Gottesdienst – Matthäus 5, 13-16
Zur PDF8.Sonntag nach Trinitatis, 02.08.2009, Matthäus 5, 13-16
Gnade sei mit euch und Friede, von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
Wir bitten in der Stille um den Segen Gottes für diese Predigt:
…Herr, wir bitten dich, gib deinen Heiligen Geist zum Reden und zum Hören. Amen.
Unser heutiger Predigttext ist ein Stück aus dem ersten Teil der Bergpredigt. Sie beginnt ja mit den bekannten Seligpreisungen. In denen nennt Jesus Menschen selig oder glücklich, die geistlich arm sind, die sich auf ihren Glauben und ihre Frömmigkeit nichts einbilden. Und solche, die Leid erfahren und tragen, die barmherzig sind und friedlich, die sanftmütig sind und nicht immer gleich aufbrausen. Ja sogar solche nennt er selig, die zu Unrecht verfolgt werden und die sich für die Gerechtigkeit einsetzen und dafür Nachteile in Kauf nehmen.
All denen verspricht er eine ganze Menge: das Himmelreich und das Erdreich, dass sie Gottes Kinder sein und Gott sehen werden, dass sie getröstet und einmal im Himmel reich belohnt werden. Da wird deutlich, dass bei Jesus und bei Gott ganz andere Dinge zählen als bei den Menschen. Die Seligpreisungen enthalten eine wunderbare Hoffnung für alle, die im Leben zu kurz kommen, weil sie sich für andere einsetzen.
Die Weltmenschen sagen: Die Ehrlichen sind die Dummen und die Bescheidenen und die, die um des Friedens willen nachgeben: „Ihr seid ja dumm“, sagt man ihnen, „wenn ihr euch nicht vordrängt und durchsetzt, wenn ihr euch was gefallen lasst und euch für andere einsetzt.“ Gottes Wort widerspricht und sagt. Ihr seid nicht dumm, ihr seid glückliche, selige Kinder Gottes und euer Vater im Himmel wird euch diesen Einsatz ganz gewiss lohnen.
Auf die Versprechen der Bergpredigt folgen dann einige Zusagen, die Jesus seinen Zuhörern macht: Wenn ihr so lebt, wenn ihr eueren Glauben, euere Überzeugung konsequent umsetzt m Alltag, dann geht eine Welt verändernde Wirkung von euch aus. Jesus macht das in drei Bildworten, drei bildlichen Vergleichen deutlich. Und die sind unser Predigttext: Matthäus 5 Vers 13 – 16. Jesus sagt zu den Hörern seiner Bergpredigt:
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lasse es von den Leuten zertreten
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen sein.
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie euere guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Salz der Erde, Licht der Welt, Stadt auf dem Berg? Gar nicht so einfach zu verstehen. Es ist wie mit allen Bildern, man muss sich die Zeit nehmen, sie in Ruhe zu betrachten und über sie nachdenken, dann kann man sie mehr und mehr verstehen.
Alle drei Aussagen haben eins gemeinsam. Sie reden von etwas, was eine Wirkung hat. Und sie fordern dass auch von einem Christen eine Wirkung ausgehen soll: Ein Christ, von dem keine Wirkung mehr ausgeht, ist wie Salz, das nicht mehr salzt, wie ein Licht, das man in einem geschlossenen Eimer versteckt. Das leuchtet keinem, das macht die Umgebung nicht hell. Und mit Salz, das nicht mehr salzig ist, kann man nichts anfangen. Das ist nicht mehr wert als Sand.
Man stelle sich vor: Ein Butterbrot oder ein Radieschen, eine Tomate, auf die man Sand streut! Das knirscht vielleicht, aber es schmeckt nicht. Sand in der Suppe und auf den Salzstängchen. Aber es geht gar nicht nur um den Geschmack.
Salz und Licht sind beide absolut lebensnotwendig. Ohne Salz und ohne Licht ist Leben nicht vorstellbar. Nicht nur für den guten Geschmack ist Salz notwendig, sondern für unseren Stoffwechsel, für unsere Organe, für unser Blut, für unser Gehirn ist es unverzichtbar. Wir brauchen nicht viel davon, fünf bis zwanzig Gramm pro Tag, je nachdem wie viel wir schwitzen, aber ohne Salz würden wir schnell sehr krank werden und bald sterben.
Wenn Jesus nun sagt: Ihr, die ihr mir nachfolgt, die ihr euch für die Gerechtigkeit und den Frieden einsetzt, seid das Salz der Erde, dann meint er damit, dass unsere Erde ohne wahre Christen krank wird und dem Tod verfallen ist. Wo keine Menschen sind, die Gottes Werte in das Leben einbringen, da herrschen nur noch Macht und Geld, Gier und Gewalt. Da drückt einer den anderen nieder. Da wird nicht mehr vergeben, sondern nur noch vergolten. Da zählt das Leben des Schwachen nichts mehr. Da geht es nur noch um Leistung und Produktivität, um Gewinn und Erfolg.
Wir leben ja in einer Zeit, in der christliche Werte immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden. Die Wahrheit, die Liebe zu Schwachen und Hilfsbedürftigen, Verantwortung füreinander, uneingeschränkter Lebensschutz. Familie und Ehe gelten immer weniger. Ungeborene Kinder werden nicht mehr durch das Gesetz geschützt, sondern sind menschlichen Umständen und Entscheidungen ausgeliefert. Lange bevor ein Kind das Licht der Welt erblicken darf müssen seine Gene auf den Prüfstand der pränatalen Diagnostik. Und wenn sie nicht der Norm entsprechen, fällen Menschen ihr Urteil, ihr Todesurteil: Du darfst nicht leben! Wenn Verbrecher in manchen Ländern dieser Erde zum Tod verurteilt werden, halten wir das für barbarisch und menschenunwürdig. Gleichzeitig schweigen die meisten dazu, dass in unserem Land Tag für Tag unschuldiges werdendes Leben getötet wird.
Der Sonntag fällt immer öfter dem Konsumzwang zum Opfer. Es gibt bald keinen Ladenschluss mehr, so wie es schon lang keinen Sendeschluss mehr gibt. Das wird uns als Fortschritt und Freiheit verkauft, aber in Wahrheit stecken nur kommerzielle Interessen der Konzerne und Medien dahinter, denen das Wohl der Gesellschaft und des Menschen völlig egal ist.
Ihr seid das Salz der Erde – Wir haben Verantwortung für alles, was um uns herum geschieht. Wenn wir dazu schweigen, wenn wir nur funktionierende kleine Rädchen in dem großen Räderwerk Wirtschaft sind. Wenn wir nicht mehr kritisch fragen, nicht mehr widersprechen, nicht mehr protestieren, dann sind wirSalz, das nicht mehr salzt. Ja, manchmal kommt mir auch unsere Kirche so vor, wie Salz, das nicht mehr salzt.
Ihre Vertreter sitzen in Kommissionen, nehmen Teil an Konferenzen,
beschreiben tonnenweise Papiere, wägen ab, arrangieren sich mit
der Wissenschaft, verbünden sich mit der Politik, widersprechen,
wenn überhaupt nur ganz leise. Ihr seid das Salz der Erde!?
Salz brennt in Wunden, hat auch ätzende Wirkung, es reinigt, bewahrt vor Fäulnis und Verderben. Man salzt Lebensmittel ein um sie haltbar zu machen, verwendet Salz zur Reinigung von Metallen.Ihr seid das Salz der Erde! Wo ist die ätzende Wirkung der Christen in der Gesellschaft? Wo sorgen wir für Reinigung von verdorbener schmutziger Phantasie. Das Gebot der Reinheit und Keuschheit ist längst gegen die heiligen Kühe der freien Kunst und Kultur ausgetauscht worden. Junge Menschen, die nicht frühzeitig sexuelle Erfahrungen sammeln werden mitleidig belächelt oder für krank und verklemmt und ihre Eltern für hoffnungslos altmodisch gehalten. Und viele Christen schweigen dazu oder beteiligen sich sogar an dem verdorbenen und ins Verderben führenden Spiel.
Ihr seid das Salz der Erde!? Wenn wir Jesu Worte ernst nehmen und wenn wir Salz der Erde bleiben wollen, dann müssen wir wieder mehr unseren Mund aufmachen und mutiger widersprechen. Dann müssen wir versuchen, auf die öffentliche Meinung Einfluss zu nehmen und dürfen nicht zu allem schweigen. Ja, ich fürchte viele, die in ihrem Herzen noch etwas von den Geboten halten und die unter der Gottlosigkeit der Gesellschaft leiden sind wie ein Licht unter dem Scheffel. Sie haben die Verdunkelungsparole ausgegeben.
Im zweiten Weltkrieg mussten alle Fenster und Öffnungen verdunkelt, abgedichtet werden, damit ja kein Lichtstrahl nach außen dringen konnte. Feindliche Bomberverbände sollten Städte oder Dörfer auf dem Berg oder auch im Tal nicht sehen können. Aus Angst vor den Bomben und aus Angst vor der Polizei hat man alles abgedunkelt.
Aus Angst vor der vernichtenden Kritik der gottfeindlichen Mächte und vor den Spottbomben der Weltmenschen dunkeln viele Christen ihr Licht, das sie haben, ängstlich ab. Keiner sieht es, keiner hört es, keiner weiß es in meinem Betrieb, meinem Amt, meiner Schule, meiner Straße, meinem Haus, vielleicht sogar in meiner Verwandtschaft, weiß es dass ich anders denke, dass ich an den heiligen Gott glaube, dass mir seine Gebote, Werte und Ordnungen wichtig sind.
Jesus fordert aber nicht zu einem Tarnkappenchristentum auf, von dem keiner was merkt und das nichts verändert, das keinerlei positive Wirkung hat.Er besteht darauf: Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt! Gebt Beispiel! Seid Vorbild! Lasst die Leute euere guten Werke sehen! Nicht damit ihr groß rauskommt, nicht um selbst geehrt zu werden, sondern damit die Menschen eueren Vater im Himmel preisen. Damit die Menschen um uns herum ins Nachdenken kommen und sich fragen, warum wir nein sagen und nicht bei allem mitmachen und gegen den Strom schwimmen.
Eine kleine evangelische Kirche in Frankreich hat den Namen: „Kirche der brennenden Lampen“. An jedem Sonntagabend versammelt man sich dort zum Gottesdienst. Jeder Besucher bringt eine kleine Öllampe mit. In der Kirche werden sie angezündet und auf die breiten Banklehnen gestellt. In der so erhellten Kirche feiern die Gemeindeglieder dann Gottesdienst.
Eingeführt wurde dieser Brauch bereits bald nach der Reformation,
im Jahr 1550. Seitdem erhält jedes Gemeindeglied, das seinen
Glauben bekennt, eine solche Lampe, die es bis zum Tod behalten und in
jeden Gottesdienst mitbringen soll. Schon über 450 Jahre wandern
jene Lampen von Hand zu Hand und jeder weiß, wenn er mit seiner
Lampe im Gottesdienst fehlt, wird es in der Kirche ein bisschen dunkler
sein. Die Kirche der brennenden Lampen ist ein Sinnbild für die
ganze Christenheit. Wessen Lampe dunkel und unbenutzt daheim steht, der
trägt zur Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit in unserer Welt bei,
denn: „Ihr seid das Licht der Welt!“
Einer der berühmtesten Clowns der Welt, Oleg Popov, inzwischen fast 80 Jahre alt und lebt, wenn er nicht gerade auftritt im fränkischen Egloffstein. Er hat eine Nummer, in der er mit dem Licht arbeitet und hintergründig etwas deutlich macht:
Die Manege ist zunächst dunkel, bis auf einen Scheinwerfer, der einen Lichtkegel an eine Stelle der Manege wirft. Popov kommt aus der Dunkelheit und geht ins Licht. Er setzt sich ins Licht und fühlt sich sichtlich wohl. Aber der Lichtkegel wandert weiter und der Clown sitzt wieder im Dunkeln. Er steht auf, nimmt sein Köfferchen und geht dem Licht nach. Das wiederholt sich mehrmals und das Zirkuspublikum amüsiert sich köstlich über den dummen August, der dem Licht nachläuft.
Irgendwann versucht der das Licht in seinem Köfferchen einzufangen. Nach einigen Fehlversuchen gelingt es ihm Der Koffer schlägt zu, das Licht ist drin und die Manege ist dunkel. Bis der Clown nach einer Weile sein Köfferchen wieder aufmacht und das Licht in die Manege schüttet. Plötzlich wird es ganz hell im Zelt. Weil einer sein Licht nicht versteckt, nicht gefangen hält, sondern es leuchten lässt.
Wenn wir das Licht, das wir im Glauben gefunden haben nicht verbergen, sondern den anderen weitergeben, wird es heller und freundlicher in unserer Umgebung. Jesus hat uns den Auftrag gegeben sein Licht auszubreiten, indem wir Gutes tun, uns einsetzen, anderen helfen. Wir sollen nicht die anderen kritisch beobachten und anklagen, sondern selber Vorbild sein.
Axel Kühner schreibt in einem seiner Bücher:
Die erste Predigt am Sonntag hält nicht der Pfarrer, sondern
wir selbst. Wir verkündigen die Freude, wenn wir am
Frühstückstisch fröhlich und freundlich zu unseren
Angehörigen sind. Wir heißen willkommen, indem wir Platz
machen denen, die nach uns kommen. Wir predigen Dank und Anbetung indem
wir glaubend mitsingen. Wir bezeugen die Macht des Gebets, wenn wir
nicht nur gedankenlos mitmurmeln. Wir verkündigen Sorgfalt und
Aufmerksamkeit, wenn wir bei den Mitteilungen zuhören und nicht
mit den Nachbarn schwätzen. Wir geben Gott die Ehre, wenn wir der
Orgel, dem Chor oder den Bläsern andächtig zuhören. Wir
üben Liebe, wenn wir pünktlich und freundlich, herzlich und
hilfsbereit sind. Mit Recht erwartet die Gemeinde vom Pfarrer eine gute
Predigt. Aber bevor er damit anfängt, sollten die Gemeindeglieder
ihre Predigt schon gelebt haben. (ÜLG S.131)
Nicht durch eigne Leistung, nicht durch Opfer oder Geld
wird einer von uns Salz der Erde oder Licht der Welt.
Unsre Kraft ist viel zu klein und unser Ich zu groß;
Aus eigenem Bemühen kommen wir davon nicht los.
Doch auch Scherben können strahlen,wenn die Sonne sie erhellt. Dann sind sie wie ein Spiegel einer himmlischen Welt.
Ja auch Christen können strahlen, wenn sie Gottes Glanz erhellt. Dann sind sie wie ein Spiegel einer himmlischen Welt.
Auch wenn wir uns manchmal wie nutzlose Scherben fühlen, können wir Gottes Licht widerspiegeln und werden zum Licht der Welt.
Amen.
Verfasser: Martin Schöppel, Dr.-Martin-Luther-Str. 18, 95445 Bayreuth, Tel. 0921/41168