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Zur PDFPredigt: Mt. 11,25-30:
Liebe Gemeinde,
vor einigen Wochen bekam ich eine mail von der Kirchenleitung aus Württemberg. Es war eine Einladung an meine Frau und mich zu meinem 25 – jährigen Dienstjubiläum als Pfarrer. Es wird in Stuttgart im Oktober begangen. Und ich muss gestehen: ich habe mich gefreut und wir werden als Ehepaar dort gemeinsam hingehen zu diesem Festabend und feierlichen Gottesdienst. Es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass ich dort eingeladen werde, wo ich vor sechs Jahren die Landeskirche von Württemberg den Rücken gekehrt und nach Bayern gewechselt habe.
Über ehrliche Einladungen freut man sich doch. Eine Einladung zeigt ja immer auch: Du bist mir wichtig und ich hätte dich gerne dabei.
Jesus lädt auch ein. Unser heutiger Predigttext ist eine einzige große Einladung. Eine Einladung zu Jesus und wie wir unser Glaubensleben nach seinem Vorbild gestalten können. Ich lese Matthäus 11, 25–30.
25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.
26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
In drei Schritten möchte ich gerne mit Ihnen über das nachdenken, wozu Jesus uns einlädt:
- Jesus jubelt und lädt Dich zum Jubel ein –
- Jesus ruft dich und stärkt dich –
- Jesus ermutigt Dich, ihm nachzufolgen.
- Jesus jubelt und lädt dich zum Jubel ein
Auch wenn es vielleicht nicht so richtig in unsere Vorstellung von Jesus passt: Jesus konnte so richtig begeistert sein. Das ist ja eine Tugend, die wir abgeklärten und aufgeklärten Menschen so selten praktizieren. Wir meinen so oft, dass wir solche Gefühlsausbrüche des Jubels und der Freude nicht nötig haben oder dass dies unangemessen sei. Ich muss auch ehrlich sagen, dass mir das von meinem Charakter her auch nicht so leicht fällt, so aus mich heraus zu gehen.
Aber vielleicht können wir da von den Kindern lernen. Rufen sie einmal in ein Klassenzimmer hinein: „der Nachmittagsunterricht entfällt“ – und sie werden erleben, was wahrer Jubel ist. Auch Jesus ist sich nicht zu schade, Gott laut zu loben und zu preisen. Ja, Jesus lobt Gott: Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde…
In diesem Lob Gottes wird Jesus uns zum Vorbild.
Für was alles könnte man Gott nicht loben: für seine wunderbare Schöpfung, die wir in diesem Frühsommer so genießen dürfen. Für seine Freundlichkeit, mit der er sich uns Menschen zuwendet. Für so manche Hilfe in unserem Leben, wie es im Lied heißt: »In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.« Wir können Gott auch loben für allen Verstand, den er uns Menschen geschenkt hat. Ja, lasst uns doch mal wieder so richtig jubeln! – Wie gut, dass es so viele wertvolle Loblieder gibt, von Paul Gerhardt, dessen 350. Todestag wir derzeit begehen bis hin zu modernen Lobpreisliedern.
Was mich allerdings erstaunt, ist, worüber Jesus jubelt. Es ruft: »Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.« – Jesus freut sich, dass nicht alle Gott erkennen. Warum jammert Jesus nicht darüber? Warum ärgert sich Jesus nicht, dass so viele scheinbar intelligente Menschen es nicht begreifen, wer Gott ist. Würden wir uns nicht viel mehr wünschen, dass unsere Kirche hier sonntags noch voller ist? Wobei wir schon sehr dankbar sein können über den Kirchenbesuch hier in der Kreuzkirche und ich möchte jeder und jeden hier danken für alle Verbundenheit zu dieser Gemeinde.
Warum also freut sich Jesus? Jesus jubelt und freut sich über diejenigen, die sich nicht für so besonders schlau halten und gerade deshalb Gott so richtig erkennen.
Auch Paulus hat das erlebt. Er schreibt den Christen in Korinth: »Weil die Welt Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt alle zu retten, die daran glauben« (1. Korinther 1, 21). Diejenigen, die sich für besonders schlau halten, erkennen Gott oft nicht. Dafür begegnet uns z.B. bei Menschen mit geistiger Behinderung oft ein tiefer Glaube, und eine Gotteserkenntnis, über die wir nur staunen können. Wir haben das oft bei HPZ Gottesdiensten hier erlebt, die unsere frühere Pfarrerin Birgit Bauer hier gefeiert hat. Deshalb gilt: Wer Gott kennengelernt hat und an ihn glaubt, mag vielleicht für manch anderen als schlicht gelten, in Wahrheit aber ist das Jesu Programm. Er will sich denen zeigen, die sich auf ihn einlassen können, denen ihre vermeintliche Intelligenz nicht im Weg steht.
Durch Jesus können wir Gott kennenlernen. Das bringt Jesus zum Jubeln. Denn das wirkt sich in der Zukunft aus. Wer Jesus kennt, der gehört schon jetzt in seinen Zukunftsplan mit hinein. Wer an Gott glaubt, ist ein Erbe des himmlischen Vaters und hat Anrecht auf eine Erbwohnung in Gottes ewiger Welt. Deshalb freut sich Jesus so sehr über alle, die an ihn glauben. Er freut sich, weil er mit uns die Ewigkeit verbringen wird!
Jesus jubelt und lädt auch dich zum Jubel ein. Aber natürlich weiß auch Jesus, dass uns nicht immer nach Jubeln zumute ist. Er weiß, dass wir manchmal tief durchhängen und das Ziel seiner Herrlichkeit aus den Augen verlieren. Deshalb:
- Jesus ruft dich und stärkt dich
Nach seinem Jubel steht Jesus mit weit geöffneten Armen da und sagt mit freundlicher Stimme: »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.«
Wie beladen sind wir doch oft. Sorgen, weil das Geld immer knapper wird aufgrund der Inflation. Frustration, weil sich vielleicht manche Hoffnungen auf die neue Regierung doch nicht erfüllt haben. Angst, weil eine ernste Krankheit sich eingestellt hat. Trauer, weil ein lieber Mensch so fehlt. Ärger, weil es im Betrieb nicht richtig klappt. Ach, es gibt so vieles, was uns belastet. Was aber kann uns da helfen?
Ein Esel war schwer mit Säcken beladen. Die waren voller Salz. Mühsam quälte er sich unter seiner Last vorwärts. Zu aller Mühe dazu, musste er auch noch einen Bach durchqueren. Mittendrin stolperte er und ging in die Knie. Erschöpft blieb der Esel eine kurze Weile liegen, bis er neue Kraft hatte, sich wieder aufzurichten. Als er weiterging, fühlte sich seine Last nur noch halb so schwer an. Und tatsächlich: das Salz in den Säcken hatte sich zum Teil aufgelöst und war vom Wasser mitgenommen worden. Der Esel war beglückt.
Als er eine Woche später wieder auf diesem Weg war, nahm er sich vor, sich auch dieses Mal im Wasser von einem Teil seiner Last zu befreien. Am Bach angekommen, stolperte er absichtlich und seine Säcke hingen ins Wasser. Doch als er wieder weitergehen wollte, kam er fast nicht auf die Beine, so schwer wog die Last. In seinen Säcken trug er dieses Mal nämlich Schwämme.
Ja, so lustig die Geschichte klingt, so viel Wahrheit steckt auch darin. Wie oft meinen wir Menschen, wir könnten irgendwo Erleichterung finden. Doch was einmal gut getan hat, muss nicht immer eine Hilfe sein. Manche haben schon erlebt, dass ein Glas Wein oder Alkohol allgemein die Stimmung hebt. Aber gar zu schnell wird eine Abhängigkeit daraus. Manche lassen sich von einer Zigarette oder Pfeife den Feierabend versüßen, aber bald können sie gar nicht mehr davon lassen und werden abhängig. Andere probieren eine Droge aus, die sie im Gefühl so leicht werden lässt, aber bald haut es sie völlig rein und zerstört ihren Körper. Wieder andere suchen Anregungen für ihr Sexualleben oder versuchen Defizite in der Beziehung und Ehe zu lindern und beginnen Pornos zu schauen und kommen dann nicht mehr davon los. Es geht so schnell, dass man in eine Abhängigkeit gerät und Entlastung an der falschen Stelle sucht.
Bei Jesus dagegen ist es anders. Wenn er Entlastung anbietet, dann gilt das auch. Und zwar immer wieder aufs Neue. Da gibt es keine böse Überraschung. Liebe Leute, sucht nicht irgendwo nach Entlastung, versucht nicht irgendwie eure Schuld los zu werden. Nein, kommt immer wieder zu Jesus mit dem, was euch belastet!
Ich kenne einige Leute, auch solche, die sich durchaus als Christen bezeichnen, die lassen sich von Jesus keine Entlastung schenken. Die versuchen irgendwie mit ihrem Leben, ja mit allem Möglichen zurecht zu kommen. Sie meinen keine Hilfe zu brauchen und wundern sich dann, wenn sie stolpern und in die Knie gehen wie der Esel. Dabei steht Jesus mit seinen weit geöffneten Armen da, um Lasten abzunehmen.
Ganz besonders nimmt sich Jesus der Schwachen an. Von ihm heißt es beim Propheten Jesaja: »Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen« (Jesaja 42, 3). Das tut so gut zu wissen: wenn man angeschlagen ist, richtet Gott einen wieder auf. Das ist so gut und wichtig, dass ich in meiner Schwachheit, mit allem Versagen zu Jesus kommen kann. Er wird mich von Schuld lossprechen und wieder stärken.
Jesus schenkt uns eine Zeit der Ruhe und Erholung. Das griechische Wort, das Martin Luther mit »erquicken« übersetzt hat, kann auch wiedergegeben werden mit »Pause machen«. Bei Jesus gibt es eine Pause in der Hektik unserer Zeit. Er will uns die Last von den Schultern nehmen. Er will uns immer und immer wieder stärken.
Er schenkt uns wertvolle und stärkende Zeiten der Begegnung mit ihm. Viele Christen erleben den Sonntagsgottesdienst als einen solchen Ort der Ruhe und der Stärkung. Und auch jeden Tag können wir Gott so begegnen, indem wir den Tag mit einem Gebet beginnen und Gottes Wort zu uns sprechen lassen. Dazu lädt uns Jesus ein.
- Jesus ermutigt Dich, ihm nachzufolgen
Am besten wäre es, für immer bei Jesus in dieser Phase des zur Ruhe Kommens bleiben zu können. So wünschen wir es uns oft. So wie ein beglückendes Fest nie enden sollte. So wie eine christliche Freizeit so schön sein kann, dass sie eigentlich immer weitergehen sollte.
Doch Jesus ermutigt uns nach der wohltuenden Pause bei ihm dazu, dass wir uns wieder dem Leben mit allen Herausforderungen stellen. Es kann halt nicht alle Tage Sonntag und Freizeit sein. Doch alle Sorgen und Probleme dürfen wir getrost an Jesus abgeben. Das einzige, was wir tragen sollen, ist sein Joch. Ursprünglich ist ein Joch ein stabiler, geschwungener Holzbalken, der paarweise über den Nacken von Zugtieren (meist Rinder oder Ochsen) gelegt wird. Daran werden Pflug oder Wagen befestigt, sodass die Tiere gemeinsam ziehen können.
Wir sind also in die neue Lebens- und Dienstgemeinschaft mit unserem Herrn eingespannt. Das ist aber keine Last, sondern entlastend. Daran tragen wir nicht zu schwer. Jesus ist immer neben mir. Er trägt die Hauptlast. Und wir zwei gehören dann untrennbar zusammen. Das ist so wichtig.
Denn wenn Jesus in meinem Leben die Herrschaft übernommen hat, dann wird es gut. Dann habe ich immer einen an meiner Seite, der es gut mit mir meint. Wenn Jesus in meinem Leben herrscht, dann herrscht da nicht mehr die Sünde, sondern die Vergebung. Wenn Jesus der Herr meines Lebens ist, dann bin ich frei von allen anderen, die mich beherrschen wollen. Mit Jesus findet ein ermutigender Herrschaftswechsel statt. Bei ihm haben wir eine echte Zukunftsperspektive. Er schenkt uns neuen Mut. Er ermutigt uns zu einem Leben mit Blick auf das ewige Heil, das er schon jetzt für uns vorbereitet. Und das alles ermöglicht uns schon hier und jetzt ein erfülltes Leben. Denn wir wissen, wohin die Reise geht. Dorthin, wo wir mit offenen Armen empfangen werden. Dorthin, wo wir immer wieder Pause machen dürfen. Dorthin, wo es heißt: »Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar« (Psalm 23, 6). – Das ist doch wirklich ein Grund zum Jubeln! Halleluja.
Amen.
Bei Rückfragen bitte wenden an: Pfarrer Friedemann Wenzke, Dr. Martin Luther Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel: 0921/41168; E-Mail: friedemann.wenzke@elkb.de