Gottesdienst mit Abendmahl, Pfr. Wenzke, Livestream

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Hebr. 13, 8b-9

Liebe Gemeinde, ­­­­­­­­­

Fluchtwege müssen klar gekennzeichnet sein! Auch wenn es nicht schön aussieht, wie dieses Schild hier über dem Bogen, was durchaus bei der Renovierung etwas für Diskussionen gesorgt hat, so habe ich es mir erzählen lassen. Aber: Wenn es brennt, hat man keine Zeit mehr, lange zu suchen. Da muss so ein Schild klar und von weitem erkennbar sein.

Auch unser Gott hat einen Fluchtweg für unser Leben, einen Fluchtpunkt, wohin wir fliehen können aus aller Unruhe, die uns umtreibt, aus allen Fra­­­gen, die uns beschäftigen und aus allen Sorgen, die uns quä­len. Gott hat einen Bergungsort, einen Rettungsort für uns, wo wir gehalten, getröstet und geborgen sind. Und Gott will, dass wir die­sen Ber­gungsort finden, dass wir ihn nicht übersehen. Darum hat auch Gott seinen Fluchtweg klar gekenn­zeich­net. Unser Pre­digt­text möchte ein Wegweiser hin zu Gottes Flucht­punkt sein im Wechsel der Zeiten:

Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit.

Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

So wie es in einem Gebäude nie zu viele Schil­der geben kann, die den Fluchtweg anzeigen, so können wir die Botschaft von Gottes Zufluchtsort und wie wir den Weg dahin finden, nicht oft genug hören.
Doch anders als bei den vielen Fluchtwegen in einem großen Gebäude, die zu verschiedenen Aus­gängen führen, zeigen bei Gott alle Wegweiser – und davon gibt es viele in der Bibel – in eine einzige Richtung, auf eine ein­zige Person hin, auf Jesus Christus. Er ist Gottes Bergungsort. Er ist Gottes Halt, er ist Gottes Trost. Gott hat nur diesen einen Flucht­punkt für uns eingerichtet.

Wie kaum ein anderer Brief im Neuen Testament hat der Hebräerbrief eigentlich nur ein einziges Thema: Über 13 Kapitel redet nur über den Einen, über Jesus Christus. Und so auch jetzt am Schluss des Briefes, in diesem Textabschnitt. Weil es nur diesen einen Fluchtweg, diesen einen Ber­g­ungsort gibt mitten im Wandel der Zeiten.

Das ist der erste Punkt, bei dem ich verharren will:

  1. Jesus bleibt im Wandel der Zeiten

Die Zeiten ändern sich. Nichts bleibt mehr, wie es war. Wir merken es rasant in unserer Landeskirche. Oberkirchenrat Stefan Reimers sagte im Oktober auf der Konferenz stellvertretender Dekane: „Wir haben es aufgegeben länger als drei Jahre voraus Details zu planen. Der Wandel ist so schnell, die Bedingungen unseres Handelns ändern sich so rapide, dass über diese drei Jahre hinaus gar keine detailierte Prognose mehr möglich ist.“ Es werden neue Pfarreien gebildet, es entstehen größere Regionen. Die Kirchengemeinden bleiben zwar bis auf Weiteres erhalten, aber im nächsten Landesstellenplan ab 2027 werden Pfarrstellen nicht mehr einer Kirchengemeinde zugeordnet werden, sondern einer Region. Und innerhalb einer Region werden dann die Pfarrstellen und Aufgabengebiete strukturiert und inhaltlich gefüllt. Trotz allem soll es klare Ansprechpartner auch für die Seelsorge geben.

Nichts bleibt mehr, wie es war. Auch in unserer Gesellschaft verändert sich vieles. Die Digitalisierung greift um sich, die künstliche Intelligenz revolutioniert die Möglichkeiten ähnlich wie vor 40 Jahren das Internet. Eine theologisch- ethische Einordnung steht bisher noch weitgehend aus.

Aber auch im persönlichen Leben bleibt nichts, wie es war. Vielleicht denken Sie das auch manchmal. Nichts bleibt, wie es war. Wenn Sie sich an das neue Auto gewöhnen müssen, wo alles ganz anders angeordnet ist als in ihrem Vorvorgängermodell bisher. Oder wenn Sie plötzlich vor einer SB Kasse im Supermarkt stehen und selbst kassieren müssen.

Nichts ist mehr so, wie es einmal war, geht es Ihnen durch den Kopf, wenn Sie zufällig auf das Bildchen in Ihrem Pass oder auf dem Führerschein schauen, das vor vielen Jahren aufgenommen wurde. Nichts bleibt wie es war, auch Du nicht.

Nichts ist mehr so, wie es einmal war, das gilt selbst für die Kinder. Wir sind jetzt über fünf Jahre hier und wenn ich unser Familienbild von unserer Einführung hier im September 2020 anschaue und wie wir jetzt aussehen, so sehe ich wie die Kinder sich weiterentwickeln und wir Eltern altern.

Es ist alles vergänglich, es ist alles im Umbruch, alles veraltet früher oder später. Die Zeitabstände in denen Veränderungen vorgenommen werden und Umbrüche erfolgen, verkürzen sich ständig. Die Menschen sollen sich anpassen, umlernen, fortbilden. Wer das Tempo nicht mithalten kann, verliert den Anschluss und ist draußen.

An so einem letzten Tag des Jahres wird uns besonders deutlich, wie um uns herum alles in Bewegung und Veränderung ist. Ich sitze im Zug der Zeit, der dahinrast und kann nicht aussteigen, kann die Weichen nicht stellen, sondern muss mit, wohin der Wagen rollt.

Es ist wie in jener kurzen Geschichte: Sieben Fahrgäste dösen auf den Sitzen eines über Schienen dahinratternden Eisenbahnwaggons. Draußen zieht die Landschaft vorbei. Da ertönt plötzlich ein schriller Pfiff. Es wird stockdunkel. Der Waggon durchfährt einen Tunnel. Als es wieder hell wird, fehlt eine Frau. Ihr Platz ist leer. Zurück bleibt ihr Schminkköfferchen. Zunächst bemerken es die anderen Fahrgäste kaum.

Als dann nach dem nächsten Tunnel eine mitreisende Nonne spurlos verschwindet, beginnen einige Fahrgäste unruhig zu werden. Ihre Angst und Unruhe steigert sich, als nach der nächsten Tunneldurchfahrt zwei weitere Fahrgäste fehlen. Ein Jäger greift zum Gewehr, will die Notbremse ziehen, vergeblich. Ein anderer versucht das Fenster herunterzuziehen, die Außentüre zu öffnen. Auch das gelingt nicht. Am Schluss ist niemand mehr im Waggon. Nur die zurückgelassenen Utensilien erinnern an die Menschen, die hier einmal waren.

Dann sieht man den Waggon von außen. Er rollt ohne Lokomotive ein abschüssiges Gleis hinunter.

So endet der Kurzfilm (von Bogdan Zizic) mit dem Titel „Die Reise“. Der Zuschauer wird nachdenklich und fragt sich: Ist das unsere Welt, ein ungesteuert, ungebremst dahinrasendes Gefährt, aus dem ich nicht raus kann? Eines Tages bin ich nicht mehr dabei. Nur ein paar Sachen von mir bleiben zurück, für kurze Zeit? Nichts ist mehr so, wie es einmal war!

 Und doch: Er bleibt! Jesus Christus bleibt! Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit! Er ist der Anfang und das Ende. Wo alles im Fluss ist, wo der Zug der Zeit uns alle mit­reißt, da ist er der Beständige, der, der bleibt, der das A und das O ist.

Er bleibt, aber er ist nicht draußen geblieben – aus unse­­rer Welt nämlich, er ist nicht der große Uhrma­cher, der diese Welt wie ein Uhrwerk aufge­zo­gen hat und sie jetzt ablaufen lässt. Nein, er hat eine Geschichte in dieser Welt.

Er hat ein Gestern in dieser Welt, als er im Stall von Bethlehem auf die Welt kam; als er durch den Staub dieser Erde ging; als er den Menschen voller Liebe begegnete; als er in Jerusalem ein­zog und als er sich ans Kreuz nageln ließ für uns; als er dort starb und am dritten Tag auferstanden ist. In Jesus Christus ist Gottes Ewig­keit in unsere Zeitlichkeit und Vergänglichkeit gekommen.

Das einzige was wirklich bleibt, ist nicht eine zeitlose Idee, ein Gedanke, sondern eine Per­son, Jesus Christus. Nicht ein ES bleibt, sondern ein DU.

Er ist darum in unsere Welt, in unsere Zeit gekommen, um sich mit uns zu ver­binden, und so unsere Zeit in seine Hände zu neh­­men und um uns die Ewigkeit zu schenken. Durch sein Ge­stern dort am Kreuz von Golgatha nimmt er unser Gestern, unsere Schuld, die uns von Gott trennt, weg und macht uns zu Gottes Kindern. Zu Gottes Kindern und zu Erben der Ewigkeit.

Jesus Chri­stus ist derselbe gestern und auch heute. Heu­te will er bei uns sein, mit uns auf unserem Weg gehen. So hat er es ver­spro­chen: »Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.« An seiner Hand wird auch das kommende Jahr für uns ein gutes Jahr; ein Jahr, in dem er bei uns ist, was auch kommen mag. Jesus bleibt sich und uns treu.

Er bleibt es auch bis in die Ewigkeit hinein. Er bringt uns an sein Ziel! Wir sollen in Ewig­keit bei ihm sein. Jesus Christus bleibt und wer mit ihm verbunden ist, der bleibt auch – der bleibt in Ewig­keit mit Jesus Christus verbunden. Mitten im Zug der Zeit schenkt er uns einen ewigen Halt. Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit

In der Predigt: Es gibt bedingungslose Liebe (Nr. 78 mit Gemeinde)

Und nun das Zweite: Jesus Christus allein zählt

Der Schreiber des Hebräerbriefes warnt seine Gemeinde, warnt uns davor, dass wir unsere Hoffnung und Erwartungen auf ständig wechselnde Weisheiten und Lehren setzen, die gerade im Trend liegen: Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben. Ständig erscheinen neue Bücher, gibt es neue Angebote auf dem Glaubensmarkt, werden neue Kräfte gepriesen aus der Tiefe der Erde, aus Steinen, aus Sternen, Energien aus dem All oder aus der Mitte unseres eigenen Körpers. Wer sich nicht an Christus hält, der verliert sich und die Orientierung in den mancherlei und fremden Lehren.

An einem gefährlichen Fluss in China kamen durch die Strömung immer wieder Schiffe ins Ken­tern. Bis man herausfand, dass, wenn man sich mit dem Boot auf einen Felsen im Fluss zubewegt, die Strömung einen sicher durch das unruhige Fahrwasser trägt. Die Menschen haben mit großen Zeichen die Botschaft auf den Felsen geschrieben: »Auf mich zu!«

So möchte uns auch der Hebräerbrief in den gefährlichen religi­ösen und ideologischen Strö­mungen aller Zeiten auf den Fel­sen, auf Jesus Christus aufmerksam machen. Er allein zählt. Er allein soll unser Orientierungspunkt sein. Nicht eine Idee, nicht eine Lehre, sondern diese eine, diese einzigartige Person ist der Orientierungspunkt: Jesus Christus.

Er ist derselbe auch morgen und in aller Zukunft. Ohne ihn könnte ich in unserer Zeit nicht leben. Ich brauche seinen Zuspruch, seine Führung, auch die Worte, die mich zurückhalten oder zurückholen, wenn ich einen falschen Weg gegangen bin. Ich brauche ihn, weil ich weiß, dass er mich hält. Er gibt mir die Kraft, um in all den Veränderungen bestehen zu können. Ich brauche ihn, weil ich weiß, er ist treu und steht zu seinem Wort, auf ihn ist Verlass. Ich brauche ihn, weil er mich getrost und fröhlich macht, obwohl ich manchmal noch nicht weiß, wie alles werden soll.

Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Das nächste Jahr wird kein Jahr ohne Angst, Schuld und Not sein. Aber, – dass es in aller Schuld, Angst und Not ein Jahr mit Christus sei, dass unserem Anfang mit Christus eine Geschichte mit Christus folge, die ja nichts ist, als ein tägliches Anfangen mit ihm – darauf kommt es an.“ Christen sind Menschen, die nicht nur jedes Jahr, sondern jeden Tag neu anfangen mit Jesus, weil er die einzige verlässliche Größe ist in allen Umbrüchen und Veränderungen. Er hält dich auch noch, wenn du fällst.

Und schließlich noch kurz das Dritte:

  1. Jesus Christus allein macht unser Herz fest

„Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest wer­de, welches geschieht durch Gnade.“ Ich freue mich sehr über diesen Vers, denn er ist der Taufspruch unseres Sohnes Linus.  Gott will, dass unser Herz fest wird. Das ist ein köstlich Ding. Wörtlich heißt es: »gut« – gut ist es, dass das Herz fest werde.
Dieses »gut« erinnert uns an die Schöpfungs-geschichte, wo es heißt: »Und Gott sah an, alles was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut.« So ist auch dieses feste Herz »gut«, weil Gott es selber in seiner Schöpfermacht festgemacht hat. Ein festes Herz können wir uns nicht antrainieren, können wir nicht selber machen.

Ein festes Herz bekommen wir nicht durch Vor­sätze, nicht durch Selbstdisziplin, sondern durch Gottes Gnade, durch Gottes Schöpfermacht, durch Gottes Zuwendung.

Die Gnade Gottes, seine Zuwen­dung, seine Gegenwart macht unser Leben stabil, macht unser Herz fest. Ein festes Herz ist nicht ein Herz, das selbstsicher ist, sondern ein Herz, das Jesus ganz vertraut. Ein Herz, dass sich nicht von jeder Stimmung, jeder kurzfristigen Entwicklung irritieren lässt, sondern letztlich weiß, was unsere Alten schon vor Jahrhunderten gesagt haben: „Es kann uns nichts geschehen, als was ER hat ersehen.“

Ich wünsche uns al­len, dass wir Jesus Christus an jedem Tag des kommenden Jahres neu vertrauen und so mit ihm gehen. Dass wir auf diesem Felsen, der Jesus Christus heißt, stehen und mit ihm verbunden sind. Mit ihm der allein ewig bleibt. Mit ihm, der allein zählt. Und mit ihm, der uns allein ein festes Herz geben kann.

Amen.

Bei Rückfragen bitte wenden an: Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168;

E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de