackeln dabei, sie haben auch für Öl gesorgt. Denn sie wollen mitfeiern. Sie wollen ihr Licht leuchten lassen, bei diesem herrlichen Fest, sie wollen zur hellen Freude des Festes etwas beitragen. Sie wollen etwas.
Wer etwas vom Reich Gottes erfahren will, der muss es zuerst und vor allem wollen. Jesus sagt es selbst: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.“ Wer gar nicht will, wer sich gar nicht danach ausstreckt, etwas mit Gott zu erleben, der wird wohl auch nichts erleben.
Ganz ähnlich ist es übrigens bei der Trauer. Wer aus tiefer Trauer und Verzweiflung auch wieder herauskommen will, der wird auch konkrete Schritte dazu unternehmen. Der muss vielleicht auch schmerzhafte Abschiede vollziehen, muss sich selbst ändern, muss sich für neue Dinge öffnen. Manchmal gefällt es uns ja auch, uns selbst zu bemitleiden und im tiefen Loch sitzen zu bleiben. Das hilft aber nicht weiter, auch im Glauben nicht. Wer von Gott etwas in seinem Leben erleben will, der muss es auch wollen, der muss Gott auch suchen. Und er muss sich vorbereiten auf den Tag, an dem Gott dann erfahrbar wird. Der muss sich vorbereiten auf den Tag, an dem die Trauer überwunden ist.
Aber wie macht man denn das? Zum Beispiel, indem wir unseren inneren Fragen nicht ausweichen. Zum Beispiel, indem wir Orte aufsuchen, wo wir zur Ruhe und ins Gebet kommen. Zum Beispiel, indem wir das Gespräch mit vertrauten Menschen suchen, oder in der Bibel lesen und anderen guten Büchern des Glaubens. Zum Beispiel, indem wir den Gottesdienst besuchen oder andere Veranstaltungen, in denen etwas von Gemeinschaft der Glaubenden erfahrbar wird. Das heißt, sich vorbereiten auf die Ankunft des Bräutigams. Das heißt Öl einpacken. Das Reich Gottes suchen, sich ausstrecken nach geistlichem Leben.
Es mag eine Weile dauern, bis etwas geschieht. Gott kommt nicht so in unser Leben, wie es uns grad passt. Manchmal muss man warten und ausharren. Aber dann kommt der Moment, wo der Bräutigam kommt. Der Moment, wo etwas Neues in unser Leben einbricht. Jetzt war es wichtig, darauf vorbereitet zu sein, jetzt können die klugen Jungfrauen ihre Fackeln anzünden und dem Bräutigam entgegen gehen. Jetzt kann das Fest gefeiert werden. Alles war dafür bereit.
Die törichten Brautjungfern dagegen merken jetzt, dass sie nicht vorbereitet sind. So können sie den Bräutigam gar nicht empfangen. So können sie gar nicht umgehen mit dieser Situation. Sie sollen ihre Fackeln brennen lassen, sind aber völlig überfordert. Die anderen können ihnen nichts abgeben. Nicht aus Geiz oder Neid oder bösem Willen, es geht nicht, denn dann reicht ihnen ihr Öl selbst nicht.
So ist es nun mal im Glauben: Geistliches Leben und Vorbereitung lässt sich nicht vererben. Gott kennt keine Enkelkinder, nur Kinder. Die törichten Jungfrauen merken, dass jetzt all das nachgeholt werden muss, was bisher im Leben versäumt wurde. Während die klugen Brautjungfern mit dem Bräutigam und der anderen Hochzeitsgesellschaft feiern können, müssen sie jetzt Öl organisieren.
Und dann kommen die törichten Brautjungfern zu spät. Bis sie ihr Öl geholt haben, ist das Fest schon in vollem Gange. Die Tür ist verschlossen. Es gibt solche Erfahrungen des „zu spät“ auch in unserem Leben. Zu spät! Zu spät! Das Gefühl kennen Sie auch als Angehörige von Verstorbenen. Plötzlich steht man da und denkt: „Wie gern hätte ich diesen einen Streit noch beigelegt. Wie gern hätte ich um Vergebung gebeten oder selber vergeben. Wie gern hätte ich noch einmal die Hand gehalten. Ein Lied gesungen. Ein Gebet mit ihm, mit ihr gesprochen. Sie angelächelt. Zeit gehabt, Abschied zu nehmen.“ Aber nun ist es zu spät. Wie bei den fünf törichten Brautjungfrauen. Sie kommen zu spät und jetzt kommt es zu jener harten Erfahrung, die so schmerzlich ist. Sie stehen draußen vor der Tür, und wollen eingelassen werden. Jetzt wollen sie auch, jetzt bemühen sie sich und strengen sich an. Und jetzt kommt die Abweisung: „Ich kenne euch nicht.“ Jetzt machen sie jene Erfahrung vor der Tür, mit der sie sich nie richtig auseinander gesetzt haben. Jetzt ist es zu spät.
Es ist hart, dass die Geschichte hier endet. Und diese Härte will uns deutlich machen, dass es manche Dinge gibt im Leben, die wir nicht einfach so treiben lassen können, ohne dass es zu harten Konsequenzen führt. Es gibt manche Dinge, die zu spät kommen, manche Einsichten, die wir erst zu spät umsetzen. Es hat keinen Sinn, das schönzureden.
Aber es hat Sinn, sich warnen zu lassen. Noch ist es nicht zu spät, für keinen unter uns. Noch haben wir Lebenszeit und Gnadenzeit. Ein ganz großes Geschenk Gottes an uns. Diese Gnadenzeit ist da, damit wir Öl einkaufen, geistliches Öl. Jeden Tag können wir bei ihm auftanken. Wir können es, wenn wir Gottes Wort hören und lesen. Wenn wir Gemeinschaft mit anderen Christen haben. Wenn wir Gottesdienst feiern. Aus unserer eigenen Kraft wird unser Glaubenstank nicht bis zum jüngsten Tag reichen. Aber Gott will ihn jeden Tag auffüllen. Wir müssen bloß zu ihm kommen. So wie ich mit meinem Auto eben an die Zapfsäule oder die Ladestation fahren muss, wenn ich Sprit oder Strombrauche. Irgendwann ist auch der größte Tank und der neueste Akku mal leer.
Warten wir doch nicht damit, bis es zu spät ist. Vertrauen wir uns doch Gott neu an. Das ist kein einmaliges Geschehen. Das sollte jeden Tag neu geschehen. Gott ist der Herr über Leben und Tod. Wer mit ihm zusammenlebt, muss vor dem Tod keine Angst haben. Nutzen wir doch die uns verbleibende Zeit, damit wir einmal bereit sind, wenn er kommt, um uns mitzunehmen zum großen Hochzeitsfest. Zum Fest der ewigen Herrlichkeit. Da wo auch für dich und mich ein Platz reserviert ist. Da wo aller Schmerz und alle Trauer in ewige Freude verwandelt wird.
Amen.
Bei Rückfragen: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de