Gottesdienst mit MNT, Pfr. Wenzke, KiGo & TeenieKirche, Livestream, anschl. Kirchencafè

Zur PDF

Predigt am Sonntag 12.07.2026, Kreuzkirche Bayreuth: 5. Mose 7, 6-12

Liebe Gemeinde,
Gottes Zusage, »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein«, die der Prophet Jesaja seinem Volk weitergegeben und die uns im Wochenspruch heute erreicht hat, ist ganz eng mit unserer Taufe verbunden. Bei  jeder Taufe kommt dieser Bibelvers zur Sprache. Ursprünglich galt er aber einem ganzen Volk. Dieser Vers ist wie ein Liebesbrief und nimmt jenen wunderbaren Liebesbrief auf, den Gott durch Mose bereits Jahrhunderte früher, seinem Volk Israel zustellen ließ. Wir lesen in 5. Mose 7, 6-12:

Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.

7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, 8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, 10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 

11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.

12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat

Wenn wir uns nun fragen, warum Gott gerade dieses Volk erwählt hat, bekommen wir nur eine Antwort: aus Liebe. Wer nach weiteren Erklärungen für Gottes Liebe zu diesem unscheinbaren Völklein sucht, wird keine anderen Antworten bekommen, so wie es nicht beantwortbar ist, warum Menschen sich lieb gewonnen haben.

Gewiss, ein junger Mann kann sagen: Ich liebe meine Freundin, weil sie schön ist und freundlich und begabt und musikalisch und fleißig. Aber es gibt doch tausende junger Frauen, die schön sind, freundlich, begabt, musikalisch, fleißig usw.. Warum er gerade sie erwählt hat, wird er kaum sagen können.

Und eine junge Frau kann sagen: Ich liebe meinen Freund, weil er cool ist und toll aussieht und etwas drauf hat. Aber es gibt doch tausende junger Männer, die cool sind, toll aussehen und etwas drauf haben. Warum sie gerade ihn erwählt hat, wird sie kaum sagen können.

Von Gott erfahren wir auch keine näheren Gründe für seine Liebe zum Volk Israel. Nur dass es nicht Israels Größe war, die ihm ins Auge stach. Im Gegenteil, in unserem Abschnitt wird Israel vielmehr als kleinstes unter allen Völkern bezeichnet. Auch der Bekanntheitsgrad Israels konnte nicht ausschlaggebend sein, denn Israel war immer unscheinbar gegenüber den anderen Völkern. Und die Intelligenz des Volkes? Hat sie Gott beeindruckt? Sicher auch nicht mehr als bei anderen Völkern. Es ist einfach so: Gott hat dieses Volk lieb so wie es ist, schwach, hilfebedürftig, unscheinbar. Und diese Liebe führt zur Erwählung Israels. Ihm hält er die Treue. Darauf kann sich Israel verlassen bis zum heutigen Tag.

Auch wenn die Geschichte des Volkes Israel überaus wechselhaft ist: Schon vor ca. 3.500 Jahren war es extrem schwer, als der Pharao die Herrschaft über dieses Volk hatte und es versklavte und alle männlichen Nachkommen tötete. Damals sind wohl Tausende gestorben auf Befehl des ägyptischen Herrschers. Hätte er sein grausames Tun weitertreiben können, wäre das Volk untergegangen. Aber Gott hat es nicht zugelassen. Gott hat es befreit, erlöst aus des Mörders Hand, weil er dieses Volk erwählt hatte. Und so ging es durch die Jahrhunderte, durch eine Vielzahl von Kriegen in der Geschichte Israels. Israel ist nie untergegangen. Trotz aller Widerstände: die Judenfeindlichkeit ist auch kein neues Phänomen, auch das zieht sich durch die Geschichte dieser Welt wie ein roter Faden. So richtig erklären lässt sich das auch nicht. Aber es kommt zu schrecklichen Verbrechen am jüdischen Volk im Dritten Reich aufgrund eines fanatischen Führers. Schreckliche Zeiten, die sich nie wiederholen dürfen. Und dann erfolgt wenige Jahre später die Gründung des Staates Israel und Juden leben in diesem Staat und weltweit verstreut. Gott hat dieses Volk erwählt. Diese Zusage bleibt. Das müssen wir wissen im Zusammenleben mit dem Volk Israel und dem Umgang mit Juden.

Das heißt aber nicht, dass wir unkritisch alles für gut heißen müssen, was Israel tut und was dessen Regierung veranlasst. Ganz und gar nicht. Gerade Israel dürfen und müssen wir an seine Erwählung erinnern und daran, dass es den Namen Gottes trägt und deshalb nach Gottes Willen leben und handeln soll. Und wir müssen unterscheiden zwischen dem Staat Israel und dessen Regierung und dem jüdischen Volk. Hier sind die Ansichten keineswegs immer identisch. Auch als Christen müssen wir bei aller Verbundenheit Israel immer wieder kritisch begleiten und doch zugleich wissen: Gottes Erwählung steht über diesem Volk trotz aller Wirrungen und Irrungen.

Man könnte fast etwas neidisch werden auf Israel, denn das ist doch das Beste, das Schönste, das Größte, wenn man sich geliebt wissen darf, von Gott geliebt. Natürlich ist das ein ungleiches Liebespaar: Israel und Gott. Aber umso wunderbarer muss es für das Volk Gottes sein, mit Gott im Bunde zu stehen. Man könnte fast neidisch werden auf Israel, denn das wollen wir doch alle auch, einen solch prominenten, unvergleichlichen, vor Liebe brennenden Liebhaber haben.

Aber, liebe Gemeinde, niemand von uns muss neidisch werden, denn außer Israel hat Gott auch uns erwählt. Das ist eigentlich noch das viel größere Wunder: Alle Völker hat er einbezogen in seinen Heilsplan.  Gott hat eingegriffen in das teuflische Rad der Menschheitsgeschichte. Er hat sich selbst den dämonischen Mächten dieser Welt in Jesus Christus ausgesetzt und ist Sieger geblieben – Todesbesieger, Auferstehungssieger. Deshalb kann der Evangelist Johannes nach Jesu Tod und Auferstehung schreiben: »So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben«

Liebe Gemeinde, das ist die Wahrheit. Wir sind Gottes geliebte Kinder! Wir sind erwählt, wiederum nicht, weil wir so toll sind, so großartig, so cool, so fromm, sondern aus Liebe. Die Taufe steht dafür. In der Taufe wurde uns das zugesagt: Du bist geliebt, erwählt, erlöst!

Nein, die Taufe ist nicht ein nachgeholtes Geburtsfest und schon gar nicht ein Traditionsfest. Die Taufe ist das Fest, an dem uns gesagt wird von unserem Liebhaber: Du, ich kenne dich. Dein Name klingt in meinen Ohren wie Musik. Ich bin immer mit dir. Ich steh an deiner Seite an guten und an bösen Tagen. Ich habe dich erlöst.
Du bist mein. Und jetzt gib im Laufe deines Lebens eine Antwort auf diese große Liebeserklärung.

Vielleicht fragt ihr euch auch, wenn euch diese wunderbare Liebeserklärung wieder neu bewusst wird: Warum liebt Gott mich, warum gerade mich? Was ist denn so liebenswert, so anziehend an mir? Auf diese Frage bekommen ihr nur eine Antwort: Er liebt euch auf unerklärliche Weise. Gottes Liebe zu uns kann man nicht erklären, nur annehmen. Sich lieben lassen. So wie ein Säugling und Kleinkind sich lieben lässt und selbst noch gar keine Liebe geben kann.

Ja, so wie wir sind, sind wir geliebt. Aber, und das sagt er uns in seinem Liebesbrief, er will nicht, dass wir so bleiben wie wir sind. Denn Gott geht es um nichts mehr, als dass unser Leben gut wird und wir in Frieden leben können. Darum sagt er uns: »So haltet nun meine Gebote.«

Geliebt sind wir, wie wir sind, aber Gott will, dass wir nicht so bleiben, wie wir sind.

Ein Beispiel: Kinder haben ein sehr feines Gespür für ihr Verhalten. Schon der kleine 5jährige Benjamin weiß, dass es sehr wohl auch an ihm liegt, ob Frieden herrscht in der Familie.
So erzählt seine Mutter, dass er eines Morgens zu ihr kam und meinte: »Mama, in der Nacht denke ich immer,  morgen will ich den ganzen Tag lieb sein.« Es gefällt ihm selbst nicht, wenn seine Eltern verärgert sind und Streit mit den Geschwistern schlichten müssen. Durchaus sensibel nimmt er die Gefühlslage seiner Eltern wahr und möchte nicht, dass sie traurig und beschwert sind.

Ob wir es auch wahrnehmen, dass wir durch unser Verhalten Gott oft traurig machen? Von Benjamin können wir lernen und uns vornehmen, Gottes Gebote nach Kräften zu halten. Dabei geht es gar nicht in erster Linie um Gott und seine Ehre, sondern um unser Zusammenleben mit anderen Menschen und um uns selbst. Gottes Gebote sind Lebenshilfen und bis zum heutigen Tag die besten Regeln für das Miteinander der Menschen.

Dass wir Regeln brauchen, dass Werte für das Zusammenleben in der Familie und in der Gesellschaft wichtig sind, ist unbestritten. Die Wertediskussion ist in vollem Gange. Gott liefert uns seinen Beitrag dazu, den besten, den es zu beachten gilt. Bessere Leitlinien gibt es nicht. Natürlich müssen Gottes Gebote zu jeder Zeit neu buchstabiert werden.
Wir alle sollten uns fragen: Was heißt es heute, wenn Gott sagt: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst den Feiertag heiligen. Du sollst nicht töten, z.B. auch im Blick auf die Diskussion über die Möglichkeit, schon Embryonen auf Krankheiten zu untersuchen und im Falle eines Falles zu töten. Vor allem aber gilt es – und das sagt uns Gott heute –, dass wir seine Gebote halten und nicht so bleiben, wie wir sind. Dann sind wir auf einem guten Weg.

Allerdings wird es uns dabei so gehen wie dem kleinen Benjamin, dass wir immer wieder die Erfahrung machen: Wir schaffen es nicht. Wir machen uns schuldig an anderen, an uns selbst und an Gott. Doch dann dürfen wir beten oder mit dem Lied von Manfred Siebald singen:

Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin
Du hast gesagt, dass jeder kommen darf
Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann
Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan

Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin
Und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin

Jesus, bei dir muss ich nicht bleiben wie ich bin. Ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir. Ich muss nichts vor dir verbergen, der mich schon so lange kennt.
Du siehst, was mich zu dir zieht, und auch, was mich von dir noch trennt ist. Du hast schon seit langer Zeit mit mir das Beste nur im Sinn.  Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.  Du hast schon seit langer Zeit für mich das Beste nur im Sinn. Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.

Es bleibt dabei: Gott hat Israel erwählt – aus Liebe; Gott hat uns erwählt – aus Liebe, Gott hat alle Völker erwählt – aus Liebe. Er hat uns Weisungen gegeben, damit unser Leben gut und unser Miteinander friedlich sei.  Halten wir uns also an seine Gebote? Wird in unserem Alltag sichtbar, dass wir zu ihm gehören? Halten wir uns an diesen Gott? Gott hat alles getan, dass seine Beziehung zu uns intakt ist. Leben wir unsere Erwählung und lassen uns lieben. Aber geben wir diese Liebe auch weiter. Bei der Andacht zum Konfirmandenelternabend diese Woche habe ich das Bild der Gießkanne genutzt. Wir Menschen sind wie eine Gießkanne. Gott hat alles in uns hineingegeben und investiert. Er hat uns gefüllt mit seiner Liebe und Erwählung. Er nutzt gerade dich. Aber die ganze Liebe Gottes, mit der Gott dich überschüttet und füllt, darf nicht einfach nur in dir bleiben. Wenn Du eine Gießkanne voller Wasser neben dein Gemüsebeet stellst und nicht den Inhalt ausgießt, werden deine Gemüsepflanzen vertrocknen. Wenn Du die empfangene Liebe Gottes nicht ausgießt an andere, wird dein persönliches Umfeld und diese Welt vertrocknen. Das ist extrem egoistisch. Wenn Du sie aber ausgießt, dann werden Früchte, Glaubensfrüchte in deinem Umfeld wachsen. Und du darfst gewiss sein: Du (als Gießkanne) wirst immer wieder mit der Liebe Gottes erfüllt. Denn  Du bist erwählt. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, Du bist mein. Amen.

Bei Rückfragen bitte wenden an: Pfr. Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18,95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de